Imprimatur von Rita Monaldi & Francesco Sorti

Buchvorstellungund Rezension

Imprimatur von Rita Monaldi & Francesco Sorti

unter dem Titel „Imprimatur“,deutsche Ausgabe erstmals 2003, 752 Seiten.ISBN 3-548-60508-7.Übersetzung ins Deutsche von Maja Pflug, Friederike Hausmann.

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Kurzgefasst:

Anno 1683 werden in einer römischen Herberge einige Reisende unter Pestquarantäne gestellt. Einer von ihnen fällt einem Giftmord zum Opfer. Die isolierten zehn Männer und eine Frau müssen sich selbst als Detektive versuchen. Der naive aber nicht auf den Kopf gefallene Hausbursche bemerkt, dass alle Anwesenden etwas zu verbergen haben. Er gerät in ein mörderisches Geheimdienst- und Intrigenspiel, in das der Papst, der Kaiser, der König von Frankreich, die angriffslustigen Türken und ihre zahllosen rücksichtsarmen Verbündeten verwickelt sind… – Ein historischer Thriller, der sich um ein angebliches Rätsel der Weltgeschichte rankt und dabei die Freunde des Krimis ebenso fesseln möchte wie die Leser „;exotischer“; Historienromane. Das durchaus unterhaltsame Spiel mit Fakten & Mythen gerät freilich durch allzu großen Schriftstellerehrgeiz allmählich aus dem Ruder; die bemerkenswerte Recherchearbeit des Autorenduos übertrifft leider weit seine Fähigkeit eine spannende Story zu erzählen. 

Das meint Histo-Couch.de: „;Noch’n Schuftpapst & viel Mord im Vatikan“; 85Treffer

Rezension von Michael Drewniok

11.-25. September 1683: zwei Wochen im heißen römischen Spätsommer, welche die Weltgeschichte verändern könnten. In der Locanda del Donzello, einer der zahllosen kleinen Herbergen der Ewigen Stadt, stirbt ein Gast, der alte französische Edelmann de Mourai. Die Umstände weisen auf einen Pestfall hin, was die Stadtverwaltung umgehend und rigoros handeln lässt: Die Herberge wird mit Brettern vernagelt und bewacht, ihre Bewohner unter Quarantäne gestellt. Diese sind empört und voller Furcht. Dabei schließt Cristofano, ein berühmter Arzt aus Siena, die Seuche als Todesursache aus. Er tippt vielmehr auf Gift. Dass sich ein Mörder unter ihnen befinden könnte, kann die Gruppe ganz und gar nicht beruhigen. Aber die Theorie scheint sich zu bewahrheiten, als Pellogrino des Grandis, der Wirt der Herberge, einen mysteriösen Unfall erleidet und schwer verletzt aufgefunden wird.

Der Abbé Atto Melani aus Pistoia beschließt sich als Detektiv zu versuchen. Ihm zur Seite steht der Hausbursche der Locanda del Donzello. Der junge Mann, ein Waisenkind, das eine gute Ausbildung erfuhr, begrüßt begeistert die Möglichkeit die Grenzen seiner engen Welt zu erweitern. Die Schar der Verdächtigen ist bunt. Roberto Devizé, Musiker aus Paris, gehört zu ihnen, dazu gesellen sich Pater Juan des Robleda, Jesuit aus dem spanischen Granada; Domenico Stilone Priàso, Dichter aus Neapel; Angélo Brenozzi, Glasbläser aus Venedig; Pompeo Dulcibeni aus Fermo, des Verstorbenen de Mourais Reisebegleiter; Eduardus Bedfordi, ein Engländer – und Clorida, die wunderschöne Kurtisane.

Sie alle, so erfahren die Detektive rasch, sind nicht jene, für die sie sich ausgeben. Alle hüten sie ein düsteres Geheimnis, scheinen verwickelt in ein mörderisches Intrigenspiel, das ganz Europa umspannt. Es geht um nichts weniger als die Verteidigung Europas gegen die Türken, deren offenbar unüberwindlichen Heere Wien, das letzte Bollwerk des Abendlandes, belagern. Der habsburgische Kaiser ist geflohen. Papst Innozenz XI. will sich statt seiner zum Haupt des Widerstands aufschwingen. Die Könige Europas hören auf ihn – mit einer Ausnahme: Louis XIV., Frankreichs „;Sonnenkönig“;, missgönnt Innozenz den politischen Machtzuwachs. Wie es scheint, ist der machtgierige Souverän sogar bereit sich mit den Türken zu verbünden.

Alle Parteien setzen Geheimagenten ein. Ausgerechnet in der Locanda del Donzello scheinen sich einige der berühmtesten Vertreter ihrer geheimnisvollen Zunft versammelt zu haben. Ihre Aktivitäten setzen sie trotz der Quarantäne fort. Dabei gehen sie durch düstere Geheimgänge – und über Leichen. Der Größte unter diesen Spionen ist – der Hausbursche erkennt es mit Schrecken – Atto Melani, der „;Ratgeber“; des Sonnenkönigs. Den übrigen „;Gästen“; traut er noch weniger. Wohl oder übel hält er sich deshalb an Melani. Der hat aber noch eine private Rechnung offen, die zu tilgen ihn und alle, die sich in seinem Umfeld bewegen, in Lebensgefahr bringen wird…


Die Welt des Jahres 1683, eine für den Menschen der Moderne fremdartige, exotische Ära, projiziert in die kleine, überschaubare Locanda del Donzello, die gleichzeitig Schauplatz eines „;locked room“;-Mysteriums des klassischen Kriminalromans wird. Grundsätzlich lassen beide Aspekte kaum Wünsche offen. Zehn Jahre haben die beiden Autoren (laut Klappentext) an ihrem Opus gearbeitet; man glaubt es gern, denn die Fülle der Fakten, die vor dem Leser ausgebreitet werden, ist beeindruckend. Politik, Religion, Medizin, Handwerk, Architektur, Kochkunst, Alchemie, Musik – Der Große, Wichtige mischt sich mit dem Alltäglichen. Dies entfaltet durchaus seine Wirkung, wirkt über weite Passagen freilich wie angelesenes Wissen, das um jeden Preis Eingang in die Handlung finden musste.

Solche gelehrten Vorträge und Diskussionen blähen die Geschichte auf, bis man sie nur mehr in ein backsteindickes Buch pressen kann, das sich fabelhaft als „;Bestseller“; auch für „;anspruchsvolle Leserschichten“; vermarkten lässt. Dabei ist das Schielen nach dem großem Vorbild mehr als offensichtlich: Umberto Eco verzwirbelte 1980 in „;Der Name der Rose“; kongenial Historie und Thriller. Dieses Werk brachte eine quasi industrielle Fertigung von Romanen in Gang, die in und mit der Vergangenheit spielen. Um die meisten schlage man besser einen weiten Bogen. „;Imprimatur“; spielt in einer höheren Liga. Die unnachahmliche Leichtigkeit, mit der Eco zwischen Wissenschaft und Unterhaltung wandelte, geht Monaldi & Sorti allerdings ab.

Sie streben wie gesagt allzu deutlich – wenn nicht nach dem „;Meisterwerk“;, so sicherlich nach dem „;Bestseller“;. Letzteres mag gelingen, zu Ersterem fehlt eine Menge. So ist es keine gute Idee, die Protagonisten über viele hundert Seiten in der abgeriegelten Locanda festzuhalten. Die Mär von der Europa überspannenden Verschwörung lässt sich partout nicht mit dem klassischen „;Mord im verschlossenen Raum“; kombinieren. Folgerichtig kommt erst dann Schwung in die Handlung, als sie durch unzählige Geheimgänge die Herberge verlässt. In den Straßen und Gassen Roms gewinnt die Geschichte sogleich Dynamik, es wird weniger geredet als gehandelt.

Es wurde auch Zeit, denn die Story verdient die Aufmerksamkeit, die ihr endlich zuteil wird. Das Autorenduo hat sich viel Mühe gegeben ein zentrales Kapitel der europäischen Geschichte auf ungewöhnliche Weise zu „;rekonstruieren“;. Nie sollte sich der Leser sicher sein hinter das „;Imprimatur“;-Mysterium zu blicken – es verwandelt sich ständig, enthüllt neue Seltsamkeiten, mündet in deduktiven Sackgassen, ändert die logische Richtung, schließt Irrtümer und Fehlinterpretationen der Handelnden niemals aus. Die Autoren haben zu jedem Zeitpunkt die Nasen vorn. Noch besser: Die unzähligen Rätsel, die bis dato aufgeworfen wurden, finden im wahrlich großen Finale nicht nur ihre Auflösung. Diese kann ihrer gewaltigen Vorgeschichte standhalten ohne durch allzu läppische, womöglich aus dem Hut gezogene „;Lösungen“; zu verärgern. Die Autoren haben unzählige historische Puzzleteile famos zusammengesetzt. So muss es auch sein am Ende eines Romans, in den man immerhin die Zeit für die Lektüre von mehr als 700 Seiten investiert hat!

Zehn Jahre Arbeit haben Monaldi & Sorti in ihr Werk investiert. Sie möchten offenbaren, welche Mühe sie sich gegeben haben. Viel Staub haben sie in zahlreichen Archiven geschluckt, sich durch meterdicke Stapel staubiger Uralt-Quellen gewühlt, obskure Hinweise kreuz und quer durch Europa verfolgt. Was sie teilweise herausgefunden, teilweise neu entdeckt haben, fließt beeindruckend in „;Imprimatur“; ein. Dem eigentlichen Roman folgt indes eine fünfzigseitige wissenschaftliche Abhandlung, die das gerade Geschriebene noch einmal aufgreift und vertieft: Dem Autorenduo gönnt man ihren Triumph, aber es ist zu fürchten, dass die meisten historischen Laien diesen Abschnitt großzügig überspringen. Der skeptische Fachmann wiederum wird sich – die Autoren erwarten nichts anderes – wohl kaum dem Schluss anschließen, das letzte Wort zum Reizthema „;Innozenz XI. – Held der Geschichte oder infamer Intrigant“; sei nunmehr gesprochen.

Was die Handlung lange an Wünschen offen lässt, kann die Figurenzeichnung jederzeit ausgleichen. Natürlich gehen die Autoren auch hier an sich schematisch vor: Cristofano ist nicht e i n Arzt, sondern d e r Arzt, d. h. der Modellmediziner für seine Epoche, der immer eine Gelegenheit findet, seine Zuhörer und damit uns, die Leser, über den Stand seiner Wissenschaft (die arg an mittelalterliche Magie erinnert) in Kenntnis zu setzen. Ähnliches gilt für die anderen Protagonisten; sie stellen Repräsentanten weiterer Schichten des ausgehenden 17. Jahrhunderts: Kleriker, Adliger, Künstler, Handwerker, Kurtisane etc. Was sie zu sagen haben ist wie bereits erwähnt oftmals interessant, nicht selten jedoch abschweifend und langweilig. Vor allem trägt es kaum zur Handlung bei.

Das Schema durchbricht der (stets anonym) bleibende Hausbursche. Die Autoren formen ihn zum Wanderer zwischen den Welten bzw. Ständen, deren Grenzen er als Diener vieler Gäste und nun in der Quarantäne überschreiten kann. Dumm ist er keineswegs, sondern naiv und unerfahren. Das muss er auch sein, denn er mimt nach dem Willen des Autorenduos den „;reinen Toren“;, der staunend und ohne eigenes Verschulden in ein Abenteuer oder eine Krise gerät. Der Hausbursche vertritt den Leser/die Leserin, die in der Regel wenig Ahnung haben von der Welt des Jahres 1683. Gemeinsam mit ihm werden wir vom Autorenduo durch die übrigen Figuren informiert. Das funktioniert gut, nur manchmal wird dieses Muster ein wenig zu offensichtlich.

Gleichzeitig ist der Hausbursche der „;Watson“; in einer Kriminalgeschichte. Von der Kriminalistik bzw. der Unterwelt der zeitgenössischen Geheimdienste versteht er ebenfalls nichts. Deshalb stellt er die dummen Fragen, die auch uns Lesern ständig auf der Zunge liegen. Geduldig werden sie beantwortet vom „;Holmes“;, hier verkörpert durch den Abbé Melani, der wie alle genialen Schnüffler gern und ausgiebig über seine Arbeit spricht. Auch hier ist Monaldi/Sorti ein farbenfroher Charakter geglückt – Melani ist nicht nur ein mit allen Wassern gewaschener Agent, dem man besser nicht zuviel Vertrauen schenkt, sondern auch ein genialer Sänger, den man zur „;Konservierung“; seiner Singstimme in jungen Jahren entmannt hat; auch so eine seltsame Sitte der Vergangenheit, die uns die Autoren nahe bringen…

Der ständigen Unsicherheit darüber, welchem Bewohner/Insasse der Locanda eigentlich zu trauen ist (keinem nämlich), verdankt „;Imprimatur“; einen Gutteil seines Unterhaltungswerks. Hier haben die Verfasser wirklich gute Arbeit geleistet. Die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß verschwimmen ständig. Die Bösen sind oft tragisch, ehrlich, witzig, die Guten berechnend, durchtrieben, undurchschaubar. Wie der arme Hausbursche bekommen wir einfach keinen festen Boden unter die Füße und reihen uns in die lange Reihe der „;Besiegten“; ein, denen der Hausbursche seine Erinnerungen widmet.

Stets präsent obwohl nur in wenigen Sätzen anwesend ist Papst Innozenz, der letztlich alle seine Widersacher niederwirft oder schlicht überlebt. Er ist der wahre Bösewicht in diesem Spiel – ein hochintelligenter, aber skrupelloser Mann, der sein Amt um des eigenen Vorteils willen als Instrument seiner Macht- und Geldgier missbraucht und die Spuren seiner Schandtaten so perfekt zu verwischen weiß, dass ihn spätere Generationen seine Heiligsprechung verlangen.

In diesem Zusammenhang stoßen Monaldi & Sorti selbstverständlich in das Horn der „;Alles Böse kommt vom Vatikan“;-Fraktion, das in den letzten Jahren von vielen anderen Unterhaltungsschriftstellern mehr oder weniger perfekt gespielt wird. Böse Päpste und uralte katholische Geheimbünde zur Unterdrückung biblischer „;Wahrheiten“;, die der Amtskirche missfallen, tummeln sich jederzeit in den Bestsellerlisten dieser Welt. Nie wird dieses Motiv freilich so perfekt mit historischen „;Wahrheiten“; unterfüttert wie in „;Imprimatur“;. Diese Intrige ist wahrlich fast zu schön um nicht wahr zu sein – eine bemerkenswerte Leistung, die den Verdruss über Längen in den ersten beiden Dritteln rasch und nachdrücklich vergessen machen!

Ihre Meinung zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«

Simon zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«05.09.2017
Ich bin der Meinung, dass das Buch toll ist - aber nicht für Jedermann geeignet. Das Einbinden der Handlung in die historischen Geschehnisse ist hervorragend. Das Buch ist sehr tiefgründig und bemüht sich das Ganze authentisch rüberkommen zu lassen. Das soll durch das detaillierte Beschreiben der Szenerie erreicht werden. Und das ist der Schwachpunkt: Wer es mag in der Vergangenheit zu schwelgen und sich von handlungsirrelevanten, aber schönen Details zu verführen ist genau richtig. Andere haben damit keine Freude. Das Buch wird dadurch sehr lange, und blockiert das Voranschreiten der Handlung. Und manche haben zwar kein sonderliches Interesse an den elendslangen Passagen, können sich mit ihnen aber abfinden und über sie hinwegsehen - weil die Handlung und ihre Charaktere (vor allem die Hauptcharaktere) toll sind: weder gut noch böse und beides gleichzeitig, tiefgründig, gewitzt und ihrer Situation entsprechend nachvollziehbar handelnd.
Hannes zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«30.11.2015
Ich bin entäuscht. Ich habe mir, vor allem auch wegen der voran gegangenen Rezension, mehr von dem Buch versprochen. Unbestritten weiß das Autorenpaar viel, um nicht zu sagen alles, über das 17. Jahrhundert. Aber bei dem Buch handelt es sich doch eher um ein mit etwas Handlung verbrämtem Sachbuch. Konsequent wird jeder Handlungsfaden mit ellenlangen Abhandlungen über Politik oder Kultur zerschnitten. Ganz nett, mit Anklängen an die comedia dell'arte, die Heiligenfledderer. Aber auch dies wird unprofessionell zu Tode geritten.
Schade um das eigentlich interessante Thema. Das Buch ist nur langweilig.
Kalman Janko zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«04.06.2014
Perfekt. Habe alle Bücher bzgl. der verschollen galtenen Seiten aus den Vatikan... Ich lese die Bücher zum 2x. Der letzter Kapitel oder letzter Auftritt in Wien ist etwas "zurückhaltender" aber immernoch spannend wie die Osmanen durch einen strategischen Trick aufgehalten werden, nur was keiner erwähnt, dass diese durch den ungarischen Kriegsherr Hunyadi János geschehen ist und hat mit den Österreicher nichts zu tun. Deshalb hat man immer um 12 Uhr Glocken. Es ist so verordnet worden aus Ehre für den Sieg was Europa gerettet hat.
Sofia Rotolo zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«02.04.2011
Imprimatur - ein Buch, das maximal
durch den prunkvollen Einband einen Kauf rechtfertigt.
Ansonsten - meiner persönlichen Meinung nach - Logorrhoe in Reinkultur
Leider gibt es nach der ersten schwachen Buch keine steigerung, schade!
Zum einschlafen vielleicht aber dafür ist es zu trocken, da schläft man dann schlecht.
Man muß es nicht haben!
Stetson zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«06.03.2008
Wie schon bei Secretum - hier stimmt alles!!!!!! Ich bin auf den nächsten Band gespannt. - Zwischendurch war auch da kleine Bändchen über die Konkaven sehr lesenswert - eine späte Veröffentlichung der Autoren von Attos "Ratgeber" an seinen König...
Karl Gruber zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«29.11.2007
Imprimatur ist eines der großartigsten und faszinierendsten Bücher, die ich je gelesen habe. Es ist nicht einfach ein Roman, der im Barock spielt. Monaldi & Sorti merkt man an, daß sie mehr verfolgen, als den Leser zu unterhalten. Sie ziehen den Leser in das barocken Leben hinein, alles rankt sich um das barocke Wissen. Das Buch selbst ist solch ein Hort des Wissens, denn was der Leser aus dem Buch schöpfen kann, ist äußerst vielfältig und trifft den Geist der damaligen Zeit auf den Kopf.
Monaldi & Sorti gelingt hier nicht nur eine der lebendigsten Schilderungen des barocken Lebens in Rom, sie schaffen auch einen Roman mit verschiendenen Ebenen. Nur oberflächlich gesehen ist es ein Krimi. Darunter geht es um soziale und religiös-politische Konflikte in einer Zeit voller politischer Spannungen und Verwerfungen. Das Finale ist denn auch von Zerstörung in materieller und moralischer Hinsicht gekennzeichnet.
Die Sprache von Monaldi & Sorti ist ein weiterer Punkt, der das Buch lesenswert macht: mit solch erzählerischer Kraft sind nur wenige Bücher ausgestattet! Das eingestreute Latein trägt zur Verdichtung der Atmosphäre in dem Buch bei und macht den Einbezug des Lesers in die Zeit noch deutlicher. Dieses Buch ist echt en Muß und jeder sollte es gelesen haben. Es hilft, das Barock mit seiner besonderen Weltanschauung zu verstehen. Eine echte Reise in die Vergangenheit und ein unglaublich geschicktes und spannendes Buch.
Blackadder zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«04.05.2007
Achtung, die Beigaben in Form von Rezepten und medizinischen Traktaten ist selbst ein narratives Element des Barock. Dadurch gewinnt der Roman für mich auf einer Meta-Ebene. Um in die Geisteswelt einzusteigen, die das Barock bietet, empfehle ich, sich darauf einzulassen. Genauso empfiehlt es sich, die Musikstücke anzuhören, die am Ende des Buches angegeben werden. Sicherlich wirkt einiges sehr konstruiert, aber für meinen Geschmack hätte es durchaus noch "mehr" sein dürfen. Grandios fand ich die Szene, in der ein Herbergsgast die französische Revolution prophezeit, ohne Hosen, sans culottes....
gerhard zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«17.11.2006
Die Überladenheit mit "Nebensächlichkeiten" wie Kochrezepte oder politische Verweise meiner Vorschreiber kann ich nicht nachvollziehen, wird doch erst dadurch ein Bild jener Zeit kreiert. Manche Wiederholungen sind dort wo sie vorkommen als Unterstützung für den Leser ganz angenehm. Auch wenn ich das Buch in fünf Tagen las, war ich oft beim Wiedereinstieg nach einem ablenkenden Arbietstag dankbar für Zusammenfassungen, welche als Nachdenken der Hauptperson verkleidet eingestreut sind. - Das wirklich interessante an dem Buch ist jedoch etwas das gar nicht drin steht: der Umstand, dass es in Italien bestoppt wurde und dort nicht mehr erscheint. Einem Verlag im Besitz Belusconis sei Dank.
Leszek zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«20.08.2006
Hmm,
also mir hat das Buch bestens gefallen. Es hat mich teilweise dermassen so stark herein gezogen, dass ich abends versuchte mit Gewalt wach zu bleiben um ja noch den nächsten Abschnitt lesen zu können! Ich fand es weder langweilig, noch schwierig zu lesen. An viele Sachen konnte ich anfangs nicht glauben, habe sogar das Internet nach vielen, der zahlreichen Figuren durchzuforstet. Und siehe da, diese Menschen gab es tatsächlich.
Ich bin den Autoren sehr dankbar für die historischen Fakten. so viel wissenswertes liest sich in Geschichtsbüchern nicht ganz so spannend. Man kann sich natürlich nicht sicher sein, dass wirklich alle Informationen, die dieser Roman offenlegt, auch wirklich der Wahrheit entsprechen, doch die meisten allemal.

Wer an der Geschichte Europas interessiert ist samt ihrer kulinarischen, musikalischen und medizinischen Vertiefungen und diese auch in einer unterhaltsamen Form erfahren möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!
MIr jedenfalls hat es sehr gefallen und visiere bereits den nächsten Band "Secretum" an.

Schöne Grüsse an alle Leseratten!
joerg zu »Rita Monaldi & Francesco Sorti: Imprimatur«23.07.2006
Dem EIntrag von "kue" kann ich nur zustimmen. Zwar ist das Buch durchaus spannend und ja, man kann es auch durchaus als ein "Meisterwerk" werten. Aber der Plot bleibt in der Tat auf der Strecke. Ellenlange Wiederholungen, z. B. bei der Essenszubereitung, machen aus dem Roman ein nur schwer verdauliches, kaum lesbares Werk. Schade, denn der Ansatz ist grandios. Leider aber völlig überfrachtet.

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