Der große Sturm von David Gilman

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Viper's Blood“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 608 Seiten.ISBN 978-3-499-29100-5.Übersetzung ins Deutsche von Michael Windgassen.

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Kurzgefasst:

Frankreich, 1360. Im Dienste der englischen Krone kämpfen sich Thomas Blackstone und seine Männer bis nach Paris vor. Doch die Hauptstadt ist uneinnehmbar. Allerdings besteht der Prinz von Wales darauf, die ungeschützten Vorstädte dem Erdboden gleichzumachen. Thomas sieht dem Gemetzel angewidert zu bis ein gewaltiger, vernichtender Sturm aufzieht. Er bewirkt, dass sich die beiden Königreiche wieder aufeinander zubewegen. Während der Verhandlungen bietet sich Thomas eine einmalige Chance: Er erhält den Auftrag, nach Mailand zu reisen und sieht die Zeit seiner Rache gekommen ...

Das meint Histo-Couch.de: „Rache schmeckt bitter“93Treffer

Rezension von Annette Gloser

Eine Londoner Spelunke im Jahr 1360: Nach dem Tod von Frau und Tochter ist Thomas Blackstone im Alkoholrausch versunken. Er will nur noch vergessen. Aber seine früheren Kampfgefährten stöbern ihn auf und zwingen ihn, sich wieder der Wirklichkeit zu stellen. König Edward III. greift nach der französischen Krone. Thomas und seine Männer werden Frankreich gebraucht. Und so zieht er zunächst nach Reims, später nach Paris, belagert Städte und stürzt sich in blutige Kämpfe. Nach der vergeblichen Belagerung von Paris jedoch erhält Thomas einen ganz besonderen Auftrag: Er soll die französische Prinzessin Isabelle zu ihrem Bräutigam begleiten. Dieser aber ist niemand anderes als Gian Galeazzo Visconti aus der Familie der Herzöge von Mailand. Für Thomas die Gelegenheit, sich an den Visconti zu rächen. Aber er weiß auch, dass ihm die Mailänder Herzöge weiter nach dem Leben trachten. Geht er nach Mailand, so begibt er sich in höchste Gefahr. Aber für Thomas ist seine Rache wichtiger als sein Leben.

Es bleibt blutig

Mit Der große Sturm legt rororo den vierten Band aus der Reihe „Legenden des Krieges“ von David Gilman vor. Der Hundertjährige Krieg ist noch immer in seiner Anfangsphase, obwohl er mittlerweile schon 23 Jahre andauert. England ist siegreich, Frankreich steht mit dem Rücken zur Wand. Aber noch ist es Edward III. nicht gelungen, sich Frankreichs Krone aufzusetzen, obwohl er den französischen König als Gefangenen nach England gebracht hat und der Dauphin kaum handlungsfähig ist. David Gilman lässt seinen Helden an den Belagerungen von Reims und Paris teilnehmen, lässt ihn das schreckliche Unwetter nach dem Ende der Belagerung von Paris miterleben und schickt ihn dann an einen anderen Schauplatz der Geschichte, nach Mailand. So breitet sich vor dem Leser ein hochinteressantes Bild aus, auf dem komplizierte Machtverhältnisse, blutige Schlachten, spannende Zweikämpfe, Grausamkeit und Skrupellosigkeit keinen Raum für Glück und weiche Gefühle lassen. David Gilman erweist sich hier ein weiteres Mal ein profunder Kenner der Militärgeschichte und der Historie des 100jährigen Krieges und als Autor, der diese Geschichte mit viel Verve und Elan erzählen kann. Es gelingt ihm, ein Gefühl von Authentizität zu schaffen, seine Leser gleichsam von der ersten Seite an in die Handlung hinein zu ziehen und sie bis zur letzten Seite nicht mehr los zu lassen.

Gute alte Bekannte

Es ist das harte Leben der Krieger, das hier geschildert wird. Ein Leben, in dem man sich schon Tage vorher auf ein Bad freut, in dem es selten genug zu essen gibt und noch viel seltener ein Dach über dem Kopf. Ständig auf der Hut, gnadenlos im Kampf, so werden Blackstone und seine Männer gefürchtet und geachtet. Es macht einen guten Teil des Charmes Blackstones aus, dass dieser seine Prinzipien hat, denen er auch unter schwierigen Bedingungen treu bleibt. Dabei ist er keineswegs eine Art Robin Hood, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Blackstone ist kein Wohltäter, aber er sorgt sich zuerst um seine Männer, bevor er an sein eigenes Wohl denkt, er will sich nicht an sinnlosem Morden beteiligen und er ist ein zutiefst verletzter Mensch, der unter seiner harten Schale viel Kummer und seelische Not verbirgt. Er ist ein sympathischer Held, mit dem man aus ganzem Herzen bangen und hoffen kann, einer, für den man sich als Leser wünscht, dass er vielleicht doch noch ein Stückchen Glück in seinem Leben findet. Wenn Blackstone und seine Männer in den verbalen Schlagabtausch gehen, dann spürt man sehr deutlich, dass hier eine eingeschworene Männergemeinschaft unterwegs ist und so manches Mal bringen einen die Frotzeleien der harten Kerle untereinander zum Schmunzeln. Als Leser ist man gerne mit ihnen unterwegs, man kennt sie ja mittlerweile ganz gut und weiß, dass man mit ihnen auskommen kann.

Furiose Fortsetzung

Der große Sturm hat es als vierter Band einer Reihe nicht leicht. Da muss man als Roman schon was zu bieten haben, wenn man die Leser weiter bei der Stange halten will. Aber diese Forderung erfüllt der Roman voll und ganz. Er hat Spannung und gut recherchierte Historie im Angebot, Helden mit vielen Facetten, Bösewichte, Weicheier, hinterhältige Fieslinge und harte Kerle mit einem manchmal etwas weicheren Kern. David Gilman ist eine furiose Fortsetzung gelungen, die im Vergleich zu den ersten Bänden der Reihe keineswegs abfällt sondern die Qualität eher noch steigert. Sicher könnte man diesen Roman auch einzeln für sich lesen, aber warum sollte man das tun, wo doch bereits die ersten Bände so lesenswert sind? Zudem gibt es viele Bezüge auf die Handlung der vorhergehenden Bände und manch ein Zusammenhang wird erst deutlich, wenn man die ganze Geschichte kennt. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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