Der Herr der Bogenschützen von Mac P. Lorne

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der Herr der Bogenschützen“,, 704 Seiten.ISBN 978-3-426-52082-6.

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Kurzgefasst:

Vom enteigneten Sohn eines Verschwörers zum Kommandanten der englischen Langbogenschützen: John Holland, der spätere Duke of Exeter, ist eine schillernde Figur im 100-jährigen Krieg zwischen England und Frankreich. Man lässt uns seine Ausbildung bei den walisischen Bogenschützen ebenso hautnah miterleben wie seine Kriegsgefangenschaft und sein mehrfaches Aufeinandertreffen mit einer verblendeten und fanatischen jungen Frau, die einmal als Jeanne d’Arc in die Geschichte eingehen soll und der es gelingt, einen fast beendeten Krieg wieder aufflammen zu lassen - und deren Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen er am Ende nicht verhindern kann, obwohl er ahnt, dass so eine Märtyrerin geschaffen wird ...

Das meint Histo-Couch.de: „Ein genialer Bogenschütze und eine verblendete Jungfrau“93Treffer

Rezension von Yvonne Schulze

1399 wird der englische König Richard II. von seinem Vetter Henry Bolingbroke, der als Henry IV. den englischen Thron besteigt, entmachtet und wenig später in dessen Auftrag ermordet. Diesem Mordkomplott fallen auch Richards treue Anhänger zum Opfer, unter anderem John Holland Herzog von Exeter, der zugleich ein enger Verwandter der beiden Könige ist. John Holland wird enteignet und ihm werden sämtliche Titel aberkannt, seine Witwe wird unter ihrem Stand verheiratet und seine drei minderjährigen Söhne werden von der Mutter getrennt und zu Pflegeeltern gegeben. Der älteste Sohn Richard, der die Ermordung seines Vaters miterleben musste und selbst grausam misshandelt wurde, ist tief traumatisiert und nimmt sich das Leben. Auf dem Sterbebett lässt er seinen jüngeren Bruder John schwören, alles daran zu setzen, die Familienehre wiederherzustellen, die aberkannten Titel zurückzugewinnen und Rache an den Schuldigen zu nehmen. Dieser Eid wird Johns weiteres Leben entscheidend beeinflussen. Da ihm eine Laufbahn als Ritter verwehrt bleibt, lässt er sich zum Bogenschützen ausbilden und zieht als Anführer der gefürchteten Bogenschützen auf die Schlachtfelder des Hundertjährigen Krieges. Nachdem er König Henry V. bei der Schlacht von Azincourt das Leben rettet, beginnt sein Aufstieg zum erfolgreichen Heerführer.

Ein unerschrockener Kämpfer und geradliniger Charakter

Unzählige historische Romane haben bereits den Hundertjährigen Krieg thematisiert. Die politischen Verhältnisse, die berühmt-berüchtigten Schlachten und all die darin verwickelten Beteiligten sind geschichtsinteressierten Lesern weitestgehend bekannt. Mac P. Lorne holt mit seinem Protagonisten John Holland einen Mann aus der Versenkung, der zu Lebzeiten offensichtlich eine gewisse Berühmtheit hatte, dann aber zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Er lässt vor den Augen des Lesers diesen charismatischen Mann wieder auferstehen, bleibt dabei aber nah an den bekannten biografischen Daten und historischen Fakten und lässt nur dort seine Fantasie spielen, wo die Geschichtsschreibung Lücken aufweist oder widersprüchlich ist. Geschickt verwebt der Autor Historie und Fiktion, sodass die Grenzen fließend werden und am Ende ein Gesamtbild entsteht, bei dem der Leser das Gefühl hat, dass sich alles genauso zugetragen haben könnte. Auf spannende und unterhaltsame Art zeichnet er ein opulentes Gemälde einer Zeit, die von Gewalt und Krieg, Unrecht und Intrigen geprägt war. Da sich John Hollands Leben zum Großteil auf den Schlachtfeldern des Hundertjährigen Krieges abgespielt hat, liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass diese einen nicht unwesentlichen Teil der Handlung bestimmen. Der Autor nimmt hierbei kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen, doch ist es bei ihm keine Zurschaustellung von Brutalität der bloßen Effekthascherei willen, sondern die Veranschaulichung einer gewalttätigen Zeit, in der ein Menschenleben nicht viel galt.

Das Who-is-Who jener Zeit

Eine Vielzahl von Personen tritt in diesem Roman auf und bei einem Großteil von ihnen handelt es sich nicht um fiktive Figuren, sondern um Menschen, die historisch belegt sind. Da fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten oder die verwandtschaftlichen Verbindungen zu durchschauen. Wer hier nicht über Vorkenntnisse verfügt, muss aufmerksam lesen, zumal auch so manche wichtige Person nur eine kurze Gastrolle hat. Den immensen Rechercheaufwand des Autors kann man nur erahnen und deshalb verzeiht man ihm gerne, dass aufgrund der Fülle an Personen und der dichtgedrängten Ereignisse die Figurenzeichnung oftmals auf der Strecke bleibt. 

Die Entzauberung eines Mythos

In einem zweiten Handlungsstrang widmet sich der Autor dem Leben von Jeanne d´Arc, die als „Jungfrau von Orléans“ in die Geschichte eingegangen ist. Das Bild, das Mac P. Lorne von dieser Frau zeichnet, hat allerdings nichts mit der legendenverklärten Märtyrerin und dem sie noch heute umgebenden Mythos zu tun. Mutig holt er die Dame von ihrem Sockel, kappt ihren Heiligenschein und stellt sie als das dar, was sie offensichtlich war – eine religiöse Fanatikerin, die einen fast beendeten Krieg wieder neu entfacht und um 25 Jahre verlängert hat, die in ihrem Gotteswahn ohne mit der Wimper zu zucken über Tausende von Leichen ihrer eigenen Landsleute gegangen ist und unnötiges Leid und Elend über die Zivilbevölkerung gebracht hat. Keine der englischen Armeen hat in Frankreich so gewütet, wie das Heer der Jeanne d´Arc. Die Begegnung zwischen ihr und John Holland ist eine der Schlüsselszenen in diesem Roman.       

Der Herr der Bogenschützen ist ein rundum gelungener Histo-Schmöker im besten Wortsinn. Mac P. Lorne präsentiert Geschichtsunterricht auf spannende und unterhaltsame Art und führt damit die landläufige Meinung ad absurdum, dass ein historischer Roman, der tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen viel Raum gibt und dabei nah an den Fakten bleibt, zwangsläufig langweilig sein muss.

Der Knaur Verlag hat diesen lesenswerten Roman wieder mit einem gelungenen Cover versehen und mit einem umfangreichen Anhang ausgestattet, der das Herz jedes geschichtsbegeisterten Lesers höher schlagen lässt. Neben einer Landkarte, einem Personenverzeichnis mit den wichtigsten Figuren, einer Zeittafel und einem Glossar gibt es auch ein interessantes Nachwort des Autors und eine Auswahl weiterführender Literatur.   

Ihre Meinung zu »Mac P. Lorne: Der Herr der Bogenschützen«

Gudrun zu »Mac P. Lorne: Der Herr der Bogenschützen«30.01.2018
Die fesselnde Sprache des Autors taucht den Leser ein in die Geschichte des 100 jährigen Krieges, in die Irrungen und Wirrungen der kriegswütigen hohen weltlichen Herren und des Klerus, die gnadenlos und grausam das gemeine Volk ausbeuten und es sich selbst im höfischen Luxusleben gut gehen lassen. Glanz und Gloria, hemmungslose Herrschsucht, sexuelle Ausschweifungen auf der einen Seite, tapfere, durchsetzungsfähige Krieger sowie bittere Armut auf der anderen Seite zeichnen die damalige Zeit. Detaillierte teils deftige teils einfühlsame Beschreibungen von Landschaft, Seefahrt, Krieg, Ritterlichkeit, Devotismus, Entbehrung und Liebe reissen mit und versetzen ins mittelalterliche Tun. Die Darstellung der angeblich so tapferen, wahrscheinlich jedoch schizophrenen Jungfrau von Orleans als Unterstützerin eines chrétinhaften französischen Königsanwärters und seines Hofes ist ein weiterer erfolgreicher Schritt zu deren Entmystifizierung. Dieses Buch sollte jeder lesen, nicht nur wer sich für diese Zeit interessiert.
PMelittaM zu »Mac P. Lorne: Der Herr der Bogenschützen«25.11.2017
John Holland wird nach dem Tod seines Vaters von seiner Mutter getrennt und wächst bei Pflegeeltern auf. Titel und Besitz sind mit dem Vater untergegangen, doch John, obwohl noch sehr jung, lässt sich nicht unterkriegen. Als König Henry den Krieg mit Frankreich wieder aufleben lässt, ist John dabei.

Der Krieg Englands mit Frankreich, der später der Hundertjährige genannt wird, geht in eine neue Phase, und schließlich taucht eine Frau auf, die bis heute unvergessen ist: Jehanne Darc, bekannt als Jeanne d'Arc oder die Jungfrau von Orléans.

John Holland ist kein fiktiver Protagonist, sondern eine historische Persönlichkeit – das muss man wissen, bevor man den Roman liest, sonst würde man dem Autor womöglich unterstellen, zu viel Unwahrscheinliches in dieses Leben hineingedichtet zu haben. Ein großer Teil der geschilderten Ereignisse ist aber genau so geschehen, und wo Lücken zu füllen waren, hat der Autor sie so zu füllen versucht, wie es hätte passiert sein können. Näheres dazu erläutert der Autor in seinem historischen Nachwort.

Ob John wirklich ein so sympathischer und charismatischer Mensch war, wie er als Protagonist dieses Romans wirkt, kann man natürlich nicht wissen, es ist aber auch egal, denn dies ist eben ein Roman und keine Dokumentation. Ich mag es, von diesem faszinierenden Mann zu lesen, und gerade weil man als Leser ständig mit ihm fühlt, hofft und bangt, entwickelt der Roman eine regelrechte Sogwirkung. Auch die anderen Charaktere sind Mac P. Lorne wunderbar gelungen, egal ob Freund oder Feind, alle sind gut ausgearbeitet und wirken echt – und John ist beileibe nicht der einzige, mit dem man sich als Leser anfreundet und um den man deshalb bangt. Ich habe (neben John) ein besonderes Faible für Mathew Gough entwickelt, der ebenfalls, wie fast alle teilnehmenden Personen, historisch belegt ist, wie man auch dem Personenverzeichnis, das den Roman einleitet, entnehmen kann.

Jehanne Darc dürfte eine der historischen Persönlichkeiten jener Zeit sein, von der jeder schon einmal gehört hat, und um die sich die meisten Legenden ranken. Ihre Rolle in diesem Roman ist nicht ganz so glänzend, dafür aber womöglich wesentlich realistischer. Auch dazu hat der Autor sich im Nachwort geäußert. Jehannes Rolle im Roman ist die einer Antagonistin, aber auch die einer Frau, die benutzt wird. Ich finde es gut, dass man als Leser angeregt wird, über sie nachzudenken.

Sehr gut hat mir auch Mac P. Lornes Erzählstil gefallen, der sehr bildhaft und mitreißend ist, so dass man nur so durch die Zeilen fliegt und das Kopfkino dauerhaft arbeitet. Sehr gefällt mir, wie viel Hintergrundwissen mit einfließt, so z. B. die Entstehung eines Bogens. Naturgemäß sind einige Schlachten enthalten, auch hier zeigt der Autor, wie spannend man diese erzählen kann, aber auch, wie grausam Krieg ist – und zwar nicht nur bei den Schlachten.

Neben dem bereits erwähnten Personenregister und den historischen Anmerkungen rundet eine Karte, eine Zeittafel, ein Glossar und eine Bibliographie die Zusatzausstattung dieses Romans ab – perfekt.

Wer gerne gut recherchierte historische Romane liest, sollte hier unbedingt zugreifen, er erhält eine packende Geschichte, mit historisch belegten Prota- (und Antagonisten), mit denen man mitfühlen kann, die bildgewaltig und spannend erzählt ist, und die man nur ungern wieder verlässt. 90°
Hannes zu »Mac P. Lorne: Der Herr der Bogenschützen«30.08.2017
Ich lese gerade im Anschluss dieses Buches von Rebecca Gablé -Die Hüter der Rose-. Gleiche Handlung, gleiche Personen. Nur aus einer anderen Sichtweise. Hier der unsympathische, dort der sympathische Bischof von Winchester usw.
Zugegeben, der Roman liest sich locker weg, hat aber nicht die sprachliche Wucht einer Rebecca Gablé oder eines Bernard Cornwell. Ich habe schon besseres von Mac. P. Lorne gelesen. Zum Beispiel -Der Pirat-. Von mir nur 85 Punkte.
wampy zu »Mac P. Lorne: Der Herr der Bogenschützen«28.08.2017
Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Der Herr der Bogenschützen

„Der Herr der Bogenschützen“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2017 bei Knaur TB erschienen ist.

Meine Meinung:
John Holland, die Hauptfigur des Buches ist ein starker Sympathieträger, den der Leser von früher Kindheit an begleitet. Von Beginn an erleidet er großes Unrecht und kämpft entschlossen gegen seine Widersacher. Manchmal kam er mir wie ein Heiliger vor, weil er kaum eine Schwäche zeigt, Rückschläge unverzagt in Kauf nimmt und zudem der nette junge Mann bleibt. Auch ungewollt geniest er eine gute Allgemeinbildung, die nicht nur militärische Dinge umfasst. Vor allem lernt er auch planvolles Vorgehen und das es sinnvoll ist, sich das Wissen anderer Leute zu Nutzen zu machen und im Idealfall zu übernehmen. Aber trotz aller historischen Elemente ist es auch ein Abenteuerroman.Es ist faszinierend John auf seinem Weg zu begleiten, sei es im Kampf auf dem Schlachtfeld, im Verlies oder auf glattem diplomatischen Boden. Ein zweiter Erzählstrang spielt in der französischen Provinz und dreht sich um die Familie Darc. Sehr eindringlich wird die Entwicklung der späteren Jungfrau von Orleans geschildert, deren Schicksal tief berührt. In beiden Erzählsträngen folgt der Autor historischen Begebenheiten und verzichtet weitgehend auf fiktive Figuren. Hier wird die umfangreiche Recherchearbeit des Autors deutlich. Seine Figuren wirken lebendig und aus dem Leben gegriffen. Auch der militärische Aufstieg John Hollands ist belegt. Besonders eindrucksvoll ist der Spannungsbogen. Immer wieder steigt die Spannung, um dann für kurze Zeit zurückgenommen zu werden. Dabei sind es nicht nur Kampfszenen, die ein Ansteigen der Spannung bewirken sondern oft auch Szenen, in denen John Neuland betritt, sei es sein Zusammentreffen mit König Henry oder seine ersten Schritte auf diplomatischer Ebene.
Das Buch wird adäquat abgerundet durch ein Glossar, eine Zeittafel und ein umfangreiches Nachwort des Autors, in dem er auch erklärt, was in diesem Buch Fiktion und was der Realität entspricht.

Fazit:
Ein überaus fesselnder Roman, der mich von Anfang an gefangen genommen hat. Er besticht sowohl durch Nähe zur historischen Realität als auch durch eine spannende Handlung. Der Leser wird von der überaus sympathischen Hauptfigur John Holland gefesselt, die nicht nur auf sondern auch neben dem Schlachtfeld überzeugt. Im Gegensatz dazu steht das traurige Schicksal der Jungfrau von Orleans, das mir so nicht bewusst war. So habe ich neben einer spannenden Handlung auch noch etwas lernen können. Gerne vergebe ich fünf Sterne (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.
Dagmar zu »Mac P. Lorne: Der Herr der Bogenschützen«07.08.2017
Wieder ein mit rasanter Feder geschriebener historischer Roman von Mac P. Lorne. Ich war so gefesselt, dass ich mir wieder eine Nacht um die Ohren geschlagen habe, nur um zu wissen, wie es John Holland ergeht. Ein Mann, der sich trotz der mannigfaltigen Kriegsgräuel (welche der Autor detailliert beschreibt ohne in Effekthascherei zu verfallen), denen er begegnet, seine Menschlichkeit bewahrt und gleichzeitig die Profilierungssucht und Bigotterie der Herrschenden entlarvt.Trotz selbst erfahrenen Leides wird er nicht verbittert und roh, sondern bleibt mitfühlend und menschlich integer. Man wünscht sich mehr solcher Männer (und auch Frauen), die Tapferkeit, Mut und Weitsicht an den Tag legen.
Was Jeanne D'Arc anbelangt, halte ich es mit Helmut Schmidt: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Ich denke, hier wurde jemand zum Spielball der Mächtigen, um die jeweiligen Machtgelüste zu unterstützen. Nicht umsonst wurde das Mädchen am Ende schnell fallen gelassen, als es keinen Vorteil mehr bot. Tragisch.
Ein rund um gelungener Roman, der einen mitreißt und in das Geschehen "hineinzieht".
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