Die Kathedrale des Lichts von Ruben Laurin

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Die Kathedrale des Lichts“,, 592 Seiten.ISBN 3-404-17636-7.

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Kurzgefasst:

Anno 1215. Dem Waisenjungen Moritz widerfährt großes Leid. Nur, wenn er Skulpturen aus dem Stein haut, vergisst er alle Schmerzen. Jahre später erkennt ein reisender Baumeister Moritz’ Talent und nimmt ihn mit nach Magdeburg, wo eine Kathedrale gebaut wird. Rasch macht sich Moritz einen Namen unter den Steinmetzen. Doch nicht jeder auf der riesigen Baustelle bewundert den jungen Künstler. Vor allem Gotthart, ein bekannter Bildhauer, neidet Moritz den Erfolg. Als Moritz sich ausgerechnet in die Frau verliebt, um die auch Gotthart wirbt, verfolgt dieser nur noch ein Ziel: die Vernichtung seines Rivalen, um jeden Preis.

Das meint Histo-Couch.de: „Die deutsche Antwort auf Ken Folletts 'Die Säulen der Erde'? Nicht ganz“75

Rezension von Nicole Goersch

Deutschland 1215: Das Dorf, in dem der sechsjährige Moritz lebt, wird überfallen. Dabei wird seine gesamte Familie getötet; nur er kann mit Hilfe des alten Priesters fliehen und gerät darauf als Sklave auf die Rudelsburg. Zwölf Jahre später erhält Baumeister Bohnsack den Auftrag, die Kathedrale in Magdeburg weiter zu bauen. Zusammen mit seiner Tochter Helena und einem Handwerkertross macht er sich auf den Weg und muss wegen eines Schneesturms in der Rudelsburg Unterschlupf suchen.

Dort hat sich Moritz, mittlerweile zu einem kräftigen jungen Mann herangewachsen, in Schwierigkeiten gebracht, da ihn Albträume plagen, die ihn zu hemmungsloser und schlafwandlerischer Raserei verleiten, die die anderen Burgbewohner misstrauisch beäugen. Als es besonders schlimm wird, wollen sie ihn im Burgbrunnen ertränken, was in letzter Minute von Monica, der Ehefrau von Moritz’ Freund Benno, verhindert werden kann. Dennoch wird er eingesperrt, bis Meister Bohnsack auf eine Statue aufmerksam wird, die Moritz nach dem Vorbild seiner Mutter erschaffen hat.

Gemeinsam ziehen sie weiter nach Magdeburg, wo sich Lebenswege kreuzen, neue beginnen und alte enden, wo Liebe und Hass, Freundschaft und Feindschaft ein breites Spektrum an Schicksalen, Fügungen und Zufällen auffächern.

Kapitelweise Protagonisten

Die Hauptfigur ist zweifelsohne Moritz, aber wenn ein Leben über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte begleitet wird, dann bleiben zahlreiche Begegnungen nicht aus. Und so treten auch hier einige Personen auf, die zu Beginn kapitelweise vorgestellt werden. Dies hätte gerne noch ausführlicher und eingehender passieren können, damit mehr Tiefe und eine höhere Komplexität entsteht.

Sehr anschaulich aber sind die detaillierten Beschreibungen und Anmerkungen damaliger Gepflogenheiten wie der Trunk aus dem Daubenbecher, derbe Flüche oder auch Kleidungsstücke. Ebenso werden die Technik, die zum Bau der Kathedrale angewandt wird, und auch die Vorgehensweise bei einem Ritterturnier ausführlich beschrieben und deswegen auch für Laien greifbar und verständlich.

Liebesirrungen und Verwirrungen

Leider liegt das Hauptaugenmerk des Autors, der eigentlich eher im fantastischen Bereich zu finden ist und dieses Buch unter einem Pseudonym geschrieben hat, zu sehr auf dem Liebesgeplänkel rund um Helena, der Tochter des Baumeisters. Dadurch verlieren sich die weiteren Handlungsstränge und treten in den Hintergrund, was nicht nötig gewesen wäre, denn nicht nur sind die Lebensweisen der Nebenfiguren interessant, sondern auch die Charaktere an sich wie zum Beispiel Mechthild oder Monica.

Auch wurde das ein oder andere historische Ereignis der Handlung angepasst, was der Autor in seinem Nachwort freizügig zugibt. Das Glossar am Ende sowie das Personenverzeichnis und die Zeittafel zu Beginn sind hingegen überaus hilfreich.

Gradlinige Struktur

Die Verknüpfung zwischen der Geschichte des Heiligen Mauritius und dem Bau der Kathedrale ist sehr gut umgesetzt. Ebenso wie die Verbindung der einzelnen Figuren im Kapitel „Stürze“. Die Recherchen, die der Autor zweifelsohne gemacht hat, sind sorgfältig, vor allem was die handwerklichen Techniken des Kirchenbaus betrifft.

Die Figuren hätten etwas schillernder, die Lebensbeschreibungen etwas facettenreicher sein können anstatt das Hauptaugenmerk auf die Liebesgeschichte zu legen. Hier fehlt es an anspruchsvollerer Komplexität wie man sie von Ken Follett beispielsweise kennt. Durch den flüssigen Schreibstil taucht man dennoch gut ein in das Magdeburg des 13. Jahrhunderts.

Ihre Meinung zu »Ruben Laurin: Die Kathedrale des Lichts«

dorli zu »Ruben Laurin: Die Kathedrale des Lichts«26.02.2018
In seinem historischen Roman „Die Kathedrale des Lichts“ entführt Ruben Laurin den Leser in das 13. Jahrhundert nach Magdeburg und wartet mit einer gut ausbalancierten Mischung aus Historie, Spannung und Romantik auf. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist die Bauphase des Doms in den Jahren 1227 bis 1236.

Ruben Laurin hat einen angenehm flott zu lesenden Schreibstil. Dank der detailreichen Schilderungen ist man ruckzuck mittendrin im Geschehen und lernt nicht nur das Arbeiten und Leben in einer Bauhütte kennen, sondern nimmt vor allen Dingen sehr intensiv an dem vielfältigen Miteinander und Gegeneinander der ganz unterschiedlichen Akteure teil.

Helena folgt ihrem Vater, dem arbeitswütigen Baumeister Bohnsack, von Maulbronn nach Magdeburg, obwohl sie lieber in der Nähe des Grabes ihrer Mutter geblieben wäre. Die junge Frau bekommt es im Verlauf der Handlung gleich mit mehreren Verehrern zu tun:
Sie lernt den aus Dänemark stammenden Ansgar von Lund kennen, einen Ritter und Frauenheld, der eine Menge Charme versprüht. Außerdem trifft sie auf Moritz, einen jungen Wenden. Moritz musste in seinem Leben schon viel Leid und Unrecht erfahren. Er hat großes Talent und mausert sich zu einen hervorragenden Bildhauer und Steinmetz. Und Helena begegnet Gotthart von Saint Leonard, einem Bildhauer und Edelmann aus Paris, der nichts Gutes im Schilde führt und sich als sadistischer Fiesling entpuppt.
Neben den zahlreichen fiktiven Figuren betreten auch ein paar historische Persönlichkeiten die Bühne. Zu ihnen gehört zum Beispiel Mechthild von Magdeburg. Mechthild wirkt zerbrechlich, verfügt jedoch über eine besondere innere Stärke und ist intelligent und einfühlsam. Sie hat Visionen, die ihr das Misstrauen ihrer Mitmenschen und ständige Anfeindungen einbringen.
Auch alle anderen Akteure werden anschaulich dargestellt. Jeder Einzelne spielt die ihm zugedachte Rolle ausgezeichnet und bereichert mit seinen Eigenarten das Geschehen.

Besonders gut gefallen haben mir die beiden Unterbrechungen in der Handlung, in denen die im Prolog begonnene Legende vom Heiligen Mauritius weitererzählt wird. Der Heilige Mauritius wurde bereits durch Otto den Großen zum Patron des Magdeburger Doms bestimmt. Im Domchor kann man eine Skulptur des Heiligen besichtigen, die ihn als dunkelhäutigen Ritter darstellt – im Roman ein Werk von Moritz.

„Die Kathedrale des Lichts“ hat mir sehr gut gefallen – der spannend erzählte Mix aus Fakten rund um den Bau des Magdeburger Doms und fiktiver Handlung hat mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert.
PMelittaM zu »Ruben Laurin: Die Kathedrale des Lichts«17.02.2018
In Magdeburg wird ein neuer Dom gebaut – und dort treffen sich fünf ganz unterschiedliche Menschen, deren Leben auf die eine oder andere Weise miteinander verbunden sind: Moritz, elternloser Wende, mit einem großen Talent für Bildhauerei; Helena, Tochter des Dombaumeisters Bohnsack, Ansgar, Ritter aus Dänemark, Gotthart, Bildhauer aus Frankreich und Mechthild von Magdeburg, historische Persönlichkeit mit Visionen.

Der Autor erzählt seine Geschichte aus den Perspektiven dieser fünf Charaktere, der Leser schlüpft dabei regelrecht in deren Haut, eine Erzählweise, die mir gut gefällt, da sie dem Leser die Figuren nahe bringt. Allerdings finde ich die Charaktere hier zu oberflächlich gezeichnet, Helena ist vor allem wunderschön und sie vermisst ihre verstorbene Mutter. Außerdem scheint Helena, zumindest zu Beginn, eine starke Frau zu sein – leider verliert sich das später wieder. Helena entwickelt sich im Laufe der Romanhandlung eher ins Negative, ihre Gefühle verleiten sie oft zu falschen Entscheidungen

Moritz hat früh seine Familie verloren, ist dann eine Zeit lang Sklave, bevor seine bildhauerischen Talente entdeckt werden – Moritz hatte viel zu leiden, neigt aber auch zu Raserei und zu Rachegelüsten. Die Moritz-Szenen sind mir oft zu gefühlsduselig, Moritz ist körperlich sehr stark, ansonsten aber eher schwach und das ändert sich meiner Meinung nach auch nicht, er entwickelt sich kaum weiter.

Ansgar ist der Charakter, der mir am liebsten ist, er sieht sich der Minne verpflichtet, ist aber letztlich nur ein Frauenheld, er verdient sein Geld bei Turnieren und scheint loyal zu sein. Gotthart ist im Grunde ein Antagonist, er ist vor allem böse und kann nicht verlieren. Des Autors Mechthild hat mich überzeugt, sie hat Visionen, ist aber auch mitfühlend und klug. Helena, Moritz und Gotthart sind mir zu reduziert gezeichnet und wirken daher auf mich oberflächlich, auch hätte ich mir eine gewisse Entwicklung gewünscht, immerhin wird über mehrere Jahre erzählt. Interessantere Charaktere finden sich unter den Nebenfiguren, hier findet sich teilweise auch eine pointierte Charakterzeichnung, herauszuheben sind z. B. der Schmied Benno und seine Frau.

Ich mag historische Romane, da sie mich in vergangene Zeiten entführen. Dafür müssen sie aber gut recherchiert sein (gut recherchiert hat der Autor sicher) und mein Kopfkino anfachen, die vergangene Zeit und ihre Menschen müssen vor meinem inneren Auge lebendig werden. Das ist hier nicht so recht gelungen. Die Geschichte ist vor allem eine Liebesgeschichte, noch dazu eine schlechte, weil zu kitschig. Helena wird reduziert auf „wunderschön“, weswegen ihr die Männer scharenweise zu Füßen liegen, zumindest alle drei männlichen Protagonisten. Wenn ich dann Sätze wie „"Ihre Seele lag noch in ... Armen, schwelgte noch an seinem Herzen" (S. 475) verdrehe ich doch ziemlich die Augen. Diese Liebesgeschichte steht vollkommen im Mittelpunkt der Geschichte, alles andere ist eher Staffage – mir wäre es andersherum wesentlich lieber gewesen. Hin und wieder gibt es allerdings schon Szenen, die mein Kopfkino anfachen, wenn es z. B. um den Kathedralenbau geht oder wenn der Hoftag in Mainz besucht wird.

Im Prolog und in zwei Intermezzi führt uns der Autor in das 3. Jahrhundert n. Chr., zu Mauritius, einem der Namenspatronen des Magdeburger Doms. Diese Zwischenspiele finde ich sehr gelungen, vor allem, weil sich ein Teil der Haupthandlung um die Mauritiusstatue des Magdeburger Doms dreht. So erfährt man als Leser ein bisschen mehr über diesen später heilig gesprochenen Mann.

Ruben Laurin ist das Pseudonym eines Autors, den ich im Fantasybereich sehr schätze. Leider hat er es bisher nicht geschafft, mich für seine historischen Romane zu begeistern, und auch dieser kann mich nicht wirklich überzeugen, manches gefällt mir gut, der Grundton driftet mir aber zu sehr ins Kitschige, Schnulzige ab, ich mag meine historischen Romane historisch, Liebesgeschichten dürfen ruhig enthalten sein, sollten aber nicht überwiegen. Überzeugen konnten mich auch nicht alle Charaktere, dafür habe ich aber wieder etwas dazugelernt und hatte ausreichend Anreize, mich selbst weiter zu informieren. Richtig überzeugt hat mich die Zusatzausstattung: Glossar, Personenregister und Nachwort des Autors.

Wer bei historischen Romanen vor allem Wert auf eine Liebesgeschichte legt, wird vielleicht Gefallen an diesem Roman finden. 60°
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