Ein Bild von Lydia von Lukas Hartmann

Buchvorstellungund Rezension

Ein Bild von Lydia von Lukas Hartmann

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Ein Bild von Lydia“,, 368 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Sie ist klug, kunstbegeistert und nach dem Tod ihres Vaters, »Eisenbahnkönig« Alfred Escher, die reichste Frau der Schweiz. Sie ist verheiratet mit dem Sohn eines mächtigen Politikers. Sie ist bereit, all das aufs Spiel zu setzen. Aus Liebe zu einem Künstler. Wer ist Lydia? Niemand kennt sie besser als Luise, das Dienstmädchen, das in allen Wendungen ihres Schicksals an ihrer Seite ist. Und doch bleibt Lydia auch ihr ein Rätsel.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein sehr schweizerischer Roman“80

Rezension von Rita Dell'Agnese

Die junge Luise will den engen Verhältnissen daheim entfliehen und lässt sich im ausgehenden 19. Jahrhundert als Zimmermädchen im Hause Welti-Escher anstellen. Schnell wird Luise zur Vertrauten ihrer Dienstherrin Lydia Welti-Escher. Die sensible Frau ist die Tochter des Eisenbahnkönigs Alfred Escher, der ein Vermögen erwirtschaftete und die Tochter nach seinem Tode zur reichsten Frau der Schweiz machte. Obwohl Lydia sich gegen die anfängliche Ablehnung ihres Vaters durchsetzen konnte und den von ihr begehrten Bundesratssohn Emil Welti heiratete, ist sie nicht glücklich. Sie langweilt sich in ihrer Ehe, da ihr Mann sich intensiv um seine Karriere kümmert und seine belesene und vor allem bis dahin gesellschaftlich aktive Frau oft sich selber überlässt. Als sie dem bekannten Maler Karl Stauffer für ein Bild Modell sitzt, entbrennt zwischen der Hausherrin und dem Künstler eine tiefe Liebe. Obwohl sich Lydia zu beherrschen versucht, gibt sie dieser Liebe nach und brennt mit dem Maler durch. Doch der lange Arm des einflussreichen Schwiegervaters holt die Liebenden ein. Empört lässt sich Emil Welti von Lydia scheiden die Millionen bleiben bei ihm. Lydia muss sich auf ein ganz anderes Leben einstellen. Luise merkt, wie ihre Dienstherrin sich verändert.

Eine fein gesponnene Geschichte

Der Autor Lukas Hartmann erweist sich auch in diesem Roman als feiner Beobachter der gesellschaftlichen Szene. In einer unaufgeregten und angenehmen Sprache erzählt er von den gesellschaftlichen Zwängen, die die junge Lydia Welti-Escher in die Knie zwingen. Der Autor schildert die zerbrechende Beziehung zwischen Lydia und Emil ebenso eingängig, wie die Entwicklung, die die zum Zeitpunkt ihrer Anstellung erst 15-jährige Luise durchmacht. Er stellt den Kontext der Ereignisse zur Belle Époque her, erläutert, ohne zu dozieren und entführt in eine Welt, die vielen verborgen ist. Die fein gesponnene Geschichte der tiefen Liebe zwischen Lydia und dem Maler Stauffer schliesst den Leser ein und gibt ihm den Eindruck, Teil der Geschichte zu sein. Allerdings geht diese Erzählweise stark zu Lasten eines temporeichen Plots. Der Roman dümpelt immer wieder vor sich hin, erweckt den Eindruck, als würde über weite Strecken kaum etwas passieren. Es ist denn auch das grösste Manko des Romans: Obwohl die Geschichte durchaus tragische Momente hat, entwickelt sie sich stellenweise zu schleppend und verliert sich in der zwar feinfühligen aber doch leicht monotonen Erzählweise. Es braucht ein gewisses Interesse an den Figuren der Schweizer Historie, um dem Roman bis zum Ende zu folgen.

Interessante Charaktere

Dass Lukas Hartmann eine geschickte Hand bei der Wahl seiner Protagonisten hat, hat er nicht erst in diesem Roman bewiesen. Obwohl er im Prinzip die Geschichte von Lydia Welti-Escher und Karl Stauffer erzählt, steht in Zentrum des Romans das Dienstmädchen Luise. Ihr schreibt der Autor eine eigene, tragische Geschichte zu. So bekommt sie, die quasi die Erzählerin des Romans ist, eine eigene Grösse und wird zu einer tragenden Figur, ohne jedoch der schillernden Lydia vor dem Licht zu stehen. Farblos bleibt Emil Welti – Lukas Hartmann macht ihn zu einer Nebenfigur, die von stark vom Vater manipuliert ist und dessen Zuneigung für seine Frau bald dem Geltungsdrang und Karrieredenken Platz macht. Dennoch scheint auch er nicht als «Bösewicht» auf. Hier zeigt sich, dass der Autor auf eine klare Einordnung seiner Figuren verzichtet und sie zu kantigen, eigenwilligen und sehr speziellen Charakteren formt, die dem Roman viel Tiefe und Hintergrund geben. Von der Sprache, Handlung und vom Erzähltempo her ist Ein Bild von Lydia ein sehr schweizerischer Roman, der aber auch Leserinnen und Leser aus anderen Ländern anzusprechen vermag.

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