Die Tochter des Gewürzhändlers von Pia Rosenberger

Buchvorstellungund Rezension

Die Tochter des Gewürzhändlers von Pia Rosenberger

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Tochter des Gewürzhändlers“,, 336 Seiten.ISBN 3740802197.

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Kurzgefasst:

Württemberg 1514 : Die Bauern erheben sich gegen den tyrannischen Herzog Ulrich. Als die junge Esslingerin Tessa Berthier die Leiche ihres Jugendfreunds Ludwig findet und plötzlich seinem Mörder gegenübersteht, ahnt sie nicht, dass diese Begegnung ihr Leben für immer verändern wird. Im letzten Moment gelingt ihr gemeinsam mit dem geheimnisvollen Corentin Wagner die Flucht ins Remstal, mitten hinein in die Wirren des gerade entfachten Aufstands des »Armen Konrad«. Doch auch Corentin umgibt ein düsteres Rätsel...

Das meint Histo-Couch.de: „Liebe zum Detail, aber nicht zur Spannung“72

Rezension von Nicole Goersch

Württemberg, 1514: Tessa Berthier findet im Wald den ermordeten Ludwig, den sie gut kannte. Die Mörder, die sich in der Nähe versteckt hielten, überraschen sie und wollen die unliebsame Zeugin loswerden. Als Tessa versucht, ihnen zu entkommen, hilft ihr dabei Corentin Wagner, ein düsterer junger Mann, der sich dem Bauernaufstand angeschlossen hat. Trotz seiner Unnahbarkeit empfindet Tessa bald für ihn starke Gefühle, aber wird sie auch mit seiner Vergangenheit, über die er beharrlich schweigt, umgehen können?

Vorstellungskraft wird animiert

Die Beschreibungen der Autorin Pia Rosenberger sind umfassend und sprechen alle Sinnesorgane an, wodurch die Fantasie stark angeregt wird. Der Leser hört, sieht, riecht und schmeckt die teilweise unappetitlichen Darstellungen der Umgebung und besonders der Figuren.

Der Wechsel von Kapitel 2 zu 3 ist ziemlich abrupt und reißt den Lesefluss, vielleicht sogar bewusst, auseinander. Von der mystischen Beschreibung Teophilas schwenkt die Handlung zu Tessa, die sich plötzlich einem Toten gegenüber sieht, bei dem es sich angeblich um ihren Freund Ludwig handelt. Dabei hatte er sie im Kapitel zuvor noch arg drangsaliert, so dass leichte Verwirrung aufkeimt.

Diese Verwirrung setzt sich bei der Person Teophilas fort, einer Freundin Tessas, die als weiße Hexe beschrieben wird. Ihre bösen Vorahnungen und mysteriösen Handlungsweisen verdeutlichen, dass hier jenseits des Realismus erzählt wird und nimmt dem Roman so seine Glaubwürdigkeit. Kleinere historische Ungenauigkeiten tragen daran zudem eine Mitschuld (z. B. will Sabina mit ihren Geschwistern im Englischen Garten in München ausgeritten sein, der aber erst im 18. Jahrhundert angelegt wird, S. 160).

Gebrauch veralteter Begriffe und regionaler Dialekte

Sehr schön zu lesen waren altmodische Wörter wie „Base“ oder „Mumpitz“, die heute immer weniger geläufig sind. Auch dass Dialekte für Bedienstete oder niedere Ränge aufgegriffen wurden, lässt eine stärkere Handlungsnähe zu.

Leider kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte in ihrer Fortentwicklung müßig dahinplätschert. Die Figuren an sich sind sehr übersichtlich skizziert und in ihren Handlungen und Reaktionen aufeinander nicht sehr vielschichtig oder spannend. Einzig Corentin sticht dabei heraus, der mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit, seiner dunklen Aura und seinem unfreiwillig erworbenen Wissen einen verschlungenen Lebensweg verfolgt.

Zwar ist der Aufbau der Geschichte durchaus logisch, allerdings werden dramatische Szenen nicht sehr dynamisch beschrieben, so dass das Gefühl „mit angezogener Handbremse“ zu lesen bleibt. Hinzu kommen häufig verwendete Wiederholungen wie „sie setzte das Kind auf ihre Hüfte“, die eine gewisse Langeweile erzeugen.  

Diese kann in mancher Hinsicht wettgemacht werden durch den Blick für Details wie die Kleidung oder die Beschaffenheit der Häuser und des Mobiliars. Zudem wird die Umgebung plastisch dargestellt, wenn beispielsweise die Religiosität der Menschen und die damit verbundene Angst vor Fremdartigkeiten (wie Teophilas zweifarbige Augen) erklärt wird.

Lose Fäden werden aufgegriffen

Zum Schluss hin wird es dann doch aufregend, aber so hätte es auch gerne die ganze Zeit sein dürfen. Die losen Handlungsstränge, die Fragen aufgeworfen haben, werden aufgegriffen und gut gelöst.

Leider ist der Spannungshänger im Mittelteil zu komplex, um ganz vergessen zu werden. Ein schnell zu lesender Roman, den man nicht zu ernst nehmen sollte.

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