Friesische Freiheit von Lothar Englert

Buchvorstellungund Rezension

Friesische Freiheit von Lothar Englert

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Friesische Freiheit“,, 990 Seiten.ISBN 3939689556.

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Kurzgefasst:

Friesland im 14. Jahrhundert. Reiche Großbauern wollen herrschen, ihre Landsleute aber in Freiheit leben. Dieser Konflikt ist friedlich nicht zu lösen. Lange Zeit haben die Friesen Angriffe fremder Herren auf ihre Freiheit erfolgreich abgewehrt. Mit den Wikingern fing es an. Dann kamen die Deutschen – Grafen und Fürsten, ja sogar Könige – und haben sich dabei blutige Nasen geholt. Doch nun gärt es unter den Friesen. Reiche Bauernfamilien drängen zur Häuptlingswürde. Die alte Rechtsordnung der friesischen Freiheit und ihre Verfechter geraten zunehmend unter Druck. Das Amt des frei gewählten Richters, der zugleich Führer des Heeresaufgebots und Patronatsherr ist, soll jährlich wechseln, aber immer öfter vollzieht sich dieser Wechsel nur mit Schwierigkeiten. Ehrgeizige Großbauern finden Gefallen an der Machtfülle ihres Amtes und trennen sich nur widerwillig von ihm. Schließlich weigern sich die ersten. Wo sie mit ihren Argumenten nicht überzeugen, nutzen sie Erpressung und Gewalt und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Magnus tom Diek ist Richter im Harlingerland und fühlt sich der alten Rechts­tradition verpflichtet. Ihm stehen Widersacher wie der Brokmanne Keno Hylmerisna und der Erzbischof Otto I. von Bremen gegenüber, denn auch die Kirche drängt zu säkularer Macht. Magnus­ nimmt den Kampf auf, er macht sich zum Sprecher derer, die nicht bereit sind, ihre seit langem bewahrte Freiheit nun an eigene Bauernfürsten zu verlieren. Aber seine Gegner sind stark, vor allem, weil sie keine Skrupel kennen.

Das meint Histo-Couch.de: „Eindrucksvoller Roman über das friesische Mittelalter“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Im Friesland des Jahres 1345 leben in der Nähe des heutigen Esens die Großbauern friedlich auf ihren Höfen, die sie bestellen. Es gibt Richtlinien, nach denen Unrecht geregelt wird, und alle akzeptieren dies. Doch es regen sich Widerstände gegen die alte Ordnung, einige wollen mehr als andere, und das geht auf Dauer nicht gut.

Einer von diesen Großbauern, die durch List und Tücke ihr Land vergrößern und die auch vor Gewalt nicht zurück schrecken, ist Keno Hylmerisna, der Brokmanne, der auch einen Sohn namens Ocko hat, der sogar noch skrupelloser zu sein scheint, als sein Vater. Ihnen gegenüber stehen Magnus tom Diek und sein Sohn Enno, die sich in der Tradition der alten Rechte sehen und so zu Widersachern der Brokmannen werden. Jeder zieht andere Bauern auf seine Seite, und so bleibt es nicht aus, dass es immer wieder zu Reibereien kommt.

Doch nicht nur die Bauern bekriegen sich. Als der Bischof von Bremen stirbt, sind es die Kirchenfürsten Frieslands leid, auf Nachricht aus Rom zu warten, und setzen einen der Ihren ins Amt ein. Als schließlich der vom Papst ernannte Bischof auftaucht, beginnt ein Kampf der beiden Kirchenmänner und ihrer Anhänger um das Amt. Magnus tom Diek stellt sich auf die Seite des vom Papst ernannten Gottfried von Arnsberg und kämpft für seine Freiheit und die der anderen Friesen, die sich nicht den Unterdrückern und Gewalttätigen beugen wollen. Ein Kampf, der über Generationen dauern wird.

Realistische Beschreibungen

Mit seinem Roman Friesische Freiheit legt Lothar Englert einen eindrucksvollen Roman über das mittelalterliche Friesland vor, der sowohl spannend als auch außerordentlich lehrreich ist. Von Anfang an schafft er es, den Leser in die bittere Zeit des 14. Jahrhunderts zu bringen und behält auch über die sagenhaften 960 Seiten immer die Spannung bei. Er verliert nie den Überblick, schaut auch über den Tellerrand Frieslands hinaus und bettet so das Geschehen in Friesland in das große Ganze der Weltpolitik, und das tut er äußerst überzeugend.

Neben der immer wieder beschriebenen Thematik zwischen Keno Hylmerisna und Magnus tom Diek und später ihren Söhnen tauchen immer wieder neue Personen und Konflikte auf, die zusammen ein großes und trotzdem übersichtliches Bild der Zeit ergeben. Englerts Beschreibungen sind sehr realistisch und dabei nie überzogen oder übertrieben. Man kann die Landschaft förmlich riechen, die Menschen sehen und ihre Handlungen nachvollziehen, und so entsteht niemals Langeweile, im Gegenteil, immer wieder ertappt man sich dabei, dass man das Buch vor Spannung kaum aus der Hand legen möchte. Dies gilt für Passagen, in denen gekämpft und intrigiert wird genauso, wie für Stellen, wo es vielleicht eher ruhiger zugeht. Lothar Englert beherrscht sein Handwerk.

Gute Personenzeichnung

Auch in Sachen Personenzeichnung weiß der Autor durchweg zu überzeugen. Neben den beiden Familien, von denen die Hylmerisnas gar historisch verbürgt sind, die tom Dieks hingegen stellvertretend für viele Familien ihrer Zeit stehen, bleiben vor allem der lange Adriaan, Holländer und Freund von Magnus, sowie der Dominikaner William, in Diensten von Magnus, und der Mönch und Speichellecker der Hylmerisnas, Bruder Ludgerus, im Gedächtnis. Letzterer erweist sich als windige, unsympathische und als Geistlicher völlig fehlbesetzte kleine Kröte, die nur an sich selbst denkt und immer wieder für unangenehme Situationen sorgt. Auch er steht stellvertretend für eine Kirche, in der Korruption ebenso an der Tagesordnung liegt wie außerhalb der Kirche.

Auch wenn man sich anfangs scheuen mag, den 960 Seiten starken Roman nebst 25seitigem Anhang in die Hand zu nehmen, so lohnt es sich doch. Englert verliert nie den Überblick über seine Figuren und die politischen Situationen und beweist sogar gelegentlich friesischen Humor. Er beschreibt Traditionen und kennt sich im mittelalterlichen Friesland aus, was auch die Nutzung der alten friesischen Ortsnamen bezeugt, die immer mit Fußnoten im Anhang aufgeschlüsselt werden. Dabei ergreift der Autor keineswegs wirklich Partei, sondern versucht immer mit einer gewissen Neutralität zu formulieren. Auch wenn bald klar ist, dass die Sympathien der Leser, wenn man überhaupt davon reden kann, wohl auf der Seite der tom Dieks liegen, so bekommen doch alle Parteien ihre Charakterzüge, die sie zu realen und nicht nur schwarzweißen Figuren machen.

Politische Winkelzüge anschaulich dargestellt

Friesische Freiheit ist dank seines Autors ein gelungene Chronik Frieslands und bietet dem Leser einen eindrucksvollen Einblick in das mittelalterliche Leben, und wenn man genau hineinliest, kann man so manchen Schachzug bestimmt auch in heutiger Politik wiederfinden. Im Großen wie im Kleinen wird hier Geschichte anschaulich und lebendig erzählt, und dies dürfte nicht nur für Norddeutsche interessant sein.

 

Die gefährlichsten Feinde der Friesen sind die Friesen selbst.

 

So sieht es aus, und diese Weisheit lässt sich mühelos in die heutige Zeit in die ganze Welt übertragen. Dem geneigten Leser sei zu raten, die Seitenzahl zu vergessen und sich auf den spannenden Roman einzulassen. Er wird wahrscheinlich eh nicht merken, wie die Seiten nur so davon fliegen. Vielleicht wäre eine Karte Frieslands aus der Zeit ebenso wie eine Personenliste eine interessante Ergänzung gewesen, so bleibt ein langes und ausführliches, gutes Nachwort neben den Fußnoten die einzige Ergänzung. Dieser Roman aus dem Leda-Verlag wäre es durchaus wert gewesen, als Hardcover zu erscheinen (und dann auch bequemer beim Lesen in der Hand zu halten). Aber auch so wird der Leser ein eindrucksvoller Leseerlebnis haben. Herzlichen Glückwunsch!

 

Ihre Meinung zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«

taciturus zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«05.11.2014
Bei der Lektüre dieses Buches bekommt man als Leser kalt und warm serviert. Anfangs beginnt die Geschichte schwerfällig. Immer wieder verwendet der Autor Einschübe um neue Figuren einzuführen, die lange Zeit von der Haupthandlung ablenken und eher wie kleine Kurzgeschichten in der Geschichte wirken. Nach diesem kurzen Anfangsstottern nimmt die Geschichte Fahrt auf. Der Roman wird breit angelegt, wobei vor allem die unterschiedliche Haltungen zur Verfasstheit des Gemeinwesens und zu politischer Mitbestimmung zweier Großbauern aus dem Friesland den zentralen Anker bilden. Klug wird dabei das Verfassungssytem dargestellt und seine Bedeutung für die Menschen anhand von Beispiel nicht doziert sondern erzählt. Dabei werden Themen behandelt, die ansonsten in vielen historischen Romanen eher Randnoten bilden, wenn sie überhaupt erwähnt werden. Dieser Hintergrund wirkt fundiert recherchiert und macht den Roman lesenswert. Zugleich sind die Figuren belebt, wenn auch nicht gänzlich frei von Klischees, dennoch keine Abziehbilder.

Dieser positive Lauf verläuft sich aber nach rund zwei Dritteln wieder. Die Handlung wird immer zerklüfterter. Man gewinnt den Eindruck, dass der Autor immer mehr Themen in seinem Roman unterbringen wollte und so ufter und wuchert dieser vor sich dahin. Unter dieser Last zerbricht dem Autor jedoch der Spannungsbogen. Der Niedergang der Friesischen Freiheit scheint in vielen Bereichen schon zu vorhersehbar gewesen zu sein, als dass noch Dramatik in der Geschichte wäre. Vieles wirkt nur noch wie aufgewärmt, wie im ersten Teil geschilderten Kampf um diese schon vorweggenommen. Letztlich scheitert der Roman damit an seinem Umfang, da er es nicht schafft, den Leser bis zum Ende am Papier bzw. an der elektronischen Tinte zu halten.

Schade, dass ein vielversprechender Anfang durch den rapiden Abbruch den anfänglichen positiven Eindruck nicht erhalten konnte und so am Ende doch nur ein unterdurchschnittlicher Eindruck bleibt.
Gerd Constapel zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«29.01.2012
In Ostfriesland war im Mittelalter der Feudalismus nur wenig ausgeprägt. Stattdessen entstand das Gefolgschaftssystem der Friesischen Freiheit. Es gab keine etablierte Schicht vornehmer Familien in der Region. Auswärtige Grafengeschlechter wurden im Fränkischen Reich in Ostfriesland eingesetzt, scheiterten jedoch alle daran, ihre Herrschaftsansprüche zu festigen. Zur Verteidigung des Landes gegen die „suther sareda ridderum“ (südliche gerüstete Ritter) und die „northeska wigandum“ (nordische Krieger) und nicht zuletzt gegen das Meer waren die Friesen auf sich selbst gestellt. Sie kodifizierten ihr Zusammenleben, ihr Bedürfnis nach Gemeinsamkeit und ihr genossenschaftliches Selbstverständnis in so genannten „Küren“ und Landrechten, entsandten jährlich gewählte „Redjeven“ (Rechtsprecher, Ratsmänner), die sowohl die Gerichtsbarkeit ausübten als auch ihre Bezirke führten, vom 12. bis ins 14. Jahrhundert zum „Opstallisbaem“ (niederdeutsch: Upstalsboom). Im Verlauf des 14. Jahrhunderts jedoch zerfiel die Redjeven-Verfassung, verursacht durch den Ausbruch der Pest, verheerende Sturmfluten und äußere militärische und politische Bedrohungen, wie etwa durch die Grafen von Oldenburg, aber auch geistliche Herrscher, wie die Bischöfe von Münster und Bremen. Diese Situation machten sich einige einflussreiche Familien zu Nutze und schufen ein Herrschaftssystem, in dem sie als „haudinge“ (niederdeutsch: Hovetlinge) die Macht über mehr oder weniger weite Gebiete gewannen.

Aus dieser dramatischen Zeit des 14. Jahrhunderts erzählt der außergewöhnlich bemerkenswerte Roman „Friesische Freiheit“ von Lothar Englert. Hier finden wir Ostfriesen endlich eine anschauliche Schilderung der Geschehnisse, so wie sie sich damals zugetragen haben mögen. Die spärlichen Urkunden und Nachweise aus jener Zeit würden allein nicht ausreichen, um uns davon ein plausibles Bild machen zu können. Lothar Englert hat es verstanden, unter Verwendung der bisherigen historischen Erkenntnisse einen Roman zu schreiben, der spannend von der ersten bis zur letzten Seite den Konflikt zwischen den auf der alten Rechtsordnung beharrenden Familien, wie denen der tom Diek, und den nach Macht strebenden Familien, wie denen der Hylmerisna (später tom Brook genannt) schildert. Er lässt auch die weltpolitischen Ereignisse nicht außer Acht, erzählt meisterhaft von den komplizierten Schachzügen und Intrigen der in das friesische Geschehen sich einmischenden Mächtigen, beschreibt realistisch, stellenweise äußerst drastisch, die ausgetragenen Scharmützel und Schlachten und offenbart damit eine profunde Kenntnis der damals gebräuchlichen Waffen und Schlachtordnungen. Trotz aller geschilderten Details bleibt der Roman überschaubar, nichts wird unübersichtlich. Die auftretenden Figuren behalten vom Anfang bis zum Ende ein hohes Identifikationspotential sowohl bei der Personenzeichnung wie auch in deren packenden Dialogen.

Für uns Ostfriesen ist dieser Roman ein Glücksfall: Er zeigt uns auf anregende und spannende Weise einen dramatischen Ausschnitt aus unserer sehr eigentümlichen und einzigartigen Geschichte des Mittelalters, erinnert uns an die erhabene Zeit unserer Vorfahren, die sich als von grundherrlichen Bindungen freie Bauern verstanden, aber auch an das nicht unverschuldete Ende dieser großen Epoche. Dieser Roman macht uns neugierig auf das Phänomen der Friesischen Freiheit, lässt uns gern weitere Schriftquellen, insbesondere – so geht es mir – noch zugängliche Texte der Küren und Landrechte studieren, die in unserer schönen alten friesischen Sprache verfasst wurden.

Dieser historische Roman offenbart uns, dass unser Landsmann Lothar Englert ein Meister seines Metiers ist, und wir freuen uns auf weitere spannende Geschichten aus Ostfrieslands ereignisreicher Vergangenheit, mit denen er uns hoffentlich beschenken wird.
Jürgen Daro zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«15.04.2011
Mit dem Roman “Friesische Freiheit“ ist dem Autor Lothar Englert ein umfassendes, fast 1000 Seiten starkes Werk ostfriesischer Geschichte gelungen. Da ich mich selbst für die ostfriesische Geschichte interessiere war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Einen Roman zu schreiben, in dem geschichtliche Wahrheit und Fiktion verbunden sind, ist ein gewagter Spagat, der dem Autor wunderbar gelungen ist. Dieses Buch ist nicht nur ein “dicker Wälzer“, im Gegenteil, es ist von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend, und nicht nur für den geschichtsinteressierten Leser eine Bereicherung. Man darf jetzt schon auf das nächste Werk des Autors gespannt sein.
Heinz J. Berghoff zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«13.04.2011
Ich habe mich auf das Buch mit geschichtlichen Abläufen der ostfriesischen Heimat sehr gefreut. Als ich es dann in den Händen hielt, war ich trotzdem sehr erschrocken, derweil
die Seitenzahl des Buches eine umfassende und trockene Darstellung geschichtlicher
Gegebenheiten erwarten ließ. Umso überraschter war ich, dass ich mich schon nach
wenigen Seiten in die Handlung hineinversetzt fühlte. Ich muss gestehen, dass ich mich unbewusst auf die Seite von einem der Protagonisten versetzt und mit diesem die zeitliche Reise durch das ostfriesische Mittelalter erlebt habe. Es ist erstaunlich in welcher Weise sich Abläufe der damaligen mit der heutigen Zeit vergleichen lassen. Die Maximierung von Macht und Größe auf der einen Seite bei gleichzeitiger Minimierung der Möglichkeiten der Schwächeren ist ja nach wie vor weltweit zu beobachten.
Mit dem Buch „Ostfriesische Freiheit“ ist Lothar Englert ein „großer Wurf“ gelungen mit dem er einen Teil der ostfriesischen Geschichte in unterhaltsamer Weise beschreibt. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Buch. Ich habe es mit Begeisterung gelesen und kann es sehr empfehlen.
Werner Janssen zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«14.03.2011
Das Buch „Friesische Freiheit“ erhielt ich wie gewünscht zu Weihnachten geschenkt.
Nach dem ich bereits kurz vorher die Lesung besucht hatte, konnte ich es kaum noch erwarten, bis ich das Buch in den Händen hielt. Die ersten Seiten zogen mich gleich in den Bann. Das Buch ist sehr unterhaltsam. Es vermittelt dem Leser große Eindrücke aus der Zeit des Mittelalters in Ostfriesland. Dabei hält der Autor aber meines Erachtens eine strikte Linie ein und gleitet nicht großartig ab. Da wo es notwendig ist beschreibt er die Situationen aber sehr bildhaft, z. B. wenn Keno Hilmerisna in Bremen hineinreitet und ihm der Gestank entgegenspringt. Man kann es förmlich riechen.
Deutlich wird aufgezeigt welche Verstrickungen es in dieser Zeit, zwischen den weltlichen und den klerikalen Mächten, gab. Wie wenig sich bis in die heutige Zeit geändert hat, zeigt auch das Ausnutzen des Machtvakuums im Auricherland durch Keno Hilmerisna und der Kampf der tom Dieks für die Freiheit der Friesen, der friesischen Ideen und deren Rechtsauffassung in der damaligen Zeit.
Ich wohne in der Nähe des Upstalsboom und stelle mir jedesmal vor, wenn ich dort vorbei fahre, wie es gewesen sein könnte wenn die Redjeven hier getagt haben. Lothar Englert beschreibt dieses deutlich. Aber er versucht nicht oberlehrerhaft Geschichte zu vermitteln, sondern auf unterhaltsame Weise eine mögliche Geschichte aus der ostfriesischen Historie zu erzählen. So macht Geschichte Spaß und schafft Neugierde auf mehr.
Mir hat dieses Buch sehr gefallen.
Holger Jaruschek zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«28.02.2011
Mit „Friesische Freiheit“ ist Lothar Englert ein anschauliches und spannendes Buch gelungen, das in bester Manier historische Genauigkeit mit romanhafter Darstellung verknüpft. In den detailreichen Schilderungen der einfachen und harten Lebensumstände des mittelalterlichen Frieslands zeigt sich eine tiefschürfende Recherchearbeit, die nicht durch die häufig anzutreffende Verklärung des romantischen und vor Minne triefenden Rittertums beeinträchtigt wird. Die stellenweise derbe Ausdrucksweise unterstreicht dies zusätzlich, wobei ein Abgleiten in eine Effekt haschende Vulgärsprache in wohltuende r Form vermieden wird. Den Glanzpunkt aber bildet zweifellos die Einbindung der Lebensgeschichte der fiktiven Familie tom Diek über mehrere Generationen hinweg in den geschichtlich belegten Hintergrund, wobei der Wandel einer über Jahrhunderte etablierten Gesellschafts- und Rechtsordnung mit dem zentralen Element der Eigenständigkeit und Freiheit, der Vermeidung eines Hegemonialstrebens auf – heute würde man sagen kommunaler Ebene – hin zur Machtkonzentration in den Händen weniger und dem skrupellosen Umgang mit dieser Machtfülle eine zentrale Position einnimmt. Eine Thematik, die auch heute Beachtung finden darf. Die mit Akribie geschilderte Vielfalt des Beziehungsgeflechts zwischen den verschiedenen Akteuren aus dem klerikalen, profanen und familiären Bereich mag auf den ersten Blick etwas verwirren, bildet aber den unverzichtbaren Hintergrund der Handlung. Ohne diese Einblicke in Motivation, Zielsetzungen und Aktivitäten der Protagonisten würden wesentliche, das Verständnis fördernde, Elemente fehlen. Wer seriösen und dennoch lebendigen Umgang mit historischen Gegebenheiten und dabei noch einen Spannungsbogen angefüllt mit tiefen Einblicken in die Licht- aber auch die Schattenseiten des menschlichen Charakters sucht, wird bei diesem Buch fündig werden.
Werner Steffens zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«21.02.2011
Das uebergreifend Bemerkenswerte an der Gestaltung des historischen Romans "Friesische Freiheit" ist die Erkenntnis, die ungeheure Problematik des menschlichen Zusammenlebens in der damaligen Zeit selbst als geschichtlicher Laie erfassen und nachvollziehen zu koennen. Ostfriesland war schliesslich ueberall, es dient deshalb durchaus als ein Beispiel fuer das Leben der, bis auf wenige Privilegierte, in geradezu erbaermlicher Armut und persoenlicher Lebens- und Handlungseinschraenkung darbenden Bevoelkerung auf dem gesamten Kontinent.
Und dennoch raffte sich die Landbevoelkerung, die Bauern, auf, die Erhaltung eines Minimums an Freiheit mit dem Schwert zu erkaempfen. Ein Phaenomen uebrigens, das, in unsere "moderne" Zeit uebertragen (siehe derzeitige Ereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten) leider nichts an Schrecken verloren hat. Insofern ist dieser historische Roman durchaus "modern."
Dem Autor Lothar Englert ist es in ueberzeugender Weise gelungen, verkoerpert durch die Familien Hylsmerisna/tom Brook und tom Diek, das Spannungsfeld zwischen Herrschaftsgier unter Anwendung aller Mittel auf der einen und Freiheitsdrang unter Einhaltung ethisch-moralischer Grenzen auf der anderen Seite herauszuarbeiten. Es verwundert nicht, dass die Skrupellosigkeit in einem ohnehin weitgehend rechtsfreien Raum zumindest vordergruendig obsiegt und nur durch Einsatz und schliesslich Hergabe des Lebens in die Schranken gewiesen werden kann.
Ein spannendes, ueberzeugendes Werk des Autors, das Appetit auf mehr erregt.
Dieter (Benny) Bothe zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«18.12.2010
Benny Bothe zu Lothar Englert: Friesische Freiheit, 18. 12. 2010

Ich erlebte seine erste Lesung in Aurich. Ich sah den Umfang des Buches und zögerte zuerst beim Kauf. Aber seine Lesung hatte mich neugierig gemacht. Dann nahm ich das Buch mit in den Urlaub. Nach einigen Seiten war ich gefesselt davon. 4 Tage brauchte ich nur im Urlaub, um am Pool dieses Werk zu lesen. Ich freute mich wirklich immer auf den nächsten Tag, um wieder anfangen zu können.
Da ist dem Lothar Englert etwas gelungen, was ihn auf die Stufe mit den großen Autoren/innen der Gegenwart stellt, die sich im historischen Feld bewegen.
Fundiert und umfassend recherchiert, notwendige Fiktionen geschickt und kaum wahrnehmbar in das historisch Nachweisbare integriert, hält er das Geschehen immer unter Spannung. Das in einer Sprache, die uns kaum noch zugänglich ist, von ihm aber exzellent verständlich gemacht wurde. Das gilt nicht nur für den weltlichen Bereich seiner Protagonisten, sondern auch für die religiöse Seite. Übrigens ein Furz kam nicht ordinär rüber, sondern war ein normale Sache der damaligen Zeit.
Lothar, herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen Buch. Ich hoffe, viele Lesehungrige lassen sich von dem gewaltigen Umfang nicht abschrecken. Es lohnt sich wirklich.
Anke Wehner zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«03.12.2010
Der historische Roman „Friesische Freiheit“ von Lothar Englert zeichnet sich durch ein sehr geschicktes Verweben von Wahrheit und Fiktion aus. Die historischen Elemente des Buches sind allesamt hervorragend recherchiert.
Der Roman beschreibt einfühlsam die Freiheitsliebe und das Leben des friesischen Volkes im 14. Jahrhundert mit all seinen Facetten. So wird zum Beispiel der Kampf um Macht und Machterhalt eindrucksvoll beschrieben. Ebenso erhält der Leser einen Eindruck vom Leben und Arbeiten der Menschen im Mittelalter.
Die hohe Erzählkunst des Autors ermöglicht dem Leser eine so tiefgründige Identifikation mit Personen und Zeit, dass dieser sich in die Geschichte hineinversetzen kann und auf diesem Wege selbst an ihr partizipiert.
Gerhard Schäfer zu »Lothar Englert: Friesische Freiheit«30.11.2010
Dem Autor ist mit „Friesische Freiheit“ ein monumentaler und einzigartiger historischer Roman gelungen, der äußerst prägnant und fesselnd einen Abschnitt der friesischen Geschichte im 14. Jahrhundert erzählt. Die Rechtsordnung der freiheitsliebenden Friesen, die sich niemandem unterordnen wollen, gründet damals auf eigenen Gesetzen und Normen, sogenannter Küren. Richteramt und Rechtsprechung werden durch Wahlen jährlich gewechselt. Aber zu Reichtum gekommene friesische Großbauern wollen herrschen und dieses System ändern, koste es was es wolle.
Am Anfang hat mich der Umfang des Werkes ein wenig abgeschreckt, aber Herr Englert hat eine Art, die friesischen Menschen des Mittelalters, ihre Charaktere und ihr soziales, religiöses, wirtschaftliches und politisches Umfeld so zu beschreiben und zu erzählen, dass man schon nach kurzer Zeit merkt, dieser Stoff geht unter die Haut. Auch erläuternde Passagen werden nicht langweilig. Der Autor ist ganz dicht an der dokumentierten Geschichte des Mittelalters und identifiziert sich authentisch mit den Besonderheiten in der damaligen Zeit. Macht und Geld, Ansehen sowie alle guten und schlechten menschlichen Seiten, in Teilen abgrundtief, kommen in diesem Werk brillant zum Zuge. Dabei widmet er sich besonders seiner Romanfamilie Magnus tom Diek, generationenübergreifend, mit einer Klarheit und Einfühlungsvermögen, die seinesgleichen sucht. Begebenheiten, Diskussionen und Dialoge erzählt Englert ausdrucksstark, mit markanten Worten der Zeit und mit einem herausragenden, intellektuellen Verstand, dass einem nie der Gedanke kommt, das Buch aus der Hand zu legen. Eine besondere Spannung erreicht Englert bei den Auseinandersetzungen – bis hin zum Krieg - zwischen konkurrierenden Großbauern einerseits und den kirchlichen und weltlichen Würdenträgern andererseits. Dabei versteht er es geschickt, historische- und Romanfiguren fließend zu integrieren, Gewalt, Willkür und kriegerische Handlungen fundiert und plastisch zu beschreiben. Argumentationen und Streitgespräche der Akteure aus der Vergangenheit, Gegenwart und in die Zukunft gerichtet, sind herausragend, oftmals philosophisch angehaucht oder gar begründet und dokumentieren den überaus weiten Horizont und Sachverstand des Autors.
Die dokumentarische Beschreibung der Machtinteressen der Grafen und Fürstbischöfe u.a. von Bremen, Münster und Den Haag, eingebettet in das“ Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, lassen über „den Tellerrand“ Friesland hinausblicken und sind für den Leser eine dankbare Ergänzung des kirchlichen und weltlichen Herrschaftssystems dieser Zeit, eine außergewöhnliche Geschichtslektion, die sich als historischer Faden durch sein Werk zieht.
Diese Romangeschichte der Friesen von Lothar Englert ist für die heutigen Friesen eine großartige Dokumentation der damaligen Zeit mit all ihren Begebenheiten und Besonderheiten und ganz bestimmt ein Dank und Verpflichtung für seine gewählte friesische Heimat.
Der historische Roman Friesische Freiheit ist für Leser, die an Geschichte interessiert sind, mit besonderem Nachdruck zu empfehlen und steht denen bekannter und berühmter Autoren, wie z.B. Frank Schätzing oder Ken Follett, in keiner Weise nach; ganz im Gegenteil.
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