Leutnant Ramage von Dudley Pope

Buchvorstellungund Rezension

Leutnant Ramage von Dudley Pope

Originalausgabe erschienen 1965unter dem Titel „Ramage“,deutsche Ausgabe erstmals 1966, 409 Seiten.ISBN 3293206360.Übersetzung ins Deutsche von Eugen von Beulwitz.

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Kurzgefasst:

Man schreibt das Jahr 1796: Auf allen Weltmeeren ist die britische Marine mit Napoleon und seinen Verbündeten in blutige Gefechte verstrickt. Nicholas Ramage ist Leutnant auf der Fregatte „Sibella“, die vor der italienischen Küste von einem französischen Linienschiff versenkt wird. Ramage übernimmt das Kommando über die Schiffbrüchigen und rettet auch die bezaubernde italienische Adlige Marchesa di Volterra. Fast fällt er einem hinterhältigen Komplott seiner Neider zum Opfer, doch Kommodore Nelson durchkreuzt das heimtückische Spiel und schickt ihn mit neuem Auftrag auf See.

Das meint Histo-Couch.de: „Gelungener Auftakt einer spannenden Reihe“84

Rezension von Carsten Jaehner

Man schreibt das Jahr 1796. Die englische Fregatte Sibella wird zwischen Korsika und Italien ordentlich von französischen Schiffen unter Beschuß genommen. Als alle höheren Offiziere bereits ihr Leben gelassen haben, übernimmt Leutnant Nicholas Ramage als Höchstrangiger das Kommando und rettet mit vier Booten den Schiffsbrüchigen das Leben, muss aber die Sibella mit vielen Toten und Verletzten ihrem Schicksal, also wohl den Franzosen, überlassen.

Bei Übernahme des Kommandos hat sich Ramage in den Unterlagen noch informiert, was denn die eigentliche Mission der Sibella war. Er soll einige italienische Adlige an Bord nehmen und vor den Zugriffen von Napoleons Armee retten. Ramage übernimmt den Einsatz und schafft es, ein Boot mit Informationen über seinen Verbleib loszuschicken und zugleich sich auf den Weg zu machen, den vereinbarten Treffpunkt aufzusuchen und zumindest einen Teil der Italiener zu retten und an Bord zu nehmen. Darunter befindet sich auch eine alte Kindheitsbekannte, die in Ramage mehr auslöst als sein Pflichtbewusstsein es zulassen dürfte …

Die Marine lebt

Dudley Popes Ramage-Reihe, verfasst in den Jahren zwischen 1965 und 1989 mit achtzehn Bänden, ist eigentlich genauso ein Klassiker wie die Hornblower-Reihe von C. S. Forester. Forester inspirierte tatsächlich Pope zum Verfassen seiner Seemannsberichte in Romanform, und so wundert es nicht, dass ein Offizier Hornblower in Popes Roman zumindest Erwähnung findet, eine kleine nette Anekdote am Rande. Forester, der 1966 starb, dürfte dies gerade noch mitbekommen haben.

Der Unionsverlag verlegte 2013 den ersten Teil der Ramage-Reihe Ramage (dt. Leutnant Ramage) neu und hat das Buch mit einem entsprechend treffenden Cover versehen. Das Buch beginnt mittendrin, denn der Leser wacht wohl mit Leutnant Ramage nach einer Zeit der Bewusslosigkeit auf und befindet sich mitten auf einem Schiff unter Beschuss und stellt auf Seite 6 fest, dass er nun das Kommando innehat, ohne sich darauf vorbereiten zu können. Das ist ein furioser Beginn für einen Roman, der es an Tempo und an maritimen Ereignissen durchaus mit den Hornblowers, Master and Commanders und Sabatinis aufnehmen kann.

Auf der Flucht vor Napoleons Truppen

Nicholas Ramage ist ein junger Mann, von dem man im Laufe des Romans mehr erfährt. Er wuchs in Italien auf, weshalb er mit auf diese Mission geschickt wurde, da er fliessend italienisch spricht. Daher kennt er auch die adlige Comtess Gianna, die er aus frühen Kindertagen kannte, sich aber nur vage an sie erinnern kann. Beide ungefähr gleich alt, erinnern sie sich auch nur flüchtig aneinander, allerdings sehen beide bald mehr ineinander als Retter und Gerettete.

Natürlich geht alles nicht so glatt, wie es  gerne sein würde, und der eine oder andere Verlust begleitet die Mission. Als Ramage glücklich die Gefangenen Italiener, die sich retten lassen wollten, bei der Flotte abliefert, sieht er das Kriegsgericht auf sich zukommen. Zum einen, um sich wegen des Verlustes der Sibella zu rechtfertigen, zum anderen, da ihn einer der geretteten Italiener beschuldigt, seinen Cousin im Stich gelassen zu haben und ihn so durch die Franzosen hätte töten lassen.

Spätestens an dieser Stelle zeigt sich deutlich, wie sehr sich Pope mit den Gerichtsbarkeiten der Marine auskennt. Seerecht und Landrecht werden auseinandergehalten, sämtliche Paragraphen, die zum Tragen kommen, werden gezogen und so der Prozeß zu einer spannenden Angelegenheit. Überhaupt hat man während der gesamten Lektüre stets das Gefühl, der Autor kenne sich aus, was ja auch stimmt, da er selbst jahrelang zur See gefahren ist.

Verwirrende Fachsprache

Gerade im letzten Teil des Romans, als Ramage ein Rettungskommando bekommt, zeigt sich dies deutlich, wenn nicht überdeutlich. Die Seemannssprache wird hier fast schon überstrapaziert, so dass dem Leser beim Lesen schwindelig wird. Die Fülle an Fachausdrücken beeindruckt gleichermaßen, wie sie den Leser verwirrt. Sätze wie „Damit war dafür gesorgt, dass diese Enden klar waren, wenn er den Klüver back setzen ließ. Versuchte der Wind dann, den Bug durch das back stehende Segel nach Lee wegzudrücken, dann galt es im letzten Augenblick, die Großschot dicht zu holen und Luvruder zu legen.“ häufen sich in einem atemberaubenden Tempo, wenngleich man als Landratte ungefähr ahnen kann, was dort gerade passiert.

Liest man nicht gerade die Passagen mit den maritimen Fachausdrücken, so liest sich der Roman leicht und flüssig, auch wenn es manche retardierende Momente gibt, die allzu lang dauern und wo die Gefahr besteht, dass man Absätze überliest. Das Tempo ist hoch, die Handlung spannend und gerade für Fans von Hornblower-artigen Romanen gehört die Ramage-Reihe unbedingt ins Bücherregal. Schade nur, dass es der Unionsverlag wohl nicht die ganze Serie neu auflegen wird, sondern es bei diesem ersten Roman und seinem Nachfolger Trommelwirbel belässt. Fans der Reihe oder solche, die angefixt wurden, werden sich wohl antiquarisch auf die Suche nach den weiteren sechzehn Romanen machen müssen. Das ist schade, wohl aber bei den Produktionskosten und Auflagenzahlen nicht anders machbar.

Eine Karte und vor allem ein Glossar wären eine schöne Ergänzung für den Roman gewesen, leider verzichtet der Verlag komplett auf alle zusätzlichen Beigaben. Dennoch ein feiner Beitrag für das Genre der Seefahrerromane, das leider insgesamt viel zu unterrepräsentiert ist. Vielleicht entscheidet sich ja der Verlag doch zur Neuauflage von den weiteren Romanen. Es wäre zu wünschen.

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