Fememord von Boris Meyn

Buchvorstellungund Rezension

unter dem Titel „Fememord“,deutsche Ausgabe erstmals 2018, 240 Seiten.ISBN 3-499-29053-7.

»Fememord« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

Kurzgefasst:

Berlin 1925: Die junge Journalistin und Hobbyfliegerin Ilka Bischop erfährt zufällig, dass die Reichswehr eine geheime Fliegerschule in der Sowjetunion aufbaut. Ilka geht der brisanten Story nach. Kurz darauf stirbt einer ihrer Informanten, ein befreundeter Flieger. Wie sich herausstellt, hatte der Mann eine Liaison mit einem Mitarbeiter aus dem Stab um Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher. Ilka macht sich auf in die Hansestadt. Doch sie findet den Mann tot vor. Ermordet. Hamburg, das merkt Ilka schnell, ist eine Stadt im Aufbruch. Und der berühmte Architekt Schumacher soll ihr ein neues Gesicht geben. Wo monumentale Bauaufträge anstehen, geht es natürlich um sehr viel Geld. Doch dann stößt Ilka bei ihren Recherchen auf einen geheimen Zirkel, der weitreichendere Ziele hat, als nur am Neubau der Stadt zu verdienen. Und dafür alles zu tun bereit ist.

Das meint Histo-Couch.de: „Hamburg-Krimi mit neuer Ermittlerin“80

Rezension von Jörg Kijanski

Berlin, Juli 1925. Ilka Bischop schreibt für die Vossische Zeitung und ist nebenbei Hobbypilotin. Als sie von einem befreundeten Piloten, der zurzeit im russischen Lipezk arbeitet, erfährt, dass dort deutsche Piloten zu Militärfliegern ausgebildet werden, ist ihre Neugier geweckt. Schließlich wäre dies in Deutschland aufgrund des Versailler Vertrages undenkbar. Wenig später erfährt sie jedoch von dessen Tod, er soll bei einem Landanflug abgestürzt sein. Ilka erfährt von einem Geliebten, ein Architekt aus Hamburg, von dem sie sich weitere Informationen erhofft. Kurzentschlossen fliegt Ilka in die Hansestadt, doch als sie den Architekten in dessen Wohnung aufsuchen will, öffnet ihr Kommissar Laurens Rosenberg von der Kripo die Tür. Wenige Stunden zuvor wurde der Architekt aus nächster Nähe erschossen.

Jetzt wird die Journalistin erst richtig neugierig, gerät dabei jedoch wenig später selber in Gefahr. Offenbar wird sie gleich von zwei Seiten beobachtet. Ein Eintrag im Notizbuch des toten Architekten sorgt zudem für Verwirrung. Ranghohe Persönlichkeiten sind unter der Überschrift „für 175er“ mit Zahlen vermerkt. Sollten Prominente von ihm erpresst worden sein? Zweifelsohne sind unter den aufgeführten Personen jedoch auch viele, die sicherlich nicht homosexuell waren. Je mehr sich Ilka in ihre Recherchen stürzt, desto mehr kommt sie geheimnisvollen Machenschaften auf die Spur, die darauf hindeuten, dass deutsche Firmen versuchen, die Auflagen des Versailler Vertrages zu untergraben …

Der achte Band aus der Hamburg-Bischop-Reihe

Die historischen Hamburg-Krimis von Boris Meyn sollten schon länger kein Geheimtipp mehr sein. Wer gerne Krimi und Historie vereint sehen möchte, wird hier bestens unterhalten und informiert. Wie schon erwähnt bilden den historischen Hintergrund der Versailler Vertrag, der Vertrag von Rapollo (April 1922) sowie die Bemühungen der Reichswehr, mit Hilfe der Industrie insgeheim Deutschland aufzurüsten. Auf das soeben erschienene Buch Schwarze Reichswehr von Gunnar Kunz (Gmeiner Verlag, 2018) sei an dieser Stelle verwiesen. Äußerst geschickt und perfide wird produziert und konstruiert, wobei vor allem die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen erwähnenswert ist. Die deutsche Seite kann heimlich forschen, aufrüsten und ihre Piloten ausbilden, die Russen profitieren von deutscher Ingenieurskunst. Und warum schauen die Amerikaner weg? Weil sie von vermeintlich harmlosen deutschen Maschinen ebenfalls umfangreich profitieren.

„Küstrin. Klingelt da was bei dir?“

Ilka musste nicht lange überlegen. Oktober 1923. Der Küstriner Putsch. Es war einer ihrer ersten Berichte gewesen. „Major Buchrucker und Paul Schulz“, meinte sie. „Die Fememörder.“ Schon wieder dieses Wort. Ein Strafmord, ein Gesetz unter Gesetzlosen. Fast wie ein Ritual. So, wie man früher Dieben eine Hand abhackte, Verrätern die Zunge herausschnitt oder Nebenbuhler entmannte. Unwillkürlich bekam sie eine Gänsehaut.

Waren bisher in den Romanen von Boris Meyn die Ermittler ausschließlich männlichen Geschlechts (vor allem Anwalt Sören Bischop), betritt nun erstmals eine Frau das Rampenlicht. Frei nach dem Motto „Sex sells“ erleben wir eine junge, selbstbewusste und äußerst freimütig-lebenslustige Protagonistin, die das Berliner und Hamburger Nachtleben zu schätzen weiß. Die Kleidung darf ruhig spartanisch ausfallen, schließlich möchte man die Herren ja auf sich aufmerksam machen. Ihr Freund aus Kindertagen, der im fernen Schweden lebt, machte einst den folgenschweren Fehler, Ilka einen Heiratsantrag zu machen. Sex, warum nicht, aber bitte nicht Ehe und Kinder. Ebenso offen geht sie ihren Recherchen nach, was beinahe schief geht. Denn um sie herum sterben die Männer nur so weg.

Wie gewohnt gibt es einen interessanten Bildteil und eine abschließende Zusammenfassung des Autors, welche die ersten Jahre der „Goldenen Zwanziger“ beleuchtet. Hier erfährt man die historisch verbürgten Hintergründe und welche Figuren des Romans echt oder erfunden waren. Bei Klaus Mann und Gustav Gründgens hätte man es noch gewusst, bei vielen anderen nicht. Dies ist auch womöglich das größte Manko an Fememord. Bei allem Verständnis für das informative Mitteilungsbedürfnis des Autors, aber die unzähligen Personennamen aus Kunst, Architektur und Politik verlangen allzu große Konzentrationen und tragen daher eher dazu bei, dass man den Überblick verliert. Dennoch kommen Leser, die sich für die Epoche der Weltkriege oder speziell der Weimarer Republik interessieren, kaum an diesem Roman vorbei. Hamburg-Fans greifen ohnehin zu.

Ihre Meinung zu »Boris Meyn: Fememord«

Ihr Kommentar zu Fememord

Hinweis:Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen.Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre.Werbung ist nicht gestattet.Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.