Der Teufel von Bamberg von Franz-Josef Körner

Buchvorstellungund Rezension

Der Teufel von Bamberg von Franz-Josef Körner

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Der Teufel von Bamberg“,, 320 Seiten.ISBN 978-3954516544.

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Kurzgefasst:

Bamberg im Jahre 1212: Ein Unbekannter ermordet die Wächter der Domruine und stiehlt den wertvollen Domschatz mit dem magischen Sternenmantel. Alle Indizien weisen auf den jungen französischen Baumeister Thomas, bei dem Teile des gestohlenen Schatzes gefunden werden. Doch dann erschüttert eine schreckliche Nachricht die Stadt: Der Teufel treibe in Bamberg sein Unwesen ...

Das meint Histo-Couch.de: „Solide Unterhaltung – aber nichts Neues an der teuflischen Front“70

Rezension von Sabine Bongenberg

Sofern es heute einmal so sein sollte, dass der Teufel melancholisch in einer ranzigen Spelunke herumsitzt, trübsinnig in ein Glas Hochprozentigen stiert und sehnsüchtig über alte Zeiten schwadroniert, so wird er bestimmt über das Mittelalter sinnieren, in dem ihm jede Untat flugs in den Huf geschoben wurde. Sein war quasi der Ruf der heutigen Superverbrecher und die Welt erzitterte vor dem Antichristen. Natürlich gab und gibt es zu diesem Thema auch diverse Geschichten und so überrascht es nicht, wenn der Teufel nach dem Willen von Franz-Josef Körner auch das im Jahr 1212 beschauliche Bamberg zu seiner Bühne wählte: Als einige Personen kurz und schmerzvoll vom Dies- ins Jenseits befördert werden und sich Unholde am Eigentum der Kirche vergreifen, liegt der Verdacht einer Mittäterschaft des Pferdefüßigen aber auch zu Nahe …

In seinem neuen Buch Der Teufel von Bamberg konstruiert Franz-Josef Körner einen historischen Krimi eingebettet in die Rahmenhandlung des Dombaus zu Bamberg. Angelegt als Who-dunnit führt dieser unvermittelt in die Handlung, den Raub des Domschatzes und die darauf folgenden Verstrickungen um den Bau des Doms ein. Hier trifft der Leser einerseits auf die Reichen und Mächtigen, deren Handlungen Einfluss auf Politik und Entwicklung der jeweiligen Stadt oder Nation haben. Neben dieser Konstruktion des historischen Krimis wird andererseits auch aus dem Leben der „kleinen Leute“ erzählt und damit Sittenbilder der damaligen Zeit entworfen. So wird das Schicksal der jungen, hübschen Laurinda erzählt, die den ehrgeizigen Plänen ihres Vaters geopfert wird. Sie wird wohlhabend aber unglücklich verheiratet – ein Widerspruch ist in der damaligen Zeit nicht vorgesehen, sei der Ehemann auch doppelt oder dreifach so alt wie die Braut. Getreu ihrer Rolle wagt sie es nicht aufzubegehren oder eine eigene Rolle einzufordern und wird somit willenlos zur Handelsware. Körner hat bei ihrer Charakterisierung ein wenig dick aufgetragen, so rein, gut und unschuldig wird sie beschrieben – so böse, schwarz und hässlich ist ihre missgünstige Schwägerin, die im ehelichen Haus das Zepter schwingt. Ein wenig facettenreicher ist dagegen der Ehemann des Mädchens angelegt, jagt er doch einerseits wie es auch heute nicht unüblich ist – der „ewigen Jugend“ nach, muss er aber auch andererseits einsehen, dass sich nicht alles kaufen oder erzwingen lässt, was das Herz nun mal begehrt.

Der Leibhaftige stört den Dombau zu Bamberg

Neben den persönlichen kleinen Dramen dieser Personen entfalten sich weitere Verstrickungen um einen Kinderfeldzug, Eifersüchteleien im Hinblick auf den Dombau in Bamberg und natürlich und insbesondere um die offensichtlich besonders zahlreichen Tätigkeiten des „Leibhaftigen“. Körner erzählt hier unterhaltsam und anschaulich, wie weltliche kriminelle Machenschaften so eingesetzt und interpretiert werden können, dass sie als „Teufelswerk“ oder aber als Beweismittel „teuflischen Wirkens“ bestehen können und wie schnell so Beschuldigungen entstehen können. Hier ist allerdings manchmal fraglich, ob derartige Anklagen tatsächlich mit dem Tempo eines Wimpernschlages zustande kamen und ob der Autor nicht zugunsten der spannenden Handlung die Entwicklung forcierte. Zu schnell springen manchmal auch die aufgeklärteren Protagonisten auf die sich anbietenden Teufels-Theorien auf. Wer generell am permanenten Wirken des Bösen zweifelt, dürfte sich kaum – wie alle anderen vermitteln lassen, dass eine Vielzahl der ungeklärten Verbrechen einen wortwörtlichen „Pferdefuß“ aufweisen. Dennoch ist interessant zu lesen, wie sich auch das damalige „Bildungsbürgertum“ mit den einfachen und „spießigen“ Fragen des Lebens und insbesondere der Haushaltsführung herumschlagen müssen. Körner erzählt auch hier in seinen Nebensträngen amüsante Details- wie z.B. über den Hausherrn, der seinerzeit seinen Traum von der „verglasten Terrasse“ mit viel Geduld und noch viel mehr Tricks im Hinblick auf den herkömmlichen Transport und Einbau zu verwirklichen weiß.

Die große Frage, die sich zu diesem Buch aber stellt, ist: Warum wiederum ein mittelalterlicher Krimi, der sich mit den Verstrickungen befasst, die ihre Helden grundsätzlich auf den Scheiterhaufen bringen können? Warum schon wieder ein Buch über möglichen Verträge mit dem Teufel? Körners Buch ist spannend und unterhaltsam geschrieben – das ist keine Frage – aber die Frage bleibt doch, inwieweit sich dieser Roman von vergleichbaren anderen – ebenfalls spannend aufbereiteten und gut erzählten – historischen Romanen abzugrenzen weiß, die den Büchermarkt aber schon längst geflutet haben. Und – hol mich der Teufel – diese Frage kann ich nicht beantworten …

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