Der Schiffsjunge von John Boyne

Buchvorstellungund Rezension

Der Schiffsjunge von John Boyne

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Mutiny on the Bounty“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 638 Seiten.ISBN 3841421180.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Heckmann.

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Kurzgefasst:

Meuterei auf der Bounty? Ein Kapitän quält seine Mannschaft, bis sie meutert. Aus der Perspektive von John Jacob Turnstile, gerade mal 14, erfährt der Leser, was sich wirklich zugetragen hat. Kapitän Bligh ist kein Tyrann, sondern wird so etwas wie ein Vatererssatz für den elternlosen Jungen. Dann kommt es zur Meuterei: auf wessen Seite wird sich Turnstile schlagen?

Das meint Histo-Couch.de: „Die Meuterei auf der Bounty aus gänzlich neuer Perspektive“91Treffer

Rezension von Daniela Loisl

John Jacob Turnstile ist gerade mal 14 Jahre alt und schon ein gewiefter kleiner Gauner und Taschendieb. Er „arbeitet“ für den verschlagenen, sadistischen und abgebrühten Mr. Lewis, der ihm und vielen seiner Leidensgenossen, die auch kein Zuhause haben, Unterkunft bietet und dafür die Hand aufhält. Eines Tages jedoch wird John erwischt, als er einen französischen Gentleman bestiehlt und muss für ein Jahr ins Gefängnis. Der Bestohlene jedoch hat Mitleid mit ihm und erwirkt beim Richter, dass er anstatt ins Gefängnis auf der Bounty als Schiffsjunge anheuern kann. Und so beginnt für den jungen John eine abenteuerliche Reise in die Südsee …

Schwere Kost leicht erzählt

Im Auftrag der Krone machte sich im Jahr 1787, am 23. Dezember, eines der wohl bekanntesten Schiffe auf den Weg in die Südsee: Die Bounty. Mit dem Schiffsjungen John Jacob Turnstile begibt sich der Leser mit auf die Reise und erlebt diese aus einem gänzlich neuen Blickwinkel.
Mit leichter Sprache, einem 14jährigen gebührend, erzählt Turnstile selbst dem Leser seine Geschichte, seine Erlebnisse und wie er die Meuterei auf der Bounty gesehen hat. Bis zum Beginn der Meuterei begleitet man Turnstile bei seiner Arbeit als Schiffsjunge, lernt mit ihm die Mannschaft und auch Turnstile selbst kennen, dem der Schalk im Nacken sitzt. Sehr einfühlsam und absolut seinem Protagonisten angepasst, erzählt Boyne die Geschehnisse auf dem Schiff, als wäre alles gerade vor kurzem passiert. Der Leser bekommt eine Ahnung, wie beschwerlich und auch eintönig die Tage auf See waren, wie froh die Männer über jede Kleinigkeit waren, die sie aus dem täglichen Einerlei herausrissen, wie schlimm es war, auf beengtem Raum mit anderen auszukommen und nie und nirgends einmal für sich ganz alleine sein zu können.

Aber nicht nur die Eintönigkeit wird empfindsam berichtet, denn man erlebt ebenso heftige Stürme mit wie auch das Auspeitschen eines Matrosen, der sich eines Vergehens schuldig gemacht hat. Obwohl Letzteres natürlich brutal abläuft, hat der Autor die Gratwanderung zwischen grausamer Offenheit und was er einem jugendlichen Leser zumuten kann, mit Bravour gemeistert.
Die Bounty ist bereits über ein Jahr von zu Hause weg, als es zu der folgenschweren Meuterei kommt. Genug Zeit, um die Besatzung kennen zu lernen und sich mit den Eigenheiten der einzelnen Männer vertraut zu machen. Der Autor lässt Turnstile, von den Männern Turnip, genannt, berichten, als wäre dieser wirklich dabei gewesen, hätte mit ihnen geschuftet, gegessen und das Deck geschrubbt. Durch die jugendliche Erzählweise, die Boyne hervorragend versteht, wirken Turnips Erlebnisse sehr authentisch und glaubhaft.

Bekannte Männer – neue Charaktere

Käpitän William Bligh, der bereits als Steuermann unter James Cook gedient hatte, und Mr. Fletcher Christian, 2. Offizier, aber auch der 1. Offizier John Fryer, sind die wohl bekanntesten Namen die man mit der Bounty in Verbindung bringt. Diese Männer bekommen ein gänzlich neues Gesicht und beim Lesen jeder Seite schwinden die durch die bekannte Verfilmung geprägten Charaktere und man beginnt, sich ein gänzlich anderes Bild nicht nur von den beiden Männern, sondern von den Geschehnissen selbst zu machen.

Man steht quasi neben Turnip und fungiert als stiller Beobachter. Für Turnip ist der Kapitän nicht der brutale und unmenschliche Despot, wie er in den Filmen gerne dargestellt wurde, sondern wird von ihm zwar als strenge, aber beinah väterliche Autoritätsperson empfunden.

Eindrucksvoll werden auch die Tage geschildert, für die Kapitän Bligh heute noch berühmt ist, das Navigieren des Beibootes, in dem er und seine loyalen Männer ausgesetzt wurden, nach Kupang. Die 48 Tage, die natürlich auch Turnip miterlebt, sind der eigentliche Höhepunkt der Geschichte und dem Autor ist es gelungen, diese packend und spannend zu schildern, obwohl man den Ausgang dieses Martyriums natürlich kennt. Das Buch endet aber nicht einfach mit der Gerichtsverhandlung Blighs und der Verurteilung der Meuterer, sondern befasst sich noch weiter mit John Turnstiles Leben.

Das I-Tüpfelchen zu der schon guten Erzählung sind die beiden Karten, die am Anfang des Buches zu finden sind. Einmal zeigt diese die Route der Bounty und auf der zweiten Karte kann man die Fahrt des ausgesetzten Beibootes nachverfolgen.

Eine Geschichte, die nicht nur Jugendliche in ihren Bann ziehen wird, denn ohne Weiteres ist dieses Buch auch für Erwachsene zu empfehlen, die die Meuterei auf dem berühmten Schiff auch aus einem anderen Blickwinkel erleben möchten.

 

Ihre Meinung zu »John Boyne: Der Schiffsjunge«

Catie zu »John Boyne: Der Schiffsjunge«31.05.2015
Ich habe "Der Schiffsjunge" bislang noch nicht selbst gelesen, sondern nur das Hörbuch gehört, aber das ungefähr dreimal. Ich fand es eigentlich von Anfang an spannend, was wohl auch daran liegt, das der Protagonist John Jacob Turnstile ungefähr in meinem Alter ist, und John Boyne es versteht, ihm genau den richtigen Ton zu geben. Aber Turnip, wie er von den Matrosen der Bounty bald genannt wird, ist nicht nur mitunter rotzfrech, verlogen, wenn er es sein muss, und gewitzt, sondern hat mit Betreten der Bounty ein erbarmungswürdiges Dasein zurückgelassen. Als Waisenjunge wird er im Alter von neun Jahren in das Haus eines gewissen Mr Lewis aufgenommen, der bereits auch andere Jungen beherbergt. Mr Lewis bietet ein Dach über dem Kopf und bringt den Jungs ähnlich wie bei Oliver Twist das Stehlen bei. Anders als bei Twist, kommt mit der Zeit noch etwas dazu. Mit etwa elf fangen die Jungen an, zu arbeiten. Außer montags, da kommt keine Kundschaft. An den anderen Tagen verbringen die älteren Jungs ihre Nächte damit "Mr Lewis' Gentlemen" die Zeit zu vertreiben. Und wehe, die Herren werden enttäuscht. John haben diese Erfahrungen natürlich geprägt, auch, wenn er es gut verbergen kann, doch kann er dieses Trauma erst abschütteln, als die Bounty endlich ihren Zwischenstopp erreicht. Dann beginnt eine Odyssee, die John beinahe das Leben kostet.
Ich hatte zuvor keine wirklichen Details über die Bounty erfahren, wusste daher nicht, dass der Kapitän in den anderen Versionen schlechter wegkommt, und war dementsprechend unvoreingenommen. Er ist aber trotzdem kein reiner Sympathiefänger, denn er hält im Allgemeinen nicht viel von der grauen Unterschicht, da er selbst aus einem priviligierten Haus stammt und anders als John nie auf der Straße war. Als dieser ihm den Wunsch eröffnet, selbst einmal Kapitän zu werden, lacht er ihn aus und verkennt, wie ernst es seinem Schiffsjungen mit diesem Vorhaben ist.
Auch wenn John das selbst erst ein bisschen später erkennt.
Luna zu »John Boyne: Der Schiffsjunge«02.03.2015
Ich weiß nicht, ob ich je ein Buch über die Meuterei auf der Bounty gelesen hätte, wenn sich nicht gerade John Boyne der Geschichte angenommen hätte - ein Autor, den ich durch seine Bücher "Der Junge im gestreiften Pyjama" und "Das Haus zur besonderen Verwendung" sehr zu schätzen gelernt habe. So war ich auch auf "Der Schiffsjunge", sein nunmehr 3. in Deutschland veröffentlichtes Buch, sehr gespannt.

Wir schreiben das Jahr 1787: Der 14jährige John Jacob Turnstile schlägt sich in den Straßen von Portsmouth als Taschendieb durch. Er wohnt im Haus eines gewissen Mr Lewis, der die missliche Lage heimatloser Jungen wie John gnadenlos auszunutzen weiß. Dieses Leben hat John zwar geprägt, dennoch ist kein verbitterter Charakter aus ihm geworden,eEr nimmt das Leben, wie es kommt. An einem Morgen kurz vor Weihnachten ändert sich dann jedoch alles: Turnstile wird bei einem Diebstahl erwischt und abgeführt. Doch er hat Glück im Unglück, denn der französische Gentleman, den er bestohlen hat, trägt ihm nichts nach, sondern ist ihm im Gegenteil sogar derartig wohlgesonnen, dass er mit dem Richter einen Handel schließt, der den Jungen vor einem Jahr Gefängnis bewahrt. Stattdessen kommt Turnstile auf Veranlassung seines Retters als Schiffsjunge an Bord der "Bounty" und sticht mit der Mannschaft unter Kapitän William Bligh in See. Diese Reise soll ein großes Abenteuer für ihn werden, an dessen Höhepunkt er bei der Meuterei mitten in der Südsee eine folgenschwere Entscheidung treffen muss.

Zu Beginn der Seereise passiert zeitweise eigentlich nicht wirklich viel. Dass das Buch trotzdem keine Sekunde langweilig wird, ist vor allem Boynes ungemein sympathischer Hauptfigur geschuldet. John Jacob Turnstile ist ein gewitztes Kerlchen, nie um eine Antwort verlegen und dabei doch eine ehrliche Haut. Aus seiner Sicht als Ich-Erzähler wird die Geschichte erzählt und dies geschieht auf eine recht kurzweilige Art und Weise, die dem Leser immer wieder ein Schmunzeln abringt. John Boyne gelingt es, seinen Protagonisten in herrlich humoristische Situationen zu bringen, zugleich scheut er aber auch die ernsteren Töne nicht, die besonders im Hinblick auf Turnstiles Vergangenheit immer mal wieder in den Fokus rücken.Und richtig spannend wird es dann natürlich ab dem Zeitpunkt der Meuterei ...aber ich will nicht zu viel verraten.

Alles in allem ein tolles Buch, das an die alten Abenteuer-Klassiker à la "Schatzinsel" oder "Robinson Crusoe" erinnert und sich vielleicht sogar durchaus daran messen kann. Einzig bin ich mir nicht sicher, ob ich "Der Schiffsjunge" in der heutigen Zeit unbedingt als "Jugendbuch ab 12" kategorisieren würde. Da haben sich die Trends und Interessen doch sehr verschoben. Sicher kann es Jugendliche ab 12 interessieren, ich würde es aber eher ab mindestens 14 empfehlen. Umso mehr denke ich, dass auch viele 'erwachsene' Leser ihre hellen Freude an dem Buch haben werden, die sich bitte von der Einordnung ins Jugendbuch-Genre keineswegs abschrecken lassen sollten.
Derfel zu »John Boyne: Der Schiffsjunge«09.04.2014
Wow, das ist spannend.
Jeder der nicht seefest ist, sollte sich beim Lesen dieses Buches vorher ein paar Reisetabletten besorgen sowie einen leeren Eimer bereit halten.

Wir begleiten den jungen John Jacob Turnstile, wie er vom Taschendieb zum Schiffsjungen und Diener von Kapitän Bligh auf der Bounty wird.
Dann geht es auf große Fahrt, immer aus der Sicht des Jungen, der aus der Ich-Perspektive erzählt.
Die Geschichte selbst ist ja bekannt.
Doch hier ist auch die Lösung, warum manche Seefahrer bei der Meuterei nicht mitmachten und sich Kapitän Bligh anschlossen.
Darunter auch der Schiffsjunge.
€nigma zu »John Boyne: Der Schiffsjunge«24.03.2011
Die Handlung des Romans, die zum größten Teil zwischen 1787 und 1789
angesiedelt ist, wird vom Ich-Erzähler John Jacob Turnstile erzählt.
Turnstile ist die einzige fiktive Figur der Geschichte, alle anderen
Figuren segelten wirklich auf der Bounty.

John Boyne, der offensichtlich sehr gründlich recherchiert hat
(bibliographische Angaben hinten im Buch), zeichnet ein anderes Bild von
William Bligh als man es aus den Verfilmungen kennt, die ihn als
grausamen Befehlshaber darstellen, gegen den zu Recht aufbegehrt wurde.
Bligh war diszipliniert und äußerst pflichtbewusst, aber unter seinem
Kommando gab es wesentlich weniger Disziplinarmaßnahmen als auf anderen
Schiffen seiner Zeit. Auch in anderer Hinsicht war er fortschrittlich,
er führte drei Schichten ein, sodass die Matrosen längere Ruhepausen
hatten und er achtete besonders auf Hygiene und sorgte dafür, dass seine
Leute nicht an Skorbut erkrankten.

Dennoch wird er nicht als Heiliger dargestellt. Ab und zu ist er
cholerisch und trifft unkluge Entscheidungen. Sein Vorgehen, den
Matrosen auf Tahiti vorher in Aussicht gestellt Vergünstigungen zu
beschneiden, dürfte maßgeblich zu deren Unzufriedenheit beigetragen
haben.

Die Sprache des Romans ist humorvoll, der junge Turnstile ist zwar nicht
gebildet, hat aber ein Talent zum Erzählen und bietet viel Anlass zum
Schmunzeln. Am Anfang musste ich mich allerdings etwas in seinen Stil
einlesen.

Insgesamt ist das Buch in fünf Teile unterschiedlicher Länge
untergliedert, wobei der vierte Teil, der die 48 Tage im Beiboot
umfasst, die kein Seemannsgarn sind, sondern faktengetreu erzählt werden
(anhand von Blighs Logbuch), unglaublich fesselnd und erschütternd
sind. Auf zwei Seekarten vorne im Buch kann man den Weg der
Leidgeprüften verfolgen.

"Mutiny on the Bounty" - ich habe die englische Originalausgabe gelesen -ist ein Buch, das ich wärmstens
weiterempfehle, selten hat mich ein Buch so berührt.
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