Inés meines Herzens

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Suhrkamp, 2006, Titel: 'Inés del alma mia', Originalausgabe

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92

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Rita Dell'Agnese
Die bewegende Geschichte der Eroberung Chiles

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2008

Nahezu alle Eroberungs-Romane leben von blutigem Schlachtengetümmel. Auch Isabel Allende kommt in ihrem Roman um die Eroberung Chiles im 16. Jahrhundert nicht darum herum. Aber sie serviert diesen Bereich in erträglicher Dosierung, so dass die eigentliche Geschichte genügend Spielraum erhält, sich zu entwickeln und nicht im blutigen Gemetzel untergeht. Isabel Allende hat mit Inés Suárez eine faszinierende Frauenfigur geschaffen. Gerade, weil sich Inés nicht in die Reihen der Überheldinnen einreihen lässt, sondern eine Persönlichkeit ist, die sowohl Fehler macht, als auch ihre eigenen Interessen verfolgt, ist sie als Romanfigur absolut überzeugend. Allende setzt auf die Form einer Rückschau. Inés ist 70 Jahre alt, als sie ihrer Stieftochter Isabel ihre Lebensgeschichte erzählt.

Es ist die Geschichte einer Frau, die sich von den strengen Konventionen ihrer Heimat Spanien befreien will, in dem sie sich auf die Suche nach ihrem Ehemann macht, der in der neuen Welt sein Glück suchen wollte. Doch Inés erfährt in Südamerika von Tod ihres Mannes – und beginnt als Witwe ein völlig neues Leben, das sie zum großen Teil selber bestimmt. Umsichtig und mit viel Mut und List setzt sie ihre Träume um. Als Geliebte des Eroberers Pedro de Valdivia macht sie sich mit einem kümmerlichen Heer auf den Weg, um Chile zu erobern. Obwohl Inés in Pedro den Mann ihres Lebens gefunden zu haben scheint, kann sie sich mit dessen kriegerischem Ehrgeiz nicht ganz anfreunden. So findet sie ein spätes Glück an der Seite von Rodrigo de Quiroga, der die Verantwortung für die neue Kolonie trägt und dafür sorgt, dass seine Frau auf ein Leben in Wohlstand nicht zu verzichten braucht.

Intensive Erzählweise

Isabel Allende gehört zu den lateinamerikanischen Autorinnen, die sich nicht zwingend in ausufernden Details verlieren und dennoch in ihren Romanen eine gewisse Üppigkeit pflegen. So schafft es Allende, vor dem geistigen Auge ihrer Leserinnen und Leser lebendige Bilder entstehen zu lassen. Doch die Üppigkeit ist so gestaltet, dass sie die Geschichte selber zwar begleitet, nicht aber erdrückt. Zu jeder Zeit stehen die Figuren im Zentrum der Erzählung. Isabel Allende geht mit einer gehörigen Portion Humor an die Sache heran. Obwohl es Inés nicht gerade leicht hat, schafft sie es doch, ihrer Schilderung eine witzige Unternote zu verleihen und so den Eindruck zu erwecken, als habe sie ihr Leben vor allem als ein großes Abenteuer wahr genommen. Diese Erzählweise ist es auch, die dem teilweise recht intensiven Stoff die nötige Leichtigkeit verleiht, um ihn richtig zu genießen und nicht ein einziges Mal als belehrenden Geschichtsunterricht zu empfinden. Das, obwohl Isabel Allende nicht mit Einzelheiten über die Urbevölkerung Chiles, über beiderseitige Gräuel und über Helden spart.

Starke Vorlage

Mit ihrem Roman Inés meines Herzens legt Isabel Allende eine starke Leistung vor. Sie präsentiert dem Publikum genussvolle und gleichermaßen spannende Momente, lässt in längst vergangene Welten eintauchen und erzählt aus einer hierzulande nur wenig bekannten Welt. Denn über die ganze Zeit hinweg ist mühelos zu spüren, dass die Autorin mit der von ihr geschilderten Umwelt gut vertraut ist. Nur so konnte das umfassende und doch erstaunlich kompakte Werk entstehen, das sämtliche möglichen Ansprüche an einen historischen Roman zu befriedigen vermag. Die pointierte Wahl der Figuren ermöglicht es Isabel Allende, sowohl leise Kritik an der Gesellschaft zu üben, als auch die Hoffnungen – und vielfach die Enttäuschung – der Eroberer sichtbar zu machen und sie nahezu unkommentiert im Raum stehen zu lassen. Dank einer soliden Handarbeit ist es zudem kein Problem, der Geschichte zu folgen, obwohl immer wieder zeitliche Sprünge zu verkraften sind und es da und dort leichte Irritationen darüber geben könnte, in welcher Epoche sich eine Szenerie nun genau abspielt. Mit einem Personenregister wäre das an sich ausgezeichnete Buch gut bedient gewesen – das aufschlussreiche Nachwort bildet hingegen eine optimale Abrundung des Ganzen.

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Letzte Kommentare:
21.10.2019 20:42:56
alma

Ich habe es verschlungen. Mir hat hat es gefallen.

18.01.2009 23:17:00
asti

Die Weite, die Wüste und das wilde Land, die bleiben auch dann noch wenn die ganzen Handlungen des Romans schon vergessen sind. Ich erinnere mich daran, daß die Eroberung und Besiedlung Chiles eine blutige Sache war, daß dieser Juarez nach dem so viele Plätze gennannt wurden ein Schlächter war und hungern musste für sein kleines Dörfchen, das erst später eine Hauptstadt wurde.
Besonders ist die Treue zur historischen Vorlage. Es ist selten, daß die Fantasie nicht alle Fakten scheinbar unwichtig macht. Hier bleiben sie erhalten. Daher handelt es sich bei diesem Buch um einen echten Bildungsroman, der dem Leser hilft die Lateinamerikanische Geschichte besser zu verstehen. Und trotzdem: Spannend, blutrünstig und hocherotisch. Und dabei diese Weite, das wüste Land das dem Leser erhalten bleibt.

06.05.2008 18:29:56
uli

Ein historischer Roman von Frau Allende. Nun ja, sie hat sich seit dem Meisterwerk Das Geisterhaus an so manchem versucht, ohne je wieder das Niveau ihres Erstlings zu erreichen. Dieses Buch ist mit Sicherheit gute Unterhaltung, denn Allende kann zweifellos erzählen. Die Figur der Ines ist mir allerdings etwas zu künstlich. So viel Heldenmut, wie diese Frau an den Tag legt, erscheint mir zu übermenschlich. Überhaupt vermisse ich Kritik an der Eroberung Chiles durch die Spanier. Die Landnahme war mit ungeheuren Verbrechen an den Indios verbunden, aber Frau Allende interessiert das nicht sonderlich. Gut ist die Schilderung der harten Lebenstände, denen die ersten Siedeler in Chile ausgesetzt waren. ich hätte mir aber etwas mehr kritische Distanz zu den historischen Ereignissen gewünscht.