Der Junge, der Träume schenkte von Luca di Fulvio

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „La Gang dei Sogni“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 784 Seiten.ISBN 3-404-16061-4.Übersetzung ins Deutsche von Petra Knoch.

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Kurzgefasst:

New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens – mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag …

Das meint Histo-Couch.de: „Guten Abend New York!“91Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Wie verwirklicht man seinen Traum? Luca Di Fulvio weiß es. Der Autor macht es seinem kleinen Helden Natale alias Christmas dabei aber nicht eben leicht. Unter denkbar schlechten Bedingungen startet das blondlockige Kind mit den tiefschwarzen Augen Anfang des 20. Jahrhunderts auf einem Landgut in Italien ins Leben. Das Schicksal verschlägt ihn bald schon nach New York. Von seiner pragmatischen Mutter Cetta innig geliebt, wächst Christmas zu einem gewitzten Jungen heran, der sich mit dem harten Leben und der Kriminalität in den Straßen der Lower East Side arrangiert und dabei die Sehnsucht in den Menschen, die ihm begegnen, klingen lässt. Als Christmas in einem Straßengraben ein verletztes Mädchen findet, begegnet ihm sein Traum. Ruth beherrscht fortan seine Gedanken. Doch sie ist die Tochter aus einem reichen, jüdischen Haus, er hingegen der Sohn einer italienischen Einwanderin, die sich als Prostituierte durchs Leben schlägt. Für eine Romanze zwischen den beiden ist kein Platz. Trotzdem kann Christmas nicht von Ruth lassen. Da zieht Ruths Familie nach Kalifornien, der Kontakt bricht unvermittelt ab. Noch gibt sich Christmas aber nicht geschlagen. Er will zum Radio, damit Ruth durch seine Stimme an ihn erinnert wird. Gegen alle Widerstände schafft er es ans Mikrofon. Mit seinem „Guten Abend New York“ bringt er den Menschen ihre Träume zurück.

Bewegend schön, bedrückend brutal

Mit seinem Roman schafft der italienische Autor Luca Di Fulvio den Spagat zwischen einer bewegenden Geschichte und bedrückender Brutalität. Er schont seine Leser nicht. In der Figur des abartigen Billy tun sich vor dem Auge des Lesers tiefe Abgründe des menschlichen Geistes auf. Billy lebt seine Perversität mit wachsendem Erfolg aus. So hält Di Fulvio dem Publikum einen Spiegel vors Gesicht. Denn die verschrobenen Phantasien der Gesellschaft sind es, die Billys Erfolg ausmachen. Leicht könnte der Roman also in ein düsteres Szenario abgleiten. Dass er dies nicht tut, ist der großen Erzählkunst Luca Di Fulvios zu verdanken. Virtuos verknüpft der Autor die von einem tiefsinnigen Humor geprägte Geschichte von Christmas, das von großer innerer Stärke zeugende Schicksal Ruths und die an Brutalität ständig zunehmende Komponente zu einem tiefsinnigen Roman.

Er verliert sich etwas

Di Fulvios Roman hat also alles, was es braucht, um zum Bestseller zu avancieren. Auf den 781 Seiten wird dem Publikum ganz großes Kopfkino geboten. Allerdings könnten es auch weniger Seiten sein, um der Geschichte ihre Aussagekraft und ihren Zauber zu lassen. Denn der Autor gefällt sich da und dort zu sehr als Erzähler und verliert sich immer wieder in Details. Hier gibt es einige Längen, die vom Publikum recht viel Geduld einfordern. Erschwerend kommt hinzu, dass die italienische Erzählweise, bei der Wiederholungen als Stilmittel durchaus gängig sind, hier bei der Übersetzung ins Deutsche zu ausgeprägt übernommen wurde. Dadurch verändern sich Rhythmus und Melodie und lassen die Geschichte an einigen Stellen plump und aufgebläht wirken. Hier würde sich eine Straffung bei der Überarbeitung für eine Neuauflage durchaus lohnen.

Stimmiges Gesamtwerk

Grundsätzlich stimmen bei diesem Roman aber Inhalt und Sprache. Es ist eines jener Bücher, die sich einprägen und die Leser noch lange begleiten, nachdem die letzte Zeile längst verschlungen worden ist. Unterstrichen wird der gute Gesamteindruck von einem ausgezeichnet gewählten Cover und einem angenehmen Schriftbild bei der Originalausgabe als Taschenbuch. Allerdings sollte sich der Verlag überlegen, ob er diesem Roman in einer Neuauflage nicht die Gunst eines Hardcovers gewähren sollte.

Ihre Meinung zu »Luca di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte«

Buecherwurm101 zu »Luca di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte«20.04.2016
über diese Radiogeschichten wieder zu finden...

Mir hat dieses Buch sehr gefallen, erzählt es doch davon, dass man nicht immer auf dem einfachen Weg zu seinem Glück kommt. Man einer muss es sich schwer erarbeiten.

Das Cover versetzt einem durch das Fehlen von Farben in eine frühere Zeit. Ein kleiner Junge schaut um eine Ecke – kindlich gespannt, was er sieht, erlebt.
Igelmanu66 zu »Luca di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte«22.12.2014
New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie haben ihre süditalienische Heimat verlassen, um in Amerika ihren Traum von einem besseren Leben zu verwirklichen. Doch ihre Hoffnung weicht schon bald tiefster Ernüchterung, denn in der von Armut, Elend und Kriminalität beherrschten Lower East Side gelten die brutalen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Mut und Kraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag… (Klappentext)

Alles ist möglich. Welches Leben ist schon komplett vorherbestimmt?

Aus dem jungen Italiener Natale ist der Amerikaner Christmas geworden. Und der geht entschlossen seinen Weg, verfolgt seine Ziele. Unbeirrt von der denkbar schlechten Ausgangssituation, die er hat, nutzt er seine ganz besondere Fähigkeit, nämlich die, andere Menschen für sich einzunehmen. Er erzählt jedem seine Geschichten und gelangt so Sympathien, selbst bei Gangsterbossen. So „arbeitet“ er sich hoch, vom kleinen Gelegenheitsgauner über die Straßengangs von New York – hin zu seinem großen Traum: Seine Geschichten einem richtig großen Publikum zu erzählen, nämlich über das Radio! Und dadurch auch seine große Liebe wiederzufinden…

Die junge Jüdin Ruth kommt aus gutem Hause. Man ist wohlhabend, bewegt sich in angesehenen Kreisen. Ihr Leben sollte doch eigentlich problemlos verlaufen. Doch Ruth wird das Opfer eines brutalen Überfalls, wodurch sie langfristig traumatisiert wird…

Cetta, Christmas Mutter, hatte von einem besseren Leben in Amerika geträumt. Aber als sie 14jährig mit ihrem Baby alleine in New York steht, bleibt ihr nur der Weg ins Bordell, um sich und den Jungen durchzubringen. Kann es für sie jemals ein Happy End geben?

Noch weitere Charaktere begleiten wir durch das Buch. Nicht wenige davon wuchsen mir richtig ans Herz. Den meisten von ihnen konnte Christmas durch seine Geschichten und seine Beharrlichkeit Mut machen, auch ihre eigenen Wege und Träume weiter zu verfolgen.

Luca di Fulvio zeichnet ein großartiges Bild des New Yorks der 1920er Jahre. Auf der einen Seite Reichtum, auf der anderen Seite Armut, käuflicher Sex, unglaubliche Brutalität und Rassenhass. An dieser Stelle ein kurzer Hinweis: Wer, vielleicht aufgrund des „traumhaften“ Titels annimmt, dieses Buch wäre „nur schön“, könnte wegen der teilweise sehr heftigen Brutalität je nach Gemüt irritiert bis schockiert sein. Also bitte nicht vergessen, in welcher Zeit und an welchem Ort die Geschichte spielt. Ich bin jedenfalls unheimlich froh, dass ich mich auf die Diamond Dogs eingelassen habe.
bamberger zu »Luca di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte«27.09.2012
Der Schriftsteller vermittelt durch seine sowohl charmante und liebenswürdige Darstellung von Christmas und der brutalen Gewalt auf den New Yorker Straßen, das richtige Gleichgewicht, um die Geschichte Interessant und fesselnd bis zum Schluss zu halten. Auch die teilweise harte und vulgäre Ausdrucksweise wirkt in der gesamten Geschichte nicht vordergründig oder abschreckend. Der Schreibstil bzw. der Aufbau mit den Zeitsprüngen hat mir persönlich sehr gut gefallen, da man so, ohne Unterbrechung oder langatmige Textpassagen, die Vorgeschichte erfährt, während man bereits in der Gegenwart liest. Ein sehr empfehlenswerter Roman über das alte Amerika und das schwere Leben der Immigranten zu dieser Zeit. Es stärkt einen im Glauben an die Freundschaft, die Familie und die Loyalität
Kasia zu »Luca di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte«07.06.2012
Ich habe soeben das letzte Kapitel ausgelesen und überlegt, wie ich dieses Buch angemessen bewerten sollte.
Und es gibt wirklich gar nichts, was mich davon abhalten könnte, es mit vollen 100° zu bewerten.
Schließlich lese ich selten Bücher, die mich voll und ganz überzeugen, bei denen es keine Längen gibt und die so geschrieben sind, dass ich das Gefühl habe, selbst ein Teil des Buches zu sein.
"Der Junge, der Träume schenkte" ist wundervoll! Ich hätte Tag und Nacht lesen können und habe mir, wie meine Vorgänger gewünscht, die Geschichte möge niemals enden.
Damit meine ich nicht die Gewalttaten, die im Buch detailliert beschrieben werden, sondern all die Glücksmomente, die vom Autor beschrieben, für den Leser wirklich spürbar sind.
Wenn das Buch nicht so beworben und in aller Munde wäre, hätte ich ein Meisterwerk der Worte versäumt, denn von Luca Di Fulvio habe ich bisher noch überhaupt nichts gehört. Das soll sich aber ändern, so wie Ihr die anderen Bücher von ihm bewertet habt.
Ich sagte zu meinem Mann: "Du weißt, ich lese sehr viel. Und du weißt, dass ich nicht oft ein Buch so über alle Maßen lobe, wie dieses hier. Also vertraue mir und les es!".
Und das kann ich jedem einzelnen sagen, der vielleicht noch unentschlossen vor dem Buchregal steht und überlegt, ob er sich die 781 Seiten "antun" sollte. Ich sage nur: Tu' es!!!
Buchliese zu »Luca di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte«02.05.2012
Das Buch erreicht bei mir die volle Punktzahl. Selten hat ein Buch es geschafft mich so zu fesseln. Lebendige Charakteren feinfühlig beschrieben. Trotz der rauhen Wirklichkeit trifft die wunderbare Sprache tief in das Herz des Lesers. Und gerade das Ende empfand ich wie eine Heimkehr nach einer langen Reise.
Ihr Kommentar zu Der Junge, der Träume schenkte

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