Die letzte Borgia von Sarah Dunant

Buchvorstellungund Rezension

Die letzte Borgia von Sarah Dunant

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „In the Name of the Family“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 522 Seiten.ISBN 345836319X.Übersetzung ins Deutsche von Peter Knecht.

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Kurzgefasst:

Es ist das Jahr 1502. Die Gerüchte um Lucrezia Borgia sind zahlreicher denn je, in den Straßen ganz Italiens hört man es raunen: von Lucrezias angeblicher Affäre mit ihrem Bruder Cesare, von der verbotenen Liebe zu ihrem Vater, dem Papst Alexander VI., von Mord und Orgien. Doch wo Lucrezia selbst auftaucht, verstummen die Stimmen – mit ihrer Anmut und ihrem Geschick verzaubert sie die Höfe Italiens. Und gut verbirgt sie dabei ihr Geheimnis, dass nämlich nicht jedes Gerücht unbegründet ist: Tatsächlich hat Cesare aus Eifersucht Lucrezias Ehemann ermordet, ihre große Liebe. Doch einer Borgia werden Wut und Trauer nicht nachgesehen, Lucrezia hat eine Aufgabe zu erfüllen: Eine neue Stadt wartet auf sie, eine neue Liebe und das nächste gefährliche Spiel um Macht und Reichtum.

Das meint Histo-Couch.de: „Liebe, Kunst und Laster“92Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 1502 wird Lucrezia Borgia zum dritten Mal verheiratet, diesmal mit Alfonso dEste, dem zukünftigen Herzog von Ferrara. Bereits zweimal hat Lucrezias Vater Papst Alexander VI. seine Tochter zugunsten einer ausgeklügelten Machtpolitik verschachert. Seine übergroße Liebe zu ihr hindert ihn daran, sie einzusetzen wie eine Schachfigur. In Ferrara empfängt man Lucrezia mit gemischten Gefühlen, gehen doch viele bösartige Gerüchte über sie um. Skrupellos soll sie sein, Sex mit dem eigenen Vater soll sie gehabt haben, oder mit dem Bruder, oder mit beiden, ist doch egal. Niemand kann sich sicher fühlen vor so einer Schlange! Aber die gewaltige Mitgift, mit der der Papst seine Tochter ausgestattet hat, versüßt dem noch regierenden Herzog Ercole die nicht standesgemäße Schwiegertochter. Dennoch vertraut ihr niemand, arbeiten ihr Vater und ihr Bruder Cesare doch weiter daran, ein Fürstentum Italiens nach dem anderen zu unterwerfen und dem zukünftigen Borgia-Staat einzuverleiben. Nichts scheint Cesare aufhalten zu können, nicht einmal die geheimnisvolle Krankheit, an der er leidet.

Lucrezia weiß, dass sie am Hof von Ferrara keinen sicheren Stand hat. Doch mit ihrem Charme, ihrem Interesse für Kultur und Kunst, nicht zuletzt auch durch ihre offene, freundliche Art gewinnt sie Verbündete, zieht Menschen auf ihre Seite. Und sogar ihr Ehemann beginnt, sich für sie zu interessieren. Aber dann wendet sich das Glück von den Borgias ab und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Lucrezia in Ferrara unerwünscht sein und vom Hofe verbannt werden wird.

Porträt einer Familie

Sarah Dunant hat mit Die letzte Borgia eine Fortsetzung zu Der Palast der Borgia geschrieben. Sie verfolgt die Geschichte der Familie bis zum bitteren Ende, den Focus zwar auf Lucrezia gerichtet, aber ohne dabei Alexander VI. und Cesare außer Acht zu lassen. Dabei zeigt sich die Autorin ein weiteres Mal als Meisterin der Feder wenn es darum geht, Stimmungen einzufangen, Situationen zu beschreiben und Protagonisten zu charakterisieren. So scheint man fast die knisternde Spannung zu spüren, als Alfonso Lucrezia zum ersten Mal gegenüber steht. Dabei hat sich die Autorin auch intensiv mit dem Persönlichkeitsbild ihrer historisch belegten Protagonisten auseinander gesetzt und hat nicht jedes plakative Urteil mit übernommen. Vielmehr ist Sarah Dunant hier mit viel Fingerspitzengefühl zu Werke gegangen, hat komplexe Charaktere entworfen und mit Leben erfüllt. Bis in die Nebenrollen hinein hat die Autorin hier mit viel Liebe zum Detail und mit lebensklugem Blick auf die Rollen der einzelnen Personen hier glaubhafte, authentisch wirkende Protagonisten erschaffen. Gerade bei Cesare und Lucrezia sind regelrechte literarische Porträts entstanden.

Der Roman wechselt immer wieder die Schauplätze, die Handlung spielt sowohl in Ferrara als auch in Rom, in den verschiedenen Quartieren Cesare Borgias und auch in Florenz, denn der Schriftsteller und Philosoph Niccolò Macchiavelli taucht in verschiedenen Szenen auf, begleitet den Aufstieg und den Untergang der Borgias mit seinen Analysen und Kommentaren.

Eine Frau inmitten von Politik

Schon seit geraumer Zeit gilt Lucrezia Borgia nicht mehr als das Sinnbild von Lasterhaftigkeit und Verdorbenheit. Moderne Geschichtsforscher haben es geschafft, den jahrhundertelangen Rufmord an dieser Frau zumindest teilweise zu korrigieren. Sarah Dunant stellt ihre Lucrezia mitten hinein in politisches Ränkespiel und dramatische Familienbeziehungen, zeigt sie als Ehefrau, als Schwester eines geradezu eifersüchtigen Bruders, als Mäzenin der Künste und ebenso als starke Kämpferin, wenn es um ihre Stellung und ihren Einfluss bei Hofe geht. Oft sind es kleine, feine Situationen, in denen sich Lucrezia bewähren und ihre Stellung wahren muss. Als Leser bekommt man einen tiefen Einblick in die Intrigen des italienischen Adels ebenso wie in die große Politik. Hier geht es um eine Zeit, in der Italien zerrissen und Spielball verschiedener Mächte war. Frankreich wollte ein großes Stück vom Kuchen, Spanien ebenso, Städterepubliken und Herzogtümer versuchten, mit dem Rücken an die Wand zu kommen, und mittendrin träumten Alexander VI. und sein Sohn von einem Borgia-Staat. Grundsätzlich geht die Autorin davon aus, dass ihre Leser zumindest in groben Zügen die Geschichte Italiens kennen. Es gibt keine umfassenden Erläuterungen dazu. Aber man erfährt beim Lesen sehr viel über die Politik dieser Zeit. Sarah Dunant hat ihre Hausaufgaben gemacht und kann ihr Wissen mit leichter Hand an ihre Leser weitergeben.

Ein opulentes Historienbild

Die Letzte Borgia ist spannend und auch unterhaltsam geschrieben. Ein hervorragend recherchierter Roman, mit dem man sich gut für einige Stunden aus der Realität zurückziehen und eine Reise in die Welt der Renaissance antreten kann. Das Nachwort der Autorin und eine Zeitleiste zu Aufstieg und Fall der Borgias runden das Ganze ab. Viele interessante Details ergeben in den Schilderungen Sarah Dunants ein farbenprächtiges, opulentes Historienbild, das den Leser dazu einlädt, in diese Welt einzutauchen, sich in ihr zu bewegen und spannenden Menschen zu begegnen. Es sind wohl die besten Romane, die beim Lesen in unseren Köpfen einen solchen Film ablaufen lassen. Die letzte Borgia gehört zu diesen Romanen.

Ihre Meinung zu »Sarah Dunant: Die letzte Borgia«

wampy zu »Sarah Dunant: Die letzte Borgia«08.04.2018
Buchmeinung zu Sarah Dunant – Die letzte Borgia

Meine Meinung:
Der englische Originaltitel kommt dem Inhalt näher, als es der deutsche Titel tut. Es geht um die Familie Borgia, um Lukrezia, aber auch um ihren Bruder Cesare und ihren Vater, Papst Alexander. Dazu gibt es einige Abschnitte, die sich mit Niccolo Machiavelli und mit seiner Sicht der Dinge beschäftigen. Gerade diese Abschnitte haben mich sehr fasziniert. Machiavelli war als florentinischer Diplomat von berufswegen mit der Lage in Italien beschäftigt und aus seiner Sicht spricht eine gewisse Bewunderung für die Familie Borgia, vor allem für Cesare Borgia. Bei Sarah Dunant kommen die Borgias erheblich besser weg als in anderen Veröffentlichungen, ohne sie dabei zu glorifizieren. Es wird eine Zeit dargestellt, in der Gewalt, Korruption und Intrigen das politische Leben bestimmten. Dazu kommen Krankheiten wie Syphilis (Franzosenkrankheit) und Malaria (Sommerfieber), denen die Menschen mehr oder weniger hilflos gegenüber standen. Italien war in seiner Form von Stadtstaaten und Herzogtümern, die sich oft gegenseitig bekriegten, ein Spielball der Interessen Frankreichs und Spaniens.
Lukrezia Borgia ist eine starke und schöne Frau, die mit Anfang 20 zum dritten Male aus Familieninteresse heiratet. Auf der Reise zu ihrem neuen Gatten besucht sie diverse Städte und Herzogtümer, die sie mit ihrer Schönheit und ihrer Ausstrahlung erobert. Sie ist quasi die friedliche Eroberin, während ihr Bruder für die Gewalt steht. Sie lebt außerhalb des direkten Einflussbereiches der Borgia und ist auf ihre eigenen Fähigkeiten angewiesen. Sie wird als eindrucksvolle und charismatische Figur beschrieben, die sich mit Hingabe und Erfolg dieser Aufgabe widmet. Die Autorin vermutet, dass Lukrezia unter der Franzosenkrankheit litt, mit der sie wahrscheinlich ihr neuer Ehemann angesteckt hat.
Papst Alexander und Cesare Borgia werden als erfolgreiche Herrscher dargestellt, die zwar keine Skrupel bei der Wahl ihrer Mittel kennen, die aber einen politischen Weitblick haben, der zu dieser Zeit einzigartig ist. Auch sorgen sie in den von ihnen regierten Regionen für Sicherheit und Ordnung für die Bevölkerung. Dabei ist Cesare auch eine Art Glücksritter, der Chancen zu ergreifen versteht und seine Gegner immer wieder zu überraschen versteht.
Der Fokus des Buches liegt auf den drei Borgia, aber auch die Figuren in ihrem direkten Umfeld werden eindrucksvoll dargestellt. Figuren wie der Zeremonienmeister des Papstes und des Leibwächters Cesare Borgias sind ihren Herrn treu ergeben und tragen viel zum Erfolg der Familie Borgia bei. Sehr beeindruckt haben mich auch die Abschnitte, die sich der Franzosenkrankheit und ihren Ausprägungen vor allem bei Cesare Borgia widmen. Es ist erstaunlich, dass ein derart geplagter Mensch zu diesen Taten fähig gewesen ist. Insgesamt wurde diesem Bereich aber zu viel Platz eingeräumt.
Die Autorin wechselt häufig die Perspektive und gerade die Sicht Machiavellis hat mich überzeugt. Sie schreibt eindrucksvoll und man versteht die einzelnen Figuren, ber einige Punkte wiederholen sich immer wieder. Die Figuren Lukrezia, Cesarea und des Papstes sind tief gezeichnet, während die übrigen Figuren oft nur angerissen werden. Auch der Eindruck vom täglichen Leben in der damaligen Zeit bleibt etwas verschwommen, nur das höfische Treiben im Umfeld Lukrezias wird detailliert beschrieben.

Fazit:
Trotz einiger Wiederholungen wird ein eindringliches Bild der Familie Borgia auf dem Höhepunkt ihrer Macht vermittelt. Für mich waren die Betrachtungen aus der Perspektive Machiavellis die Höhepunkte des Buches. Ich vergebe vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und kann das Buch all denen empfehlen, die sich für diese Zeit interessieren.
Kerstin Klaar zu »Sarah Dunant: Die letzte Borgia«06.02.2018
" Die letzte Borgia" von Sarah Dunant ist ein historischer Roman in dem der Leser in Lucrezias Leben eintaucht.
Wer sich mit der Familie Borgia auskennt, kann in etwa erahnen was kommt. Es geht um Morde, Machtplänkeleien im großen Stil, Geldgier und zuallererst das wichtigste, um die allumwogene Macht. Nichts zählt mehr, und so bleibt es nicht aus, das bestimmte Protagonisten nur für diesen Zweck der Spielball der Mächtigen wird.
Da die Borgias nun immer mehr Macht erlangen will, soll Lucrezia nun zum dritten Mal verheiratet werden. Der zukünftige Kandidat ist Herzog Alfonso d’Este.
Lucrezia ist eine unendliche Tochter von keinem geringeren wie Papsts Alexander VI, sie ist sein Liebling und schon seit ihrer Jugend weiß sie ihre Reize geschickt für sich einzusetzen. Auch im Vatikan weiß sie ihre Position und Interessen zu nutzen und auszubauen.
In diesem Teil der Bogia Reihe geht es um Liebe, und das Machtstreben Lurcezias in der dritten Ehe mit Alfonso. Auch bekommt man einen Einblick wie es bei Hofe zuging mit all seinen Facetten.

Meine Meinung:
Die Autorin Sarah Dunant versteht es mit ihrem Schreibstil einen in die Welt der Borgias zu entführen. Den historischen Hintergrund der Renaissance ist gut verständlich geschildert.
Im Anhang findet der Leser ein Literaturverzeichnis und die Daten vom Aufstieg und Fall der Familie Borgia. Also ein sehr gut recherchierter Roman und genau ist es das was mir gefallen hat.
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