Sherlock Holmes und die Zeitmaschine von Holmes im Blitz-Verlag

Buchvorstellungund Rezension

Sherlock Holmes und die Zeitmaschine von Holmes im Blitz-Verlag

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Sherlock Holmes und die Zeitmaschine“,, 208 Seiten.ISBN 3898403238.

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Kurzgefasst:

1893. In London verschwinden Menschen. Die Nächte verbreiten überall Angst und Schrecken, niemand fühlt sich mehr sicher. Man erzählt sich in den Straßen von Geistern, welche die Menschen entführen. Als Sherlock Holmes durch H. G. Wells einen zurückkehrenden Zeitreisenden aufspürt, vermutet er einen Zusammenhang mit den Morden und ist der grausamen Wahrheit damit bereits sehr nah. Es sind die Morlocks, die das viktorianische London terrorisieren. Der Meisterdetektiv stellt sich ihnen entgegen.

Das meint Histo-Couch.de: „Geister im East End und das große Verschwinden“75

Rezension von Jörg Kijanski

1893/1894: In der Unterschicht des Londoner East End regiert die nackte Panik. Geister werden angeblich gesichtet, zahlreiche Menschen verschwinden spurlos. Es herrscht die größte Unsicherheit seit Jack the Ripper im Jahr 1888. Doch da es meist die ärmsten Menschen sind, die verschwinden, halten sich die Aktivitäten von Scotland Yard in engen Grenzen. Wo niemand vermisst wird, braucht auch niemand ermitteln. Als jedoch der Bruder eines einflussreichen Handels-Compagnie-Chefs nach einem nächtlichen Tavernenbesuch verschwindet, beginnt zumindest Inspektor Charles Kent auf eigene Faust mit Nachforschungen und triff dabei auf keinen Geringeren als den bekannten Detektiv Sherlock Holmes. Dies überrascht Kent umso mehr, da Holmes angeblich drei Jahre zuvor an den Reichenbachfällen starb. Gemeinsam machen sich die beiden Ermittler auf die Suche und treffen dabei auf den Schriftsteller H. G. Wells, der sie auf den Wissenschaftler Moesen Maddoc aufmerksam macht. Dieser habe eine Zeitmaschine erfunden und sei damit auch schon im Jahr 802.701 gewesen. Offenbar hat er von dort ungebetene Besucher mitgebracht hat: Morlocks.

Crossover von Sherlock Holmes und der „Zeitmaschine“ von H. G. Wells

Wer einer Mischung aus historischem und phantastischem Roman nicht abgeneigt ist, der kommt hier voll auf seine Kosten, denn wie der Titel schon erahnen lässt, begeben sich einige Figuren auf Zeitreise. Doch der Reihe nach. Zunächst taucht Sherlock Holmes nach dreijährigem Versteck in Frankreich wieder in London auf, um sich auf die Suche nach dem verschwundenen Bruder zu machen. Insgeheim soll er aber auch dem rätselhaften Verschwinden vieler Menschen sowie den angeblichen Geistererscheinungen auf die Spur kommen.

„Als Angestellter im Dienst der Polizei sind Sie gewissen willkürlich aufgestellten Regeln unterworfen. Ich hingegen lasse mich von einer höheren Instanz leiten, indem ich einzig und allein meinem eigenen Gewissen unterliege.“

Zunächst beginnt die Geschichte jedoch mit einem Paukenschlag; der Verhaftung von keinem Geringeren als Oberst Sebastian Moran. Man mag von dem späteren phantastischen Teil halten was man mag, die erste Hälfte des Besuches ist nahezu Holmes pur; ein kurzer Auftritt von Dr. Watson und Inspektor Lestrade inbegriffen. Auch ein Mitglied der Irregulars hat seinen Auftritt und die Stadt London bildet eine großartige Kulisse. Ein Unterschied zum Original besteht allerdings darin, das sich Holmes wiederholt gesellschaftskritisch zeigt.

„Ich bin überrascht, dass Sie Kinder benutzen, um für Sie herumzuschnüffeln.“

„Diese Kinder würden sich ohnehin auf den Straßen herumtreiben, da diese sicherer sind als jedes Zuhause, dass sie haben könnten. Ich gebe ihrem Herumtreiben einen Sinn und mache sie, wenigstens eine Weile lang, zu Agenten des Gesetzes. Falls ich damit einen Fehler begehe, ist es der, dass ich sie bitte, ein gesellschaftliches System zu unterstützen, das sie an ihrem zugewiesenen Platz festhält und ganze Generationen der Armut überlässt. [...] Vielleicht verwendet der eine oder andere Bursche mein Geld aber auch, um das Los seiner Familie zu verbessern, und hilft sogar indirekt jener Gesellschaft, die ihn verachtet. [...] Mein Gebiet sind die Verbrechen und all ihre Folgen, Inspektor. Das schließt naturgemäß auch ihre Hintergründe ein.“

Erst in der zweiten Hälfte kommt es dann zum erzählerischen Bruch. Man entdeckt den Wissenschaftler Maddoc, dessen Maschine und muss in die Zukunft reisen, um die Morlocks zu bekämpfen, damit der weitere Verlauf der Menschheitsgeschichte beeinflusst werden kann. Passenderweise schreibt der in dem Roman ebenfalls kurz auftretende Schriftsteller H. G. Wells gerade an seinem neuen Werk Die Zeitmaschine (erschien erstmals 1895), auf welches der Autor Ralph Vaughan fortan maßgeblich Bezug nimmt.

„Der gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschende Gedanke, der Mensch könne im Zuge just der gleichen biologischen Vorgänge zugrunde gehen, die ihn zur Krone der Schöpfung erhoben hatten, was sich als Vision in der sinnlosen Barbarei der Eloi sowie der Grausamkeit der Morlocks widerspiegelte, machte sowohl ihn als auch seinen Gott zum ultimativen Gespött.“

Der Kampf der Morlocks gegen die Eloi findet im Jahr 802.701 statt. Was folgt ist ein waghalsiger Crossover von Sherlock Holmes und der Zeitmaschine von Wells. Wer sich darauf einlassen möchte, wird in jeder Hinsicht phantastisch unterhalten. Für Puristen des historischen Romangenres dürfte der vorliegende Band jedoch nur auf den ersten hundert Seiten reizvoll sein. Dennoch ist es ein Versuch für alle Holmes-Fans wert, denn die durch die Zeitreisen bedingten Paradoxien sind zumindest theoretisch nicht uninteressant. Zudem war Die Zeitmaschine ein genreprägender Science-Fiction-Roman, in dem erstmals eine Zeitreise in die Zukunft stattfand!

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