Der Teufelsvogel des Salomon Idler von Peter Dempf

Buchvorstellungund Rezension

Der Teufelsvogel des Salomon Idler von Peter Dempf

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Der Teufelsvogel des Salomon Idler“,ISBN 3-8218-0388-6.

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Kurzgefasst:

Ein mitreißendes Epochengemälde aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der Augsburger Schuster Salomon Idler gelangt zufällig in den Besitz geheimnisvoller Pläne für ein Fluggerät. Besessen von dem Wunsch zu fliegen, beginnt er in einer von Pest, Tod und Gewalt beherrschten Welt mit dem Bau seines Teufelsvogels. 

Das meint Histo-Couch.de: „Der große Traum vom Fliegen“80

Rezension von Jörg Kijanski

Augsburg im Dreißigjährigen Krieg. Die protestantischen Schweden halten die Stadt besetzt, während bayerische und kaiserliche Truppen diese von außen belagern. Innerhalb Augsburgs verschlechtert sich die Lage zunehmend. Die Lebensmittel werden knapp, die Anzahl der Bettler steigt täglich, ebenso wie Zahl derer, die an der Pest sterben. Da erhält eines Tages der Schuster Salomon Idler Besuch von dem geheimnisvollen Magister Eduard, der ihn mit der Herstellung eines Futterals beauftragt. Auf diese Weise kommt Idler in den Besitz eines Manuskripts, das offenbar die Anleitung für den Bau eines Flugapparates enthält. Idler, der schon immer gerne Vögel beim Fliegen beobachtete und nur einen großen Traum kennt, nämlich selber einmal wie ein solcher durch die Lüfte zu schweben, sieht sich vor der Erfüllung seines größten Zieles.

Die Freude über den unverhofften Fund währt jedoch nicht lange, denn schnell muss Idler erkennen, dass andere Personen von diesem Manuskript erfahren haben. So erhoffen sich die Katholiken unter Führung von Bischof Heinrich von Knöringen wie auch die Schweden um deren Stadthauptmann Ole Stierna den Zugriff auf die geheimnisvollen Zeichnungen und Erläuterungen, denn beide sind davon überzeugt, dass ein Fluggerät die entscheidende Waffe im andauernden Krieg ist. Idler erfährt alsbald, dass er es mit mächtigen Feinden zu tun hat, denn eins der ersten Opfer ist Idlers Frau Maria, die von Stierna kurzerhand entführt und misshandelt wird. Zudem musste sie Tollkörner essen, wodurch sie völlig apathisch wird und zunehmend den Verstand verliert. Idler ist verzweifelt, will jedoch jetzt erst Recht gegen alle Widerstände zum Trotz den Flugapparat bauen. Ihm zur Seite stehen sein bester Freund Richard, der einäugige ungekrönte König der Augsburger Bettler, die taubstumme Hübschlerin Agnes und eine kleine Gruppe von Gauklern, unter denen sich auch die junge Gesine befindet, zu der sich Idler zunehmend hingezogen fühlt.

Die Zeit drängt, doch woher die Materialien für den Bau eines Fluggerätes nehmen? Zudem erhöhen Bischof von Knöringen sowie Stierna den Druck und als wäre dies nicht schon ausreichend, treibt zudem noch ein gewisser Heinrich von Reibenstein sein Unwesen. Von Reibenstein ist eigentlich ein Gesandter des kaiserlichen Generalissimus Graf von Tilly, doch Tilly ist tot. Nur für wen arbeitet von Reibenstein dann?

Anschaulicher Blick in das Leben Augsburgs

Ein kleiner, aber möglicherweise wichtiger Hinweis vorab. Das hier besprochene Buch erschien in der Originalausgabe bereits im Eichborn Verlag und dort unter dem Titel Der Teufelsvogel des Salomon Idler. Später erschien es nur noch unter dem Titel Der Teufelsvogel. Doch nun zum Inhalt.

Der Dreißigjährige Krieg ist in vollem Gang und mitten in Augsburg versucht ein bis dahin eher unauffälliger Schuster sich seinen großen Lebenstraum vom Fliegen zu erfüllen. Anhand des besagten Manuskriptes baut er zunächst kleinere Modelle, die er nach und nach verfeinert, bevor es dann an ein Modell geht, mit dem auch ein Mensch fliegen können soll. Peter Dempfs Roman gibt einen anschaulichen Blick in das Alltagsleben einer besetzten Stadt, in der bedingt durch die Belagerung nur unzureichend Lebensmittel die Bewohner erreichen. Die Lebensverhältnisse sind katastrophal, und so kann sich der Protagonist glücklich schätzen, dass die größte Bevölkerungsgruppe, die Bettler, dank seinem Freund Richard unverbrüchlich hinter ihm stehen und ihn aus so manch aussichtslos erscheinender Situation retten. Auch ein beachtliches Kopfgeld ändert hieran nichts.

Der Wandel vom Schuster zum Erbauer einer Wundermaschine gelingt verhältnismäßig glaubwürdig und wird beschaulich aufgebaut. Überhaupt ist hohes Tempo nicht Dempfs Sache. Geruhsam plätschert die Geschichte voran, und so werden im ersten „Buch“ auf weit über hundert Seiten vor allem die handelnden Personen sowie die Verhältnisse in der Stadt vorgestellt. Wer hier in erster Linie etwas über den Dreißigjährigen Krieg selber erfahren möchte, dürfte enttäuscht werden. Zwar wird immer mal wieder die politische Situation erwähnt, aber in erster Linie liegt dem Roman das Thema des ewigen Menschheitstraums vom Fliegen zugrunde. Dass dennoch einiges passiert, dafür sorgen die katholischen und protestantischen Seiten, die sich einen erbitterten Wettstreit um den Zugriff auf das Manuskript liefern, in dessen Verlauf vor allem der bereits oben erwähnte von Reibenstein eine zunehmend mysteriösere Rolle spielt. Nicht zuletzt werden durch den Schwarzen Tod zahlreiche Menschen dahin gerafft, so dass Der Teufelsvogel ein insgesamt recht breit gefächertes Spektrum beinhaltet. Der Roman vermittelt nicht nur die Illusion vom Fliegen, sondern zudem den Eindruck, dass jeder sein Ziel erreichen kann, sofern er nur daran glaubt. Na ja, zumindest solange einen vorher nicht die Pest dahinrafft.

 

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