Die Seidenbaronin von Martina Rauen

Buchvorstellungund Rezension

Die Seidenbaronin von Martina Rauen

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Die Seidenbaronin“,, 512 Seiten.ISBN 978-3-499-25889-3.

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Kurzgefasst:

Darmstadt, 1787. Paulina von Gralitz stammt aus adeligem, aber verarmtem Hause. Ihre große Liebe, Christian von Bahro, darf sie daher nicht heiraten, seine Familie ist gegen die Verbindung. Ihr bleibt keine andere Wahl, als eine Zweckheirat einzugehen: Pierre von Ostry ist der Sohn eines erfolgreichen Crefelder Seidenfabrikanten, das Unternehmertum liegt ihm jedoch nicht im Blut. Und so muss Paulina nach dem Tod des Schwiegervaters die Leitung der Seidenmanufaktur übernehmen. Während um sie herum Napoleons Armeen Europa erobern, kämpft Paulina um die Zukunft des Hauses. Doch in den Kriegswirren begegnet sie dem Mann wieder, den sie nie hat vergessen können …

Das meint Histo-Couch.de: „Mehr Tiefgang als der Titel vermuten lässt“82

Rezension von Daniela Loisl

Darmstadt Ende des 18. Jahrhunderts. Paulina lebt bei ihrem Großvater, da ihre Mutter von der Familie verstoßen wurde. Die Familie hat einen tragenden Namen, ist aber verarmt. Als eines Tages eine Paulina noch unbekannte Großtante in ihr Leben tritt, bietet diese ihr an, sie unter ihre Fittiche zu nehmen. Es ist das erste Mal, dass Paulina die schöne Seite des Lebens kennen lernt, sie wird in die Gesellschaft eingeführt und wird Hofdame am Darmstädter Hof. So trifft sie eines Tages auf Christian von Bahro und verliebt sich in ihn. Durch einen raffinierten Plan seitens Christians Familie wird eine Heirat verhindert. Pauline, die den Hof unerlaubt verlassen hat, fällt in Ungnade und ist gezwungen, den Sohn eines Seidenfabrikanten zu ehelichen, um zumindest ein angenehmes Leben führen zu können. Als ihr Schwiegervater stirbt und sie die Leitung der Firma übernehmen muss, trifft sie unverhofft auch Christian wieder…

Durchgehender roter Faden und Spannung

Wüsste man nicht, dass dies der Debutroman der Autorin ist, würde man dies sicher nicht vermuten. Ist die Geschichte selbst nicht neu oder innovativ, so ist sie dennoch gekonnt umgesetzt und stimmig.
Mit Pauline hat Martina Rauen eine – wie in vielen historischen Romanen leider üblich – starke, kämpferische Protagonistin geschaffen. Von Beginn hat ist die Erzählung atmosphärisch dicht und der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss durchgehend straff.

Man begleitet Paulina durch halb Deutschland, begibt sich mit ihr an den Darmstädter Hof und begegnet Persönlichkeiten wie Louise von Preußen oder Napoleon. Die geschichtlichen Hintergründe sind geschickt mit fiktiven verknüpft und durch die bildhaften und plastischen Beschreibungen kommen keine Längen auf.
Die Stärken der Autorin liegen in der Darstellung der wirtschaftlichen Probleme, mit der die Protagonistin und viele andere Kaufmänner durch die Besetzung Napoleons zu kämpfen haben. Diese Problematik führt die Autorin dem Leser sehr authentisch und nachvollziehbar vor Augen. Dennoch darf man sich nicht zu viel an wahren Begebenheit aus der Zeit erwarten, denn der Focus liegt deutlich auf der Hauptfigur. Dass es auch eine Liebesgeschichte gibt, geht schon eindeutig aus dem Klappentext hervor. Aber anders als die Kurzbeschreibung suggeriert, hat die Autorin es vermieden, schwülstige oder kitschige Szenen mit einzubauen.

Etwas moderne Protagonistin

Figuren gibt es derlei viele und alle sind facettenreich geschildert. Christian von Bahro, der eigentliche Auslöser für Paulines Fall in der Gesellschaft, hat weniger Auftritte als erwartet. Er bleibt als Figur zwar im Hintergrund, ist aber durch Paulines Liebe stets mitten im Geschehen. Leser, die ein Faible für gefühlsstarke Liebesgeschichten haben, werden dies als Manko empfinden, was im Grunde aber eine Bereicherung für den Roman selbst ist.

Hat Martina Rauen es auch vermieden, aus diesem historischen Roman einen platten Liebesroman zu machen, so sind die Handlungen und auch die Einstellungen der Protagonistin manchmal doch etwas zu modern. Als Figur würde sie ebenso in einen zeitgenössischen Roman passen, der die Karriere einer Frau aus dem Mittelstand zeichnet. Dieser kleine Schwachpunkt sollte aber aufgrund der wirklich flüssig und stimmig erzählten Geschichte nicht allzu schwer gewichten, denn gute und kurzweilige Unterhaltung bietet Rauen auf jeden Fall.

Ihre Meinung zu »Martina Rauen: Die Seidenbaronin«

venatrix zu »Martina Rauen: Die Seidenbaronin«02.03.2015
So mag ich die historischen Romane!
Die Handlungsstränge balancieren geschickt zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Die Leserschaft erfährt viel über die Zeit in der die Geschichte spielt (Raum Crefeld/Darmstadt während der Napoleonischen Kriege). Man spürt nie das Gefühl des „erhobenen Zeigefingers“ eines Geschichtslehrers.
Pauline steht in dieser schwierigen Zeit ihre Frau. Die starken Gefühle wirken nicht kitschig. Ein bisschen mehr Substanz hätte ich mir für Christian von Bahro gewünscht.
LettersFromJuliet zu »Martina Rauen: Die Seidenbaronin«09.09.2013
Meine Meinung
Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, da mir die Wörter “Crefeld” und “Napoleon” ins Auge gesprungen waren. Krefeld liegt bei mir um die Ecke und die napoleonische Zeit finde ich sehr interessant.
Wie so oft bei historischen Romanen, haben wir es mit einer starken Protagonistin zu tun. Paulina sagt was sie denkt, was ihr jedoch auch zum Verhängnis werden kann. Sie geht ihren Weg, selbst man ihn ihr verbaut, dann findet sie eben einen neuen Weg. Sie lässt sich einfach nicht unterkriegen, ist klug und stellt so manchen Mann in den Schatten.
Wir begleiten die Charaktere über einen Zeitraum von ca. 25 Jahren, wobei gerade im letzten Teil die Handlung gerafft wird und teilweise direkt einige Jahre zwischen den Kapiteln liegen.
Trotz der vielen historischen Fakten (die ich sehr mag), ist dieser historische Roman nicht langweilig, da die Autorin diese Informationen ganz toll mit der Geschichte verwoben hat.
Krefeld war bekannt für seine tollen Stoffe und der Leser erfährt einiges aus dem Alltag der damaligen Seidenweber. Das Kapitel um Napoleon dürfte wohl jeder im Geschichtsunterricht gehabt haben, allerdings wurde die Situation danach in den belagerten Gebieten eher ausgeblendet. In diesem Roman bekommen wir einen Einblick in die Zeit der französischen Besatzung und treffen sogar Napoleon, welcher durchaus nicht ganz ungefährlich war.
Ich finde es sehr schade, dass Christian von Bahro nur so wenige Auftritte in dem Buch hat, da er für mich ein sehr angenehmer Charakter war, über den ich gerne noch mehr erfahren hätte. Ganz im Gegensatz zu Paulinas Ehemann, der zwar ein ganz guter Redner ist, aber keinerlei Sinn für das Kaufmännische hat. Ich wurde nicht wirklich warm mit ihm. Interessant wurde es, wenn Paulina Charaktere aus ihrer Vergangenheit (ich möchte nicht zu viel verraten) wiedergesehen hat.
Dafür, dass das der Debütroman von Martina Rauen ist, hat sie schon mächtig vorgelegt und ich bin gespannt wie sie das noch toppen möchte.

Fazit
Fantastisches Debüt mit einer starken Protagonistin und genau der richtigen Dosis an historischen Fakten. Bitte mehr davon!
bonomania zu »Martina Rauen: Die Seidenbaronin«20.07.2012
1787: Die junge Adelige Paulina von Gralitz ist gerade 14 Jahre alt, als ihre Großtante unerwartet bei ihrer verarmten und in Ungnade gefallenen Familie auftaucht, um sie als ihre Ehrendame mit an den Hof von Prinzessin Marie Luise von Darmstadt mitzunehmen. Sie fällt dort wegen ihrer direkten Art der Enkelin Prinzessin Maries auf. Mit Therese von Mecklenburg verbindet Paulina bald eine innige Freundschaft. In deren Gefolge lernt sie zufällig Christian von Bahro kennen und lieben, allerdings steht Christians Familie einer Heirat vehement entgegen und weiß den Kontakt des jungen Paares mit einigen Intrigen zu unterbinden. Die Gründe dafür liegen in Paulinas Familiengeschichte. Plötzlich mittellos auf sich allein gestellt, gerät Paulina an die Kaufmannsfamilie von Ostry und nutzt pragmatisch die sich ihr durch Heirat bietenden Chancen, auch wenn sie künftig dem höfischen Leben entsagen muss.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist flüssig und fesselnd geschrieben. Paulina war mir mit ihrer charismatischen Art sympathisch und ich fand es spannend zu lesen, wie sie beherzt und mutig ihren Weg geht und wieder bis in die höchsten Kreise aufsteigt. Als 14-jährige erschien sie mir zwar ein kleines bisschen zu reif und erwachsen, aber wie die Autorin Paulina ihr Leben mit scharfem Verstand und viel Persönlichkeit hat meistern lasse, das hat mir wirklich gut gefallen. Zu keiner Zeit fand ich die Handlung langweilig, auch nicht die Zeit bei Hofe, was mich angenehm überrascht hat. Aus dem Geschichtsunterricht bekannte geschichtliche Ereignisse und historische Persönlichkeiten wie Louise von Preußen oder Napoleon wurden lebendig in die Handlung eingeflochten. Auch die Liebe kam in diesem Roman nicht zu kurz, denn Christian kreuzt immer wieder Paulinas Weg.
In der zweiten Hälfte des Buches liegen oft mehrere Jahre zwischen den Kapiteln und man erfährt meist nur so nebenbei, wie es nach dem Ende des vorangegangenen Kapitels weiterging. Ich hätte gern noch weiter gelesen über diese starke Frau, doch kommt die Autorin dann rasch zum Ende, welches aber nicht unbefriedigend ausgefallen ist.

Einziges Manko sind für mich die am Ende hin etwas zu großen Zeitsprünge. Auch ein Personenregister wäre sehr hilfreich gewesen :-)

Ich freue ich mich schon auf den nächsten Roman von Martina Rauen.
Susanne zu »Martina Rauen: Die Seidenbaronin«09.07.2012
Nach dem Klappentext hätte ich mir das Buch wohl nicht gekauft. Über Seidenweberinnen oder Seidenstickerinnen hatte ich schon einiges gelesen und Romane über höfisches Leben hatte ich auch schon zur genüge. Dazu ein Debüt-Roman... Dann bekam ich das Buch geschenkt und muss sagen, mir wäre da wirklich was entgangen! Ich hätte nie gedacht, dass das Buch so vielschichtig ist.

Von Anfang an wurde ich gefesselt von der Geschichte um die junge Adelige Paulina, die aus verarmten Verhältnissen stammend durch ihre Großtante zunächst an den Darmstädter Hof gelangt und dort Hofdame der mecklenburgischen Prinzessin Therese wird. Mit ihrer offenen und direkten Art macht Paulina sich nicht nur Freunde, zumal ein Skandal in ihrer Familiengeschichte noch nicht vergessen ist. So darf Paulina dann auch Christian von Bahro nicht lieben, seine Familie verhindert raffiniert eine Heirat. In Ungnade gefallen und ohne eigene Mittel bleibt Paulina nichts anderes übrig, als das Angebot einer Seidenfabrikantenfamilie anzunehmen, den zweiten Sohn zu ehelichen und damit in Wohlstand leben zu können. Eine Verbindung von gegenseitigem Nutzen, denn Paulina wird mecklenburgische und westfälische Güter erben, auf die die Familie ausweichen könnte, sofern die Franzosen Krefeld einnehmen würden. Im Folgenden wird sehr bildhaft und spannend Paulinas Leben in einer historisch ereignisreichen Epoche geschildert. Mit Leidenschaft, wachem Verstand und Durchsetzungsvermögen trotzt Paulina allen Widrigkeiten und bringt es zu erneutem hohen Ansehen.

Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen. Das höfische Leben, Paulinas Wirken als Seidenfabrikantin und eingeflochtene geschichtliche Ereignisse wurden bildhaft und keinesfalls langweilig dargestellt. Die Protagonistin Paulina war charismatisch und mir ausgesprochen sympathisch, obwohl ich ihren Charakter manches Mal als ein wenig zu modern empfunden habe, was mich aber nicht wirklich gestört hat. Ich fühlte mich von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten und habe das Buch geradezu verschlungen. Ich hoffe, von der Autorin bald mehr lesen zu können!
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