Der Tod des Chiemseemalers von Gretel Mayer

Buchvorstellungund Rezension

Der Tod des Chiemseemalers von Gretel Mayer

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Der Tod des Chiemseemalers“,, 160 Seiten.ISBN 3740804173.

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Kurzgefasst:

Sommer 1930. In einem Dorf am Ufer des Chiemsees wird ein bekannter Kunstmaler erschlagen in seinem Atelier aufgefunden. An Verdächtigen mangelt es nicht: Der Künstler war zu Lebzeiten für seine Vorliebe für blutjunge weibliche Modelle und wilde 'Atelierabende’ mit der lokalen Prominenz bekannt, was nicht bei jedem gut ankam. Schon bald lassen die Ermittlungen des jungen Dorfpolizisten Gustav Fanderl und seines Münchner Kollegen Benedikt von Lindgruber die heile Fassade der vermeintlichen Dorfidylle bröckeln.

Das meint Histo-Couch.de: „Von Liebe und Eifersucht auf dem bayerischen Dorf“80

Rezension von Carsten Jaehner

Sommer 1930 in einem Dorf am Chiemsee. Der Maler Josef Sachrang ist seit einigen Jahren dort ansässig und malt seine Bilder, gerne mit Landschaften, aber auch Porträts von Personen, hauptsächlich jungen Fräuleins. Da wird er eines Tages brutal erschlagen und entstellt in seinem Atelier aufgefunden. Sofort machen sich der Dorfpolizist Gustav Fanderl und sein Kollege aus München, Benedikt von Lindgruber, an die Aufklärungsarbeiten. Eigentlich sollte ein Kollege aus dem näheren und eher zuständigen Rosenheim kommen, der ist aber unabkömmlich.

Der Verdächtigen gibt es viele, die beiden wissen gar nicht, wo sie zuerst anfangen sollen. Schon bei der Untersuchung des Ateliers stellt sich heraus, dass der Maler gerne junge Madeln als Motiv hatte, und wenn man diese Madeln im Dorf befragt, so haben sie stets freiwillig als Modell bei ihm gesessen, und wenn er ihnen näher kam, haben sie sich nicht gewehrt und so manche dachte, er würde vielleicht die Liebe ihres Lebens sein und sie dafür einen anderen abblitzen lassen. Doch können diese jungen Damen einen solch grausamen Mord begehen? Die Ermittler stossen bald in ein Wespennest mit politischen Intrigen und Eifersüchteleien. Doch wer aus dieser großen Runde ist der Täter?

Mord an einem Maler

Die Münchener Autorin Gretel Mayer hat für ihren Debütroman ganz genau hingeschaut und mit Der Tod des Chiemseemalers einen Kriminalroman verfasst, bei dem es zünftig zugeht, der aber auch launig ist und der beim Lesen Spaß macht. Scharf beobachtet sie das Treiben in einem namenlosen Dorf am Chiemsee, das jedes der Dörfer sein könnte, es tut aber auch nichts zu Sache. HIer hat sich ein junger Maler angesiedelt, der nicht nur die Landschaft auf die Leinwand zu verewigen weiß, sondern auch die feschen Mädel, die sich ihm bereitwillig hingeben. Zunächst als braves bayerisches Modell, dann auch auch als Aktmodell und, wer weiß, vielleicht noch mehr?

Es wird schon teilweise recht deftig, das kann verraten werden, das Thema Nr. 1 ist gerade in dem kleinen Dorf natürlich von Ineresse, wer mit wem und wer nicht mehr mit wem, der Dorfklatsch ist allerorten und jeder mischt kräftig mit. Gerade als der Maler Sachrang dann tot aufgefunden wird, gibt es genügend Verdächtige, seien es die Liebhaber der Mädel oder gar die eifersüchtigen Mädel selber. Dieses vielliecht sogar klischeebehaftete Dorfverhalten gibt die Autorin treffend wieder, immer wieder mit einem Augenzwinkern, und man kann sich sofort in die Situation vor Ort hineindenken. Die Autorin beschreibt ein im wahrsten Sinne des Wortes lustvolles Leben, als gäbe es nichts anderes.

Stammtischgerede

Das gibt es aber, denn man schreibt das Jahr 1930 und so breiten sich die Nationalsozialisten auch bis in den letzten Winkel am Chiemsee aus. Wer da wem wohlgesonnen ist, das merkt man spätestens am Abend beim Stammtisch, wenn die Dorfprominenz zusammenkommt und die wirkliche Politik gestaltet.

Amüsant zu lesen ist es, wenn es um die Kollegen aus Rosenheim geht. Kriminalchef Dreissiger und sein Kommissar Moser erinnern doch stark an gewisse Cops einer deutschen Vorabendserie, die zwar Achtziger und Hofer heissen, allerdings wird man unweigerlich an diese denken müssen, wenn man die Serie kennt.

Am Chiemsee wie anderswo

So ermitteln also der Dorfpolizist Gustav Fanderl, der in nichtbenannten Ort ebenfalls sein Gsusi hat, und der Münchner Kollege Benedikt von Lindgruber, der nebenbei die Probleme mit seinem Vater löst. Natürlich soll die Auflösung des Mordfalls hier nicht verraten werden. Aber es ist ein tiefer Einschnitt in die Dorfidylle, wo jeder macht, was nicht an die Öffentlichkeit soll, es bei anderen, wenn es das Tageslicht erblickt, aber verruft. Ein typischer Dorfroman also, mit leichten Einsprenkeln einer sich politisch verändernden Zeit. Hier mag sich jedes Dorf und jedes Stadtviertel, jeder Kiez und jede Strasse selbst drin wiedererkennen.

Der Tod des Chiemseemalers ist ein amüsanter, leider nur 160 Seiten starker Roman, der vom Emons Verlag immerhin als Hardcover daherkommt und mit einem Cover daherkommt, das einen verschwommenen Blick auf die Fraueninsel im Chiemsee darstellt. Vielleicht vom Maler Sachrang selbst gemalt, wer weiß. In jedem Fall ist der Autorin ein schöner Blick in eine Zeit und in ein Dorf gelungen, wo jeder mal gerne durchs Schlüsselloch geschaut hätte.

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