Die deutsche Hanse von Graichen/ Hammel-Kiesow

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Die deutsche Hanse“,, 416 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Januar 1358: Ein genialer Propaganda-Coup gelingt. Ein loser Handelsverband von Fernkaufleuten und und Städten gibt sich einen Namen: die DUDESCHE HENSE, als Eigenbezeichnung für eine nordeuropäische Supermacht des Geldes. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht gehören ihr bis zu 200 Städte an. Wieso wurde die Hanse so stark, dass sie über fast ein halbes Jahrtausend die Welthandelsmärkte des Mittelalters von Russland bis Flandern prägte, von Island bis Venedig ein lukratiuves Handelsnetz aufbauen konnte und sogar Kriege gegen Könige führte? Was war das Geheimnis ihres Erfolges?

Die deutsche Hanse, das Imperium der Kaufleute, ist weit mehr als eine Geschichte von Pfeffersäcken und Piraten, Koggen und Karawanen, Raubrittern und Kaperfahrten. Dieses Buch erzählt von Wagemut und Betrug, von Spekulantentum und Finanzkrisen, von Abenteurern und Glpcksrittern. Und es geht zugleich der Frage nach, wie modern die Hanse eigentlich war.

Das meint Histo-Couch.de: „Über den Aufstieg und Fall einer wirtschaftlichen Supermacht“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Sie war eine Supermacht, die sich erst allmählich entwickelte, schließlich zur großen Blüte reifte und schließlich unauffällig wieder verschwand. Die deutsche Hanse hat ihre Ursprünge bereits im 12. Jahrhundert gehabt und weitete sich dann immer mehr aus und hatte in ihrer hohen Blütezeit eine Ausdehnung im skandinavischen Raum, Nord- und Ostsee und weit in den deutschsprachigen Kontinent bis hin zu bedeutenden Hafenstädten wie Bordeaux und Lissabon und im Osten Städte wie Krakau und Nowgorod. Eine Chronik über das Kommen und Gehen der berühmten Hanse haben Gisela Graichen und Rolf Hammel-Kiesow vorgelegt, begleitend zu einem Fernseh-Zweiteiler des ZDF.

Entstanden im Hochmittelalter, als der Handel immer wichtiger wurde und es sicherer war, mit großen Trecks und Karawanen in größeren Gruppen zu reisen, schützte man sich so zu Lande und auch zu Wasser gegen Überfälle, um seine Waren und somit sein Ein- und Auskommen zu sichern. Die großen Händler erhielten so auch eine weitreichende Macht, die sie nicht nur zu gefragten Partnern, sondern auch zu wirtschaftlichen Gegnern machte.

Unterhaltsame Fachliteratur

„Eine heimliche Supermacht“ heißt das 400 Seiten starke Buch im Untertitel, und das scheint auch nicht übertrieben, wenn man die Chronik der Hanse vor sich liegen hat. Die Autoren zeichnen den Weg von den Anfängen des Handels zwischen Skandinavien und vor allem dem norddeutschen Festland nach und tun dies auf der einen Seite detailliert und exakt, ohne sich aber andererseits in all zu unwichtige Details zu verrennen. Die Mischung ist gut gewählt, wo man ein Lexikon erwarten könnte, wählen sie klug Beispiele aus, um bestimmte Vorgehenswiesen zu verdeutlichen. So entsteht eine gelungene Mischung aus kleinen und großen Geschichten, die das Buch lesenswert machen.

Die 15 chronologisch erzählenden Kapitel behandeln Themen wie die Ausrufung de „hense van den dudeschen steden“ 1358, der Beziehung zwischen de Hanse und dem Deutschen Orden, der drei Fundamente der Hanse „Netzwerke – Städte – Kontore“, den Hansetag, das „System Hanse“ und schließlich die stille Auflösung der Hanse und geben schließlich einen kritischen Rückblick und auch einen Ausblick auf die heutige Hanse der Neuzeit. Die Autoren beschreiben lebendig anhand von Beispielen, wie die Hanse funktionierte, zeigen aber auch ihre Nachteile auf, wo sie denn auftraten, und bilden so einen gelungenen Gesamtüberblick.

Reiche Bebilderung

Besonders auffällig ist die reiche Bebilderung, die mit Fotos und Karten, vor allem auch in den Buchcovern besticht. Doppelseitige Abbildungen von historischen Gemälden, Münzen, Dokumenten, Zeichnungen von Rekonstruktionen der Schiffe, Wappen, Fotos heutiger Hansestädte, Gebäude, Landkarten, Faksimiles – das Buch enthält eine reichhaltige Fülle von interessantem und aufschlussreichem Beiwerk, das einem als Leser die Beschäftigung mit der Thematik bunt erleichtert und es zu einem echten Lesevergnügen machen, bei dem man auf jeder Seite neues entdecken kann. Nahezu auf jeder Seite finden sich diese Illustrationen, und so besteht nie die Gefahr, sich in Texte zu erstricken. Das ist klug und lebendig gemacht und erfreut jedes Leserherz.

Empfehlenswert

Der reichliche und ausführliche Anhang enthält Literaturangaben zu jedem der Kapitel, ein ausführliches Personenregister, ein ebenso ausführliches Ortsregister (wo man teilweise erstaunt sein darf, welche Städte überhaupt alle zur Hanse gehörten) sowie eine Auflistung der Bildnachweise.

Den Autoren ist mit Die deutsche Hanse ein Sachbuch gelungen, das die Leser nicht nur in das „System“ Hanse einführt, sondern auch noch sinnvoll unterhält und dies mit unzähligen Abbildungen und Nachweisen belegt, so dass ein lebendiges Bild des Mittelalters und der Folgezeit entsteht. Wer sich schon immer für die Hanse interessierte, sollte hier auf jeden Fall zugreifen, für alle anderen bietet es einen gelungenen Seiteneinstieg in eine Zeit, wo der Handel und die Händler an Einfluss gewannen und begannen, immer mehr selbst die Fäden zu ziehen. Ob aus diesem Buch ein Standardwerk wird, bleibt abzuwarten, aber es gehört als Nebenfachliteratur in jeden Bücherschrank für Geschichtsfreunde. Wenn Geschichte immer so interessant präsentiert würde, würden sich bestimmt mehr Leute damit beschäftigen

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