Das Ohr des Kapitäns von Gisbert Haefs

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Ohr des Kapitäns“,, 400 Seiten.ISBN 3-453-26930-6.

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Kurzgefasst:

Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1713 erhalten englische Händler das Monopol für die Belieferung des spanischen Kolonialreichs in Südamerika mit schwarzen Sklaven. Eines Tages weigert sich der »Händler« Jenkins (de facto wohl Schmuggler), sich von der spanischen Küstenwache vor Kuba kontrollieren zu lassen, worauf der spanische Kapitän dem Zeternden kurzerhand das linke Ohr abschneidet. Als Jenkins das Beweisstück in London vorlegt, ist das in der aufgeheizten Stimmung für England Grund genug, mit dem größten Flottenaufgebot seit der Armada zu reagieren. Es kommt zum Kolonialkrieg in der Karibik. Der später berühmte Romanautor Tobias Smollett nimmt als junger Assistenzarzt an Bord eines britischen Linienschiffs an der Unternehmung teil.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Schlacht um Cartagena zwischen England und Spanien“85Treffer

Rezension von Jörg Kijanski

Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1713 sichert sich England für drei Jahrzehnte das Monopol, mit jeweils einem Schiff der Südsee-Kompanie bis zu fünfhundert Tonnen Fracht in die Karibik zu liefern. Die Betonung liegt auf einem (!) Schiff. Tatsächlich beliefern jedoch kleinere Schiffe von Schmugglern das große Schiff mit immer neuer Ladung, was den Spaniern ein Dorn im Auge ist. Da man die viele tausend Meilen lange spanische Küste in Amerika nicht selber schützen kann, bedient man sich selber Schmugglern, die die Engländer kontrollieren sollen. Dabei kommt es 1738 zu einem folgenschweren Zwischenfall, bei der der englische Kapitän (Schmuggler) Jenkins ein Ohr einbüßt. Zurück in England mischt Jenkins die öffentliche Diskussion auf, selbstredend mit Unterstützung der Südsee-Kompanie, die um ihre Erträge fürchtet.

„Wie geht es der Familie?“

„Kläglich. Die Menge der Kinder nimmt zu, der Liebreiz der Gattinnen nimmt ab, die Börse dessen, der für alles zu zahlen hat, leidet an Schwindsucht.“

Ein Jahr später ist es soweit. Ende 1739 beginnt ein jahrelanger Kolonialkrieg zwischen England und Spanien. Zunächst gelingt es dem englischen Admiral Lord Vernon den vermeintlich wichtigen Handelspunkt Portobello zu erobern. Es gab allerdings kaum Gegenwehr, dennoch wird er in England gefeiert. Im weiteren Kriegsverlauf zieht es Lord Vernon nach Cartagena, der stärksten spanischen Festung in Westindien. Dort erlebt er trotz drückender Überlegenheit sein persönliches „Waterloo“ …

Auf zur großen Schatzsuche

Kaum hat Kapitän Jenkins sein Ohr verloren, erlebt der Leser des neuen Romans von Gisbert Haefs eine faustdicke Überraschung. Denn wer nun verständlicherweise erwartet, dass sich die Engländer für den Krieg entscheiden und in diesen mit Glanz und Gloria ziehen, erlebt vielmehr einen Zeitsprung. Nach knapp sechzig Seiten springt die Handlung in das Jahr 1770, in dem der spanische Kapitän Osvaldo Belmonte europäische Sklaven von arabischen Fürsten freikauft. Dabei lernt er den jungen Iren Fergus O’Leary kennen, dessen Vater im damaligen Krieg angeblich in den Bergen am Rio Magdalena einen wertvollen Schatz versteckt hat. Auf seinem Totenbett soll er in einem Krankenhaus im Delirium hierüber erzählt haben. Sein damaliger Arzt (Smollett) könnte also noch etwas wissen.

„Wir suchen einen Schatz, der vielleicht nicht oder nicht mehr existiert, an einem Ort, von dem wir nichts wissen.“

Tobias Smollett ist inzwischen ein bekannter Romanautor, der in der Nähe von Livorno lebt. Belmonte und O’Leary besuchen ihn, finden jedoch einen griesgrämigen alten Mann ohne Manieren vor. Um sein Gedächtnis an den Krieg zu ködern, werden in Erzählungen die damaligen Ereignisse noch mal erzählt. Dass es dabei zwischen dem Engländer Smollett (tatsächlich ein Schotte) und dem Spanier Belmonte (seine Mutter ist Engländerin) zu unterschiedlichen Ausführungen kommt, versteht sich von selber.

„Sie können ja versuchen, mich in Stimmung zu bringen.“

„Wer? Ich?“

„Ja, Sie blöder Ire. Erzählen Sir mir was über Ihre Vorfahren. Sie können doch sicher bestens lügen. Ist ja eine irische Spezialität.“

Während ab ungefähr der Mitte des Romans in Rückblicken der Kriegsverlauf erzählt wird, unterbrechen sich Smollett und Belmonte immer wieder, fallen sich ins Wort, stoßen Beleidigungen aus und zweifeln Darstellungen und Zeitangaben an oder ergänzen diese. O’Leary, der altersbedingt nicht dabei war, wirft immer wieder Verständnisfragen ein, wodurch das Geschehen zeitweise recht sperrig daher kommt. Der Kriegsverlauf selber wird jedoch, wenn denn mal einer der Redner ein paar Sätze hintereinander aussprechen darf, packend geschildert.

Ehre wem Ehre gebührt? Nicht immer.

Trotz drückender Überlegenheit der Engländer kommt es zu einem Fiasko, denn den Spaniern gelingt unter Admiral Blas de Lezo ein genialer Schachzug gegen die von Hitze, starken Regenfällen und damit einhergehenden Krankheiten arg geschwächten Engländer. Kurios: Bei den Engländern streiten Land- und Seeoffiziere und riskieren das Leben tausender Menschen statt gemeinsam den Feind zu bekämpfen. Bei den Spaniern kann sich Admiral Lezo nicht gegen den ebenso eigensinnigen wie unerfahrenen Vizekönig von Neuguinea, Eslava, durchsetzen und droht mit der Verteidigung von Cartagena zu scheitern. Am Ende wird es grotesk: Die Engländer bejubeln den grandios scheiternden Vernon („Rule Britannia“), während einer Intrige von Eslava sei Dank – der siegreiche Lezo kurz vor seinem Tod gedemütigt und aller Ämter enthoben wird.

„Dann können wir nur hoffen, dass seine Exzellenz der Vizekönig es auch versteht.“

„Don Sebastián hat ja selber gekämpft, in Italien und anderswo. Zuletzt, glaube ich, als Hauptmann der Infanterie, nicht wahr? Er müsste...“

„Hätte, könnte, sollte, müsste. Ja. Es gibt Hauptleute und Hauptleute. Manche werden General, andere & Politiker. Und Eslava ist ein eitler Affe. Das haben Sie aber nicht gehört.“

„Haben Sie etwas gesagt, Exzellenz?“

Das Ohr des Kapitäns ist ein bildgewaltiges Historienspektakel, das vor allem Freunde ausführlicher Schlachtenerlebnisse erfreuen dürfte. Allerdings gibt es abseits des Kriegsgeschehens im Zusammenhang mit der Schatzsuche einige Zufälle zu viel. Sie erinnern an irische Erzählungen, in denen gerne übertrieben und mitunter gelogen wird. 

Ihre Meinung zu »Gisbert Haefs: Das Ohr des Kapitäns«

speedy208 zu »Gisbert Haefs: Das Ohr des Kapitäns«22.05.2018
So vielversprechend der Titel, so enttäuschend die Handlung. Ein Buch - zum Vergessen! Mir kam es so vor, als würde ich eine Dokumentation "sehen", da gut 3/4 des Buchs nur mit Fakten und Daten spielt. Was soll das? Klar, ein historischer Roman sollte Gewicht auf den historischen Hintergrund legen, aber so, in diesem Umfang?
Die Handlung ist blutleer, die Figuren blass, nur Namen ohne Profil, die Dialoge könnten einem Stammtisch entstammen, der im Vorfeld eines Fussballmatches stattfindet, wo die Männer in fröhlicher Bierrunde diskutieren. So was vergällt einem die Lesefreude. Kaum Spannung, nur Aufzählung von historischen Events. Und zu guter Letzt kommt auch so eine fadenscheinige Lösung zur Schatzsuche. Man stelle sich vor: man/frau ist im Krieg und bewahrt ausgerechnet ein Blatt Papier auf eines Sterbenden, und das 30 Jahre lang? Also wirklich, das ist jenseits von Gut und Böse. Und das Ende mit den Smaragden… Nun ja, zu schön um wahr zu sein, aber die ganze Lösung wirkt konstruiert und künstlich, und bei so was kommt mir die Galle hoch…
Was habe ich eigentlich erwartet? Einen Mantel- und Degenfilm in Buchform? Einen Helden à la Errol Flynn? Oder doch "Fluch der Karibik" mit einem Johnny Depp-Verschnitt? Nein und ja, keine Ahnung was. Auf jeden Fall suggerierte der Klappentext ganz was anderes, als das, was der Inhalt widergibt. Daher war mein Leseeifer auch auf Sparflamme. Gaben die ersten Kapitel so in etwa den Klappentext wider, so ärgerlich und zäh ging es weiter. Gut 60% des Buches lesen sich wie ein Tagebuch dieser Schlacht(en), und darauf kann ich verzichten. Ich, als Geschichtsfan (ich schreibe mittlerweile selbst historische Romane) verlor schon beim 2.Weltkrieg in der Schule die Lust an Geschichte; und durch dieses Buch kam alles wieder hoch: Ja, die Aufzählung der Schlachten, die Fakten, das Material usw. Was interessieren mich solche Details, wenn sich der Inhalt eigentlich um das "Ohr des Kapitäns" handeln sollte? Die einzige Motivation, das Buch fertigzulesen, war, diesen Kommentar endlich abgeben zu können! Nein, ich bin sehr enttäuscht.
Die Story kommt mir wie ein Stammtischgespräch vor, wo Männer über Kriege, Autos oder Frauen in allen (uninteressanten) Details erzählen. Wen interessiert so was? Und daraus ein Buch machen? Also bitte - die Lektoren schienen bekifft gewesen zu sein. Man/frau gibt doch nur ein Buch heraus, das man als gut erachtet bzw. das Gefühl hat, ein breites Publikum damit anzusprechen… Mag der Titel auch super gewesen sein - der Funke sprang nie rüber. Oder liegt es an mir? Das ist mein 4.(historischer) Roman aus der Schiffswelt, und alle 4 (inkl. "Kapitänsohr") ödeten mich nach den ersten 20 Seiten an. Im Vergleich dazu liest/las sich "Sinhue der Ägypter", trotz der 5fachen Seitenzahl, um einiges flüssiger.
Warum gab Bastei Lübbe dieses Buch überhaupt gebunden heraus? Von der Qualität her müsste es eher unter den Taschenbüchern figurieren…. Buch ist den Preis nicht wert, Hauptpersonen kaum beschrieben, Landschaften zwar exotisch, aber verwirrend (wie auch die Karten im Buchvorspann), trotz Bekanntheit ebenso die erwähnten VIPs. Was macht das Buch für einen Sinn? Von einem Autor, der knapp zu meiner Generation gehört, hätte ich mehr erwartet und ebenso von einem Verlag, der auf Qualität bedacht ist. Auf weitere Werke des Autors bin ich nicht mehr scharf, vor allem nicht auf seine historischen Romane.
speedy208 zu »Gisbert Haefs: Das Ohr des Kapitäns«22.05.2018
So vielversprechend der Titel, so enttäuschend die Handlung. Ein Buch - zum Vergessen! Mir kam es so vor, als würde ich eine Dokumentation "sehen", da gut 3/4 des Buchs nur mit Fakten und Daten spielt. Was soll das? Klar, ein historischer Roman sollte Gewicht auf den historischen Hintergrund legen, aber so, in diesem Umfang?
Die Handlung ist blutleer, die Figuren blass, nur Namen ohne Profil, die Dialoge könnten einem Stammtisch entstammen, der im Vorfeld eines Fussballmatches stattfindet, wo die Männer in fröhlicher Bierrunde diskutieren. So was vergällt einem die Lesefreude. Kaum Spannung, nur Aufzählung von historischen Events. Und zu guter Letzt kommt auch so eine fadenscheinige Lösung zur Schatzsuche. Man stelle sich vor: man/frau ist im Krieg und bewahrt ausgerechnet ein Blatt Papier auf eines Sterbenden, und das 30 Jahre lang? Also wirklich, das ist jenseits von Gut und Böse. Und das Ende mit den Smaragden… Nun ja, zu schön um wahr zu sein, aber die ganze Lösung wirkt konstruiert und künstlich, und bei so was kommt mir die Galle hoch…
Was habe ich eigentlich erwartet? Einen Mantel- und Degenfilm in Buchform? Einen Helden à la Errol Flynn? Oder doch "Fluch der Karibik" mit einem Johnny Depp-Verschnitt? Nein und ja, keine Ahnung was. Auf jeden Fall suggerierte der Klappentext ganz was anderes, als das, was der Inhalt widergibt. Daher war mein Leseeifer auch auf Sparflamme. Gaben die ersten Kapitel so in etwa den Klappentext wider, so ärgerlich und zäh ging es weiter. Gut 60% des Buches lesen sich wie ein Tagebuch dieser Schlacht(en), und darauf kann ich verzichten. Ich, als Geschichtsfan (ich schreibe mittlerweile selbst historische Romane) verlor schon beim 2.Weltkrieg in der Schule die Lust an Geschichte; und durch dieses Buch kam alles wieder hoch: Ja, die Aufzählung der Schlachten, die Fakten, das Material usw. Was interessieren mich solche Details, wenn sich der Inhalt eigentlich um das "Ohr des Kapitäns" handeln sollte? Die einzige Motivation, das Buch fertigzulesen, war, diesen Kommentar endlich abgeben zu können! Nein, ich bin sehr enttäuscht.
Die Story kommt mir wie ein Stammtischgespräch vor, wo Männer über Kriege, Autos oder Frauen in allen (uninteressanten) Details erzählen. Wen interessiert so was? Und daraus ein Buch machen? Also bitte - die Lektoren schienen bekifft gewesen zu sein. Man/frau gibt doch nur ein Buch heraus, das man als gut erachtet bzw. das Gefühl hat, ein breites Publikum damit anzusprechen… Mag der Titel auch super gewesen sein - der Funke sprang nie rüber. Oder liegt es an mir? Das ist mein 4.(historischer) Roman aus der Schiffswelt, und alle 4 (inkl. "Kapitänsohr") ödeten mich nach den ersten 20 Seiten an. Im Vergleich dazu liest/las sich "Sinhue der Ägypter", trotz der 5fachen Seitenzahl, um einiges flüssiger.
Warum gab Bastei Lübbe dieses Buch überhaupt gebunden heraus? Von der Qualität her müsste es eher unter den Taschenbüchern figurieren…. Buch ist den Preis nicht wert, Hauptpersonen kaum beschrieben, Landschaften zwar exotisch, aber verwirrend (wie auch die Karten im Buchvorspann), trotz Bekanntheit ebenso die erwähnten VIPs. Was macht das Buch für einen Sinn? Von einem Autor, der knapp zu meiner Generation gehört, hätte ich mehr erwartet und ebenso von einem Verlag, der auf Qualität bedacht ist. Auf weitere Werke des Autors bin ich nicht mehr scharf, vor allem nicht auf seine historischen Romane.
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