Das Haus der grauen Mönche: Das Mündel von Jan Zweyer

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus der grauen Mönche: Das Mündel von Jan Zweyer

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Das Haus der grauen Mönche: Das Mündel“,, 448 Seiten.ISBN 3-89425-619-2.

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Kurzgefasst:

Das Ruhrgebiet im Mittelalter, 1488: Wegen einer Wiese müssen Linhardt von Linden und seine Frau ihr Leben lassen. Der neugeborene Sohn Jorge bleibt nur vom Tod verschont, weil sich Bruder Bernardo seiner annimmt. Doch die Erziehung des Waisen im „Haus der grauen Mönche“ ruft Missgunst auf den Plan – sogar unter den Mönchen selbst. Auch von anderer Seite droht Ungemach: Der Hattinger Bürger Hinerick van Enghusen strebt das Amt des Bürgermeisters an und ihm sind die Bettelmönche schon lange ein Dorn im Auge. Selbst der Erzbischof in Köln hat guten Grund, die Mönche weit weg zu sehen, und trägt diesen Wunsch an den ehrgeizigen Benediktiner Bartholomäus heran. Dem ist jedes Mittel recht, um in der Kirchenhierarchie aufzusteigen. Gemeinsam mit einem Gefolgsmann des Herzogs, Philip von der Schadeburg, spinnt er eine gefährliche Intrige. Und macht sich damit den Richtigen zum Kumpanen. Denn von der Schadeburg ist lasterhaft, aufbrausend und skrupellos – und mitschuldig am Tod der Eltern Jorges. Der Waisenjunge gerät zwischen die Fronten von weltlichen und kirchlichen Machthabern.

Das meint Histo-Couch.de: „Starker Auftakt einer Ruhrgebietssaga aus dem Mittelalter“82

Rezension von Carsten Jaehner

1488 bei Hattingen. Weil Linhardt seine Frau Ursell gegen eine Vergewaltigung verteidigen will, muss er sterben. Sie selber verteidigt sich und wird wegen Widerstands gegen die Obrigkeit auch hingerichtet. Der gemeinsame Sohn Jorge kommt als Waise im Haus der grauen Mönche unter, gegen den Willen der meisten Mönche, aber aufgrund der Fürsprache von Bruder Bernardo.

Hier wächst der Junge auf und lernt in Marlein van Enghusen ein Mädchen kennen, das ihn versteht und zu der er sich auch hingezogen fühlt. Währenddessen streiten sich die Obrigen um ein Stück Land, das eigentlich Jorges Eltern als Erbschaft gehörte, also eigentlich nun Jorge, der aber nichts davon weiß. Bruder Bernardo findet einiges interessante heraus, aber auch er hat andere Interessen, als Jorge zu seinem Erbe zu verhelfen.

Zudem will der Erzbischof von Köln den Konvent der Mönche auflösen und sie zurück in ihr Mutterkonvent nach Mailand schicken. Das käme einigen politischen Strömungen in Hattingen ganz recht, waren die Dominikaner ihnen seit je ein Dorn im Auge. Als der Klosterälteste im Sterben liegt, scheint auf einmal alles ganz schnell zu gehen. Doch was passiert mit Jorge, und wie wird sich Bruder Bernardo entscheiden, auf welcher Seite er steht? Für Jorge beginnt eine Zeit der Ungewißheit, denn er weiß nicht, ob er in Hattingen und in der Nähe Marleins bleiben kann.

Zwielichtige Dominikanermönche

Jan Zweyer hat mit seiner Trilogie Das Haus der grauen Mönche eine spannende Geschichte gewoben, die im heutigen Ruhrgebiet zu einer spannenden Zeit spielt und die für den Leser einige Überraschungen bereithält. Der erste Teil der Trilogie Das Mündel erzählt den Weg des jungen Jorge bis zur Auflösung des Konvents, als die Mönche beschliessen, dass sie ihn als Bettelmönchsorden nicht mitnehmen können und er von nun an auf sich allein gestellt ist. Jorge ist ein aufgeweckter Junge, der von Bruder Bernardo im Konvent aufgezogen wird und unter den Mönchen nur wenige hat, mit denen er sich unterhalten kann. Er ist nicht wohlgelitten, zumal er der Sohn eines Rebellen und einer Ketzerin ist, die sich gegen die Obrigkeit gestellt haben, auch wenn ihr Vater seine Mutter verteidigen wollte und sie nur deswegen nicht sofort getötet wurde, weil sie schwanger mit Jorge war.

Es sind auch diese interessanten rechtlichen Details, die Zweyers Roman lesenswert machen. Überhaupt hat er treffend recherchiert und bringt die damaligen Sitten und Gebräuche gut an den Leser. Wie die Orden funktionierten, wer welches Recht hat und wer welchen Vertrag mit wem über was hat, das ist interessant und schlüsselt dem Leser die damalige Juristerei auf. Teilweise ist es auch bitter nötig, damit man mitbekommt, von welchem Interesse eigentlich das Stück Land ist, das eigentlich Jorge gehört, dessen beurkundeter Besitz aber so manche Begierlichkeiten wecken. Zweyer behält den Überblick.

Ein Stück Land

Seine Charaktere sind eine bunte Mischung, die allerdings fast zu schwarz-weiß gerät. Jorge ist ein Junge, der aufgeweckt und nicht dumm ist, wohl aber neugierig und vorsichtig und somit frei für alles, was noch auf ihn zukommt. Bruder Bernardo setzt sich wegen seiner Erziehung gegen viele Stimmen im Kloster durch und bringt ihm sogar Lesen und Schreiben bei, was der Kirche gegenüber blankes Entsetzen auslöst. Doch ist es gerade Bruder Bernardo, der scheinbar mehr weiß, als er Jorge gegenüber zugibt, und man kann sich nicht sicher sein, ob all sein Tun und Handeln immer gottesgerecht ist.

Jorge lernt Marlein kennen, ein Mädchen, das voll im Leben steht und sich von Jorge auch das Lesen und Schreiben beibringen lässt. Gemeinsam lernen sie den jüdischen Jungen Aron kennen, womit mit dem Judentum eine weitere Sichtweise der Welt hinzukommt und Jorges Horizont erweitert. Zweyer muss aufpassen, dass diese Juden in Hattingen nicht zu klischeehaft wirken, aber er stellt sich der Gratwanderung und lässt es nicht zu sehr ausarten.

Jorges oder eher Bernardos Gegenspieler auf Seiten der Obrigkeit sind böse und machthungrig, wie man das im Mittelalter erwarten kann. Viele Entwicklungsmöglichkeiten werden Erbhofschultheiß Reinhard von Hattingen und Cliff und den Herzögen, Freiherrn und Amtmännern von Hattingen und Umgebung nicht gelassen, gelegentlich muss man aufpassen, dass man sie nicht verwechselt. Hier wurde sehr stark in den Richtungen Gut-Böse gearbeitet und den „Bösen“ kaum eine Möglichkeit zum Positiven gelassen. Dabei wäre das genau in Hinsicht auf das erwähnte Stück Land gerne gesehen gewesen.

Gelungener Reihenauftakt

Insgesamt jedoch ist Zweyer ein spannender, bunter und temporeicher Auftakt seines Mehrteilers gelungen. Seine Sprache ist nicht kompliziert und Dank einer etwas größeren Schrift als gewöhnlich vergehen die knapp 450 Seiten wie im Fluge. Der Roman aus dem Grafit-Verlag, der sich ja eigentlich auf Krimis aus dem Ruhrgebiet spezialisiert hat, kommt auch vom Cover angenehm gestaltet daher, es ist eine klare Verbindung der drei Teile zu erkennen. Der Anhang besticht durch ein ausführliches Glossar, eine interessante Nachbemerkung und eine Danksagung, die man alle nach der Lektüre des Romans durchaus noch lesen sollte.

Der Roman macht neugierig auf die drei Folgeteile und sei allen empfohlen, die sich für das Ruhrgebiet im Mittelalter interessieren, ein bislang sträflich vernachlässigtes Genre. Kurz: Wer hier zugreift, kann eigentlich nichts falsch machen. In der Hoffnung, dass die Folgebände die Spannung hoffentlich halten können.

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