Donaudämmerung von Thomas Buchner

Buchvorstellungund Rezension

Donaudämmerung von Thomas Buchner

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Donaudämmerung“,, 288 Seiten.ISBN 370997884X.

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Kurzgefasst:

1939. Die Aufregung ist groß, als Hermann Göring zur Einweihung der „Reichswerke Hermann Göring“ persönlich in Linz erscheint. Kurz darauf wird eine Frau erstochen in ihrer Wohnung aufgefunden. Gerüchte besagen, sie sei eine Tante von Göring gewesen. Noch dazu soll die Ermordete eine größere Geldmenge in ihrer Wohnung gebunkert und ihre Nachbarn mittels Denunziationsbriefen erpresst haben. Sofort wird der Mordfall zum kriminalistischen Skandal, der den eigentlich recht behäbigen Bezirksinspektor Josef Steininger ganz schön auf Trab bringt: Mit höchster Dringlichkeit und der Gestapo im Nacken muss Steininger schleunigst den Mörder finden - und wird mit zahlreichen Verdächtigen und tiefen menschlichen Abgründen konfrontiert.

Das meint Histo-Couch.de: „Angespannte Stimmungslage kurz vor Kriegsausbruch“70

Rezension von Jörg Kijanski

Gut vier Jahre ist es her, da ermittelte Bezirksinspektor Josef Steininger im Fall Schinagl und gab damit sein Debüt. Seitdem ist einiges geschehen. Inzwischen ist es Mitte August des Jahres 1939, der Anschluss Österreichs ist längst erfolgt und die Meldungen über gewalttätige Vorkommnisse in Polen, vor allem in Danzig, überschlagen sich. Fast alle rechnen inzwischen damit, dass es zum Krieg kommt. Steininger, inzwischen zum Kommissar aufgestiegen, hat derweil ein anderes Problem, welches ihn in seiner täglichen Gemütlichkeit arg stört. Als sein Kriminalassistent Adolf Ertl auf Drängen seiner Frau seine frühere Vermieterin Ernestine Bremstaller zum Kaffee einladen möchte, findet er diese erstochen in ihrer Wohnung vor. Verdächtig sind vor allem die übrigen Hausbewohner, doch zunächst treten die Ermittlungen auf der Stelle, da die Alibis alle zu passen scheinen. Dann macht das Gerücht die Runde, die ermordete Bremstaller sei eine Tante von Reichsfeldmarschall Göring, was die Linzer Gestapo auf den Plan ruft. Dort hat inzwischen Friedrich Sedlak gewaltigen Einfluss, einst ein unbeliebter Mitarbeiter von Steininger. Undurchsichtige Ermittlungen, die Gestapo im Nacken, dazu noch eine junge Kollegin aus Wien neu an seiner Seite. Was sind das nur für Zeiten?

Verzwickter Krimi, zeithistorischer Hintergrund, viel Privatleben

Im zweiten Fall für Josef Steininger bleibt vieles beim Alten. Der inzwischen zum Kommissar beförderte Dauernörgler ist mit seinem Umfeld höchst unzufrieden. Seine Kollegen sind allesamt Deppen, teils dazu noch schwerhörig und zu allem Überfluss erstmals eine junge Frau als Ermittlerin im Team. Derweil ist Steininger selbst der mitunter größte Trottel, dem eine gesunde Mahlzeit, die gerne aus mehreren Schnitzeln bestehen kann, sowie reichlich alkoholhaltige Getränke – selbstredend auch während der Dienstzeit – allemal wichtiger sind als die Leitung der Ermittlungen. Diese sind und waren nie seine Stärke, allein man fragt sich, warum so einer überhaupt bei der Polizei arbeiten darf? Zuhause gibt es die bekannten Streitereien mit seiner Mizzi, die gar nicht glücklich darüber ist, dass es ihren Sohn Rudi zur SS zieht.

„Da sind Sie endlich, Herr Kommissar! Ich glaube, wir sind der Lösung des Falles um einiges näher gekommen!“

„Fräulein Rabitsch. Falls Sie es noch nicht gehört haben sollten, der Fall Bremstaller ist geklärt.“

„Geklärt?“

„Genau. Der [...] hat ein Geständnis abgelegt. Der Fall Bremstaller ist erledigt.“

„Aber, was soll das Motiv sein?“

„Fräulein Rabitsch, wenn ein Kriminalist ein Geständnis hat, braucht er nix mehr auf der Welt. Da wird jedes Alibi und jedes Motiv wurscht.“

Das politische Zeitgeschehen kurz vor Kriegsbeginn wird angerissen, die Machtverhältnisse zwischen örtlicher Polizei und Gestapo ebenfalls. Hier wäre mehr möglich gewesen und so bildet nicht zuletzt erneut das Privatleben des Protagonisten einen Hauptteil der Handlung. Hier liegt jedoch ein Problem, denn so unterhaltsam es sein mag, dem cholerischen Kommissar bei seinen meist peinlichen Ermittlungsversuchen zuzuschauen, so bleibt die Figur doch weitgehend unsympathisch. Da verwundert es kaum noch, dass er sich dazu durchgerungen hat, die Mitgliedschaft in der Partei zu beantragen, um nicht noch weiter aufzufallen. Für Ermittlungspannen sollen bitteschön die Kollegen geradestehen, die sich redlich Mühe geben, diesen Anspruch zu erfüllen. So bleibt es – wenig überraschend – der neuen Kollegin Anna Rabitsch letztlich vorbehalten, den undurchsichtigen Fall zu lösen, nachdem die Gestapo nur allzu schnell einen Täter präsentierte, der – praktischerweise – bereits unmittelbar nach seinem Geständnis verstarb.

Wer auf skurrile Typen und die sich daraus ergebenden Tollpatschigkeiten steht, der darf zugreifen. Die Vorkriegsstimmung ist gekonnt eingefangen, allerdings sorgen die Art der Auflösung sowie das Ende des Romans für eine Magenverstimmung.

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