Mord in Germania von Renegald Gruwe

Buchvorstellungund Rezension

Mord in Germania von Renegald Gruwe

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Mord in Germania“,, 345 Seiten.ISBN 3839222338.

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Kurzgefasst:

Berlin 1938. Die Reichshauptstadt wandelt sich zur Welthauptstadt Germania. Bei dem gewaltigen Bauvorhaben steht viel Geld auf dem Spiel. Als mehrere Mitarbeiter einer Baufirma ermordet werden, wird der Fall Kriminalkommissar Erich Malek übertragen. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf Betrügereien und Intrigen, die ihn ins Jahr 1934 zum Röhm-Putsch zurückführen. Dabei behindern immer wieder Parteimitglieder und einflussreiche NS-Funktionäre seine Ermittlungen. Kann Malek das Morden dennoch stoppen?

Das meint Histo-Couch.de: „Der Wahnsinn im Reich wird immer größer“70

Rezension von Jörg Kijanski

1938. Berlin. Kriminalkommissar Erich Malek wird zu einer Großbaustelle gerufen. Ein junger Zimmermann stürzte in eine zwanzig Meter tiefe Baugrube. Ein Unfall? Kaum hat Malek die Ermittlungen aufgenommen, wird der Leiter der Bauaufsichtsbehörde von Groß-Berlin, Karl-Ludwig Herrenstein, erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden. Wenige Tage später erwischt es Wilhelm Americh in dessen Villa im Grunewald. Dessen Familie hält die Aktienmehrheit an der Reichenberger AG, einer Baufirma, die an allen aktuellen Großbauvorhaben des Reiches beteiligt ist. Malek sieht plötzlich einen Zusammenhang in den Fällen, denn Herrenstein war vor seiner jetzigen Tätigkeit als Prokurist in der Reichenberger AG beschäftigt. Und auch der Unglücksfall des Zimmermanns erscheint plötzlich in neuem Licht, denn die Baustelle gehörte zu einem Projekt der Reichenberger AG. Als nur einen Tag nach dem Mord an Americh auch noch der ehemalige Oberbuchhalter der Firma ermordet wird, fangen Malek und dessen Partner Fritz Teichmann an, das Umfeld der Firma genauer zu untersuchen. Sie stoßen auf eine Mauer des Schweigens, Arroganz und auf eine geheime Versammlung, die am 2. Juni 1934 stattfand und auf deren inoffizieller Teilnehmerliste die Ermordeten standen …

Germania wird das neue Berlin

In seinem neuen Fall für Erich Malek geht es neben der Aufklärung einer spektakulären Mordserie auch um den Größenwahn der Nationalsozialisten. Eine neue Hauptstadt von gigantischem Ausmaß soll errichtet werden: Germania. Gegen die geplante neue Reichskanzlei des Führers nimmt sich der Petersdom geradezu kleinteilig aus, allein Hitlers künftiges Arbeitszimmer soll 400 Quadratmeter umfassen.

„Die große Halle, die Ruhmeshalle, sie wird einmal, wenn sie fertiggestellt ist, zwischen hundertfünfzigtausend und hundertachtzigtausend Besuchern Platz bieten. Sie wird aus Granit und Marmor errichtet und bis zu ihrem Scheitelpunkt gute zweihundertneunzig Meter hoch sein. Eine Lichtöffnung von sechsundvierzig Metern wird natürliches Sonnenlicht einlassen und als Abschluss des Baus wird auf dessen Spitze in dreihundertzwanzig Meter Höhe über der Stadt das Reichssymbol thronen. Ein riesiger Adler, der ein Hakenkreuz in seinen Fängen hält.“

Bei derartigen Riesenprojekten will jeder ein Stück vom Kuchen abhaben und so ist der in der Baubranche ohnehin schon enorme Konkurrenzkampf noch härter als üblich. Hier spielt die Reichenberger AG den Platzhirsch, wobei den Verantwortlichen jedes Mittel geeignet scheint. Man will dabei sein, die Gunst der Stunde nutzen. Jetzt oder nie. So war es schon vor vier Jahren.

Neben dem Bauwahn gelingt es Autor Renegald Gruwe, in einigen Szenen die damals üblichen Standesdünkel gekonnt in Szene zu setzen. Der (Finanz-)Adel hier, die Dienerschaft dort. Dazu Denunzianten überall, es scheint keine Hemmungen mehr zu geben, wie Malek auch in seinem eigen Haus erfahren soll. Hinzu gesellen sich fanatische Anhänger des neuen Regimes, da sie unverhoffte Aufstiegschancen erhalten. Demgegenüber stehen glühende Anhänger des Führers, der es in seiner grenzenlosen Gerechtigkeit schon richten wird. Dass dabei gegen Juden gehetzt und deren Geschäfte geplündert werden, nimmt man billigend in Kauf; nicht wenige  machen sogar begeistert mit.

Erich Malek ist da – im Gegensatz zu seinem Bruder – eine rühmliche Ausnahme. Allein dass er öfters Zwiegespräche mit seiner Ex-Frau Rosa führt, die als Jüdin schon vor Jahren mit den Kindern in die USA ausreiste, erscheint mitunter etwas aufgesetzt, um nicht zu sagen seltsam. Der Erzählstil ist ansonsten anfangs etwas holprig, zu schnell geht es mit den Morden voran. Die Ermittlungen können da nicht Schritt halten. Dass viele Spuren sich im Sande verlaufen wirkt realistisch, die spätere Aufklärung der Tathergänge – Zeugenbefragungen, Geständnisse und so weiter – fällt dafür arg lang aus; allerdings auch mit kleinen Überraschungen. Insgesamt eine ansprechende Lektüre, sofern man sich für die damalige Zeit interessiert, die jedoch nicht aus der Vielzahl vergleichbarer Werke herausragt.

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