Die letzte Eskorte von Sean Thomas Russell

Buchvorstellungund Rezension

Die letzte Eskorte von Sean Thomas Russell

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „A Battle Won“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 608 Seiten.ISBN 3-404-16651-5.Übersetzung ins Deutsche von Dr. Holger Hanowell.

»Die letzte Eskorte« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

Kurzgefasst:

England, Winter 1793. Nachdem Charles Hayden einer Verurteilung durch das Kriegsgericht nur haarscharf entgangen ist, wird der junge Royal Navy Offizier erneut auf die Unglücksfregatte Themis beordert. Sein Auftrag diesmal: als so genannter „Acting Captain“ einen Versorgungskonvoi sicher ins Mittelmeer eskortieren. Doch schon bald erscheinen dunkle Wolken am Horizont – und Hayden macht seinem Ruf, Feinde anzuziehen wie ein Magnet, alle Ehre …

Das meint Histo-Couch.de: „Die Seefahrersaga geht schwungvoll weiter!“92Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Charles Hayden ist nur knapp einer Verurteilung durch das Kriegsgericht der britischen Navy entgangen und soll nun eine Versorgungsflotte nach Gibraltar eskortieren. Als vorläufiger Kapitän bekommt er das vorläufige Kommando über die „Themis“, sein altes Schiff, das kein anderer Kapitän haben möchte. Schon auf dieser Eskorte macht er sich bei seinen Vorgesetzten unbeliebt, als in einer dichten Nebelbank die Franzosen angreifen und Hayden versucht, zu retten, was zu retten ist.

In Gibraltar angekommen, bekommt er abermals den Befehl über die „Themis“ und soll nach Korsika segeln, wo die Briten die Korsen im Kampf gegen die Franzosen unterstützen sollen. Gemeinsam mit seinem Midshipman Gould macht er sich auf Richtung Korsika, wo klar wird, dass Navy und Landheer sich misstrauisch gegenüberstehen und nun zur Zusammenarbeit gezwungen sind.

In Oberst Moore findet Hayden einen Verbündeten unter der Armee, und gemeinsam versuchen sie, Kanonen über unwegsame Pfade auf Felsen zu schleppen, um das Lager der Franzosen angreifen zu können. Keine leichte Aufgabe, doch Hayden war schon immer der Mann für die schwierigen Fälle, obwohl ihm nachgesagt wird, dass er die Feinde anzieht wie ein Magnet.

Konvoi nach Gibraltar

Nach seiner erfolgreichen Premiere lässt Autor Sean Thomas Russel seinen Helden Charles Hayden, nunmehr „Acting Captain“, das heisst nur vorübergehender Kapitän, bereits zum zweiten Mal die Farben der Royal Navy durch die Weltmeere fahren. Der Roman schliesst direkt an seinen Vorgänger „Unter feindlicher Flagge“ an, allerdings kann er auch ohne diese Vorkenntnis genossen werden.

Erneut schart Hayden seine erfolgreiche Crew um sich, erweitert durch zwei Geistliche, die bis Gibraltar mitfahren sollen. Dabei ist der Geistliche Griffiths eher bereit, sich den Begebenheiten an Bord anzupassen als Dr. Worthing, der gar Intrigen spinnt und sich bei allen an Bord unbeliebt macht und so vor allem den Zorn Haydens auf sich zieht. Eine unerwartete Baustelle, die Hayden noch viel Kraft kosten wird, aber für eine zusätzliche Würze im Roman sorgt.

Lehrreich und spannend

Mit vier Schiffen begleiten sie einen Konvoi durch die Biskaya nach Gibraltar, wobei Hayden nicht den Oberbefehl hat. Aber er hat mit Mr. Wickham einen Mann an Bord, der so scharf sehen kann wie sonst niemand, und so ahnen sie durch die aufziehende Nebelbank eher als die anderen Schiffe, dass die von den Franzosen verfolgt werden. Niemand glaubt ihm, doch als die Franzosen im Nebel angreifen, ist es zu spät. Hayden sieht sich gezwungen, den Oberbefehl zu übernehmen und schließlich die Schiffe nach Gibraltar zu bringen. Natürlich hat er damit bereits wieder Ärger am Hals, hätte er nicht inzwischen ein paar Freunde in der Navy, die seinen Bericht und die von anderen Kapitänen richtig einordnen können.

Geschickt beschreibt Russell die Fahrten der Themis und der anderen Schiffe, und trotz dem einen oder anderen nautischen Fachbegriff ist man immer mittendrin statt nur dabei. Russell lässt seine Leser mitfiebern und das Salzwasser schmecken, und wenn Schiffe ineinander krachen, rüttelt es auch den Leser ordentlich durch. Egal ob zu Wasser oder zu Lande, Russell behält den Überblick und weiß dies dem Leser auch auf äußerst unterhaltsame Weise mitzuteilen, ohne den lehrhaften Finger zu heben. Man lernt viel über die verschiedenen Kanonen und deren Ausrichtung und wie sie transportiert werden können, doch diese Informationen werden geschickt in die Handlung und die Gespräche mit einbezogen.

Humorvoll

Auch taktisch ist der Leser immer mit Hayden auf Augenhöhe. Da der Leser nie mehr weiß als Hayden und auch sonst die Erzählperspektive nie wechselt, ist man immer aktuell informiert, ohne zusätzliche Kenntnisse zu bekommen. All dies wird mit einer gehörigen Priese britischen Humors und Understatements erzählt. Sehr humorvoll ist auch eine eingeschobene Golfpartie an Land, die für eine ordentliche Portion Amüsement sorgt, wenn auch diese Szene mit der Handlung eigentlich nichts zu tun hat. Aber man kann der Mannschaft ja auch mal eine Auszeit gönnen.

Bei Haydens Ausflug nach Korsika bringt der Autor den Leser mühelos auf die Insel und beschreibt die Schwierigkeiten, mit denen man Kanonen an Land bringen und vor allem die steilen Berge hinauf in Position bringt. Hier wird erneut deutlich, dass zur Zeit der Französischen Revolution andere zeitliche Dimensionen galten und man mehr in Tagen rechnete als heutzutage in Stunden oder Minuten.

Mehr davon!

Wenn Hayden mit der Themis am Ende des Buches wieder in See sticht, hat man knapp 600 Seiten Abenteuer im Stil von Master and Commander oder Hornblower hinter sich und kann sich bereits auf weitere Abenteuer mit der Crew freuen. Sean Thomas Russell erweist sich als brillanter Erzähler, der den Leser mit Schwung und Humor in die spannende Zeit der Französischen Revolution auf See entführt und sich nicht vor seinen prominenten Kollegen verstecken braucht.

Ein historisches Nachwort, Danksagungen und ein Glossar ergänzen den spannenden und abwechslungsreichen Roman, der sich flüssig wegliest und das Herz jeden nautischen Fans höher schlagen lässt. Mit Freude erwarten wir die nächsten Abenteuer!

Ihre Meinung zu »Sean Thomas Russell: Die letzte Eskorte«

Ihr Kommentar zu Die letzte Eskorte

Hinweis:Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen.Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre.Werbung ist nicht gestattet.Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.