Friesisch Blau von Lothar Englert

Buchvorstellungund Rezension

Friesisch Blau von Lothar Englert

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Friesisch Blau“,, 480 Seiten.ISBN 978-3864120602.

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Kurzgefasst:

Emden an der Wende zum 13. Jahrhundert. Der Tuchhändler Wibolt Flaskoper gerät unverschuldet in existenzielle Not. Fehler hat er nicht gemacht, aber in seinem Gewerbe wenden sich die Dinge gegen ihn. Gewinne bleiben aus oder werden durch Kosten verschlungen. Sein kaufmännischer Niedergang verschärft sich durch seine politischen Pläne in Emden. Er will dort Bürgermeister werden, doch das kann er nur als solventer Handelsherr. Als die Lage aussichtslos erscheint, bietet sich über einen Kontakt zu Fernhändlern plötzlich die Möglichkeit zur Rettung über ein einziges großes Geschäft. Zu dumm, dass es nicht sauber ist!

Das meint Histo-Couch.de: „Ostfrieslands Aufbruch als Wirtschaftsregion“84

Rezension von Carsten Jaehner

Wibolt Flaskoper ist Tuchhändler in Emden in Ostfriesland und hat sein Einkommen mit seinen Geschäften. Er ist zudem Mitglied des Rates der Stadt und gewillt, eines Tages Bürgermeister zu werden. Er ist Anfang zwanzig, doch eines Sommertages im Jahr 1198 erreicht ihn die Nachricht, dass in seiner Schafherde eine Krankheit umgeht und er somit den Verlust von Geld und Wolle verkraften muss, was seine Aufstiegsmöglichkeiten, vor allem aus finanziellen Gründen, bremst, wenn nicht gar unmöglich macht, denn schließlich ist er nicht der einzige Kandidat auf das höchste Amt der Stadt.

Doch über den Kontakt zu Fernhändlern ergibt sich die Möglichkeit, binnen zwei Jahren nicht nur wieder solvent zu werden, sondern auch zukunftsträchtige Händel abzuschliessen und somit ausgesorgt zu haben. Der Lübecker Händler Johann Kampen steckt in der Klemme und soll bis Ostern 1201 fünfhundert Ballen blauen Ostfriesentuches an den Bischof liefern, um sein Heer für einen Kreuzzug auszustatten. Mit dem Gewinn wäre Wibolt nicht nur saniert, sondern könnte auch weitere Investitionen tätigen und vor allem auch in Emden aufsteigen.

In Emden erzählt er niemandem davon und wird somit auch schief beäugt. Freunde wie Feinde wundern sich, vor allem auch deshalb, weil er als einfacher Ratsherr Kontakte knüpft und es wagt, den Vorschlag zu machen, dass Emden in einen Städtebund eintreten soll, der allen Händlern mehr Wohlstand bringen soll. Doch Ostfriesen sind stur, und nur allmählich und wiederwillig geben sie nach. Als sich alles zum Guten zu wenden scheint, soll Wibolt mit seinen neuen Handelspartnern mit auf Geschäftsreise nach Livland, ohne eine solche er wohl als überregionale Händler nicht angesehen und geachtet wäre. Also geht es mit dem Bischof auf Kreuzzug ins Baltikum, wo auch nicht alles Silber ist, was glänzt&

Ostfriesland im Mittelalter

Lothar Englert hat mit Friesisch Blau bereits seinen dritten historischen Roman vorgelegt, der in Ostfriesland spielt und erweist sich somit zum wiederholten Mal als Chronist seiner Heimatregion. Doch nimmt erstmals eine ein Jahr dauernde Reise nach Livland breiteren Raum ein, sodass er Ostfriesland verlässt, was aber der Geschichte keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, man wartet gespannt darauf, was während dieser Zeit wohl in der Heimat passiert sein mag, denn Möglichkeiten gibt es genügend. Dabei beschreibt Friesisch Blau nicht das weit bekannte Porzellan, sondern das blaue Tuch, aus dem Kleider für Kreuzfahrer hergestellt werden.

Im Mittelpunkt steht der Tuchhändler Wibolt Flaskoper, der neben seinem Tuchhandel immerhin einen Anteil an einer Schafherde hat und somit sein Einkommen aufbessert. Er ist Anfang zwanzig und hat Ambitionen, wodurch er in dem kleinen Küstenort Emden schon schief angesehen wird. Doch die Not zwingt ihn, seine Situation zu überdenken, und in Lübeck lernt er den Händler Johann Kampen kennen, der auf den Handel mit Rosinen schwört, weil die gerade sehr gefragt sind und viel Silber bringen. Er geht mit ihm einen Handel ein, der ihm viel Silber bringt, wenn er in eineinhalb Jahren fünfhundert Ballen blauen ostfriesischen Stoff liefern kann. Wibolt geht den Handel ein, eher aus Not denn aus Überzeugung und lernt dabei die rassige, schwarzhaarige Mieke kennen, selber Händlerin und Wibolt ebenso zugetan wie er ihr.

Erweiterte Handelswege

Sie verstehen sich auf Anhieb, doch die neue häusliche Harmonie wird getrübt durch die berufliche, denn der Rat der Stadt, allen voran der schwächelnde und amtsmüde Bürgermeister Johann Wynsen, sind träge und stehen Wibolts Vorschlag nach Eintritt in den Städtebund skeptisch gegenüber, vor allem deshalb, weil sie ihre alten ausgetretenen Pfade dafür verlassen müssten und aktiv werden müssten. Gerade in Jakob Moerman und dem sowieso nicht gut gelittenen Focke Uffen hat Wibolt zwei Gegner, die sich aber letztlich fügen und gemeinsam mit dem Rat nach Lübeck reisen, um zumindest Gespräche aufzunehmen  zunächst jedenfalls.

Lothar Englert beschreibt in seinem Roman nicht nur den Beginn eines Vorläufers der Hanse und somit den Versuch, während den zeitgleich stattfindenden Kreuzzügen wirtschaftlich von ihnen zu profitieren, sondern auch das Leben und leicht rückständige Denken der Ostfriesen, wenn es darum geht, selber in Aktion zu treten. Wer mit neuen Ideen kommt, wird zunächst einmal beschimpft und wenig gelitten, ehe er Unterstützung erhält und so allmählich ein Umdenken ins Rollen kommt. Diese Unterstützerfunktion übernimmt in diesem Fall der Bierbrauer Hompo Hayen, einer der wenigen Freunde Wibolts. Die üblichen Schiebereien und Einflussnahmen in Dörfern sind nicht ostfrieslandspezifisch, aber sie werden von Englert treffend geschildert und auch hier wäscht eine Hand die andere.

Kreuzzug ins Baltikum

Die Wirtschaftsreise ins Baltikum nach Semgallien, vom mitgereisten Bischof Albert mehr als Kreuzzug definiert, ist für Wibolt unerlässlich, und als er losfährt, hinterlässt er eine schwangere Ehefrau Mieke und ein Emden, dessen Ratsmitglieder ihm grösstenteils immer noch nicht wohlgelitten sind, obwohl er ihnen durch Kontakte nach auswärts gute Möglichkeiten zum Handeln beschert hat. Auf der Reise selber kann er einige Kontakte knüpfen, muss aber auch miterleben, wie mit Waffengewalt eine Region eingenommen werden soll, die eigentlich als Handelspartner vorgesehen war und bei der man mit Handelsprivilegien aus des Bischofs Hand und Gnaden gerechnet werden sollte. Dass das Ganze im Grunde ein Mißerfolg wird, da viele Dörfer verlassen sind, verschweigt man nachher natürlich. Doch Englert versteht es auch, die Ereignisse während der Reise spannungsreich zu schildern und den Leser an die Lektüre zu fesseln.

Insgesamt ist Englert wieder ein Roman gelungen, der das Denken und Handeln der ostfriesischen Seele beschreibt und dabei den Versuch, daraus auszubrechen. Er hat seine geschichtlichen Hausaufgaben gemacht und beschreibt bisweilen spannend Ereignisse, wie sich vielleicht nicht gewesen sind, aber durchaus hätten sein können. Seine Charaktere sind bunt gemischt und haben auch zum Teil sympathische Ecken und Kanten.

Dem Roman angefügt sind ein interessantes Nachwort, ein Glossar, ein Personenregister und eine Liste mit Orten und Landschaften sowie zwei viel zu klein geratenen Landkarten, auf denen man fast nichts erkennen kann, weil beide auf eine Seite gequetscht wurden. Doch das mindert die Freude an der Lektüre nicht, die jedem Leser gerne und bedenkenlos an Herz gelegt werden kann.

Ihre Meinung zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«

wampy zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«16.02.2015
„Friesisch Blau“ ist ein historischer Roman von Lothar Englert, der 2013 im Leda Verlag als Taschenbuch erschienen ist. Auf 480 Seiten wird die Geschichte des Kaufmanns Wibolt Flaskoper aus Emden erzählt, der im ausgehenden 12. Jahrhundert im Tuchhandel unterwegs ist. Er ist ehrgeizig und hat auch politische Pläne. Da er von den großen Londoner Kaufleuten nicht für voll genommen wird, nimmt er die Tucherzeugung in die eigenen Hände. Eine Schafseuche bringt ihn in große Bedrängnis und er lässt sich auf einen unehrenvollen Handel ein. Er sagt die Lieferung großer Mengen besten Tuches zu, ohne dies wirklich leisten zu können. Im Folgenden unternimmt Wibolt Flaskoper alles, um seine Kaufmannsehre zu behalten. Dafür verdingt er sich sogar als Gotlandfahrer.
Die bildhafte und humorvolle Sprache des Autors hat mir sehr gut gefallen, Auch sind die Figuren präzise und liebevoll gezeichnet und ihr Handeln bleibt nachvollziehbar. Geschickt baut der Autor Erklärungen in die Handlungen ein, wie zum Beispiel im Gespräch mit den Gotlandfahrern, als diese Wibolt die Funktionsweise des Fernhandels erläutern. Auf den Fernreisen selber findet sich für Wibolt die Gelegenheit, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Wunderbar seine Ausführungen zu Freunden und Feinden mit dem Fazit, dass man sich auf Feinde besser verlassen kann. Insgesamt wächst Wibolt dem Leser immer mehr ans Herz und man hofft inständig, dass er einen Weg finden möge, seine Probleme zu lösen. Ich kann diesen Roman allen empfehlen, die eine ruhige Geschichte ohne umfangreiche Actionszenen mögen.
meine Wertung: 85/100
Minna_von_Friesland zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«27.03.2014
„Friesisch Blau“ entführt den Leser in die spannende Welt des beginnenden 13. Jahrhunderts: die Hanse steckt noch in den Kinderschuhen, ihr Netz muss noch ausgeworfen und gefestigt werden, die Idee jenes Städteverbundes wird durch optimistische Handelsherren (Visionäre) aufrecht gehalten. Und mittendrin agiert der junge Emder Tuchhändler Wibolt Flaskoper, der sich von London bis ins semgallische Baltikum in wirtschaftlichen, politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen bewähren muss. Der Roman beginnt „in medias res“ ohne großes Vorgeplänkel, was mir sehr gefiel, ebenso konnte ich mich in die „messerscharf“ beschriebenen Szenen sehr gut hineinversetzen. Während der Lektüre wurde der Spannungsbogen fortwährend gehalten, man konnte nicht erahnen, wohin Wibolts Reise noch führen sollte.
Der Schreibstil Lothar Englerts in „Friesisch Blau“ gefällt mir außerordentlich gut: er hält sowohl den Blick nach „vorne“ gerichtet, ist aber auch fantasieanregend ohne die Worte in den „Kopf“ zu legen, dadurch fühlte ich mich konzentrierter und stärker in die Geschichte eingebunden. Es macht Spaß, wenn bei der Lektüre eines Romans geschmunzelt werden darf, daher möchte ich lobend den Witz, den Humor und die "barocke" Schlagfertigkeit der Protagonisten hervorheben, die mir echtes Lesevergnügen beschert haben. Ich würde mich freuen, Wibolt (oder Wibolts Kindern?) vielleicht eines Tages in einem weiteren Roman begegnen zu dürfen.
Sagota zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«26.03.2014
Das cover ist sehr gelungen und passt hervorragend zur Romanhandlung; im Anhang hat der Autor ein Personenregister gelistet, das über reale historische und fiktive Personen Aufschluss gibt; im Glossar werden spezifische Ausdrücke hervorragend erklärt; die im Roman erwähnte Geographie der Orte und Landschaften sind ebenfalls zu finden - es ist also alles vorhanden, was einen gut recherchierten historischen Roman auszeichnet.
Der Werdegang des jungen ostfriesischen Tuchhändlers Wibolt Flaskoper aus Emden im ausgehenden 12. Jhd. - kaufmännische wie auch politische Zusammenhänge - können vom Leser von der ersten Seite an mit Spannung verfolgt werden. Die Reise führt den ehrgeizigen, klugen und aufstrebenden Kaufmann nach London, nach Groningen und - im Verlaufe eines Kreuzzuges - ins Baltikum. Da ihm sehr am Erblühen seiner Heimatstadt Emden gelegen ist, sucht er nach einem Weg, die Stadt der "Bruderschaft der Städte" (als Vorläufer der späteren Hanse) aufnehmen zu lassen, was immense wirtschaftliche Vorteile für alle Kaufleute bedeuten könnte....
Dabei hat er mit Widersachern, Neidern und Feinden in den eigenen Reihen zu kämpfen, lernt jedoch durch seine Risikobereitschaft auch Fernhändler und "Gotlandfahrer" kennen, die seinen (wirtschaftlichen) Blick weiten und richtungsweisend für sein weiteres Vorgehen sind...
Der Autor versteht es von Beginn an, die Handlung "lebendig" werden zu lassen. Bilder und Zusammenhänge einer längst vergangenen Zeit erstehen in spannender Weise wieder auf, die "merkantile Phantasie", der Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit des Protagonisten wie auch zahlreiche Gefahren, denen Handelsreisende im 12./13. Jhd. und ff ausgesetzt waren, werden sehr bildhaft, nachvollziehbar und zuweilen humorig beschrieben. Die Verflechtungen wirtschaftlicher und politischer Macht, die es bereits zu jener Zeit gab, werden auf interessante Weise aufgezeigt und sind für historisch Interessierte lehrreich. Auch fehlt das spezielle "Lokalkolorit" nicht, das Buch ist den Bürgern von Emden gewidmet.
Fazit:
Lesens- und empfehlenswert, besonders und gerade für "nicht-ostfriesische Leser". Die Sprache ist wie bereits erwähnt sehr bildhaft und phasenweise äußerst humorig, was mir persönlich sehr gefallen hat. Ich hatte die Freude, diesen Roman in einer vom Autor begleiteten Leserunde zu lesen, wofür ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanke: Der Friesenthread bleibt unvergessen ;-) und die anderen Werke von Lothar Englert pochen nun auch auf ihr Recht: Gelesen zu werden!
Derfel zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«21.03.2014
Das Buch von Lothar Englert ist sehr gelungen und hat selbst mir als Oberbayern ein echt friesischen Lesevergnügen bereitet.
Eine tolle Geschichte, die von den Anfängen der Hanse erzählt.
Es ist flüssig geschrieben, ohne norddeutsche Fachausdrücke oder Dialoge und neben der Spannung kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Man merkt dem Autor an, das er mit viel Liebe recherchiert hat. Dies merkt man vor allem an Kleinigkeiten wie z.B. den kurzen Gesetzestexten aus der Nowgoroder Schra, die am Anfang eines jeden Kapitels stehen.
Vom Erlebnisgefühl ist das Buch eine Mischung aus Follets "Säulen der Erde" und den Büchern J.M. Simmels, was ja kein schlechtes Zeugnis ist.
Auf jeden Fall hat es der Autor geschafft, das ich mir auch seine friesische Freiheit besorgt habe.
Werner Steffens zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«14.01.2014
In dem Roman "Friesisch Blau" ist es Lothar Englert erneut in hervorragender Weise gelungen, Fiktion und reale geschichtliche Entwicklungsabläufe zu einer Symbiose zu vereinen, die den Leser in fesselnder Weise am Geschehen und am Leben eines jungen Tuchhändlers teilhaben lässt und ihm, quasi nebenher, vor Augen führt, unter welchen Voraussetzungen und Geburtswehen die Hanse, der Handelsbund unter Kaufleuten und später zwischen Städten, ins Leben gerufen wurde.
Ich versuche beim Lesen historischer Werke stets Parallelen zu ziehen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen gestern und heute, indem ich die Geschehnisse direkt vergleiche. Beim vorliegenden Roman ist festzustellen, dass 'Wibold Flaskoper' Anfang des 13. Jahrhunderts als kleiner Geschäftsmann auf grundsolide Art und Weise seinen Lebensunterhalt verdienen wollte, dann jedoch aufgrund von Umständen, die er nicht zu vertreten hatte, auf dem Weg der Tugend ins Stolpern geriet. Was hier für das Individuum gilt, ist auf die Allgemeinheit unmittelbar übertragbar. Diese Erkenntnis mag auch den französischen Schriftsteller Antoine Rivarol im 18. Jahrhundert zu der Aussage veranlasst haben:" Die zivilisiertesten Völker sind der Barbarei benachbart wie das polierteste Eisen dem Rost!"
Und heute?
Bleibt zu wünschen, dass Lothar Englert's Fleiß ungebrochen bleibe und seiner wachsenden Anhängerschaft recht bald weitere Werke aus seiner Feder zufließen mögen.
Gerd Constapel zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«08.01.2014
Der neue Roman „Friesisch Blau“ ist wieder einmal ein großer Wurf des inzwischen schon zu Ehren gekommenen exzellenten Autors Lothar Englert, des Verfassers historischer Romane, die ausnahmslos die ostfriesische Geschichte zum Gegenstand haben. Der zeitliche Hintergrund des neuen Romans ist das 12. und 13. Jahrhundert, als Fernhändler aus dem Nordsee- und Ostseeraum sich mit ihren Schiffen zu Fahrgemeinschaften zusammenschlossen, deren Ziel die Sicherheit der Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen, besonders im Ausland, war - Vereinigungen, aus denen später die mächtige „Hanse“ wurde.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Emder Tuchhändler Wibold Flaskoper, der mit den so genannten Gotlandfahrern eine Gemeinschaft bildet und in seinem Gewerbe und auf seinen Reisen Risiken und Gefahren zu bestehen hat. Dabei gelangt er zu Ansehen und Wohlstand. Aus Fiktion und auf beeindruckende Weise recherchierten Fakten ist eine spannende Lektüre entstanden, die den Leser mitnimmt in die Geschehnisse dieser aufregenden Zeit. So wie in den vorhergehenden Romanen („Die Friesische Freiheit“ und „Die holländische Brille“) wirken alle Personen echt und behalten von Anfang bis Ende ihr Identifikationspotential.

Der Leser erfährt etwas über den Handelsgeist und Wagemut der gut gerüsteten Kaufleute jener Zeit und ihre Bereitschaft, sich selbst und ihre Ware gegen Marodeure und Piraten zu verteidigen, was mich, den Verfasser dieser Zeilen und ehemaligen „modernen Fernhändler“, besonders fasziniert hat. Die Tatsache, dass einige meiner damaligen ostfriesischen Landsleute zu den risikobereiten und unerschrockenen Kaufleuten und Seefahrern gehörten, wird in dieser Geschichte deutlich, was mich über alle Maßen erfreut, nachdem wir landläufig eher als in jener Zeit marodierende Piraten und deren Helfer gebrandmarkt wurden.

Alles in allem war es mir eine Freude, diesen großartigen Roman zu lesen, und ich warte gespannt auf weitere interessante Lektüre über die bewegte Geschichte Ostfrieslands aus der Feder von Lothar Englert.
Anke Wehner zu »Lothar Englert: Friesisch Blau«12.11.2013
"Friesisch Blau" gibt uns einen hervorragenden Einblick in das Leben und Handeln eines Emdener Tuchhändlers zu Beginn des 13. Jahrhunderts - der Zeit, als die Hanse mit dem Zusammenschluss von Händlern ihren Anfang nahm.
Wibold Flaskoper, eine fiktive Figur, wird von Lothar Englert zum Leben erweckt. Er schildert uns einen Tuchhändler mit Gewissen, aber auch mit Durchsetzungskraft, wo es nötig ist.
Ein wirklich lesenswerter Roman!
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