Sherlock Holmes, Sisi und das Erbe des Karl Marx von Klaus-Peter Walter

Buchvorstellungund Rezension

Sherlock Holmes, Sisi und das Erbe des Karl Marx von Klaus-Peter Walter

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Sherlock Holmes, Sisi und das Erbe des Karl Marx“,, 272 Seiten.ISBN 978-3954414154.

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Kurzgefasst:

Dr. Edward Aveling, der »Schwiegersohn« des soeben verstorbenen Philosophen Karl Marx, hat einen schlechten Charakter, sonst würde er Band 2 und 3 von Das Kapital nicht als Pfand für seine Verluste beim Glücksspiel hinterlegen. Als er sie auslösen will, hat sich der Gewinner damit bereits aus dem Staub gemacht. Marx Freund und Genosse Friedrich Engels muss sich sehr überwinden, einen bürgerlichen Detektiv wie Sherlock Holmes mit der Wiederbeschaffung der unersetzlichen Zettelkonvolute zu beauftragen. Die Suche führt nach Meran und Bozen, wo man die Bekanntschaft von Kaiserin Sisi macht, die überraschenderweise eine heimliche Wertschätzung für den Revolutio­när aus Trier hegt. Es entbrennt ein mörderischer Kampf um das Erbe von Karl Marx.

Das meint Histo-Couch.de: „Anstrengende Krimikost“75

Rezension von Jörg Kijanski

März 1883. Es ist erst wenige Tage her, dass der deutsche Philosoph und Kommunist Karl Marx verstorben ist, da erhalten Sherlock Holmes und Dr. Watson in der Baker Street Besuch von Dr. Friedrich Engels, dem Nachlassverwalter von Marx. In seiner Begleitung befindet sich Dr. Edward Aveling, der Lebensgefährte von Marx Tochter Jenny Eleanor, von allen nur Tussy genannt. Beim Glücksspiel hinterließ Aveling die Bände 2 und 3 von Das Kapital als Pfand, doch als er diese wenig später einlösen wollte, waren die Manuskripte sowie der Gegenspieler verschwunden. Der gesuchte Spieler nannte sich Alexej Neshdanow, doch Watson erkennt sofort, dass dies nur ein Pseudonym sein kann, denn bei Neshdanow handelt es sich um eine bekannte Romanfigur aus Turgenjews Virgin Soil.

„Was mein Honorar betrifft...“

„Keine Sorge, Mister Holmes, das werden Sie bekommen. Und mehr als das. Der Dank der Arbeiter der ganzen Welt für die Rettung des größten Werkes der Arbeiterklasse wird Ihnen gewiss sein.“

„Wie schön!“

Wenig später wird aus der Themse die Leiche von „Neshdanow“ gefischt, derweil Holmes und Watson bereits dessen Hintermann Heigo von Tarkus auf der Spur sind. Dieser lebt in Südtirol und führt dort eine Art politische Bewegung an. Holmes und Watson reisen über Wien nach Meran und Bozen, begegnen dabei der Kaiserin Sisi und erleben ein Abenteuer mit blutigem Ausgang …

Klaus-Peter Walter gehört zu den Kennern des Holmes-Kosmos

Nach Der Golem von Prag ist der vorliegende Band bereits der zweite Sherlock-Holmes-Roman von Klaus-Peter Walter, der im KBV-Verlag erschienen ist. Weitere Holmes-Abenteuer des Autors erschienen beispielsweise im Blitz-Verlag, der bereits seit 2012 neue Holmes-Romane publiziert. Sisi und das Erbe des Karl Marx entpuppt sich eingangs als „schwere Kost“, denn der Autor bringt zunächst seine reichhaltigen Kenntnisse aus der Kultur (vor allem Literatur, Musik und Kunstgeschichte) unter, angereichert mit sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen. Im weiteren Verlauf gibt es noch einen ordentlichen Zuschlag in puncto Geschichte, so dass neben dem Krimivergnügen auch ein Wissensgewinn herausspringt. Ordentlich recherchiert, jedoch mitunter ein wenig dick aufgetragen.

„Österreichische Ein-Kreuzer-Münzen. Alle aus dem Jahr 1851. Also vor der Münzumstellung 1953.“

„Wie kommen die in seinen Mund? Und vor allem warum?“

„Na, na, Watson. Diese Frage von einem Lateinschüler wie Ihnen? Erinnern Sie sich an Crassus, den Freund von Julius Cäsar?“

„Im Moment nicht so recht!“

„Crassus, dem eine unversiegbare Gier nach Geld nachgesagt wurde, verlor im Krieg gegen die Parther nicht nur die entscheidende Schlacht, sondern auch den Kopf. Die Sieger sollen ihm flüssiges Gold in die Kehle gegossen haben. “Nach Gold hat es Dich gelüstet, jetzt sauf es„.“

Sozusagen als Ausgleich für die umfangreichen Wissensvermittlungen gibt es dezent frivole Verstrickungen, da einige der vorkommenden Damen es bevorzugen, dem Nudismus zu frönen. Als Besonderheit sei noch erwähnt, dass in dem Roman eine weitere Geschichte als Abenteuer von Holmes zum Besten gegeben wird, welche allein rund dreißig Seiten in Anspruch nimmt. Dies mag man beurteilen wie man möchte, denn dieser Teil der Erzählung hat mit der Hauptgeschichte nichts gemein. Immerhin kann bei etlichen Gelegenheiten Holmes mit seiner brillanten Deduktionstechnik glänzen, während Watson eine überraschend aktive, will sagen entscheidende Rolle beim Finale einnehmen darf.

„Ausgerechnet für den verstorbenen Karl Marx arbeiten Sie! Der erklärte Feind unseres Standes! Wenn nicht Doktor Engels, der ja wie ich in der Textilbranche engagiert ist, sich für Sie verwendet hätte – ich weiß nicht, ob ich Sie überhaupt empfangen hätte!“

„Aber Andreas! Was kann denn Herr Holmes dafür? Karl Marx gilt als einer der bedeutensten deutschen Philosophen der Gegenwart. Auch wenn er ein geschworener Feind des Kapitalismus war. Aber das mit dem Mehrwert habe sogar ich verstanden.“

Dass der Roman ... und das Erbe des Karl Marx im Jahr 2018 erscheint, dürfte kein Zufall, sondern vielmehr ein geschickter Marketingzug sein. Schließlich wird 2018 das 200. Geburtsjahr von Marx deutschlandweit gefeiert. Interessant ist daher das Auftreten seines Weggefährten Dr. Engels, der sich bei seinem Antrittsbesuch von Holmes noch ein wenig zurückhält, da er angeblich Vorbehalte gegen Angehörige der bürgerlichen Schicht habe. Nach Auflösung des Falles stellt sich beim abschließenden Besuch der beiden Helden bei Dr. Engels jedoch heraus, dass dieser selbst einen durchaus bürgerlich zu nennenden Lebensstil mit den damit einhergehenden Annehmlichkeiten führt.

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