Insel der blauen Gletscher von Christine Kabus

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Insel der blauen Gletscher“,, 624 Seiten.ISBN 978-3-404-17154-5.

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Kurzgefasst:

Spitzbergen, 2013. Um für eine Reisereportage zu recherchieren, begibt sich die Journalistin Hanna auf den einsamen Archipel jenseits des Polarkreises. Dort lernt sie den Polarforscher Kåre Nybol kennen, dessen humorvolle Art ihr sogleich sympathisch ist. Gemeinsam erkunden sie die einzigartige Landschaft Spitzbergens – und kommen sich dabei allmählich näher. Doch als sie eine längst verlassene Bergbausiedlung am Kongsfjord besichtigen, macht Hanna im geschmolzenen Gletschereis einen grausigen Fund, hinter dem sie eine spannende Story wittert. Gemeinsam mit Kåre taucht sie tief in die Vergangenheit des entlegenen Archipels ein …Ruhrgebiet, 1907. Statt dem Wunsch ihrer Eltern zu folgen und sich einen Ehemann zu suchen, schließt die burschikose Emilie einen Pakt mit ihrem jüngeren Bruder Max: Sie wird an seiner Stelle an der geplanten Arktisexpedition teilnehmen. Als Mann verkleidet schließt sie sich der Expeditionsgruppe an. Doch schon bald ahnt sie, dass sie nicht die einzige ist, die etwas zu verbergen hat. Ganz offensichtlich nehmen die Männer aus ganz unterschiedlichen Motiven an der Reise teil – und mindestens einer von ihnen hütet ein dunkles Geheimnis, dessen Aufdeckung er um jeden Preis zu verhindern sucht ...

Das meint Histo-Couch.de: „Eine Frau trotzt ihrer Zeit“82

Rezension von Rita Dell'Agnese

Emilie kommt ins heiratsfähige Alter, was ihre Familie dazu bewegt, nach möglichen Kandidaten Ausschau zu halten. Ganz zum Verdruss der jungen Frau, die so gerne mehr aus ihrem Leben machen würde. Heimlich neidet Emilie ihrem jüngeren Bruder Max dessen Studium und vor allem die Abenteuerfahrt nach Spitzbergen, die dieser an sich gar nicht antreten möchte. Emilie wird von ihren Eltern nach Berlin zu ihrer Tante Fanny gesandt, die dem jungen Mädchen den letzten Schliff verpassen soll. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts ist es für die Familie wichtig, ihre Tochter gut zu verheiraten und damit versorgt zu wissen. Die Zeit in Berlin gestaltet sich so ganz anders als Emilie sich das vorgestellt hatte und sie schafft es schließlich, anstelle ihres Bruders zur Arktis-Expedition aufzubrechen. Von der Freiheit, die den jungen Männern zugestanden wird, ebenso angetan, wie von den vielen Eindrücken der Reise, stürzt sich Emilie ins Leben. Durch ihre burschikose Art wird Emilie bald von allen anerkannt. Einzig Arne, ein kantiger, verschlossener Mann, scheint sie zu durchschauen. Emilie ist verunsichert, will sich aber die Freude an der heimlichen Reise nicht nehmen lassen.

100 Jahre später steht die 45-jährige Reisejournalistin Hannah plötzlich vor dem Nichts. Ihr Mann verlässt sie von einem Tag auf den anderen und sie muss ihr Leben neu in die Hand nehmen. Um beruflich wieder Fuß zu fassen, nimmt sie ein Engagement an und reist nach Spitzbergen, um eine Reisereportage zu schreiben. Während die tief verletzte und verunsicherte Hannah sich anfänglich mit dem Reiseziel schwer tut, findet sie bald Zugang zum Polarforscher Kare, der ihr die so abweisende Welt näher bringt. Hannah erkennt, dass sie für ihr Schicksal kämpfen muss.

Klassischer Hosenrollen-Roman

Bei Insel der blauen Gletscher handelt es sich um einen klassischen Hosenrollen-Roman. Emilie schlüpft in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts in die Rolle ihres Bruders Max und kann sich erst da richtig entfalten. Denn ihr sind sowohl der Zugang zu Ausbildung als auch ein selbstbestimmtes Leben verwehrt. Die Geschichte nun aber auf diesen Geschlechterwechsel zu reduzieren, würde dem Roman absolut nicht gerecht. Zwar hat Autorin Christine Kabus tatsächlich auf eine klassische Basis zurückgegriffen, doch gestaltete sie den Aufbau so facettenreich, dass nicht ein einziges Mal der Eindruck entsteht, etwas vorgesetzt zu bekommen, das man in ähnlicher Form bereits gelesen hat. Emilie macht all jene Fehler, die man von einem Mädchen erwartet, das plötzlich als Mann durchs Leben geht. Und die Menschen um sie herum machen ebenfalls genau das, was man von ihnen erwarten kann: Sie hinterfragen diese vielen kleinen Hinweise nicht, sondern konzentrieren sich auf die Scharade, die ihnen vorgespielt wird. In dieser Situation steckt sehr viel Potenzial und die Autorin weiß dieses sehr wohl zu nutzen. So verleiht sie vor allem dem historischen Erzählstrang ihres auf zwei Zeitebenen spielenden Romans eine unerwartete Tiefe und hintergründigen Humor.

Farbloser als der historische Teil

Tatsächlich gelingt Christine Kabus vor allem der historische Teil des Romans ausgezeichnet, während der Gegenwarts-Teil gegenüber diesem starken Part etwas farblos wirkt. Hannah entspricht nicht dem Bild, das man sich von einer modernen Frau mit ihrem gesellschaftlichen und dem Bildungshintergrund erwarten darf. Ihre Entwicklung mitzuverfolgen ist zwar nett, jedoch fehlt hier die Tiefgründigkeit, die bei Emilie vorhanden ist. Wohl nicht nur die Leserinnen und Leser von historischen Romanen könnten davon profitieren, wenn Emilies Geschichte noch ausgebaut worden wäre und der Teil mit Hannah ganz weggelassen worden wäre.

Starkes Szenario

Wie vertraut Christine Kabus mit der geschilderten Region ist, lässt sich für Laien nicht eruieren. Aber sie schafft es, Bilder vor dem geistigen Auge der Leserschaft entstehen zu lassen, die in eine ganz andere Welt entführen. Zusammen mit den geschickt eingestreuten Informationen entsteht auf diese Weise eine überzeugende und unterhaltsame Lektüre, die nicht nur von der lockeren und leicht zu lesenden sprachlichen Umsetzung lebt, sondern auch vom starken Szenario, das weit ab von der Alltäglichkeit liegt.

Ihre Meinung zu »Christine Kabus: Insel der blauen Gletscher«

leseratte1310 zu »Christine Kabus: Insel der blauen Gletscher«26.01.2015
1907: Emilie kommt langsam in das heiratsfähige Alter. Ihre Tante Fanny soll sie in Berlin in die Gesellschaft einführen. Emilies Bruder Max kann den strengen Anforderungen des Vaters nicht gerecht werden. Nun soll er für seinen Professor bei einer Expeditionstour nach Norwegen Aufgaben übernehmen, fühlt sich der Aufgabe aber nicht gewachsen. So reist seine Schwester verkleidet als Max mit.
2013: Hanna muss feststellen, dass sie sich etwas vorgemacht hat und dass ihre Ehe längst nicht so perfekt ist, wie sie das angenommen hat. Ihr Mann tritt mit einer jüngeren Frau eine Weltreise an und informiert Hanna kurz mit einem Zettel. Die geschockte Hanna will ihr Leben nun selbst in die Hand nehmen und in ihrem früheren Job arbeiten. Von jetzt auf gleich reist sie nach Norwegen.
Die Geschichte wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Lange hatte ich den Eindruck, ich lese parallel zwei Geschichten. Erst ziemlich am Ende gibt es eine Verknüpfung, die zwar schlüssig ist, die aber dennoch ruhig ein wenig ausführlicher sein dürfte.
Emilie entspricht so gar nicht den Vorstellungen, die ihre Mutter von einem wohlerzogenen Mädchen hat. Es fällt Emilie schwer, den Erwartungen gerecht zu werden, denn sie ist sehr direkt und hat ihren eigenen Kopf. Gut, dass ihre Tante Fanny sie unterstützt, als Emilie sie in Berlin besucht. So kann sie beweisen, dass eine beherzte Frau manchem Mann etwas vormachen kann.
Hanna hat sich ganz der Familie gewidmet. Als ihr Mann sie verlässt, erkennt sie, dass sie sich selbst aufgegeben hat. Nur kurz lässt sie den Schmerz zu, dann nimmt sie Ihr Leben in die Hand. Weil sich bei ihrem alten Arbeitgeber keiner gefunden hat, der die Berichterstattung von Spitzbergen übernehmen will, erhält Hanna gleich eine Chance und packt sie. In Norwegen lernt sie dann den sympathischen Kåre kennen, der ihr viel über die Landschaft und Geschichte Spitzbergens erzählen kann.
Zwei Frauen zu unterschiedlichen Zeiten, die sympathisch sind und sich durch das Schicksal nicht entmutigen lassen. Sie packen an und nehmen ihre Chancen wahr. Beide sind in diesem Buch authentisch dargestellt.
Der Schreibstil ist den dargestellten Zeiten angepasst und lässt sich angenehm flüssig lesen.
Die Landschaft war sehr schön beschrieben, so dass ich mich direkt dorthin versetzt fühlte. Auch über die Geschichte habe ich einiges erfahren und nebenbei auch über Umweltprobleme.
Ein unterhaltsamer Roman mit einem Schuss Romantik.
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