Das Gold von Karthago von Gisbert Haefs

Buchvorstellungund Rezension

Das Gold von Karthago von Gisbert Haefs

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „Hamilkars Garten“,, 318 Seiten.ISBN 3-453-43131-6.

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Kurzgefasst:

Karthago, 230 v. Chr.: Im Garten von Hamilkar Barkas, dem Vater von Hannibal, wird die Leiche eines römischen Händlers gefunden. Rom entsendet sogleich einen Sonderermittler nach Karthago, um den Meuchelmord aufzuklären. Was Titus Laetilius und der karthagische Ordnungshüter Bomilkar herausfinden, erweist sich als äußerst brisant. 

Das meint Histo-Couch.de: „Karthago und Rom in friedlicher Koexistenz“84

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 230 v. Chr. herrscht ein trügerischer Frieden zwischen den Großmächten Rom und Quart Hadasht. Kurzsichtige Politiker haben wenige Jahre zuvor dafür gesorgt, dass Quart Hadasht den sicheren Sieg über Rom verspielte. Nun sind beide Städte dazu verdammt, irgendwie miteinander auszukommen. Rom jedoch, noch längst nicht das Weltreich, welches es einst sein wird, sucht weiter nach Möglichkeiten, die Macht des Konkurrenten einzuschränken und selbst Macht zu gewinnen.

So trifft es sich sehr ungünstig, als ausgerechnet auf dem Landgut des ausgewiesenen Romgegners Hamilkar Barka die Leiche eines römischen Händlers gefunden wird, der dort Gastrecht genoss. Bomilkar, Herr der Wächter von Quart Hadasht, soll in diesem Fall ermitteln. Oder auch nicht, denn die Befehle widersprechen sich. Ganz offenbar gibt es Kräfte im Rat der Stadt, denen eine Ermittlung nicht in den Kram passt. Bomilkar allerdings hat sein römisches Pendant an der Seite, den jungen Laetilius, der in Rom ebenfalls den Auftrag erhielt, den Tod des Händlers aufzuklären. Zwar misstrauen sich die beiden Schnüffler gründlich, stellen aber bald fest, dass sie einander gut das Wasser reichen können. Und so ergibt es sich, dass sie gemeinsam versuchen, die ausgesprochen trügerischen  Fahrwasser der Politik zu umschiffen und den Tod des Händlers aufzuklären. Bald stellen sie fest, dass hier nicht nur die hohe Politik mitmischt, sondern auch der Abschaum von Quart Hadasht, die Verbrechersyndikate aus dem Labyrinth, dem Elendsviertel der Stadt.

Gute alte Feinde

Es macht Spaß, mit Bomilkar und Laetilius durch Karthago (Quart Hadasht) zu wandern. Man bekommt eine gute Vorstellung von der Stadt und ihren Bewohnern, von ihrer Lebensweise und ihrem Alltag. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist der regelmäßig servierte Hundebraten (gerne mit einer feinen Honigkruste), aber ansonsten scheinen die Karthager eine Vorliebe für gutes Essen gehabt zu haben, was sie naturgemäß sehr sympathisch macht. In Das Gold von Karthago lernen sich die beiden jungen Männer kennen und durchaus schätzen, einigen sich letztendlich auf den Staus gute alte Feinde zu sein. Gisbert Haefs gelingt es, seine Protagonisten dem Leser sofort nahe zu bringen, nicht nur die beiden Ermittler sondern auch Bomilkars Freundin Aspasia, seine Wächterkollegen und viele andere Bewohner Karthagos.

Dabei erfährt man, wie das Leben in der Stadt organisiert war, lernt die politischen Strukturen kennen und erfährt, wie die Machtkonstellationen aussehen. Das alles ist sehr informativ und interessant, spricht auch für eine umfassende Recherche durch den Autor. Besonderes Highlight ist der Ausflug nach Iberien, wo Hamilkar Barka darum bemüht ist, die Macht Karthagos auszudehnen und neue Stützpunkte zu schaffen. Und wo ein junger Mann namens Hannibal seine ersten Lorbeeren im Kriegshandwerk verdient.

Verwickelte Angelegenheit

Die Klärung des Mordes entwickelt sich zu einem ausgesprochen verworrenen Kriminalfall. Verworren vor allem deshalb, weil eigentlich niemand mit offenen Karten spielt, nicht einmal Hamilkar, der doch eigentlich zu Bomilkars Freunden zählt. Und auch Laetilius versteht es, im entscheidenden Augenblick zu schweigen. So tappen Bomilkar und der Leser lange im Dunkeln. Man bekommt zwar irgendwann eine Ahnung, worum es gehen könnte, aber restlose Aufklärung gibt es erst am Ende des Buches. Gelegentlich fällt die Krimi-Spannung zwischendurch auch mal ab, aber in dieser Zeit erfährt man viel über das alte Karthago, so dass man immer mit viel Spaß weiter lesen kann. Und relativ schnell ist dann auch der Mord wieder auf der Tagesordnung. Das komplizierte Geflecht politischer Interessen ist für den Leser nicht einfach zu durchschauen, wird aber am Ende von Bomilkar  nachvollziehbar erläutert.

An die Art und Weise der Karthager, sich auszudrücken, muss man sich allerdings erst einmal gewöhnen. Da ist viel Wortwitz, viel Ironie, oft gekoppelt mit einer blumigen Umschreibung. Diese Sprache gefällt vielleicht nicht jedem, aber sie macht die Karthago-Krimis von Gisbert Haefs zu etwas Besonderem.

Ein Histo-Krimi-Schmankerl

Mit den Krimis um den Obersten Wächter Bomilkar hat der Heyne Verlag einen besonderen Leckerbissen für die Fans des historischen Kriminalromans am Start. Das Erlebnis, in der untergegangenen Welt der einstigen Großmacht am Mittelmeer als Leser unterwegs zu sein, ist ein besonderes. Das Gold von Karthago als Auftakt der Reihe bietet nicht nur Spannung, sondern auch viele gut recherchierte Fakten und lebensvolle Protagonisten. Da kann man sich schon mal die Frage stellen, was aus diesen Menschen wohl geworden sein mag, als Karthago den nächsten Krieg mit Rom verlor. Dieses Buch empfiehlt man gerne weiter. Es garantiert angenehme Lesestunden.

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