Das Geheimnis des Rosenzimmers von Pauline Peters

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Geheimnis des Rosenzimmers“,, 464 Seiten.ISBN 3-404-17515-8.

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Kurzgefasst:

London, 1907: Zum Unwillen ihrer adeligen Familie führt die junge Victoria ein sehr eigenständiges Leben. Sie plant ihre Zukunft mit Jeremy Ryder, einem »nicht standesgemäßen« Journalisten. Als dieser nur knapp einem Anschlag entgeht, muss er untertauchen und Victoria soll zu ihrer Sicherheit England verlassen. Auf ihrer Reise nach Coblenz trifft sie den russischen Arzt wieder, der Jeremy nach dem Attentat versorgte. Sie ahnt nicht, dass sie Lew bald wiedersehen wird und ausgerechnet in Coblenz in das Komplott gerät, das in London seinen Anfang nahm ...

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende und abenteuerreiche Fortsetzung“88Treffer

Rezension von Nicole Goersch

London, 1907: Victoria Bredon ist weiterhin für die Suffragetten aktiv, die eine Demonstration während einer Versammlung der Konservativen planen. Zu diesem Zweck will Victoria den Ort des Geschehens vorab erkunden und fotografiert dabei drei verdächtige Männer. Um herauszufinden, um wen es sich dabei handelt, schaltet sie ihren Freund Jeremy Ryder ein, der für eine Geheimabteilung des Scotland Yard arbeitet. Als auf ihn ein Mordanschlag verübt wird, muss er untertauchen. Victoria reist unterdessen nach Deutschland, um dort ihre Verwandtschaft zu besuchen und einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Aber ist sie dort wirklich in Sicherheit?

Nostalgischer Flair

Zu Beginn erzählt die Autorin kurz umrissen die Handlung des ersten Teils, so dass man sich in diesen zweiten gut einfindet, auch wenn man Neueinsteiger ist. Es lohnt sich dennoch, Die rubinrote Kammer gelesen zu haben, um die komplizierten Verstrickungen besser zu überblicken, die nicht nur familiärer, sondern auch politischer Natur sind.

Und das ist auch die große Stärke dieses Romans: Pauline Peters schafft eine atmosphärisch dichte Erzählung mit liebevollen und vielschichtigen Charakteren, die in einer Zeit leben, in der die europäische Politik auf tönernen Füßen stand. Sie beweist ein gutes Auge für Details, wenn sie zum Beispiel eine Ledertapete beschreibt oder Jemimah das erste Mal in ihrem Leben Orangen essen lässt (sehr amüsant ist Butler Hopkins Anmerkung über ihre verklärte Ansicht des Landes, in dem die Früchte wachsen, denn er erinnert sich an „ …Einheimische, die jede englische Zurückhaltung vermissen ließen“).

Historisch mustergültig recherchiert

Am Ende des Romans wird auf einige historische Fakten verwiesen, welche korrekt wiedergegeben sind oder für das Buch zurechtgebogen werden mussten. Selbst kleine geschichtliche Ereignisse werden nicht außer Acht gelassen wie zum Beispiel die Existenz eines Vorläufers des Arbeitsamts in Deutschland.

Die Atmosphäre ist geladen: nicht nur ist der Frieden zwischen den großen Nationen gefährdet, auch innerhalb der Länder brodelt es. Politische Schachzüge, Intrigen und Spionage sind keine Seltenheit. Dennoch steht mit Victoria eine junge Frau im Vordergrund, die mit gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, weil sie gegen den Strom schwimmt. Heutzutage Selbstverständliches – wie zum Beispiel weibliche Studenten – musste hart errungen werden.

Die realistische Beschreibung der unterschiedlichen Wohnviertel, die sowohl prächtige, stuckverzierte Villen als auch baufällige, überbevölkerte Holzhäuser schildert, lässt die Kulisse, vor der sich die Geschichte entfaltet, lebendig werden.

Parallele Erzählstränge sorgen für spannenden Schwung

Während Victoria in Deutschland versucht, das aufwühlende Familiengeheimnis zu lüften, ermitteln Jeremy und Hopkins in London weiter, so dass es zwischen diesen beiden Erzählsträngen hin- und hergeht, wobei es natürlich einen Schnitt an den dramatischsten Stellen gibt, so dass man nicht umhin kommt, weiterlesen zu wollen, regelrecht zu müssen.

Erneut ist der Titel irreführend, denn erst gegen Ende entfaltet sich seine Bedeutung, die eigentlich unerheblich ist. Entsprechend dem ersten Band ist die Aufmachung des zweiten Buches, nicht nur wegen des Covers, sondern auch wegen der Umschlaggestaltung.

Ein Spionagethriller angesiedelt in einer aufregenden Zeit, angereichert mit einer Liebesgeschichte zwischen zwei starken Charakteren und gewürzt mit durchaus amüsanten Elementen, die vor allem Butler Hopkins geschuldet sind. 

Ihre Meinung zu »Pauline Peters: Das Geheimnis des Rosenzimmers«

tassieteufel zu »Pauline Peters: Das Geheimnis des Rosenzimmers«03.01.2018
London 1907, Victoria Bredon engagiert sich immer noch für die Suffragetten. Um einer geplanten Versammlung der Konservativen mit einer Demonstration zu begegnen, kundschaftet Victoria den Landsitz Melbury Hall aus, dabei beobachtet sie im Park des Landsitzes 3 Männer, die sich eigenartig verhalten. Ehr zufällig schießt sie dabei ein Foto. Und auch sonst hat Victoria alle Hände voll zu tun, die Ausstellungseröffnung mit Bilden ihrer Mutter offenbart ihr ein neues Familiengeheimnis, das ihr sehr zu schaffen macht, dann wird auch noch auf Jeremy geschossen, der daraufhin untertauchen muss und Victoria selbst wird von einer verzweifelten Freundin um Hilfe gebeten, doch die wohnt in Deutschland. Also reist Victoria kurz entschlossen nach Coblenz, nicht ahnend, dass sie dort gleich auf mehrere Geheimnisse stößt und einer Verschwörung auf die Spur kommt.

Eine große Stärke des Buches ist ohne Zweifel der dichte und atmosphärisch stimmige historische Hintergrund, den die Autorin wirklich breit gefächert beschreibt. Man erfährt viel über die fragile Politik der europäischen Länder, aber auch interessantes und Kurioses aus dem alltäglichen Leben, so wird z.B. in englischen Reiseführern vor der Erstickungsgefahr gewarnt, die von deutschen Federbetten ausgeht. Hier bekommt man wirklich ein gelungenes Bild der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende und es sind die vielen kleinen Details, die zusammen mit größeren politischen Zusammenhängen insgesamt einen bunten Bilderbogen ergeben, der viel Lokalkolorit und zeitgemäßes Flair verbreiten.
Nicht ganz so gelungen fand ich den erzählerischen Aufbau der Geschichte. Während Victoria in Deutschland unterwegs ist und versucht Freundin Rosalyn zu helfen, das Geheimnis rund um ihre Mutter zu lüften und mit ihrer herrischen Großmutter auszukommen, ermittelt Butler Hopkins in London weiter und auch Jeremy, der ja neben seiner Reportertätigkeit auch für den Geheimdienst arbeitet, will unbedingt wissen was hinter dem Anschlag auf ihn steckt. So ergeben sich verschiedene Erzählstränge, die jeder für sich recht spannend sind. Das Wechseln zwischen den einzelnen Handlungsebenen reist den Leser aber immer recht abrupt aus dem gerade aktuellen Geschehen und man braucht eine Weile bis man sich wieder hinein findet. Zudem werden gerade die Passagen rund um Victoria sehr ausführlich und weitschweifig erzählt, alles was die eigentliche Krimihandlung betrifft, ist dagegen recht knapp gehalten, ebenso wie das Ende, das doch sehr überstürzt daherkommt und im Gegensatz zum Rest auf nur wenigen Seiten abgehandelt wird, hier wäre gerade rund um die Verschwörung doch etwas mehr Raum schön gewesen. Natürlich versucht die Autorin sämtliche roten Fäden zusammen zu führen, das führt aber dazu, dass einiges doch ein wenig arg konstruiert wirkt, letztendlich kann man das aber bei der ansonsten gelungen erzählten Geschichte verschmerzen.
Sehr schön ist aber wieder die Figurenzeichnung! Vor allem auch die Nebencharaktere sorgen für ein stimmiges Bild und vor allem Butler Hopkins trägt dazu bei, dass man beim Lesen auch mal breit grinsen kann! Nachdem Victoria schon im ersten Teil einem Familiengeheimnis auf die Spur gekommen ist, scheint es nun auch rund um ihre Mutter Rätsel zu geben, die es zu lösen gilt. Zudem liebt sie zwar ihren Jeremy, glaubt aber nicht dass sie eine gemeinsame Zukunft haben, da sie keinesfalls bei den Suffragetten aufhören will und Jeremy seine Geheimdiensttätigkeit liebt. Als selbstsichere und sympathische Person geht sie natürlich sämtliche Herausforderungen zielstrebig ab und denkt gar nicht daran, sich von Jeremy beschützen zu lassen und so gibt es auch reichlich Reibungspunkte zwischen dem Paar. Ein wenig hat mir hier aber das Knistern zwischen den Beiden gefehlt, dafür gibt's eine fast schon obligatorische Sexszene, die ich nicht wirklich passend fand, aber das ist wohl Geschmackssache!
Sicher ist es nicht unbedingt notwendig, den Vorgänger zu kennen, da die Autorin am Anfang eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse aus Teil 1 gibt, zum besseren Verständnis der Zusammenhänge und der Charaktere kann ich aber nur empfehlen, hier der Reihe nach zu lesen.

FaziT: ein spannender und vor allem viel zeitgemäßes Flair verbreitender historischer Krimi mit sympathischen Charakteren und einer dichten Handlung, dem man kleine Schwächen gern nachsieht.
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