Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling von Ellis Peters

Buchvorstellungund Rezension

Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling von Ellis Peters

Originalausgabe erschienen 1989unter dem Titel „The heretic\\\'s apprentice“,deutsche Ausgabe erstmals 1993, 299 Seiten.ISBN 3-453-06443-7.

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Kurzgefasst:

England 1143: In der Benediktinerabtei von Shrewsbury ist eine hitzige Debatte über Ketzerei im Gange. Da geschieht ein gräßlicher Mord. Ein neuer Fall für Bruder Cadfael.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Krimi, der für Toleranz plädiert“89Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Shrewsburry, im Jahre des Herrn 1143. Es ist Hochsommer und der Tag der Heiligen Winifred steht bevor. Shrewsburry wird von Pilgern und Gönnern des Klosters bevölkert. Unter ihnen sind auch Heimkehrer. Elave kehrt mit William von Lythwood, mit dem er im Heiligen Land war, nach Shrewsburry zurück, doch nur Elave ist am Leben. William, auf der Heimreise gestorben, soll auf dem Grundstück des Klosters beigesetzt werden. Der Wunsch wird ihm erfüllt doch seine unkonventionellen Ansichten zu religiösen Fragen führen nicht nur zu Debatten über die Beerdigung, sondern werden auch zum Problem für Elave. Und dann geschieht ein Mord, und ein Verdächtiger ist schnell gefunden …

Theologischer Schwerpunkt

Mit dem nunmehr sechzehnten Band der Reihe wendet sich Ellis Peters etwas vom politischen Geschehen um die Anarchy – den Thronfolgestreit zwischen Stephen und Maud – ab und befasst sich mit religiösen Themen. In einer Zeit, in der abweichende Deutungen der christlichen Lehre streng verfolgt werden, wird das Wort „Ketzerei“ allzu schnell im Mund geführt – auch um einen ungeliebten Mitmenschen loszuwerden. So geschieht es auch hier, und somit sind die theologischen Themen durchaus von Bedeutung. Doch die Diskussionen werden gekonnt in die Geschichte eingewebt und sind auch für den Laien ohne Weiteres verständlich.

Letztlich sind die theologischen Debatten nur Vorlage für das eigentliche Kernthema dieses Falls – Toleranz. Aktuell bis in die heutige Zeit ist es ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Die Rahmengeschichte des Kriminalfalls verdeutlicht die teilweise radikalen Positionen, die – wenn auch leicht abgeändert – bis heute bestehen und transportiert nebenbei eine löbliche Botschaft, ohne dabei den moralischen Zeigefinger allzu hoch zu heben,

Krimi etwas im Hintergrund

Neben dieser Rahmenhandlung tritt die Krimihandlungen dieses Mal ein wenig in den Hintergrund der Mord als solcher ist relativ einfach gestrickt und die Lösung schon einige Seiten vor dem Ende absehbar. Dennoch tut das der Geschichte keinen Abbruch, denn letztlich lebt sie nicht von atemberaubender Spannung, sondern von der interessanten Darstellung der Zeit und der erneut sehr angenehmen Charakterdarstellung. Sowohl die Zwischentöne zwischen den bereits bekannten Charakteren als auch die Einführung neuer, fallbezogener Figuren gelingt der Autorin mühelos und bereitet ein sehr entspanntes Lesevergnügen.

Gewohnt hohe Qualität

Neben der Charakterstellung überzeugt die Autorin auch einmal mehr mit ihrem eingängigen Stil, der auch für Einsteiger in diesem Genre gut geeignet ist. Es ist hier jedoch ratsam, mit dem ersten Band der Reihe Im Namen der Heiligen zu beginnen – nicht nur, um die Charakterentwicklung nachvollziehen zu können, sondern auch, weil der Hintergrund um den Thronfolgestreit durchaus von Bedeutung ist.

Letztlich bieten die Bände, nachdem man einige gelesen hat, keine großen Überraschungen – dafür erhält der Leser gewohnt gute Kost auf hohem Niveau, Ausreißer nach unten sind nicht zu verzeichnen. Auf Ellis Peters, die 1995 verstorben ist, war in dieser Hinsicht stets Verlass.

Ihre Meinung zu »Ellis Peters: Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling«

tassieteufel zu »Ellis Peters: Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling«19.12.2009
Die Abtei zu Shrewsbury bereitet sich auf das Fest der heiligen Winifred vor und diesmal ist hoher Besuch zu Gast, Chorherr Gerbert, wenn auch nur auf der Durchreise und unfreiwillig länger zu Gast als beabsichtigt, fühlt sich doch berufen, in eine hitzige Debatte über Ketzerei einzugreifen, die einen jungen Mann betrifft, der von einer Pilgerreise ins Heilige Land zurück gekommen ist, um seinen Herrn in der Abtei beerdigen zu lassen. Als dann ein Mord geschieht liegt es nahe, den der Ketzerei Beschuldigten auch für den Mörder zu halten und so ist mal wieder Cadfaels Gespür für kriminelle Machenschaften gefragt.
Dieser Fall startet doch recht gemächlich, wenn auch nicht uninteressant, da es um verschiedene Glaubensfragen und deren Auslegung geht. Abt Radulfus kann nicht ganz so schalten und walten wie er es gerne möchte, da Chorherr Gerbert recht einflußreich ist und schließlich sogar der Bischof hinzugezogen werden muß. So kommen der Krimifall und dessen Auflösung auch erst im letzten Drittel zum Tragen, doch dann schreiten Bruder Cadfael und Hugh Beringar wieder gewohnt souverän zur Tat und bringen den Fall zum Abschluß.
Gewohnt gelungen ist wie immer Ellis Peters Figurenzeichnung, die mit wenigen Worten den Personen Leben einhaucht und dem Leser auch die damaligen Glaubenvorstellungen näher bringt.

Fazit: nicht unbedingt der spannendste Teil der Reihe, aber Krimifall und mittelalterliches Flair werden wieder gut miteinander verbunden und für Cadfael Fans einfach ein weiteres Lesevergnügen
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