Ein Wiedersehen zur Weihnachtszeit von Donna Douglas

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „A Nightingale Christmas Carol“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 448 Seiten.ISBN 978-3-404-17743-1.

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Kurzgefasst:

London, 1943. Weihnachten steht vor der Tür – endlich darf Schwester Dora ihren geliebten Nick wieder in die Arme schließen. Doch ihr Glück währt nicht lang. Schon bald muss Nick zurück an die Front, und das Nightingale Hospital stellt seine Krankenschwestern vor eine neue Herausforderung: Sie sollen sich um deutsche Kriegsgefangene kümmern. Anders als Dora, die sich mit dieser Aufgabe schwertut, hegt ihre Kollegin Kitty heimlich ganz andere Gefühle für einen ihrer Patienten. Während beide mit ihren Gefühlen hadern, taucht überraschend Doras Freundin Helen wieder auf – und bringt ein dunkles Geheimnis mit ...

Das meint Histo-Couch.de: „Begegnung mit liebgewonnenen Protagonisten“90Treffer

Rezension von Alexandra Hopf

Zur Weihnachtszeit 1943 wird London immer noch vom Zweiten Weltkrieg gefangen gehalten. Nick hat kurz Fronturlaub und kann ein paar Tage zu Hause bei Dora und seinen Kindern verbringen. Doch bald wird er schon wieder nach Frankreich abberufen wo die Alliierten kämpfen. Neben der Angst um ihn muss sich Dora einer Herausforderung der besonderen Art stellen. In den noch verbleibenden Teilen des zerstörten Hospitals arbeitet eine Notbesetzung, um verletzte Soldaten zu pflegen. Doch Dora muss auf einer ganz bestimmten Station arbeiten und zwar auf der Station, wo verletzte deutsche Kriegsgefangene versorgt werden. Dora tritt dieser Aufgabe mit gemischten Gefühlen gegenüber. Diese Soldaten sind die gleichen, gegen die ihr geliebter Ehemann täglich sein Leben riskiert. Aber ihr Pflichtbewusstsein als Krankenschwester siegt. Sie erkennt, dass diese Männer keine Monster sind, sondern auch nur Menschen, die ihre Liebsten vermissen und ihrerseits ihre Vaterlandspflicht erfüllen müssen.

Bei der Pflege wird sie tatkräftig von der  Krankenschwester Kitty Jenkins unterstützt. Die junge Frau leidet unter Komplexen wegen der deutlichen Narben im Gesicht, die sie nach einem Luftangriff davon getragen hat. Ihre Familie ist nicht begeistert, dass sie ausgerechnet bei den verhassten Deutschen arbeiten muss. Doch Kitty verrichtet aufopferungsvoll ihre Arbeit und setzt sich insbesondere für den verletzten Stefan Bauer ein.

Helen Dawson, die alte Schulkollegin von Dora, kehrt überraschend aus Europa, wo sie als Armeekorpsschwester gearbeitet hat, ans Nightingale Krankenhaus zurück. Sie hat überhaupt nichts dafür übrig, wie sich die Schwestern der Kriegsgefangenenstation für ihre Patienten einsetzen. Es kommt zu heftigen Konflikten zwischen den alten Freundinnen. Dora erkennt Helen nicht wieder, die sich früher so verständnisvoll und aufopferungsvoll um ihre Patienten bemüht hat. Doch mit der Zeit findet Dora den wahren Grund für Helens Kaltherzigkeit heraus.

Das Ende des Krieges

Nachdem der letzte Band dieser Reihe die Leser aufs Land geführt hat, kehrt die Handlung diesmal wieder ans Nightingale Krankenhaus in London zurück. Hier erleben die Leser die letzten beiden Jahre des Zweiten Weltkrieges 1943-1945. Es stellt für das dort arbeitende Personal aus verschiedenen Gründen eine besondere Herausforderung dar, ausgerechnet den Feind zu pflegen. Diese Gratwanderung ist das Hauptthema des achten Teils. Außerdem kommt auch das Thema Liebe nicht zu kurz.

Protagonisten wieder absolut überzeugend und authentisch dargestellt

Dora Riley überzeugt den Leser wieder auf altbekannte Weise. Erneut steht sie unerschütterlich für ihre Überzeugungen ein. Ihre Person zeigt dem Leser auf beeindruckende Weise, in welchem Zwiespalt sich die junge Mutter befindet. Die Sorge um ihren geliebten Ehemann Nick bringt sie fast um. Trotzdem muss sie stark sein, schon allein für ihre Zwillinge Winnie und Walter. Und dazu kommt noch ihre Tätigkeit im Hospital. Auch wenn es der Feind ist, den sie da pflegen muss, erkennt sie, dass auch diese jungen Männer nur Menschen sind und versucht sie bestmöglich zu versorgen.

Fast ähnlich vermittelt es die jüngere Krankenschwester Kitty. Sie hat guten Grund die Deutschen ebenso zu hassen wie der Rest ihrer Familie. Schließlich ist ihr Bruder Raymond durch die Deutschen getötet worden und sie hat durch deren Luftangriff entstellende Narben im Gesicht davongetragen. Und obwohl sie mit dem schottischen Soldat Mal liiert ist, lässt sie das Schicksal des jungen Deutschen Stefan nicht los. Das besondere Engagement, das sie in dessen Pflege investiert, bringt sie immer mehr in einen Konflikt ihrer Gefühle.

Während die anderen Protagonisten sofort wieder bekannt erscheinen, verwundert die Erscheinung von Helen Dawson. Sie taucht überraschend auf und ist ein komplett anderer Charakter. Kennt man sie von früher als aufopferungsvolle Krankenschwester, die stets Verständnis für ihre Patienten aufbringt, ist sie nun kaltherzig und unsympathisch. Diese Entwicklung verstört den Leser zunächst etwas. Doch man erkennt schnell, dass sich dahinter mehr verstecken muss und man verfolgt interessiert die Hintergründe. Bei allen Charakteren ist es Donna Douglas wunderbar gelungen, sie authentisch darzustellen und man kann sich in alle hineinversetzen.

Wer die Reihe schon von Anfang an kennt, wird sich bereits wieder nach wenigen Seiten heimisch fühlen. Der flüssige, leicht verständliche Schreibstil trägt dazu bei, dass die knapp 450 Seiten nur so dahin fliegen. Fast enttäuscht legt man das Buch am Ende weg und hofft auf baldige Fortsetzung.

Bastei Lübbe hält an der etwas kitschig wirkenden Covergestaltung fest, doch Kenner der Reihe lassen sich davon nicht abschrecken, denn sie wissen, dass es sich nicht, wie das Bild vermittelt, um einen Groschenroman handelt.

Auch nach acht Teilen wird man dem Thema nicht überdrüssig

Ein Wiedersehen zur Weihnachtszeit ist ein absolutes Muss für jeden, der die „Nightingales“ kennt und für die, die sie noch nicht kennen, eine klare Leseempfehlung, diese Serie zu beginnen. Auch wenn nicht tiefgreifend historisch, ist es trotzdem perfekte Unterhaltung für zwischendurch.

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