Das Sühneopfer von Peter Tremayne

Buchvorstellungund Rezension

Das Sühneopfer von Peter Tremayne

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Atonement of Blood“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 441 Seiten.ISBN 3-7466-2967-5.Übersetzung ins Deutsche von Irmhild Brandstädter, Otto Brandstädter.

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Kurzgefasst:

Winter 670 A.D. Es sollte eine großes und schönes Fest werden auf der Burg von Cashel, dem Sitz von König Colgú von Muman. Da stürzt sich ein fremder Mönch auf den Herrscher und will ihn ermorden. Der König wird schwer verletzt. Sein Brehon, der ihn mit seinem Leib schützte, ist auf der Stelle tot. Der Mönch kam aus einem Kloster im Gebiet der Uí Fidgente, der Erzfeinde von Muman. Erst vor vier Jahren haben die Krieger von König Colgú einen Sieg über sie errungen. Fidelma und Eadulf müssen unter Gefahr für Leib und Leben ermitteln.

Das meint Histo-Couch.de: „Blut will Blut“85Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im 7. Jahrhundert. Eigentlich soll es ein fröhliches Fest werden auf Burg Cashel. Aber inmitten der Trinksprüche wird ein Mönch in den Saal geleitet. Er gibt vor, ein Bote des Klosters von Mungairit zu sein und wichtige Nachrichten zu bringen. An der Festtafel jedoch richtet er seinen Dolch gegen König Colgú und tötet den Obersten Brehon Áedo. König Colgú überlebt schwer verletzt, der falsche Mönch wird getötet. „Rache für Liamuin!“, hatte der Attentäter geschrien, aber niemand, auch König Colgú nicht, kennt eine Frau mit diesem Namen. Schwester Fidelma kann sich nicht erklären, was der Grund für diesen Anschlag auf das Leben ihres Bruders sein könnte. Sie beschließt jedoch, der Sache auf den Grund zu gehen und macht sich gemeinsam mit Bruder Eadulf auf den Weg nach Mungairit.

Das Kloster liegt im Gebiet der Uí Fidgente, jenes aufsässigen Stammes, den Colgú vier Jahre zuvor in einer großen Schlacht unterwarf. Ist das Attentat eine späte Rache für diese Schlacht? Aber was hat jene Frau mit dem Namen Liamuin damit zu tun? Auch im Kloster Mungairit erhält Fidelma keine zufriedenstellenden Antworten. Allerdings geschehen hier zwei weitere Morde, verübt von einem Mönch, dessen Rechtsauffassung im krassen Gegensatz zum Brehon-Recht steht. Aber war dieser junge Mann überhaupt ein Mönch? Und was wollte er in diesem Kloster? Für Fidelma gibt es viele offene Fragen und schnell ist klar, daß sie weiter in das Land der Uí Fidgente ziehen muß, wenn sie die Wahrheit herausfinden will. Geht es hier tatsächlich um die verlorene Schlacht, ein Ereignis, mit dem die Menschen sich zwar langsam abfinden, dessen Folgen sie jedoch heute noch spüren? Fidelma ahnt, daß hier wohl tatsächlich die Anfänge zu suchen sind. Aber sie ist auch überzeugt, daß das Attentat auf ihren Bruder Teil eines größeren Planes ist. Nach der Schlacht gegen die Uí Fidgente wurde hier etwas anderes in Gang gesetzt, etwas, das Colgú den Thron kosten könnte!

Alte und neue Bekannte

Peter Tremaynes Fidelma-Romane sind eine feste Größe im Leben fast eines jeden Histo-Krimifans. Sie erscheinen zuverlässig alle Jahre wieder und bringen einen spannenden Fall mit sich. Die Romanreihe spielt in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Meist in Irland, aber gelegentlich ist Fidelma auch in anderen Gegenden der Welt unterwegs. So war sie bereits im Land der Angeln und Sachsen, in Rom, in der Bretagne und noch an einigen anderen Orten. Wichtigster Schauplatz der Romane ist jedoch das Königreich Muman, eines der Königreiche auf der grünen Insel. So hat man im Verlauf der letzten Jahre Gelegenheit gehabt, die Welt der irischen Prinzessin kennen zu lernen. Langjährige Fidelma-Leser werden auch in Das Sühneopfer wieder alten Bekannten begegnen. Dies ist ein bewährtes Rezept Tremaynes: Protagonisten aus früheren Büchern tauchen wieder auf, agieren gemeinsam mit neuen Personen. So entsteht im Laufe der Zeit ein umfangreicher Kader mit erstaunlicher Tiefe bei der Charakterisierung bestimmter Personen. Und es entsteht ebenso ein faszinierender Realitätsbezug. Jeder Roman ist praktisch eine Detailansicht. Werden diese Ansichten zusammen gesetzt, erkennt man ein großes Panorama, in welchem sich nicht nur einzelne Personen sondern auch Politik, Kultur und Rechtsprechung widerspiegeln. Dazu kommt, daß Tremayne als Historiker natürlich bestens im Stoff steht. Auch wenn Fidelma eine fiktive Gestalt ist, kann der Leser davon ausgehen, daß ihm hier keine Phantasiewelt vorgesetzt wird, sondern daß der Autor selbst die kleinen Details seines Romans gründlich überprüft hat.

Immer wieder spielt die Rechtsprechung der Brehons dabei eine wichtige Rolle, lässt Fidelma doch kaum eine Gelegenheit aus, darüber zu referieren. In Das Sühneopfer kommt es (wieder einmal) zu einer Konfrontation mit einem Anhänger des römischen Rechts. Selbst wenn man die Auseinandersetzung bereits aus früheren Romanen kennt, so findet Tremayne doch immer wieder eine neue Perspektive, aus der er diesen Konflikt betrachten kann. Dabei widersteht der Autor recht tapfer der Versuchung, seinen Lesern das frühmittelalterliche Irland als Insel der Seligen zu schildern. Speziell in Das Sühneopfer geht es um die Folgen einer grausamen Schlacht, mit der Fidelmas Bruder Colgú seinen Herrschaftsanspruch durchsetzte.

Typisches Fidelma-Puzzle

Der eigentliche Kriminalfall, die Aufklärung der Hintergründe des Attentats, führt Fidelma und Eadulf wieder quer durch das Königreich Muman, in ein Kloster, auf eine Burg, in kleine Ansiedlungen. Allmählich lernen Serien-Leser dieses Königreich immer besser kennen und können sich eine immer bessere Vorstellung vom Leben dort machen. Aber auch Neueinsteiger bekommen ein umfassendes Bild geliefert.

Die Aufklärung des Falls ist wieder einmal erfreulich kleinteilig, Detail für Detail muß sich der Leser genauso erpuzzeln wie die Ermittler. Das bringt eine Menge Spannung in das Buch und zwingt zum Mitdenken. Es ist auch ein typisches Fidelma-Puzzle: Hier ein Satz, dort ein seltsamer Gegenstand, dann wieder ein Mensch, der sich seltsam benimmt. Dazu kommt, daß Fidelma und Eadulf im Land der Uí Fidgente keineswegs überall willkommene Besucher sind. Oft müssen sie die Krümel für den Kuchen unter einer dicken Schicht Ablehnung und Widerwillen hervorkratzen. Zwar ahnt man bald, was hier eigentlich Sache ist, die vollständige Darlegung des Falls durch Fidelma mit allen Details der Planung dürfte dennoch einige Überraschungen für den Leser bereit halten. Vor allem den allerletzten Punkt, den die gewiefte Brehonin in Cashel aufklärt, dürften viele Hobbydetektive gar nicht auf dem Schirm haben. So bleibt der Roman bis zur letzten Seite spannend.

Fidelma kann man nur empfehlen

Das Sühneopfer ist Nummer 22 unter den Fidelma- Krimis und es bleibt zu hoffen, daß da noch ein paar Bände nachfolgen. Der Aufbau Taschenbuch Verlag hat für die Reihe eine ganz wunderbar passende Covergestaltung gefunden und bleibt diesem Konzept hoffentlich auch weiterhin treu.

Diesmal gibt es kein Nach- oder Vorwort des Autors, das ist ein wenig schade. Langjährige Leser der Reihe brauchen diese Erläuterungen sicher nicht mehr, Neuleser jedoch würden hier sicher ein paar aufklärende Informationen finden. Allerdings gibt es ein Personenverzeichnis, welches bei den nicht immer einfachen irischen Namen das Lesergedächtnis unterstützt, was sehr angenehm ist. Auch eine Karte des Königreiches Muman gibt es wieder. Allerdings fragt man sich bei genauer Betrachtung, ob dies nicht eine Karte aus einem früheren Buch ist. Die Orte der aktuellen Romanhandlung sind gar nicht oder nur mit Mühe auffindbar. So entstehen Zweifel, ob diese Karte wirklich zu diesem Roman gehört, oder ob der Verlag sie in lobenswerter Absicht aus einem anderen Fidelma-Band kopiert und beigefügt hat, um seinen Lesern die Orientierung zu erleichtern. Wie dem auch sei, diese Karte ist nicht ganz einfach zu handhaben.

Es bleibt aber dabei, daß man die Reihe der Fidelma-Krimis nur weiter empfehlen kann. Und das gilt auch für diesen Roman. Er garantiert Spannung, gute Unterhaltung und historisches Fachwissen. Mit einem solchen Buch kann man eigentlich nichts verkehrt machen.

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