Die Gentlemen vom Sebastian Club von Sophie Oliver

Buchvorstellungund Rezension

Die Gentlemen vom Sebastian Club von Sophie Oliver

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Die Gentlemen vom Sebastian Club“,, 280 Seiten.ISBN 978-3940855756.

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Kurzgefasst:

London, 1895: Eine Mordserie erschüttert die Stadt. Die Opfer gehören verschiedenen Gesellschaftsschichten an und werden scheinbar zufällig ausgewählt. So zufällig, dass die Metropolitan Police nicht an einen Einzeltäter glaubt. Ein Fall für die Ermittler des Sebastian Club, eines vornehmen Londoner Herrenclubs, der sich zum Ziel gesetzt hat, Verbrechen aufzuklären, an denen Scotland Yard scheitert. Die Gentlemen entdecken ein Muster hinter den Gräueltaten: Um an ein wertvolles Juwel zu gelangen, setzt der Täter mittelalterliche Foltermethoden ein. Für die Detektive ist die Sache klar: Der Mörder muss schnellstens zur Strecke gebracht werden. Um jeden Preis. Auch mit Hilfe einer schlauen jungen Frau, die sich als Mann verkleidet, um ermitteln zu dürfen.

Das meint Histo-Couch.de: „Solider viktorianischer Cozy-Krimi“72

Rezension von Eva Schuster

London im Jahr 1895: Innerhalb kurzer Zeit werden drei Männer ermordet; vor ihrem Tod wurden sie gefoltert. Da alle drei aus unterschiedlichen Schichten stammen und nichts miteinander zu tun haben scheinen, findet Scotland Yard keinen Zusammenhang und somit keine Spur zum Täter.

Hier kommt der Sebastian Club ins Spiel. Fünf Mitglieder des vornehmen Herrenclubs haben es sich zum Ziel gemacht, Verbrechen aufzuklären, bei denen die Polizei nicht weiterkommt so wie in diesen drei Fällen. Neu in diesem illustren Kreis ist der junge Freddie Westbrook, eingeführt durch seinen Onkel Lord Philip Dabinott. Die anderen Mitglieder ahnen allerdings nicht, dass Freddie tatsächlich eine clevere junge Frau ist.

Die Mitglieder ermitteln bald, dass der Mörder offenbar ein kostbares Juwel sucht und bei seinen Opfern mittelalterliche Foltermethoden anwendet, um an Informationen zu kommen. Die Nachforschungen werden allmählich vor allem für Freddie gefährlich, die mehr Risiko eingeht, als ihrem Onkel lieb ist …

Vier echte und ein Pseudo-Gentleman

Originell ist es natürlich nicht, eine als Mann verkleidete Frau zur Protagonistin eines historischen Romans zu machen. Angenehmerweise nimmt diese Scharade aber keine allzu große Rolle in der Handlung ein. Sophie Olivers Die Gentlemen vom Sebastian Club ist in erster Linie ein leichter viktorianischer Krimi, der zwischen solider Spannung und Amüsement hin und her pendelt.

Die Idee von fünf Amateurermittlern aus vornehmen Kreisen wird recht gelungen umgesetzt, wenngleich bei den Charakteren noch Luft nach oben in Sachen Vertiefung gewesen wäre. Im Mittelpunkt steht das interessante Gespann Frederique „Freddie“ Westbrook und ihr junger charmanter Onkel Philip. Freddie wurde bereits als kleines Mädchen zur Vollwaise, erlebte eine abenteuerreiche Kindheit und Jugend bei ihrer Tante in Hongkong und wird nun in die Londoner Gesellschaft eingeführt. Freddie ist allerdings keine typische viktorianische Lady; mehr als steife Korsetts und elegante Kleider schätzt sie intelligente Gespräche und aufregende Unternehmungen, was ihr als Frau natürlich kaum gestattet wird. Da kommt es ihr nur recht, dass ihr Onkel ihre unkonventionellen Interessen unterstützt und sie als seinen Neffen ausgibt was natürlich trotz Freddies dunkler Stimme und ihrer knabenhaften Figur ein riskantes Unterfangen ist.

Freddie ist freilich keine außergewöhnliche Figur, sondern reiht sich ein in die Riege ähnlicher Protagonistinnen, die ihrer Zeit voraus sind und sich in einer männerdominierten Gesellschaft behaupten. Sie ist kein unvergesslicher Charakter, ebensowenig ihr sympathischer Onkel, ihre klatschfreudige Freundin Mabel oder der junge Anwalt und Ermittlungs-Kollege Crispin, der Freddie allzu gut gefällt. Aber es sind solide Figuren, deren Abenteuer man gerne verfolgt, und auch der Humor kommt in ihren Dialogen nicht zu kurz.

London im ausgehenden 19. Jahrhundert

Die Lebensgewohnheiten der oberen und unteren Schichten des viktorianischen Englands werden anschaulich geschildert. Mal sind der ehrwürdige Club, der weitläufige Hyde Park und vornehme Häuser die Schauplätze, andere Male die finsteren Gassen und heruntergekommenen Mietshäuser in den Armenvierteln in East London. Es gibt Einblicke in das gesellschaftliche Leben der Reichen und Schönen, ganz nebenbei fließen auch allerlei Informationen zur damaligen Technik, zur Kleidung, zu Recht und Gesetz ein. Ein wenig zu kurz kommen zeitgenössische Ereignisse, selten werden solche mal en passant erwähnt – etwa die Mordserie Jack the Rippers und der Prozess gegen Autor Oscar Wilde.

Der Kriminalfall ist recht unterhaltsam, Hochspannung wird jedoch nicht geboten. Die Ermittlungen gehen die meiste Zeit gemächlich voran, ergänzt durch die eine oder andere riskante Aktion von Freddie, ihrem Onkel und Crispin. Im letzten Viertel entwickelt sich die Handlung etwas dramatischer, ein Pageturner ist der Roman aber nicht, und auch die Auflösung ist keine extreme Überraschung.

Unterm Strich bieten Die Gentlemen vom Sebastian Club charmante Krimiunterhaltung der ruhigeren Art. Der nächste Fall der Amateur-Ermittler wird schon am Ende angedeutet – und auf ein Wiedersehen mit Freddie und ihrem Onkel hat der Leser nach der Lektüre durchaus Lust.

Ihre Meinung zu »Sophie Oliver: Die Gentlemen vom Sebastian Club«

wampy zu »Sophie Oliver: Die Gentlemen vom Sebastian Club«18.08.2018
Buchmeinung zu Sophie Oliver – Die Gentlemen vom Sebastian Club

„Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein Kriminalroman von Sophie Oliver, der 2018 im Dryas Verlag erschienen ist.

Meine Meinung:
Der Einstieg in das Buch war vielversprechend, aber so blieb es leider nicht. Die Geschichte von der jungen Dame, die als Mann ermittelt, verliert schnell ihren Reiz. Zudem fehlt es lange an Atmosphäre und viktorianischem Flair. Die Figuren sind durchweg flach gestaltet und auch die Spannung hält sich trotz mehrerer Tote meist in engen Grenzen. Ab der Mitte des Buches wird es deutlich besser, aber der Gesamteindruck bleibt bescheiden. Die Hauptfigur konnte mich nicht überzeugen und hat mich weder positiv noch negativ berührt. Dann gab es auch noch eine unnötige Liebesgeschichte, die dem Buch nicht gut getan hat.

Fazit:
Mir hat das Buch in weiten Teilen nicht gepackt, die Figuren haben mich kalt gelassen und auch die Spannung war überschaubar. Auch atmosphärisch blieben viele Wünsche offen. Deshalb gibt es zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Buch nicht.
PMelittaM zu »Sophie Oliver: Die Gentlemen vom Sebastian Club«11.05.2018
1895: Im vornehmen Londoner Sebastian Club gibt es eine kleine Gruppe, die in Kriminalfällen, bei denen die Polizei keine Erfolge aufweisen kann, ermitteln. Der neue Fall scheint besonders schwierig, es gibt mehrere Tote aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, die aber offensichtlich auf gleiche Weise getötet wurden – handelt es sich hier um mehrere oder nur einen einzelnen Täter? Dass das neue Mitglied Freddie Westbrook nicht der ist, der er zu sein scheint, weiß zunächst nur der Leser.

Die Kriminalromane aus der Baker-Street-Bibliothek des Dryas-Verlages haben alle eine optische Besonderheit, den farbigen Buchschnitt. Hier ist er grün und nimmt damit eine der Farbnuancen des Covers auf – ich mag das sehr!

Der Roman scheint auf den ersten Blick perfekt in mein Leseschema zu passen, ich mag historische Romane und besonders auch die, die im viktorianischen England spielen. Leider musste ich im Laufe der Lektüre feststellen, dass dieser Roman mich nicht überzeugen konnte.

Zum einen liegt das an den Charakteren, die mir zu oberflächlich gezeichnet sind. Gerade Freddie mit seinem Geheimnis hätte sich gut geeignet für eine tiefergehende Charakterisierung, und auch das Geheimnis und seine, vor allem gesellschaftliche, Problematik sind mir zu oberflächlich ausgearbeitet. Ich mag aber seine unkonventionelle Art, die auch seinem Onkel, Lord Philip Dabinott zu eigen ist.

Auch der Fall kann mich nicht überzeugen. Ich wusste leider schon sehr früh, wer dahinter steckt, und ich denke, dass das vielen aufmerksamen Lesern ähnlich gehen wird. Wenn dann wenigstens die Ermittlungen der Clubmitglieder interessant und spannend gewesen wären – für mich waren sie das aber leider nicht, im Gegenteil, ich empfand das Geschehen oftmals sehr langatmig.

Bleibt die Einbettung in den historischen Hintergrund. Auch da scheint mir nicht alles wirklich gelungen, hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass es daran mangelt, dann wieder kamen Dinge zur Sprache, die doch einiges an Zeitkolorit einfließen lassen, wie z. B. der Prozess um Oscar Wilde. Wie oben schon ausgeführt, fehlt es auch bei Freddies Geheimnis an der Zeit angemessenen Bezügen bzw. kamen diese nur verkürzt zur Sprache. Insgesamt hätte ich mir mehr Zeitkolorit gewünscht.

Alles in allem konnte mich dieser, in meinen Augen bestenfalls mittelmäßige Roman nicht überzeugen. Eine Empfehlung möchte ich nicht aussprechen. 49°
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