Wolfsschwestern von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Three Sisters, Three Queens“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 656 Seiten.ISBN 3-499-29115-0.Übersetzung ins Deutsche von Anja Schünemann.

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Kurzgefasst:

Ein kurzer Blick in die Augen von Katharina von Aragón genügt, und Margaret Tudor weiß: Auf ewig wird ihr Schicksal miteinander verbunden sein – ob in Aufstieg oder Fall. Wenig später ist Katharina Königin von England. Margaret heiratet den schottischen König und sichert so den Frieden zwischen beiden Ländern. Doch das Bündnis hält nicht lang. Margarets Mann fällt in der Schlacht, Katharina verschleppt seine Leiche als Trophäe nach England – und beide Frauen werden zu Feindinnen. Ein leidenschaftlicher Reigen voller Ränkespiele entspinnt sich, und nur eines ist sicher: Nie lässt sich das Band, das die beiden Herrscherinnen verbindet, lösen.

Das meint Histo-Couch.de: „Die ewige Verliererin“88Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im Januar 1503 ist Margaret Tudor zwölf Jahre alt. Lange hatte ihr Vater Heinrich VII. mit James, dem König der Schotten, über eine Ehe zwischen Margaret und James verhandelt. Nun findet endlich die Trauung statt. Aber James kommt nicht selbst nach London, ein Stellvertreter führt die junge Prinzessin zum Altar. Erst ein halbes Jahr später zieht König Heinrichs älteste Tochter mit großem Gefolge nach Schottland. Sie ist das Unterpfand für den Frieden zwischen England und seinem nördlichen Nachbarn. Hinter sich lässt sie London und ihre beiden Schwestern, die angeheiratete und schon verwitwete Katharina von Aragon und die jüngere leibliche Schwester Mary. Nicht nur die Verwandtschaft miteinander führt die jungen Frauen zusammen. Sie fühlen auch eine tiefe Bindung, geprägt von gegenseitiger Zuneigung, aber auch von Konkurrenz. Vor allem Margaret ist es wichtig, ihre Stellung zu betonen, nicht zu kurz zu kommen, geliebt, geachtet und akzeptiert zu werden. Nun muss sie ihre Schwestern verlassen, aber sie ist sicher, dass eine goldene Zukunft auf sie wartet, als Königin der Schotten wird sie immer die erste Dame im Land sein und muss niemandem den Vortritt lassen. Und tatsächlich wird Margaret von einem gebildeten und verständnisvollen Ehemann erwartet, der sein Land klug regiert und seine Gattin von Herzen liebt, seine zahlreichen nichtehelichen Kinder und deren Mütter allerdings ebenso. Dennoch kann Margaret sich einfinden in das fremde Land, dessen Königin sie ist. Sie bekommt fünf Kinder, aber nur ihr Sohn Jakob überlebt. Und immer sieht sie sich als Friedensbotschafterin. Als König James gegen England in den Krieg zieht, ist Margaret erneut schwanger. Sie ist verzweifelt, denn es ist ihr nicht gelungen, ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen, den Erhalt des Friedens. James fällt in der Schlacht und Margarets Schwester Katharina lässt seinen Leichnam nach London bringen. Ihrem Gemahl Heinrich  VIII. schickt sie James Mantel um ihm zu beweisen, wie gut sie ihre Aufgaben als Regentin erfüllt. Und in Schottland bleibt Margaret zurück, eine junge Frau ohne Erfahrung mit der Regierung eines Landes, einsam, gedemütigt und völlig überfordert.

Eine Frau zwischen allen Stühlen

Margaret Tudor ist eine hochinteressante Dame, allerdings geht es ihr im Tod wie im Leben: Angesichts der ganzen Tudor-Katastrophen und -Dramen am englischen Königshof verblasst ihre Geschichte und wird zum Nebenschauplatz. Dabei ist Margarets Leben nicht weniger dramatisch und von Katastrophen geprägt. Viele ihrer Entscheidungen sind nicht gerade klug zu nennen und man fragt sich beim Lesen ihrer Wikipedia- Biographie oft, wie sie denn nur so leichtsinnig sein, wie sie so überhastet Macht, Stellung, Gesundheit und auch die Wertschätzung ihrer Untergebenen aufs Spiel setzen konnte. Wolfsschwestern sucht und findet auch mögliche Antworten auf diese Fragen. Philippa Gregory hat sich, wie gewohnt, ihrer Protagonistin mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Sensibilität genähert. So entsteht das Portrait einer Frau, die Zeit ihres Lebens mit viel Naivität an die guten Seiten ihrer Mitmenschen glaubte. Sie wollte geliebt werden und konnte sich nicht vorstellen, dass man sie verraten könnte. Immer wieder schätzt sie Charaktere falsch ein und trifft Entscheidungen, die letztendlich fatale Folgen für sie haben. Und nicht nur für sie, auch für das Land, welches sie für ihren Sohn Jakob regieren soll. Ihre Familie lebt in England, der englische König ist ihr Bruder. Dagegen stehen die Interessen Schottlands. Philippa Gregory schildert Margaret Tudor als eine Frau in einem immerwährenden Loyalitätskonflikt, eine junge Frau voller Sehnsucht nach Liebe und auch nach einer starken Schulter, an die sie sich anlehnen kann. Als Leser bekommt man einen guten Einblick in die politischen Zusammenhänge. Zugleich gelingt es der Autorin, uns die menschliche Seite dieser Tudor-Prinzessin nahe zu bringen.

Die Welt einer Prinzessin

Dies gelingt auch durch die Ich-Perspektive, die von der Autorin auch in diesem Roman gewählt wurde. Dabei ist Margaret Tudor nicht unbedingt eine sympathische Frau. Ein ausgeprägtes Standesbewusstsein und dazu permanente Hilflosigkeit, die Unfähigkeit, vorausschauend zu denken, der ständige Wunsch nach einem starken Mann, der ihr sagt, was sie tun soll, dies alles verhindert oft, dass man sich als moderne Leserin mit ihr identifizieren kann, dass man sich mit ihr solidarisiert. Dabei erlebt man Margaret jedoch ganz und gar als Frau ihrer Zeit und als Produkt der Erziehung durch ihre Großmutter Margaret Beaufort. Und dennoch kann man sich ihr in vielen Situationen sehr nahe fühlen, möchte sie manchmal bei den Schultern nehmen und kräftig durchschütteln, damit sie endlich zu Verstand kommt.

Philippa Gregory alias Margaret erzählt ihre Geschichte sehr geradlinig, ohne große Abschweifungen. Dennoch gibt es im Roman immer wieder Längen, in denen die Spannung deutlich abflacht. Vielleicht ist dies einfach der Situation geschuldet: Wenn eine Frau monatelang keine Entscheidung trifft, dann passiert auch nicht viel, das sich im Roman erzählen lässt. Spannend sind jedoch auch viele andere Protagonisten, die im Roman auftauchen und die von der Autorin sehr nuanciert und mit Sinn für das Wesentliche gestaltet wurden. Auch die Atmosphäre in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen der Tudor-Prinzessin wird für den Leser spürbar. Besonders beklemmend sind jene Szenen, in denen Margaret gezwungen wird, in ihrer Ehe auszuharren, eine für Frauen der heutigen Zeit kaum nachvollziehbare Situation. Und so liefert auch dieser Roman eine detaillierte Darstellung der politischen Geschehnisse, verbunden mit einem psychologisch stimmigen Charakterbild der Hauptprotagonistin.                                                     

In gewohnter Qualität

Apropos „psychologisch stimmig“: Der Autorin Philippa Gregory muss man bescheinigen, dass sie wie kaum eine zweite in der Lage ist, sich in historische Persönlichkeiten hinein zu versetzen und diese praktisch für sich selbst sprechen zu lassen. Eine enorme schriftstellerische und eben auch psychologische Leistung. Und so bietet Wolfsschwestern tatsächlich gewohnte Gregory-Qualität: Gut recherchiert und sensibel geschrieben entsteht das Lebensbild einer weiteren Tudor-Dame. Für Gregory-Fans ist dieses Buch sowieso ein Must-have. Wer die Tudors einmal aus einer ganz anderen Perspektive als gewohnt sehen möchte, auch der ist hier gut beraten. Insofern also eine uneingeschränkte Lesempfehlung!

Ihre Meinung zu »Philippa Gregory: Wolfsschwestern«

Orange zu »Philippa Gregory: Wolfsschwestern«23.01.2018
Nachdem mich die Autorin Philippa Gregory mit ihren „Rosenkrieg“-Bücher überzeugen konnte, musste ich natürlich auch ihr neustes Werk lesen und wieder hat sie eine starke Frau zur Haupt-Protagonistin gemacht.
Als Tochter von Heinrich Tudor und Elisabeth von York war Margaret Tudor die ältere Schwester des späteren Heinrich VIII. Sie war Tudorprinzessin, durch Heirat Königin von Schottland und Mutter eines schottischen Königs. Durch ihre Abstammung wurde sie zum Spielball der Nationen, wechselnde Allianzen und Bündnisse zwischen England, Schottland, Frankreich und Spanien bestimmten ihr Leben.
Mit der ersten Frau ihres Bruders Heinrich VIII, Katharina von Aragon, stand sie im ständigen Wettstreit um die Macht und um die Geburt eines Thronfolgers.
Die Autorin lässt Margaret die Ereignisse aus ihrer Sicht betrachten, so ist man als Leser immer mitten im Geschehen ist.
Philippa Gregory zeichnet sie als ziemlich moderne Frau, die sich nicht von Männern dominieren lassen will, dabei aber eben in der Rolle der Frau der Zeit gefangen ist. Nach den Tod ihres ersten Manns, König James IV von Schottland, versucht sie mit allen Mitteln den Thron für ihren Sohn zu sichern und aber eben auch ihr persönliches Glück zu finden.
Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig und lässt die 650 Seiten schnell vergehen, auch wenn sich an manchen Stellen Längen eingeschlichen haben.
Ein umfangreiches, interessantes Nachwort sowie Stammbäume der Familien Tudor und Stewart runden den Roman ab.
Wie ich in der Vorschau gesehen habe, erscheint im Herbst 2018 der nächste Band der Das-Erbe-der-Tudors-Reihe „Um Reich und Krone“, auf den ich mich schon jetzt sehr freue.
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