Die Schwestern von Sherwood von Claire Winter

Buchvorstellungund Rezension

Die Schwestern von Sherwood von Claire Winter

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Die Schwestern von Sherwood“,, 576 Seiten.ISBN 3-453-29140-9.

»Die Schwestern von Sherwood« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

Kurzgefasst:

1948: Die angehende Journalistin Melinda kämpft im Nachkriegsberlin ums tägliche Überleben, als sie von einem anonymen Absender ein rätselhaftes Paket erhält. Die Bilder einer mystischen Moorlandschaft und eine ungewöhnliche Schachfigur führen die junge Frau nach England, zu einem geheimnisvollen alten Herrenhaus. Dort stößt Melinda auf die dramatische Liebesgeschichte zweier Schwestern im letzten Jahrhundert, die sehr viel mehr mit ihrem eigenen Leben zu tun hat, als sie zunächst ahnt …

England 1881: Nach vielen entbehrungsreichen Jahren hat es Elisabeth Sherwood zusammen mit ihrem Mann John zu Geld und einem wunderbaren Anwesen in Devon gebracht. Nun sollen ihre Töchter Cathleen und Amalia ihr die Türen zur besseren englischen Gesellschaft öffnen. Als Amalia nach einer schweren Scharlacherkrankung taub wird, richtet die Mutter all ihren Ehrgeiz auf Cathleen und arrangiert eine Heirat mit Lord Edward Hampton, Sohn einer verarmten Aristokratenfamilie. Auch Amalia kennt den jungen Lord. Sie begegnet ihm häufig im einsamen Dartmoor, wo sie ausgedehnte Spaziergänge unternimmt und stundenlang malt. Zwischen den beiden entspinnt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Dann verschwindet Amalia plötzlich. Sie sei im Moor tödlich verunglückt, heißt es. Edward und Cathleen heiraten, doch ihre Familien sind gezeichnet von dem Unglück, das mit dem Verlust Amalias über sie hereingebrochen ist, und von der Schuld, die ein jeder von ihnen auf sich geladen hat …

Das meint Histo-Couch.de: „Für den gesellschaftlichen Aufstieg über Leichen gehen“89Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Was ist mit den beiden Schwestern der Familie Sherwood geschehen? Beide fanden gemäß den Recherchen der jungen Journalistin Melinda in kurzen Abständen im Dartmoor den Tod. Die Geschichte der englischen Schwestern aus dem 19. Jahrhundert fasziniert die junge Deutsche so sehr, dass sie ihre Nachforschungen auch nicht einstellt, als sie unmissverständliche Drohungen erhält. Für Melinda ist es keine einfache Zeit: Als Deutsche ist sie – kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs – im Jahr 1948 in England ein argwöhnisch beäugter Gast und kann nicht auf die Hilfe der örtlichen Bevölkerung zählen. Doch es ist nicht nur das ungewöhnliche Schicksal der beiden Schwestern, das den Ehrgeiz der jungen Journalistin anstachelt: Sie hat auch ein ganz persönliches Interesse daran, das Geheimnis aufzudecken. Denn in Berlin wurde ihr ein geheimnisvolles Paket überreicht, das in einem Zusammenhang mit den Sherwood-Schwestern zu stehen scheint. Je mehr Melinda herausfindet, desto verwirrender scheint die Geschichte – ganz besonders, da sich auch die Rolle des charmanten Anwalts George bei der ganzen Sache nicht einschätzen lässt. Als Melinda entdeckt, dass Georg wesentlich mehr von ihr weiß, als er ihr offenbart hatte, drängt sich ihr die Frage auf, in welcher Form er an den Anschlägen auf sie beteiligt gewesen ist.

Kampf um Anerkennung

Sehr geschickt knüpft die Autorin Claire Winter ihre beiden Handlungsstränge. Das Grundthema beider Stränge ist das Bedürfnis um Anerkennung. Doch während es bei Elizabeth Sherwood um den Aufstieg in die bessere Gesellschaft geht, steht bei der jungen Melinda die Anerkennung ihrer journalistischen Leistung im Vordergrund. Gut getan hat Claire Winter auch mit der Wahl der jeweiligen Zeitspanne, in der die beiden Geschichten spielen. Die zeitliche Ansiedelung der Nachforschungen von Melinda in den direkten Nachkriegsjahren ist ausgezeichnet gelungen und verleiht dem Roman zusätzliche Spannung. Die Rolle der Frau ist in einem Wechsel begriffen – sollte sie während der Kriegsjahre die als Soldaten an der Front kämpfenden Männer ersetzen, möchte ein Teil der Gesellschaft die alte Ordnung wieder herstellen und die Frau zurück an den Herd verbannen. Melinda steht zudem ihre Herkunft im Wege: Als Kind einer englischen Mutter und eines deutschen Vaters ist sie in den beiden Ländern, die noch unter dem Trauma des Kriegs leiden, eine potentielle Verräterin. Sie aber lässt sich nicht beirren und setzt ganz auf ihr journalistisches Talent.

Kein Platz für Behinderte

Gesellschaftliche Konventionen machen aber nicht nur Melinda zu schaffen. Schon 1890 bekamen die beiden Schwestern Cathleen und Amalia die Folgen der gesellschaftlichen Konventionen zu spüren. Als Amalia durch eine schwere Krankheit ihr Gehör verliert, gilt sie als „geistig zurück geblieben“ und wird von der Mutter sorgsam vor der Öffentlichkeit verborgen. Denn Elizabeth Sherwood hat nur den einen Wunsch: Sie möchte Cathleen möglichst gut verheiraten und damit in die bessere Gesellschaft aufsteigen. Dieser Wunsch treibt die Frau zu einem herzlosen Verlangen. Claire Winter zeigt eindrücklich auf, wie die Sherwoods vergebens um Anerkennung durch die etablierten Familien streben. Die zumeist adligen Familien rümpfen die Nase über die Neureichen – selbst das immense Vermögen der Familie vermag ihr die Türen nur zögernd zu öffnen. Als Elizabeth Sherwood erkennt, dass ausgerechnet die taube Amalia die Hochzeit der älteren Schwester mit dem Sohn aus adligem Haus sprengen könnte, lässt sie Amalia verschwinden. Ein schweres Unwetter und das Dartmoor kommen ihr gerade recht. Hier geht Claire Winter mit viel Fingerspitzengefühl vor: Die Handlungen der Mutter – die einen wenig sympathischen Eindruck hinterlässt – ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Das vor allem deshalb, weil die Autorin die Mechanismen, unter denen Elizabeth Sherwood leidet, optimal aufzeigt und glaubwürdig darstellt, wie schwierig es der nach Anerkennung lechzenden Frau fällt, in die besseren Kreise vorzudringen.

Viele Details

Claire Winter vermag zudem mit vielen, gut herausgearbeiteten Details zu überzeugen. Sei es nun das zerstörte Deutschland unmittelbar nach dem Krieg, der Hass der Engländer auf die Deutschen oder auch die raue Schönheit des Dartmoors – und dessen gefährliche Tücke: Alles bekommt angesichts des Erzähltalents der Autorin Konturen und Tiefe. Das gilt auch für die Protagonisten. Selbst jene Charaktere, die suspekt erscheinen oder gar absolut unsympathisch sind, bekommen eine facettenreiche Persönlichkeit verpasst. So ist es letztlich das Zusammenspiel zwischen gelungenem Plot, interessanten Figuren und viel Atmosphäre, die den Roman zu einer gelungenen Lektüre macht. Eine sehr angenehm gehaltene Portion Liebe und einige gesellschaftskritische Aspekte runden die Sache optimal ab.

Die Autorin, die bereits unter anderem Namen einige historische Romane vorgelegt hat, beweist mit diesem Werk, dass sie den Vergleich mit Kate Morton oder Katherine Webb nicht scheuen muss. Sie legt solide nach und beweist, dass das Genre auch von deutschen Autorinnen gut bewältigt werden kann.

Ihre Meinung zu »Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood«

SO zu »Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood«07.05.2015
Schon lange können mich Romane dieses Genres nicht mehr sonderlich fesseln, geschweige denn überraschen.
Sobald ich mit den ersten Seiten begonnen hatte, konnte ich es allerdings gar nicht mehr aus den Händen legen. Besonders gelungen finde ich die Vernetzung von Vergangenheit und Gegenwart, die sich in einem Strudel der Geschehnisse nach und nach ein klares Bild zeichnen.
Ein großartiges Buch, das zu meinen absoluten Favouriten zählt. Ich bin schon auf ihren neuen Roman "Die verbotene Zeit" gespannt.
mecedora zu »Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood«15.04.2015
Berlin, 1948: Die junge Journalistin Melinda hält eine rotmarmorne Schachfigur in den Händen, eine Figur, die ihr, samt einem Bündel alter Liebesbriefe und mehrerer Zeichnungen geheimnisvoller Moorlandschaften, in einem Paket zugestellt wurde - Absender unbekannt. Sie spürt sofort, dass all diese Dinge ein altes Geheimnis bergen, ein Geheimnis, das mit ihrer Großmutter zusammenhängt, die ihr einen Satz Schachfiguren gleicher Machart vererbt hat - mit fehlender Dame. Melinda bekommt die Gelegenheit, den Spuren und Hinweisen zu folgen, die dieses Paket birgt, und macht sich in England auf die Suche nach den Geheimnissen der Vergangenheit und ihrer Familie.

Claire Winter schafft mit "Die Schwestern von Sherwood" einen wunderbaren Schmöker, der fesselnd unterhält und stimmungsvoll die Geschichte eines alten Familiengeheimnisses erzählt.
Auf zwei Zeitebenen (die Rahmenhandlung um Melinda spielt 1948, die Geschichte ihrer Großmutter, die Melinda nach und nach zu Tage bringt, vor allem in den Jahren 1895-1897) wird im Wechsel und aus der Perspektive verschiedener zentraler Figuren das Geheimnis ergründet, das nicht nur in der Vergangenheit weitreichende Folgen hatte, sondern auch in der erzählten Gegenwart Auswirkungen hat und Leben verändert.
Der Wechsel von Zeit und Figuren ist in diesem Buch wohlkonstruiert und entwickelt eine fesselnde Dynamik, die einen immer weiterlesen und dieses Buch kaum aus den Händen legen lässt.

Vor allem die Geschehnisse in der Vergangenheit leben durch ihre Plastizität und die ungewöhnlichen (wenngleich auf der Schablone des historischen Romans natürlich in einzelnen Charakteristika trotzdem typischen) Figuren. Das Kopfkino wird beinah schon auf den ersten Seiten in Gang gesetzt und man erliest dieses Buch, als wäre man Teil der Geschichte.

"Die Schwestern von Sherwood" entführt den Leser ebenso wie Melinda auf eine geheimnisvolle Reise ins mystische Dartmoor des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit fesselnden Beschreibungen, lebendigen Figuren, einer sehr angenehmen Sprache und einigen unerwarteten Wendungen. Eine Reise, die einem ein paar höchst angenehme Lesestunden bereitet und einen zufrieden zurücklässt. So muss ein historischer Roman um ein altes Familiengeheimnis sein. Fünf Sterne für Claire Winters Roman.
babilui zu »Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood«25.04.2014
Melinda Leewald, eine deutsche Journalistin der Nachkriegszeit befasst sich mit ihren englischen Vorfahren und stößt auf besondere Geschehnisse aus dem späten 19. Jahrhundert:
Die zwei Schwestern Amalia und Cathleen sind fast unzertrennlich. Sogar nach einer schweren Krankheit von Amalia verstärkt sich das Band zwischen den beiden noch mehr, unter anderem auch da ihre Mutter Abstand zur tauben Tochter hält. Cathleen wird zunehmend in die „feine Gesellschaft“ eingeführt, während Amalia ihr eigenes Leben in der Natur von Dartmoor lebt. Nach und nach entwickelt sich rund um die Hauptdarstellerinnen eine sehr besondere, nervenaufreibende Liebesgeschichte, die leider von vorneherein zum scheitern verurteilt ist. An dieser Stelle möchte ich gar nicht zu viel verraten, aber wie es meistens so kommt, gibt es mehrere tragische Wendungen, die letztendlich das Glück der beiden Schwestern zerstört.

Mir ähnelt die Geschichte zu sehr anderen „historischen Familienromanen“ von bekannten Autorinnen, nach dessen Vorbild der Roman auch sicherlich verfasst wurde. Zwischendurch gibt es immer wieder sehr kurze Einblicke in das Leben von Melinda. Bis ca. 2/3 des Buches konnte ich mit viel Liebe zum Detail in die Welt der Schwestern im Süden Englands eintauchen, allerdings wurde mir die Erzählung rundum Amalia`s Lehrer Mr. Beans irgendwann zu absurd und auch das Ende des Romans kam mir nicht mehr sehr glaubhaft vor. Deshalb gibt es leider zum Schluss einen Punktabzug und ich vergebe gut gemeinte 77 Punkte.
Sagota zu »Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood«04.08.2013
Ich habe es sehr genossen, dieses wunderbare Buch zu lesen: Entspringt ihm doch sehr viel Wärme in der Erzählweise und Menschlichkeit!
Es geht um eine Familiensaga, die auf verschiedenen Zeitebenen spielt (Ende des 19. Jhd. und 3 Jhr. nach Kriegsende, 1948) und in Südengland/im Dartmoor und auch im Nachkriegsberlin verortet ist.
Die Geschichte "entrollt" sich wie ein wunderschöner, zauberhafter Teppich und beinhaltet verschiedene Erzählebenen der (Haupt)-Protagonisten. Stilistisch ist es flüssig und bildhaft beschrieben, die Moorlandschaft entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers; es hat trotz der Einfachheit der Sprache für mich nichts triviales.
Die Hauptfiguren des Romans werden sehr "filigran" und facettenreich beschrieben - was sie mit besagter Schachfigur, die eine wichtige Rolle spielt, gemeinsam haben. Eine große Rolle spielt die sehr tiefe, ja symbiotische Beziehung der beiden Sherwood-Schwestern, von denen die Jüngere nach einer Erkrankung im Kindesalter im weiteren Leben mit Taubheit leben muss. Hier werden die Möglichkeiten der Kommunikation von der Autorin sehr gut beschrieben, die es unter tauben Menschen gibt und sehr sensibel wird die Welt "ohne jegliche Geräusche und Sprache" dargestellt sowie die Konsequenz, dass dadurch andere Sinneswahrnehmungen geschärft werden können. Die Unbezwingbarkeit und der starke Charakter von Amalia fesseln den Leser und lassen ihn beeindruckt zurück. Aufgerollt wird die Familiengeschichte durch eine junge Journalistin aus Berlin, die sich auf "Spurensuche" begibt, um die damaligen Ereignisse herauszufinden und wahrhaft dramatisches entdeckt. Ein Satz hat mich zutiefst berührt, der von der Gouvernante aus Kindertagen der beiden Schwestern stammt:
"Ohne Frage konnte das Leben in Wirklichkeit oft weit dramatischer und grausamer sein, als es die kühnste Dichtung zu erzählen vermochte" (dachte sie bei sich), S. 359
Fazit: An Dramatik, Spannung und Tiefgang ist dieser wunderschöne Roman kaum zu überbieten, daher von mir : 100 Punkte!

Ich hoffe, die Autorin (Claudia Ziegler, Pseudonym Claire Winter) wird auf jeden Fall noch viele weitere solcher toller Bücher schreiben!
lesemoni zu »Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood«22.07.2013
Dieses Buch hab ich innerhalb von zweieinhalb Tagen regelrecht verschlungen und hatte dabei Kopfkino vom feinsten, dazu kommt noch dass ich glaubte das Moor zu riechen und den Regen prasseln zu hören. Einmal angefangen konnte ich mich der Geschichte nicht mehr entziehen und war wie gefangen.Ich habe ohne es zu merken Seite um Seite gelesen und dabei garnicht gemerkt wie ich die Seiten umblätterte. Die Autorin hat mit ihrem 4. Buch wieder einmal bewiesen,das sie es versteht ihre Leser an die Seiten zu fesseln.Wer sich nun wundert vonwegen 4.Buch,ja es ist ihr 4.tes da sie unter dem Namen Claudia Ziegler schon 3 wundervolle Romane geschrieben hat und ich diese alle natürlich gelesen in meinem Bücherregal stehen habe. Ich fand dieses Buch weitaus ergreifender als Kate Morten's " Der verborgene Garten " von dem ich mehr als begeistert war.Claire Winter hat es bei mir geschafft " Die Schwestern von Sherwood " auf meinen persönlichen 1. Platz zu bugsieren. Atemlos hab ich mit Melinda das Rätsel um ihre Vorfahren entschlüsselt ,hab mit Amalia gelitten und geweint.Und ganz nebenbei noch sehr sehr viel über die Gebärdesprache und taube Menschen gelernt. Ich danke der Autorin für wundervolle aber auch tränenreiche Lesestunden und kann es kaum mehr erwarten ihr nächstes Buch in die Finger zu bekommen, egal ob als Claudia Ziegler oder Claire Winter. Für mich gehört sie zu den ganz großen Autorinnen in unserem Land.

Allen Fans von Claudia Ziegler kann ich dieses Buch nur allerwärmstens empfehlen und allen die noch nichts von ihr gelesen haben, kann ich nur sagen, lest ihre Bücher ,ihr werdet unvergessene und wunderbare Lesestunden damit verbringen. Von mir gibt es 110 Punkte die mehr als verdient sind !!!!!!!!
Ihr Kommentar zu Die Schwestern von Sherwood

Hinweis:Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen.Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre.Werbung ist nicht gestattet.Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.