Die Frauen am Fluss von Katherine Webb

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „The Hiding Places“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 496 Seiten.ISBN 3-453-29207-3.Übersetzung ins Deutsche von Babette Schröder.

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Kurzgefasst:

England, 1922. Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder und zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf schuldig werden ließ.

Das meint Histo-Couch.de: „Drei Frauen – Drei Schicksale“75

Rezension von Rita Dell'Agnese

Die junge Irene ist nach einem Skandal in London tief gefallen. Anfang der 20er Jahre eine schwierige Situation für die Tochter aus gutem Hause. Dass ihr der wohlhabende Papiermühlenbesitzer Alistair Hadleigh just zu diesem Zeitpunkt einen Heiratsantrag macht, scheint ihr wie eine Rettung. Doch Irene fühlt sich in ihrer neuen Heimat, dem Dörfchen Slaughterford, nicht wohl. Sie findet keinen Zugang zur Dorfbevölkerung und zwischen ihr und Alistairs Tante Nancy, die als Hausherrin auf dem Gut lebt, herrscht eine unterkühlte, gar feindschaftliche Situation. Als Alistair eines morgens tot in seinem Büro aufgefunden wird, bricht die mühsam aufrecht erhaltene Fassade in sich zusammen. Nancy begegnet der Witwe nun mit offenem Hass. Erst recht, da Irene sich mit dem Stallmädchen Pudding anfreundet, das verzweifelt versucht, die Unschuld ihres Bruders Don zu beweisen. Denn der durch eine Kriegsverletzung schwer traumatisierte Donny wurde blutüberströmt angetroffen. Pudding ist überzeugt, dass Donny dem beliebten und grosszügigen Arbeitgeber Alistair nichts getan hat. Sie vermutet, dass eher der Säufer und brutale Schläger Tanner hinter dem Mord steckt. Denn Tanner wurde kurz vorher entlassen. Da ist aber auch noch Clemmie, ein junges, stummes Mädchen, das mitanhörte, wie Tanner mit seinen Söhnen einen Überfall auf die Mühle plante. Doch Clemmie kann sich niemandem verständlich machen. Dazu kommt, dass sie Eli Tanner, der ihr Liebster ist, von ihm ein Kind erwartet. Nancy unternimmt alles, um Irene von ihren Nachforschungen abzubringen und den Kontakt der jungen Frau zu Pudding und der alten Ma Tanner zu unterbinden.

Es will nicht so recht passen

Katherine Webb ist bekannt als eloquente Switcherin zwischen zwei Zeitebenen. Auf diese Verquickung muss der Leser bei ihrem jüngsten Roman «Die Frauen am Fluss» lange warten. Besonders glücklich ist sie zudem nicht ausgefallen. Es wirkt eher so, als wäre es nur ein etwas missglückter Schachzug, um die Geschichte stimmiger zu machen. Damit hat die Autorin jedoch weder der Geschichte noch den Lesern etwas Gutes getan. Der an sich kraftvolle und überzeugende Plot leidet unter solchen Winkelzügen. Eine Datierung der Ereignisse hätte zwar einzelne Sequenzen verunmöglicht, wäre aber letztlich glaubwürdiger gewesen.

Starke Charakterisierung

Mit einer starken Figurenzeichnung und einem überzeugenden Bild der Gesellschaft punktet Katherine Webb. Die in die Ehe mit dem ungeliebten, aber immer stärker geschätzten Alistair geflohene Irene wird in ihrer ganzen Zerrissenheit überzeugend und mit viel Fingerspitzengefühlt dargestellt. Der sich zuspitzende Konflikt zwischen Irene und Nancy, die Berührungsängste der verwöhnten Londonerin mit dem Landleben und die langsame Annäherung der beiden Aussenseiterinnen Pudding und Irene sind äusserst gekonnt skizziert und vermögen in jeder Form zu überzeugen. Das gilt auch für den traumatisierten Donny oder die stumme Clemmie und ihren Geliebten Eli. Hier beweist die Autorin eindeutig ihre Klasse.

Sehr träge Entwicklung

Mit der Entwicklung der Geschichte lässt sich Katherine Webb dieses Mal enorm viel Zeit. Die Leser bekommen zunächst über rund 100 Seiten vor allem ein vertieftes Situationsbild präsentiert, in dem sehr wenig geschieht. Erst danach nimmt die Geschichte immer mehr Fahrt auf, um dann hin und wieder kurz in Stolpern zu geraten, bis es zum Knalleffekt am Ende kommt, bei dem alles aufgelöst wird. Zwar mochte man bei der einen oder anderen Szene die Wahrheit durchblinzeln sehen, doch aufgrund der sehr undurchsichtigen Darstellung verschwindet die Ahnung sehr schnell wieder hinter Fragezeichen. Die Frauen am Fluss ist ein unterhaltsamer Roman. Einer, der ein sehr schönes Zeitbild zeigt, der die gesellschaftlichen Zwänge, aber auch den Aufbruch in den 20er Jahren beschreibt und der letztlich süffig geschrieben ist. Es ist jedoch nicht das beste Werk der Autorin.

Dazu bleibt am Ende ein zu schales Gefühl, für dumm verkauft worden zu sein.

Ihre Meinung zu »Katherine Webb: Die Frauen am Fluss«

dorli zu »Katherine Webb: Die Frauen am Fluss«20.09.2018
In ihrem historischen Roman „Die Frauen am Fluss“ entführt Katherine Webb den Leser in das Jahr 1922. Schauplatz der Geschichte ist das kleine, im Südwesten Englands liegende Dorf Slaughterford.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:
Die 24-jährige Irene stammt aus wohlhabendem Hause, hat sich aber durch die Affäre mit einem verheirateten Mann ins gesellschaftliche Aus katapultiert. Sie hat daraufhin kurz entschlossen den Papiermühlenbesitzer Alistair Hadleigh geheiratet und ist ihm in die abgelegene Grafschaft Wiltshire gefolgt, kann sich aber nach ihrem mondänen Leben in London nur langsam an das Landleben gewöhnen. Sowohl Nancy, die Tante ihres Ehemannes und bisherige Hausherrin auf der Manor-Farm wie auch die misstrauischen Dorfleute machen es Irene schwer, sich einzuleben.

Die 15-jährige Pudding Cartwright arbeitet als Stallmädchen auf der Manor-Farm. Die aufgeweckte Tochter des Dorfarztes hat es nicht leicht, sie sorgt sich um ihre demente Mutter und ihren aus dem Ersten Weltkrieg körperlich und psychisch versehrt zurückgekehrten Bruder Donny.

Die 17-jährige Clemmie wächst auf der Weavern-Farm auf. Clemmie ist stumm und gilt deshalb als ein wenig zurückgeblieben. Doch die junge Frau, die gerne tagträumend durch die Gegend streift, ist alles andere als einfältig. Sie verliebt sich in einen Mann, den sie nicht lieben darf, denn Eli Tanner kommt aus einer Familie, die als übler Haufen verschrien ist, weil sie stehlen und morden und sich nicht anpassen wollen.

Katherine Webb nimmt sich viel Zeit, den Leser mit dem idyllisch gelegenen, kleinen Ort vertraut zu machen - Landschaft, Natur, das Dorf und seine Bewohner werden fast ausschweifend beschrieben und geschildert, so das man sich zwar ein gutes Bild von den Besonderheiten des Landstrichs, den lokalen Begebenheiten, den einzelnen Akteuren und ihren Beziehungen zueinander machen kann, die eigentliche Handlung aber zunächst einmal nicht richtig in Schwung kommen will. Erst als bei Bauarbeiten eine uralte Puppe gefunden wird und (nach fast 200 Seiten) der im Klappentext angekündigte Mord geschieht, kommt die Geschichte richtig in Schwung.

Als Puddings Bruder in Verdacht gerät, Alistair Hadleigh brutal ermordet zu haben, macht sich das verzweifelte Mädchen gemeinsam mit Irene daran, die Wahrheit herauszufinden, um Donnys Unschuld zu beweisen. Die beiden geraten dabei in einen Strudel dunkler Geheimnisse und bringen schließlich erschütternde Tatsachen ans Tageslicht.

„Die Frauen am Fluss“ hat mir sehr gut gefallen – ein Roman, der nach einem etwas verhaltenen Start mit einer mitreißenden Handlung aufwartet und den Leser einen Blick auf das trügerische Idyll eines kleinen englischen Dorfes und die dort lauernden Abgründe menschlicher Moral werfen lässt.
Isabel alias engi :) zu »Katherine Webb: Die Frauen am Fluss«26.08.2018
Nach "Das verborgene Lied", das mir ausgesprochen gut gefallen hat, ist "Die Frauen am Fluss" mein zweiter Roman der britischen Autorin Katherine Webb. Fast dachte ich, dass es auch mein letztes bleiben würde, denn durch den doch recht langatmigen Start, trug ich mich bereits mit Abbruchgedanken. Aber mein Durchhaltevermögen wurde belohnt und die Geschichte um die drei Protagonistinnen Irene, Pudding und stumme Clemmie entwickelte eine wahre Sogwirkung. Das Buch wird zum reinsten historischen Kriminalroman, denn Pudding lässt nicht locker, als ihr Bruder für den Mord an Irenes Mann verhaftet wird und ihm der Galgen droht. Immer tiefer graben sich Irene und das Stallmädchen des Gutshauses in die Vergangenheit ein. Vermutungen werden in den Raum gestellt, Verdachtsmomente erhärten sich und führen schließlich zu einem Finale, mit dem ich so nicht gerechnet hätte.

Der Schreibstil dieser spannenden Geschichte ist leider ein wenig schwerfällig, weshalb ich recht lange brauchte um mich einzulesen und deshalb leider auch einen Stern abziehen muss. Alles in allem aber haben mich die atmosphärischen Beschreibungen von Land und Leuten in einer längst vergangenen Zeit im Dorf Slaughterfort - was für ein Name - beeindruckt.
Sagota zu »Katherine Webb: Die Frauen am Fluss«13.08.2018
Dieser historische Roman von Katherine Webb, der den Leser ins England des Jahres 1922 bzw. 1872 entführt, gleicht einem dicht gewebten Teppich um eine alte Schuld und einem Verwirrspiel um einen Mord, der sehr unterhaltsam zu lesen ist und durch die atmosphärisch detaillierten Beschreibungen der Autorin punkten kann.


"England, 1922:
Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr- und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf voller Schuld zurückließ.
(Quelle: Buchrückentext)

. Durch den eingängigen und detailreichen sowie sehr atmosphärischen wie dennoch klaren Schreibstil bleibt sich die Bestsellerautorin Katherine Webb auch in diesem Roman stilistisch treu: Die Figuren; allen voran Irene Hadleigh, die den Gutsherrn Alastair Hadleigh heiratet und ihm als Städterin durchaus mit gemischten Gefühlen aufs Land, nach Slaughterford in Wiltshire, folgt, sind sehr gut gezeichnet und Irene bemüht sich redlich, sich in die Dorfgemeinschaft einzufügen. Eine besondere Herausforderung stellt hier auch Alaistairs Tante Nancy dar, welche sie anfangs sehr ablehnend und provokant behandelt. Durch den Mord an Alastair arbeitet die Autorin sehr gut heraus, welche persönliche Weiterentwicklung die Hauptprotagonistin nun macht: Ihr en Plan, schnellstmöglich nach London zurückzukehren und ihr altes Leben wieder aufzunehmen, verwirft Irene und stellt nach und nach fest, dass ihr Platz im Gutshaus ist. Nur hier kann sie gemeinsam mit Pudding, dem Pferdemädchen, den Mord an ihrem Mann aufklären: Während alles auf die Familie Tanner hindeutet, der man im Dorf alles zutraut, allerdings nie etwas Gutes, versuchen nun beide, die Unschuld des kriegsversehrten Bruders von Pudding zu beweisen, den man des Mordes an Alastair anklagte...

Sowohl Eli Tanner als auch Clemmie, ein stummes Mädchen, das sich in Eli verliebt, wie auch Ma Tanner, Nancy, Pete Dempsey und Irene selbst sind sehr interessante Figuren, die den Verlauf des unterhaltsamen historischen Romans bestimmen. Auch ein Buch, das Pudding Pete zeigt, der bei der hiesigen Polizei ist und von ihr beauftragt wird, in den Akten nachzuforschen, spielt eine wichtige Rolle bei der Klärung des Falles und dem Finden des Mörders.

Ich stellte eine Verwobenheit der beiden Zeitebenen fest, die mir erst zum Romanende hin (durch die Namen) auffiel: Vielleicht lag es auch an der "Heißzeit", die hier herrschte, jedoch hat mich dies etwas verwirrt und ich hätte mir eine klarere Trennung der zeitlichen Abläufe gewünscht. Im letzten Drittel nimmt der Roman an Fahrt auf, was die Spannung betrifft und seine Stärken liegen im Detailreichtum, der atmosphärischen Beschreibungen und der feinen Figurenzeichnung, die mit Sympathie des Lesers rechnen kann. Mich hat der neue Roman von Katherine Webb gut unterhalten und auch die soziologischen Hintergründe dieser Zeit - der Standesdünkel und das Bürgertum, die Gutsbesitzer und die einfachen Menschen, die Armut - sind sehr gut dargestellt.

Fazit:

"Eine Geschichte voller Lügen, heimlicher Trauer und verborgener Eifersucht" (Zitat S. 492) beschreibt diesen lesenswerten Roman am besten. Ich vergebe 3,5 Sterne am Bücherfirmament und ein 'lesenswert' für Fans historischer Romane.
Autor: Katherine Webb
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