Sherlock Holmes und der Werwolf von Holmes im Blitz-Verlag

Buchvorstellungund Rezension

Sherlock Holmes und der Werwolf von Holmes im Blitz-Verlag

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Sherlock Holmes und der Werwolf“,, 272 Seiten.ISBN 978-3898403382.

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Kurzgefasst:

Wir schreiben das Jahr 1897. Dr. Watson liest mit Begeisterung den gerade erschienenen Roman Dracula von Bram Stoker. Als wenig später in London eine blutleere Leiche gefunden wird, glaubt Watson an Vampire. Und dann begegnet ihm im Londoner Nebel ein Werwolf. Gemeinsam mit Sherlock Holmes, dem messerscharf deduzierenden Meisterdetektiv aus der Baker Street, begibt sich Watson auf eine phantastische Irrfahrt.

Das meint Histo-Couch.de: „Sherlock, Dracula, Frankenstein und der ganze Wahnsinn“80

Rezension von Jörg Kijanski

Dies vorab, man darf sich von dem Titel nicht in die Irre führen lassen. Ja, es gibt in diesem Roman von Klaus-Peter Walter, den Fans des Meisterdetektives sicher kennen werden, auch einige Aspekte, die dem Genre des Horrorromans zuzuordnen sind. Dennoch ist Sherlock Holmes und der Werwolf selbst und gerade für „konservative“ Holmesianer ein Leseerlebnis.

„Inspector Lestrade wünscht Sie zu sprechen.“

„Soll hereinkommen.“

„Aber er befindet sich in einem äußerst fragwürdigen Zustand, wenn ich das so sagen darf.“

„Inspector Lestrade befindet sich immer in einem äußerst fragwürdigen Zustand. Jedenfalls geistig.“

1897: Holmes und Watson bekommen in der Baker Street Besuch von einem Apotheker, der in seinem Garten einen Lykanthropen (Werwolf) gesehen haben will. Doch der Meisterdetektiv nimmt den Mann nicht ernst, vermutet, dass es sich um einen vollbärtigen Bettler handelte und verweist an die Polizei. Kaum ist der Besucher weg, erscheint der nächste Gast. Misses Trewhella aus Wales berichtet, dass ihr jüngerer Bruder, nur kurz Pedrog genannt, sich aus Liebesgründen lange Zeit in Ostiniden und Indochina aufgehalten habe, von wo er eine seltene Hautkrankheit mitbrachte. Bis zu seinem Tod wurde er von Doktor Barthope behandelt, der seit Pedrogs Beerdigung vor drei Tagen spurlos verschwunden ist. Holmes und Watson reisen nach Wales und finden in Barthopes Zimmer ein Scrapbook, in dem dieser Zeitungsartikel sammelte. Diese beschäftigen sich vor allem mit geheimnisvollen Krankheiten. Holmes lässt das Grab öffnen, um einen Blick auf den Leichnam werfen zu können, jedoch befindet sich in dem Grab die Leiche des Doktors. Zurück in London begegnet Dr. Watson bei einem nächtlichen Abendspaziergang dann tatsächlich der titelgebende Werwolf, was seinen Freund Sherlock zu einigen spöttischen Anmerkungen verleitet&

Selten waren die Fußnoten so interessant

Die zuvor dargestellte Inhaltsangabe bildet nur den Auftakt zu einem noch größeren Kuriosum. Watson hat soeben Dracula gelesen und ist von dem phantastischen Werk angetan. So glaubt er auch, anders als Holmes, an die Existenz eines Werwolfes, dem er ja selbst begegnete. Oder so ähnlich. Denn eigentlich bezieht sich die Handlung, wie später zu lesen sein wird, auf Mary Shelleys Frankenstein, denn ein durchgeknallter Wissenschaftler will ein perfektes Wesen erschaffen. Dabei stößt er medizinisch an seine Grenzen, denn unterschiedliche Blutgruppen, Transfusionen und so weiter sind noch nicht bekannt beziehungsweise erfunden. Apropos noch nicht bekannt: Dies ist das Besondere an dem vorliegenden Werk! Klaus-Peter Walter lässt seine Leser erneut an sinem schier unerschöpflich erscheinendem Wissensfundus teilhaben. So behauptet Walter in einer „Vorrede“, dass der Roman gar nicht von ihm sei, er diesen vor längerer Zeit erhalten und nun mit eigenen Worten nacherzählt habe. Daher ist der Text teilweise verändert, was dazu führt, dass er Zitate etc. enthält, die nicht vom Ich-Erzähler Watson stammen können, da sie mitunter aus einer späteren Zeit stammen. Zwar bedeutet dies für den Leser, dass er durch zahlreiche Fußnoten immer wieder in der Lektüre unterbrochen wird, allerdings ergibt sich aus der Lektüre eben dieser Fußnoten der besondere Lesespaß. Ein Beispiel:

„Nun, ich ging fort und brachte den kleinen Arhtur mit. Arthur Stanley Jefferson*, ein Mitglied der Baker Street Irregulars.“

Fußnote: 1890-1965; geboren in Ulveston, besser bekannt unter dem Namen Stan Laurel respektive Doof; weltberühmt als Partner von Oliver Hardy (Dick und Doof); dass er 1897 in London lebte, war bislang nicht bekannt.

Neben reichlichen Anmerkungen, die passenderweise selbst den Song „Ur-Ur-Enkel von Frankenstein“ von Frank Zander aus dem Jahr 1975 einschließen, wirken auch die bekannten Nebenfiguren Inspector Lestrade und Misses Hudson mit. Teilweise mag die Auflösung der Geschichte sehr fantasievoll erscheinen (wie schon bei Frankenstein), dennoch liegt hier ein grundsolider Mix aus Sherlock Holmes, Frankenstein und ein stückweit Medizingeschichte vor. Das Ganze ist lustig bis anspruchsvoll verpackt dank bissiger Dialoge und der erwähnten Fußnoten. Zudem macht der Meisterdetetkiv von seiner scharfsinnigen Beobachtungsgabe mehrfach zur Freude der Leser und zur Überraschung der Betroffenen Gebrauch.

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