Der Kaufmann und die Unbeugsame von Daniela Wander

Buchvorstellungund Rezension

Der Kaufmann und die Unbeugsame von Daniela Wander

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Der Kaufmann und die Unbeugsame“,, 352 Seiten.ISBN 3740803215.

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Kurzgefasst:

Düsseldorf, April 1541. Walther von Doncerbosch, Mitglied des herzoglichen Hofstaats, wird mit durchgeschnittener Kehle in einem Klostergarten aufgefunden und der Düsseldorfer Hof sucht gleichermaßen schockiert wie entzückt nach Verdächtigen. Grund, ihm den Tod zu wünschen, haben viele: seine Verlobte Jolanda, die ihren Zukünftigen von Herzen verabscheute, oder auch Conrad Franckh, mit dem ihn dunkle Geschäfte verbanden. Um nicht unter die Räder der hastig geführten Ermittlungen zu geraten, nehmen Jolanda und Conrad die Sache selbst in die Hand.

Das meint Histo-Couch.de: „Beschauliche Mordermittlung“65

Rezension von Nicole Goersch

Düsseldorf 1541: Hofdame Jolanda von Auerbroich flüchtet sich ins Damenstift von Gerresheim, um über ihre bevorstehende Hochzeit mit Walther von Doncerbosch nachzudenken, den sie nicht liebt. Da reißt sie ein Schrei aus ihren Gedanken: eine Leiche wurde entdeckt. Der Schrecken ist für Jolanda doppelt groß, denn der Ermordete ist kein Geringerer als ihr Verlobter. Am Schauplatz des Verbrechens ist auch der Kaufmann Conrad Franckh, der sie nach Düsseldorf zurückbegleitet. Hat er sich mit dem Toten getroffen? War er in dessen Geschäfte verwickelt? Während sich der Hofstaat in Gerüchten ergeht, wird Kanzleimitarbeiter Lukas Brunner mit den Ermittlungen beauftragt. Kann er den Mörder finden? 

Klassische Schicksale der damaligen Zeit

Jolanda von Auerbroich betrauert den Mord an ihrem Verlobten nicht, denn sie kannte ihn kaum. Das Arrangement ihrer Vermählung beruht allein auf Besitzüberlegungen und Einflussnahme, sowohl ihres Vaters als auch ihres zukünftigen Ehemanns. Dass Walther von Doncerbosch keinen liebenswürdigen Ruf hatte, interessiert ihren Vater nicht, ebenso wenig wie das Schicksal seiner Tochter.

Auch die anderen Figuren des Hofstaates und der Stadt erheben keinen Anspruch auf individuelle, herausragende Charaktere. Sie dümpeln in ihrem Alltag dahin. Niemand sticht durch besondere Aktionen oder rebellische Meinungen hervor. Ebenso wenig Jolanda, die im Titel zwar als „Unbeugsame“ bezeichnet wird, dies allerdings in keiner Szene zeigt. Sie erhebt sich weder gegen ihren Vater noch zeigt sie dem versnobten Hofstaat die Stirn, als dieser sich in Gerüchten ergeht. Teilweise wirkt sie gar ängstlich, sie könnte ihre Stellung verlieren, und wenig risikobereit. Sie weicht aus, wenn ihre angeblichen Freunde ihr in den Rücken fallen und zieht sich mental zurück, wenn ihr Vater auftaucht. Dadurch wirkt sie pomadig und wenig originell.

Irreführender Klappentext

Hinzu kommt, dass im Klappentext behauptet wird, Jolanda und Conrad würden die Suche nach dem Mörder selber in die Hand nehmen. Das tun sie zwar, allerdings erst auf den letzten achtzig Seiten des Romans. Zuvor hangelt sich die Autorin an zufälligen Momenten entlang, in denen abrupt ein Verdächtiger auftaucht, der allerdings ein paar Seiten weiter wieder aus der Schusslinie genommen wird. Das macht die Geschichte träge und langsam, lässt sie gemächlich dahinfließen wie den Rhein.

Außerdem wiederholen sich Wortwendungen unmittelbar innerhalb weniger Seiten, was das Lesen eintönig macht, wie zum Beispiel die „arrogant geschwungenen Augenbrauen“ (S. 96 und 106) oder dass die Geliebte des Herzogs „zwitschert“ (u. a. S. 26ff.).

Das Lokalkolorit der Stadt Düsseldorf und ihrer Umgebung hingegen ist anschaulich eingefangen. Manche der beschriebenen historischen Plätze, beispielsweise die Bolkerstraße oder die Stiftskirche in Gerresheim, kann man auch heute noch besichtigen. Ebenso kann man sich den gerüchteflüsternden Hofstaat, die emsig arbeitende Kanzlei und die altbiergeschwängerten Gaststätten sehr gut vorstellen.

Mangel an Spannung und Handlung

Für einen Kriminalroman ist der Spannungsrahmen nicht ausgekostet. Außer dem Mord zu Beginn und den konkreten Aktionen auf den letzten Seiten passiert nicht viel. Jolanda ergeht sich zu häufig in ihrem Selbstmitleid, dass der Hofstaat doch nicht so viele Freunde beheimatet wie gedacht, setzt dem aber keine nachdrückliche Aktion entgegen, was den Titel Lügen straft.

Die historischen Aspekte sind versiert recherchiert, was unter anderem durch das Personenverzeichnis, welches am Ende des Buches zu finden ist, verdeutlicht wird. 

Für Düsseldorf-Kenner sicherlich amüsant zu lesen, Krimi-Fans werden jedoch eher enttäuscht sein.

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