Tod einer Andentaube von Sabrina Zelezny

Buchvorstellungund Rezension

Tod einer Andentaube von Sabrina Zelezny

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „Tod einer Andentaube“,, 64 Seiten.ISBN 978-3943531244.

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Kurzgeafsst:

Cabanaconde in Peru, Ende des 13. Jahrhunderts Sumaq Urpi, Tochter des Dorfoberhauptes und wegen ihrer Schönheit ehrfurchtsvoll »Taube mit den schwarzen Augen« genannt, wird ermordet aufgefunden. Dabei sollte sie nach dem Willen ihres Vaters bald als Gabe für die Götter geopfert werden. Die Einwohner des Dorfes machen schnell einen Verdächtigen für die Tat aus: den Inka-Gesandten Mosoq, der die schöne Taube unbedingt als Braut zu seinem Inkaherrscher hatte heimführen wollen. Der mürrische Priester Amaru wird damit beauftragt, Beweise für Mosoqs Schuld aufzuspüren. Immer begleitet von seinem Alpaka macht er sich auf die beschwerliche Suche nach der Wahrheit und stößt schnell auf zahlreiche Ungereimtheiten.

Das meint Histo-Couch.de: „Politisches Scharmützel mit Kollateralschaden und Alpaka“90Treffer

Rezension von Annette Gloser

Der Priester Amaru hat ein Problem: Sumaq Urpi liegt tot in seiner Hütte. Heute hätte er sie den Göttern opfern sollen, wäre mit ihr in die Berge gegangen, um ihr an einem einsamen Ort mit einem kräftigen Schlag den Schädel einzuschlagen. Sumaq Urpi wäre dann von den Bergen aufgenommen worden, denn die Berge sind die Gottheiten, die im ColcaTal verehrt werden. Das schöne Mädchen hätte an der Tafel der Götter sitzen und deren Wohlgefallen auf das Dorf lenken können. Aber nun ist Sumaq Urpi tot und das Dorf hat kein Opfer für die Götter. Amaru beschließt, sich auf die Suche nach dem Mörder zu machen, begleitet von Chaska, seinem Alpaka.

In der Zwischenzeit aber haben die Dorfbewohner schon beschlossen, dass nur Mosoq, der Gesandte des Inka, der Mörder des Mädchens sein kann. Denn Mosoq wollte das Mädchen als Gemahlin des Inka nach Cuzco holen. Da aber Sumaq Urpis Vater seine Tochter den Göttern geben wollte, sind alle sicher, dass Mosoq sie vor lauter Wut über sein Scheitern erschlug. Amaru muß sich beeilen, wenn er verhindern will, dass die wütenden Dorfbewohner Mosoq erschlagen!

Lange bevor die Spanier kamen

Tod einer Andentaube spielt in einem kleinen Dorf, weitab von Cuzco, in jenem Teil der Anden, den wir heute Peru nennen. Das große Reich gibt es noch nicht, aber der Inka Mayta Qhapaq beginnt, das Herrschaftsgebiet der Inka auszudehnen. Die Spanier und ihre Eroberungszüge werden erst zweihundert Jahre später stattfinden. Eine Zeit, über die es nur wenige gesicherte Informationen gibt. Autorin Sabrina Železný ist gelernte Altamerikanistin und somit wohl die zuverlässigste Quelle, die man sich als Leser für einen Krimi mit einem solchen Sujet wünschen kann. Sabrina Železný ist es gelungen, das Leben der Menschen im ColcaTal sehr bildhaft zu beschreiben. Alltagssituationen werden geschildert, religiöse Auffassungen, Essgewohnheiten, politische Überlegungen. Man bekommt eine gute Vorstellung davon, wie die Menschen dachten und woran sie glaubten.

Dabei spielt das Menschenopfer in diesem Krimi eine wichtige Rolle. Die Autorin schenkt ihren Lesern eine neue Perspektive beim Blick auf eine solche religiöse Handlung, die wir heute grausam oder sinnlos nennen. In Tod einer Andentaube wird das Menschenopfer als integraler Bestandteil der Religion gesehen und von den Dorfbewohnern keineswegs in Frage gestellt. Es gibt keinen konstruierten Konflikt, kein Auflehnen gegen die Wünsche der Götter. Sabrina Železný ist es gelungen, ihre Leser eine solche Denkweise begreifen zu lassen.

Während Amaru den Mörder sucht, begegnen ihm – und somit auch dem Leser  die unterschiedlichsten Menschen. Sabrina Železný sind dabei sehr prägnante Protagonisten gelungen, und immer wieder vergnügliche Schilderungen der verschiedenen Charaktere. Und mit dem grantigen Amaru, auf Schritt und Tritt begleitet von seinem Alpaka, kann man als Leser viel Spaß haben und auch so manche Überraschung erleben. Und am Ende bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Hatten die damals wirklich schon Hühner in Peru? Oder was für Eier haut Amaru in die Pfanne?

Kurzes Vergnügen

Dieser Krimi ist leider ein sehr kurzes Lesevergnügen, fast ist die Überschrift für diese Rezension länger als der Krimi selbst. Aber obwohl die Handlung weniger als 60 Seiten umfasst, gestaltet sich die Suche nach dem Mörder als spannende Unterhaltung, die dem Leser so einiges an logischem Denkvermögen abverlangt. Mit dem Büchlein kann man einen unterhaltsamen und informativen Abend haben. Es lohnt sich, auch das Nachwort zu lesen, denn die Autorin geht hier noch einmal auf die historischen Hintergründe ein.

Der Burgenwelt-Verlag hat hier eine kleine, feine Perle in seinem Programm. Auch das Cover ist liebevoll gestaltet und stimmt auf den Inhalt des Romanchens wunderbar ein. Tod einer Andentaube ist ein ganz besonderer Histo-Krimi, ein Buch für Genießer, leider nur für einen Abend. Oder gibt es vielleicht bald eine Fortsetzung? Das wäre toll!

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