Das Zedernhaus von Pauline Peters

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Das Zedernhaus“,, 432 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

London, 1908: Victoria befindet sich mitten in ihren Hochzeitsvorbereitungen, als ihr Verlobter Jeremy die Hochzeit verschieben und nach Indien reisen muss. Dort wurde ein Anschlag auf den Vizekönig verübt. In London geschehen unterdessen merkwürdige Dinge: Ein Medaillon mit einem Bild von Victorias verstorbenem Vater wird bei einem ermordeten indischen Matrosen gefunden. Als Jeremy plötzlich als vermisst gilt, reist Victoria mit ihrem Butler Hopkins nach Indien. Doch sie werden beobachtet – und von Jeremy findet sich keine Spur ...

Das meint Histo-Couch.de: „Exotische Abenteuer in Indien“80

Rezension von Nicole Goersch

London 1908: Die Hochzeit von Victoria und Jeremy steht kurz bevor, da wird Jeremy von seinem Vorgesetzten in einer Geheimdienstangelegenheit nach Indien geschickt. Dort wurde ein Attentatsversuch auf den Vizekönig verübt, was nun aufgeklärt werden soll. Victoria lässt ihren Verlobten schweren Herzens ziehen und erhält wenig später die Nachricht, dass er spurlos verschwunden ist. Ohne lange zu zögern, macht sie sich mit Butler Hopkins auf den weiten Weg nach Indien. Wird sie rechtzeitig kommen und Jeremy finden?

Dritter Teil der Reihe um Victoria Bredon

Das Zedernhaus ist nach Die rubinrote Kammer und Das Geheimnis des Rosenzimmers nun schon der dritte Teil aus der Serie rund um Victoria, ihren Butler Hopkins und Jeremy. Die Personen sind also bekannt, werden aber zu Beginn kurz umrissen, damit auch Neueinsteiger informiert sind und sich einen Überblick verschaffen können. Allerdings ist es schon hilfreich wegen der zahlreichen Anspielungen, die vorherigen Bände gelesen zu haben. Für den Gesamteindruck ist es unvermeidbar.

Kurz nachdem Jeremy nach Indien aufgebrochen ist, wird in London ein indischer Matrose ermordet. In seinem Besitz befindet sich ein Medaillon, das ein Bild von Victorias Vater enthält. Die Fragen häufen sich: wieso hatte es der Inder bei sich? Wurde es Lord Bredon gestohlen, als er vor Jahren in Indien war? In Butler Hopkins erwacht der Ermittlergeist, und so findet er heraus, wer der Matrose war und dass er zu seiner Verlobten wollte, die für eine englische Familie arbeitet. Victoria nimmt Leela, die von dem ältesten Sohn der Familie bedrängt wird, zu sich und kann ihre Hilfe als Dolmetscherin auf ihrer Reise nach Indien gut gebrauchen. Und genau das wird ein wenig zu häufig erwähnt: dass dies oder jenes das mindeste wäre, was man für Leela tun kann, weil sie so hilfsbereit ist, wird in fast jedem Kapitel wiederholt.

Eindrucksvolle Beschreibungen

Die Geschichte Indiens als britische Kolonie wird nicht außer Acht gelassen und wird besonders deutlich im direkten Konflikt zwischen den Figuren, wenn beispielsweise eine indische Adelige unter Naserümpfen am Kapitänstisch akzeptiert wird. Ein paar Daten und Fakten erfährt man ebenfalls, aber eher als Randnotiz und nicht belehrend dominant.

Die Beschreibungen der Städte, Landschaften und Lebensumstände sind sehr plastisch und lebensnah, sprechen alle Sinne an, so dass man fast meint, die Gerüche erschnuppern und die Geräusche hören zu können. Auch die Menschen werden anschaulich beschrieben, wobei besonders Mahi, der Bruder des ermordeten Matrosen hervorsticht. Er ist absolut sympathisch, jedoch darf bezweifelt werden, dass ein Waisenkind, das aus der Schule weggelaufen ist, über eine solche Bildung verfügt (sogar den Fotografennamen einer Zeitung kennt) und so viel herumgekommen ist (Kalkutta, Simla, Bombay).

Viele Zufälle

Ein wenig zu viel des Guten sind die vielen Zufälle, die den richtigen Wink geben, so dass sich zum Ende hin die Fäden wunderbar ineinander fügen können. Aber die Geschichte wird spannend vorangetrieben, und Anspielungen reizen die Neugier. Während sich zu Beginn die Fragen aufbauen und alles undurchsichtig erscheint, erfolgt zum Schluss die große Aufklärung.

Wer mit der Serie angefangen hat, sollte diesen Teil auf keinen Fall verpassen, denn erneut gibt es wieder starke Persönlichkeiten, eine spannende Geschichte, wunderbare Beschreibungen, amüsante Momente und eine solide historische Einbindung. Natürlich kann mit diesem Band auch gestartet werden, empfehlenswert wäre es aber, die Reihenfolge einzuhalten.

Ihre Meinung zu »Pauline Peters: Das Zedernhaus«

tassieteufel zu »Pauline Peters: Das Zedernhaus«17.10.2018
Victoria Bredon steckt mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, als ihr Jeremy mitteilt, dass die Hochzeit verschoben werden müsse. Offiziell arbeitet Jeremy zwar als Journalist, doch wurde er schon vor längerer Zeit vom Geheimdienst angeworben um für diesen undercover zu arbeiten. Nun soll er nach Indien reisen um dort einen Anschlag auf den Vizekönig zu untersuchen. Schweren Herzens stimmt Victoria zu, die Hochzeit zu verschieben und zunächst fällt ihr der Abschied von Jeremy nicht so schwer, da sie wieder einmal in seltsame Geschehnisse verstrickt wird. Bei einem ermordeten indischen Matrosen wird ein wertvolles Medaillon gefunden, in dem sich ein Bild von Victorias verstorbenem Vater befindet. Sofort ist ihre Neugier geweckt und mit Hilfe von Butler Hopkins beginnt sie nachzuforschen. Doch als Jeremy in Indien verschwindet und jede Spur von ihm fehlt, beschließen Victoria und Hopkins sich nicht auf die Polizei zu verlassen, sondern reisen selbst nach Indien, um Jeremy zu suchen.

Im inzwischen 3. Teil um die unkonventionelle Victoria Bredon wird die Handlung zum großen Teil nach Indien verlagert, was der Geschichte einen exotischen Hauch verleiht. Der Autorin gelingt es recht gut, die Kolonialzeit mit all ihren Facetten vor den Augen des Lesers auferstehen zu lassen und ein stimmiges Bild von der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zu zeichnen und ein wenig indisches Flair zu vermitteln.
Nach Jeremys Verschwinden in Indien reisen Victoria und Butler Hopkins hinterher, um ihn zu suchen, dabei kann sie dann gleich die Angelegenheit mit dem mysteriösen Medaillon weiterverfolgen und so werden dann am Ende auch beide Handlungsstränge miteinander verknüpft und im Großen und Ganzen auch gut aufgelöst, auch wenn dabei einiges doch ein wenig zu sehr konstruiert wirkt und ein paar Mal zu oft der Zufall am Werk war. Gut gefallen hat mir, dass der Krimianteil diesmal etwas mehr Raum einnimmt und auch sehr gekonnt mit der politischen Lage in Indien verknüpft wird. Hier erfährt man nebenbei noch einiges über die Kolonialzeit und die britische Ostindien Kompanie, so dass hier ein gelungener historischer Hintergrund erzeugt wird, in den die Geschehnisse eingebettet sind.
Allerdings habe ich diesmal auch ein paar Kritikpunkte und die betreffen die Hauptfiguren Victoria und Jeremy. Das Paar ist zweifellos sympathisch und die Autorin versucht auch, ihre Charaktere weiter zu entwickeln, leider erscheinen die Beiden dadurch nicht mehr in ihrer Zeit verhaftet. Ihr Handeln und Denken entspricht mehr der heutigen Zeit und so wirken sie zunehmend unglaubwürdig. Sicher ist es kein Fehler, Charakteren eine offenere und fortschrittlichere Denk- und Handlungsweise zu geben, solche Menschen gab und gibt es zu jeder Zeit, aber manchmal ist es dann auch einfach zu viel und genau das ist hier bei den Hauptfiguren passiert, besonders bei Victoria hatte ich nicht mehr das Gefühl dass ich hier von einer Frau aus dem 19. Jh. lese, die sich mit reichlich starren Konventionen herumplagen muß.
Insgesamt ist die Geschichte aber kurzweilig und unterhaltsam und hat auch ihre spannenden Momente, was sich mir aber auch nicht erschlossen hat, war die Tatsache, warum dann Victorias Großtante auch noch in Indien erscheinen muß, das war dann doch mal wieder ein Zufall zu viel!


FaziT: die exotische Kulisse tut dem Band gut, aber auch wenn Victoria und Jeremy sehr sympathisch sind, werden sie für die damalige Zeit in ihrem Denken und Handeln immer unglaubwürdiger, sie agieren wie Menschen unserer Zeit und wirken so sehr anachronistisch.
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