Das Reich der Himmel von Jacqueline Park

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „The Legacy of Grazia dei Rossi“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 592 Seiten.ISBN 3-426-28141-4.Übersetzung ins Deutsche von Karin Dufner, Ulrike Laszlo.

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Kurzgefasst:

Istanbul, 16. Jahrhundert. Neben der muslimischen Bevölkerung suchen jüdische und christliche Einwanderer in der Stadt am Bosporus ihr Glück. Judah del Medigo, jüdischer Arzt und Ehemann der verstorbenen Grazia dei Rossi, arbeitet als Leibarzt des Sultans am osmanischen Hof. Damit ihn sein Leibarzt auf Kriegszüge begleiten kann, gewährt der Sultan Judahs Sohn Danilo einen Platz in der königlichen Haremsschule. Prinzessin Saida, die Tochter des Sultans, wird den jungen jüdischen Mann unterweisen. Nur widerwillig stellt sich Saida der Aufgabe, den jungen Arztsohn zu unterrichten. Zu unterschiedlich sind ihre Kulturen und ihr Stand; bis sie sich ineinander verlieben. Trotz aller Toleranz am Hof ist eine gemeinsame Zukunft für Saida und Danilo völlig undenkbar. Sollte das Geheimnis der Prinzessin entdeckt werden, wäre die Ehre des Sultans so beschmutzt, dass nur der Tod sie wiederherstellen könnte...

Das meint Histo-Couch.de: „Zwei Welten treffen aufeinander“80

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 1527 verlässt Judah del Medigo Rom und tritt seinen Dienst als Leibarzt des Sultans in Istanbul an. Kurze Zeit später wird Rom geplündert, Judahs Familie fällt Piraten in die Hände und seine Frau Gracia wird ermordet. Seinen Sohn Danilo kann Judah freikaufen. Für den traumatisierten Jungen beginnt ein Leben in einer völlig neuen Welt. Gemeinsam mit den Kindern anderer Würdenträger und den Kindern des Sultans besucht er die Schule, wohnt im Topkapi-Palast und sehnt sich danach, in die Pagenschule des Sultans aufgenommen zu werden. Vor allem aber gewinnt er mit Prinzessin Saida nicht nur eine Freundin, sondern auch seine erste große Liebe. Viele Träume erfüllen sich, Danilos erfolgreicher Weg im Dienste des Sultans scheint  fest vorherbestimmt. Doch so hoch er auch aufsteigt am Hof des Sultans, so viele Dienste er seinem Herrn auch erweist: Darf Danilo, der Jude, tatsächlich davon träumen, die Prinzessin zu heiraten?

Leben im goldenen Käfig

Jaqueline Park gelingt in Das Reich der Himmel eine wunderbare Beschreibung des Alltagslebens im Topkapi-Palast. Das reicht von den Benimm-Regeln für Pagen bis hin zur großen Hierarchie der Würdenträger und dem Leben der Haremsdamen. Für den Leser entstehen so deutliche Bilder, dass es fast scheint, als laufe ein Film ab. Dazu trägt auch der Sprachduktus der Autorin bei, die sehr unaufgeregt erzählt, beiläufig die eine oder andere Erklärung einflicht, dabei mit leichter Hand einen wunderbar bunten, goldglitzernden Hintergrund für die Romanhandlung ausmalt. Und so wird dieser Roman nicht nur zu einer einfachen Liebesgeschichte, sondern zu einem regelrechten Historiengemälde, das den Leser in die exotische Welt der Osmanen entführt, die auf das „barbarische“ Europa genauso herabschauen wie die Europäer auf die „heidnischen Muselmanen“ am Bosporus. Die Autorin sorgt jedoch auch dafür, dass der Leser nicht in einer unrealistischen Traumwelt versinkt, sondern zeigt auch immer wieder auf, mit welcher Härte der Sultan regiert und wie schwer bestraft wird, wer sich nicht an die Regeln im goldenen Käfig hält. So erhält der Roman eine gewisse Grundspannung, trotz des lockeren Plaudertons, mit dem die Handlung vorangetrieben wird. Es gibt kaum einzelne atemberaubende Momente, und dennoch liegt über der ganzen Geschichte ein gewisses Knistern.

Liebe unter schwierigen Vorzeichen

Mit Danilo und Saida gibt es in diesem Roman zwei sympathische Helden, deren Liebe unmöglich scheint und die doch lange Zeit immer wieder einen Weg zueinander finden. Es mag an dieser Stelle dahingestellt bleiben, ob eine solche  Liebesgeschichte tatsächlich möglich gewesen sein könnte. Hier muss jeder Leser selbst entscheiden, inwieweit er den Recherchen der Autorin vertraut. Liest man die detailfreudige Erzählung, so darf man jedoch vermuten, dass Jaqueline Park die historischen Gegebenheiten sehr genau kennt und sich nicht einfach eine Story zusammengesponnen hat, wie es ihr gerade passte, sondern ihre Romanhandlung mit der historischen Realität in Übereinstimmung brachte. Der Roman ist bevölkert mit vielen Protagonisten, manche nur Kleindarsteller, andere in größeren und Hauptrollen. Allen gemeinsam ist, das die Autorin ihnen Zeit und Aufmerksamkeit widmet, sie prägnant beschreibt und selbst bei ganz kleinen Auftritten ein Charakter spürbar wird. So entsteht eine authentisch anmutende Atmosphäre und die Menschen scheinen lebendige Charaktere zu sein.

Ein lohnenswerter Ausflug

Das Reich der Himmel ist ein lohnenswerter Ausflug in das osmanische Reich und in die Geschichte sowohl des osmanischen Reiches als der sephardischen Juden. Man sollte diesen Roman mit einer gewissen Gelassenheit angehen, ganz so, wie ihn auch Jaqueline Park erzählt. Ein Buch also, für die Mußestunden, für den ruhigen Urlaub, nicht für die Alltagshektik und den schnellen Konsum. Eine Leseempfehlung allerdings auf jeden Fall.

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