Der Turm der Ketzerin von Deana Zinßmeister

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Der Turm der Ketzerin“,, 464 Seiten.ISBN 3-442-48410-3.

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Kurzgefasst:

Frankreich 1588. Der junge Pierre wuchs im katholischen Glauben auf, bis er erfahren musste, dass er als Hugenotte geboren wurde. Aufgrund der verheerenden Glaubenskriege im Land war sein Vater jahrelang gezwungen, ihre Religion zu verheimlichen. Während seine Schwester Magali dem Katholizismus treu bleibt, möchte Pierre nun zu seiner ursprünglichen Konfession zurückkehren. In La Rochelle verliebt er sich in die Hugenottin Florence. Doch die strengen Sitten- und Lebensvorstellungen ihrer Familie stehen ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg. Und dann wird der neue Glaube auch noch zur Gefahr für die beiden Liebenden ...

Das meint Histo-Couch.de: „Eine eher ruhige Geschichte“62

Rezension von Karin Speck

Das Schicksal geht oft merkwürdige Wege und genau dies musste Pierre erfahren. Er wurde im katholischen Glauben erzogen und die Welt war so für ihn in Ordnung. Aber dann hat er erfahren, dass er eigentlich als Hugenotte geboren wurde. Um sein Leben und das Leben seiner Schwester Magali zu schützen, hat ihr Vater ihren wahren Glauben jahrelang unterdrückt. Denn im 16. Jahrhundert in Frankreich wurden die Hugenotten gejagt und getötet. Während Magali mit ihrem Leben zufrieden ist, so wie es ist, hegt Pierre den Wunsch, wieder als Hugenotte Leben zu dürfen. Er hat sich in La Rochelle in die schöne Florence verliebt. Für ihre Familie kommt nur ein Mann infrage, der in ihrem Glauben lebt. Pierre und Florence nehmen den Kampf für ihre Liebe auf.

Gleichbleibender Erzählfluss

Bei dem Roman Der Turm der Ketzerin handelt es sich um die Fortsetzung zu Das Lied der Hugenotten. Er schließt direkt an den Vorgängern an. Auch wenn man durchaus beide Bücher unabhängig voneinander lesen könnte, empfiehlt es sich nicht. Einige Zusammenhänge, was die Verfolgung der Hugenotten betrifft, bauen in der Erzählung aufeinander auf. Es gibt allerdings auch ein paar erklärende Rückblenden.

Leider fehlt der Geschichte trotz allem ein wenig die Spannung. Die Handlung plätschert ohne echte Höhen und Tiefen vor sich hin. Die Autorin erzählt zwar, wie sich Florence und Pierre kennenlernen und was sie durchleben müssen, aber ohne wirklich Spannung zu erzeugen. Das Leben der beiden ist eher als ruhig zu bezeichnen. Allerdings hat Zinßmeister in ihre Handlung gut eingearbeitet, dass die Hugenotten immer noch verfolgt werden. Die Bedrohung ist greifbar. Auch schildert sie, wie schwer es ist, in die Gemeinschaft der Hugenotten intrigiert zu werden.

Spannende Szenen im Turm

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt direkt von dem Turm, in dem die Frauen eingesperrt wurden, die eine gewisse Strafe zu verbüßen hatten. Hier kommt dann schon eine gewisse Spannung auf. Die Autorin versteht es gekonnt, von den Schicksalen dieser Frauen zu erzählen. Es entstehen durchaus Bilder im Kopf. Leider sind diese Szenen nur sehr kurz und schnell gelesen.

Trotz Schwächen, gute Unterhaltung

Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte an Dramatik zu, jetzt beginnen einem die Protagonisten ans Herz zu wachsen. Man kann mit Florence mitleiden und hoffen und bangen, ist mit Pierre verzweifelt, weil er von seiner Geliebten getrennt ist, aber dann ist die Geschichte auch schon wieder vorbei. Im Vergleich zum ersten Teil ist Der Turm der Ketzer um einiges schwächer, dabei aber immer noch gute Unterhaltung im Bereich der historischen Romane. Denn das Leben der Menschen in dieser Zeit hat Deana Zinßmeister wie gewohnt gekonnt beschrieben. Es ist ihr gut gelungen, die Dramatik der Hugenottenverfolgung in Worte zu fassen. Ein Nachwort und eine Bibliografie beenden dann den Roman.

Ihre Meinung zu »Deana Zinßmeister: Der Turm der Ketzerin«

StephanieP zu »Deana Zinßmeister: Der Turm der Ketzerin«31.01.2018
Pierre wächst im 16 Jahrhundert im katholischen Glauben auf. Erst später findet er heraus, dass er ursprünglich ein Hugenotte ist Aufgrund der Glaubenskriege in Frankreich war sein Vater gezwungen den wahren Glauben der Familie zu verheimlichen. Seine Schwester Magali will weiterhin den katholischen Glauben beibehalten, aber Pierre reist nach La Rochelle um zu den Hugenotten zu konvertieren. In der neuen Heimat verliebt er sich unsterblich in die junge Hugenottin Florence. Doch die unterschiedlichen Sittenvorstellungen stehen dem jungen Paar im Weg. Zudm geraten sie durch ihren Glauben in große Gefahr.

Deana Zinßmeisters Schreibstil ist sehr bildlich und fesselnd. Ich konnte sofort in die Handlung einsteigen, welche durch unerwartete Wendungen bis zum Ende spannend ist. Die Handlung ist gut durchdacht und sehr logisch. Die bildliche Schreibweise der Autorin ermöglicht es dem Leser komplett in die Handlung einzutauchen. Es wechseln sich immer wieder Kapitel rund um die einzelnen Protagonisten ab, wodurch unnötige Längen und Wiederholungen komplett vermieden werden können.

Die Charaktere sind sehr authentisch und bildlich beschrieben. Als Leser kann man sich schnell ein Bild machen und Sympathie oder Antipathie entwickeln. Als Leser beginnt man schnell mit den einzelnen Charakteren mitzuleiden oder sich zu freuen.

„Der Turm der Ketzerin“ wirkt geschichtlich sehr gut recherchiert. Als Leser merkt man sofort, dass sich Deana Zinßmeister unglaublich gut mit der Geschichte der Glaubenskriege in Frankreich befasst hat. Als Leser fällt einem auf, dass alles Geschichtliche im Buch Hand und Fuß hat. Zudem lässt Deana Zinßmeister immer wieder Fakten zur Kunst der Glasbläserei einfließen, welche die Handlung besonders authentisch gestalten. Auch ohne geschichtliches Vorwissen kann man ohne Probleme in die Handlung einsteigen und ihr folgen.

„Der Turm der Ketzerin“ ist bereits der zweite Teil rund um Pierre. Auch ohne den Vorgänger zu kennen kann man sofort in die Handlung einsteigen und dieser ohne Probleme bis zum Ende folgen. Ich kenne den ersten Teil nicht und hatte während des Lesens nie das Gefühl, dass mir wichtiges Vorwissen fehlt. Da mit „Der Turm der Ketzerin“ so gut gefallen hat werde ich mir allerdings den ersten Teil kaufen.

FAZIT:
„Der Turm der Ketzerin“ ist ein rundum gelungener Roman, der eine Liebesgeschichte, Spannung und historische Fakten sehr gelungen verbindet. Ich vergebe daher 5 Sterne!
Sommerlese zu »Deana Zinßmeister: Der Turm der Ketzerin«30.01.2018
Mich hat der flüssige, bildhaft beschreibende und gut zu verfolgende Schreibstil wunderbar durch das Buch getragen. Die Darstellung von alltäglichem Leben, Informationen über das Glasmachen, die düstere und tragische Einkerkerung von Frauen wegen ihres Glaubens ist der Autorin gut gelungen und sie sorgen für unterhaltsame Lesezeit. Ich war bis zum Schluss gefesselt und wollte sehen, wie es meinen Lieblingscharakteren ergeht.
Natürlich spielen hier die Gegensätze von Guten und Bösen eine große Rolle und lassen den Spannungsbogen auch kontinuierlich steigen.


Besonders die Informationen über die bescheiden lebenden Calvinisten haben mich sehr interessiert. Ihr Leben wird anders als bei den Katholiken ohne Prunk gelebt, sie halten sich an viele Regeln, sind in schlichte schwarze Gewänder gekleidet und verzichten auf Feste, Wein und Wohlstandsannehmlichkeiten.

Wie es um die eingekerkerten Hugenottenfrauen im Ketzerturm bestellt ist, erfährt man anschaulich erzählt. Die Frauen mussten ohne Sonnenlicht und schlechter Versorgung mit ihren Kindern im Halbdunkel vor sich hinvegetieren. Diese Schicksale berühren und stellen in Frage, ob die Katholiken wirklich christliche Grundsätze gelebt haben.
Der Turm der Ketzerin hat mich von Beginn an mitgerissen und ich konnte tief eintauchen in diese Zeit. Auch die beschriebenen Schauplätze in Paris, La Rochelle und Aigues-Mortes erscheinen lebendig, anschaulich und wirken glaubwürdig. Man wird beim Lesen Teil der Handlung und ist überall bildhaft mit dabei. Auch die emotionale Ebene kommt nicht zu kurz, hier wird die Liebe in feinen Tönen skizziert und nicht in derben Szenen gezeigt wie so oft in mittelalterlichen Romanen.

Über besondere Themen wie das Glasmachen, die Salzgewinnung und die theologischen Dispute bringt Deana Zinßmeister nähere Informationen an ihre Leser, ohne sich darin zu verlieren. Die Menge ist angenehm wohltuend und man bekommt auch historisch einige Fakten an die Hand, wird aber nicht von Informationen erschlagen.


Dem Buch vorangestellt ist ein Personenregister, das die Figuren den Orten zuordnet und an dem man sich bei Namensproblemen gut orientieren kann. So etwas hilft beim Lesen immer sehr. Im Anhang findet sich ein Nachwort der Autorin mit historischen Ergänzungen.


Mich hat der Roman begeistert und mitgerissen und ich bin gespannt auf den dritten Teil der Reihe.
Ein anschauliches Buch über die Glaubenskriege in Frankeich und ein spannender Schmöker.
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