Die Markgräfin von Sabine Weigand

Buchvorstellungund Rezension

Die Markgräfin von Sabine Weigand

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „Die Markgräfin“,, 480 Seiten.ISBN 978-3-596-15935-2.

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Kurzgefasst:

Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf Witwe. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach enthüllt …

Das meint Histo-Couch.de: „;Rätselhafter Fund eines Kinderskeletts“;85Treffer

Rezension von Bettina Weiß

Bei Renovierungsarbeiten auf der Kulmbacher Plassenburg entdecken Handwerker im Dezember 2001 in einer Mauerlücke ein kostbares Kästchen aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich die Knochen eines Säuglings befinden. Kastellan Haubold und ein Team aus Hobbyforschern versuchen die Geschichte des Kindes zu entschlüsseln und die merkwürdigen Umstände seiner Bestattung zu erforschen. Stück für Stück kommen sie dabei einem historischen Kriminalfall auf die Spur.

Hochzeit – kurze Ehezeit – und eine neue arrangierte Ehe

In diesem Roman wird die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg- Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen, erzählt, die Sabine Weigand anhand von historischen Zeugnissen und Originalbriefen rekonstruiert hat.

Barbara wird mit 10 Jahren mit dem Herzog von Groß-Glogau und Crossen verheiratet. Anfangs fällt es ihr schwer, sich am herzoglichen Hof zurecht zu finden. Mit der Zeit nähern sich die Eheleute an und Barbara beginnt, ihren Ehemann lieb zu gewinnen. Kaum zwölf Jahre alt, stirbt ihr Ehemann und Barbara kehrt als Witwe auf die Plassenburg zurück. Kurze Zeit später wird Barbara als 15jährige mit König Wladislaw von Böhmen mittels eines böhmischen Gesandten verheiratet. Da die Ehe aus politischen Gründen für ihn uninteressant wird, holt der Ehemann Barbara nie zu sich nach Böhmen. Er zieht lediglich Nutzen aus ihrer reichen Mitgift und Witwengut. Barbara bleibt indes auf der Plassenburg und muss erleben, wie ihre Brüder aus der Situation Nutzen ziehen wollen und sie wie eine Marionette hin und her schieben. Als sie sich in einen unbedeutenden Ritter verliebt und nach Jahren beim Papst um die Annullierung der nie vollzogenen Ehe ersucht, wird sie von ihren Brüdern auf der Plassenburg nahezu als Gefangene gehalten. Aber Barbara findet einen Weg ihr Schicksal zu meistern …

Die Historikerin Sabine Weigand ist bei ihren Forschungen zur Plassenburg in Kulmbach auf das Schicksal der Markgräfin Barbara gestoßen und hat einen wunderbaren Roman um ihr Leben entworfen. Im Roman werden zwei Erzählstränge verfolgt: Zum Einen die Ermittlungen der Hobbyforscher um den Fund des Skeletts und die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen . Beide Handlungen werden abwechselnd erzählt, so dass der Leser den Forschern immer ein bisschen voraus ist und so ihre Arbeit bewerten kann. Das Buch ist leicht und flüssig zu lesen, die Sprache im historischen Teil nicht zu modern, sondern sie versucht die Stimmung und den Flair der Zeit aufzunehmen, ohne zu altertümlich zu sein.

Spannendes und realistisches
Frauenschicksal des 16. Jahrhunderts

Die Autorin beschreibt sehr spannend, aber auch realistisch ein Frauenschicksal des 16. Jahrhunderts. Die Heldin ist sympathisch und patent, ohne jedoch zu modern zu sein und sich außerhalb ihrer Lebenszeit zu bewegen. Durch die eingeschobenen Bezüge zu den Arbeiten der Forscher in den Jahren 2001 und 2002 wird der Spannungsbogen sehr gut gehalten, da die Handlung auch durch die Forschungen vorangetrieben wird, wenn Entdeckungen gemacht werden, die sich durch die historische Handlung nicht erklären lassen und der Leser gespannt auf die Erklärung wartet.

Der Roman lebt zu einem großen Teil von der Schilderung der Haltung der Gesellschaft und der Familie gegenüber den Frauen, Töchtern und Schwestern. Diese sind nur dann für die Familie und Gesellschaft wichtig, wenn sie verheiratet werden können, Vermögen aus Mitgift oder Witwengut haben. Als Personen sind sie völlig uninteressant.

Als Barbara sich hiergegen auflehnt und rebelliert, zum Beispiel durch ihr eigenes Tätigwerden bei der Annullierung ihrer Ehe mit dem König von Böhmen, wir sie sanktioniert und weggesperrt. Barbara auf ihrem Weg zu begleiten, die sich hiergegen zur Wehr zu setzen und ihren Weg zu finden versucht, bringt sehr viel Lesefreude und unterhaltsame Stunden.

Im Anhang des Buches findet sich ein Nachwort der Autorin zur historischen Barbar und eine Erläuterung der dichterischen Freiheit. Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet mit einem schönen Cover und einem Stich der Plassenburg um Anhang.

Ihre Meinung zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«

inch zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«23.01.2018
Die Geschichte von Barbara von Brandenburg-Ansbach wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen verfolgt der Leser, wie sie im 16. Jahrhundert von ihrer Familie immer wieder in verschiedene Ehen verschachert wird, ohne auch nur gefragt zu werden, und wie sie trotzdem versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Parallel dazu findet 2001 der Kastellan der Plassenburg ein Kinderskelett und macht sich mit seinen Freunden und Kollegen auf die Suche nach der Geschichte dieser ungewöhnlichen Entdeckung.

Diese Erzählweise macht das Lesevergnügen sehr interessant und spannend, da mal der eine, mal der andere Strang neue Erkenntnisse bereit hält. Die Geschichte der Markgräfin Barbara macht wieder einmal deutlich, wie rechtlos Frauen damals waren und wie mutig sie sein mussten, um sich ein wenig Freiheit und Selbstbestimmung zu erkämpfen. Umso seltsamer fand ich es daher, dass es im neuzeitlichen Erzählstrang von traditionellen Geschlechterklischees nur so wimmelt. "[Er] ärgerte sich, dass er sich kein Vesperbrot mitgenommen hatte. Aber um so was kümmerte sich ja sonst auch seine Frau, und die war nicht da." ist nur eines von vielen ähnlichen Beispielen, die man sich in den 1970er Jahren noch vorstellen könnte, die zu Beginn des 21. Jh. aber fast schon anachronistisch wirken.
Wer darüber hinweg sehen kann, wird aber ein interessantes Frauenleben und eine spannende Detektivgeschichte erhalten.
Jana68 zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«11.07.2014
Sabine Weigand baut das Wenige, das man von der Markgräfin Barbara belegt weiß, sehr gut in ihren Roman ein. Barbara ist ein Opfer ihrer Zeit und ein Spielball von Machtansprüchen und Politik. Und das nicht nur in Bezug auf ihren Bruder. Dieser allerdings scheint keinerlei Achtung, Respekt und Liebe irgend jemandem entgegen zu bringen und am wenigsten sein Schwester. Sie ist ihm vollends ausgeliefert und er nimmt ihr fast alles. Ihr Dasein ist eine einzige Tragödie, die von sehr wenigen glücklichen Momenten unterbrochen wird.
Das Buch hat mir gut gefallen, wenngleich die 2. Zeitebenen über das Forscherteam unserer Tage etwas gewöhnungsbedürftig ist.
g.lossau zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«27.01.2014
Spannend, einfach spannend sich in die mittelalterichen Braeuche und Zeit zu versetzen. Beim Lesen dieses Romanes gelingt dies der Autorin. Die kleinen Zusammenhaenge, die manchmal nicht ganz stimmig sein moegen, schmaelern nicht das Lesevergnuegen dieses gelungenen Werkes. Barbara wird als symphatische Frau dargestellt. Ich wuenschte mir staendig im Verlauf des Buches etwas Lebensglueck fuer die Markgraefin und erlebte mit ihr ihre kurzen Gluecksmomente. Dass die historischen Fakten nicht alle korrekt ins Bild gesetzt werden, kann ich hinnehmen. Ein Roman ist ein Roman. Dies ist ein gelungener Roman, der mir Freude bereitet hat. Fakten habe ich mir aus anderen Geschichtsquellen entnommen. Damit kann ich gut leben.
Nubberich zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«10.07.2013
Ein tolles und kurzweiliges Buch, das gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit pendelt und immer spannend ist. Das die Autorin die Handlung um einige Jahre versetzt hat, tut dem keinen Abbruch. Dem ganzen Buch merkt man an, dass es - im Gegensatz zu vielen anderen - sorgfältig recherchiert ist und dass jemand am Computer sitzt, die Ahnung von Geschichte hat.
Absolut empfehlenswert
ursula z. zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«03.10.2012
habe das Buch nach langer Zeit nun zum zweiten mal gelesen und hab auf Grund aus Neugier noch einmal die Bewertungen angeschaut und muß vielen Mitlesern rechtgeben. Mehrere Zusammenhänge sind unstimmig. Wie kann es sein das Barbara sich in einer SItuation sprich : sich den Lindgrünen Umhang , fest um die Schultern zieht als seis nich t Juni. Aber im nächsten Moment zur Zofe sagt: schau es wird Frühling im Tal erblühen schon die Schneeglöckchen
Die Cadolzburgerin zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«08.05.2012
Ich habe das Buch gelesen und konnte es überhaupt nicht mehr aus den Händen legen. Meiner Mutter ergeht es derzeit genauso. Wir sind hoch begeistert von dem Roman. Ich verstehe nicht, warum die Autorin so kritisiert wird. Man soll sich doch bei Büchern in die Geschichte rein träumen können und nicht mit richtig oder versetzen Daten umherhantieren. Das hineinträumen in die Zeit, ist wunderbar gelungen! Besonders erfreut war ich, das die Geschichte der weißen Frau erwähnt wurde und auch die Cadolzburg.
Cysiay zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«06.03.2010
Ich fand den Roman, mehr mittelmäßig als spannend.
Auch in meinen Augen zieht sich die Zeitverschiebung, die Toma ja schon ausführend erleutert hat, wie ein roter Faden durch das ganze Buch.

Auch das ewige von 15hundertzwieback in 2002 gespinge hat mich während des lesens ziemlich gestört, aber das sieht ja jeder anders.

Barbara wurde für mich ansonsten als sympathische Frau geschildert mit der ich mitleiden konnte.
Auch die übrigen Personen aus dem Mittelalter fand ich sehr ansprechend.
Schmidt zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«25.01.2010
Ich fand den Roman schon spannend, aber auch schade, dass dabei historische Fakten so unkorrekt verarbeitet wurden. Und dass dies mit gegenwärtigen Forschungen in Verbindung gebracht wurde, stellt leider ein sehr schlechtes Zeugnis für Archivare aus, die so nicht stehen bleiben kann. Wohl aus diesem Grund ist auch der Name des Kulmbacher Archivars verändert worden. Er wird sich wie auch alle anderen Archivare darüber geärgert haben, dass Forschungsergebnisse frei interpretiert werden und auch noch in zwei verschiedene Zeitepochen eingefügt werden.
Schade.
Reiner Hammeran zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«02.01.2010
Eigentlich ist ja schon alles gesagt: Während es Lesern von historischen Romanen dieses Genres völlig schnuppe ist, ob da alles exakt recherchiert zusammenpasst oder nicht, weil Spannung und Lesevergnügen im Vordergrund stehen, halte ich es wie einige Kommentatoren mit dem Hinweis: Wenn ich spannende, abenteuerliche ´historische` Geschichten schreiben will, dann habe ich als Schriftsteller doch auch die unendliche Freiheit , mir mehr oder weniger jede handelnde Person und jedes Ereignis auszudenken. Dann gäbe es doch gar keine Kritik an irgendwelchen Ungereimtheiten oder historischen Fehlern...
So aber muss sich Frau Weigand wirklich die Frage stellen lassen, warum sie diese 50 Jahre Verschiebung einbaut. Ein Buch über die Barbara wäre allein schon spannend gewesen, und eines über den Konraditag in Kulmbach oder eines über den wilden Alkibiades ebenso.
Aber alles so zu vermischen ? Ich weiß nicht.
Vielleicht ist aber auch ein anderes Fazit zu entdecken: Es ist in unserer heutigen Zeit gar nicht so wichtig, wie etwas genau oder richtig ist. Hauptsache, da geht die Post ab, wie auch immer....

PS: Ich habe bei einem Besuch der Plassenburg mit dem Fremdenführer gesprochen, der im Weigandroman als Lehrer Götz auftaucht. Auch er kann den Schreibkniff von Frau Weigand nicht so ganz nachvollziehen.
Lexa zu »Sabine Weigand: Die Markgräfin«15.09.2009
Es wäre ein super Buch, wenn nicht diese Zeitverschiebung wäre. Ehrlicherweise hat die Autorin dies im Anhang begründet. Nur gefallen hat mir das nicht. In meinem Geist zieht sich durch das ganze Buch wie ein roter Faden diese zeitlichen Ungereimtheiten (Toma bringt es exakt auf den Punkt!). Ich frage mich, muß ich als Schriftsteller zu so etwas greifen? Ich recherchiere gut und dann stelle ich meine Recherche in Frage?
Freilich ein Roman ist ein Roman und die Freiheit des Schriftstellers ist unendlich. Aber eine historische Persönlichkeit in eine andere Zeit zu versetzen, muß nicht sein. Die Autorin hätte auch so genügend Potential für ein gutes Buch.
Lese ich diese Lektüre unbedarft, interessieren mich Geschichtsdaten nicht, will ich nur einen guten Roman, so gebe ich 95 Punkte. So reichts gerade zu 80.

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