Folgen einer Landpartie von Bernhard Spring

Buchvorstellungund Rezension

Folgen einer Landpartie von Bernhard Spring

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Folgen einer Landpartie“,, 166 Seiten.ISBN 3898126811.

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Kurzgefasst:

Joseph von Eichendorffs erstes Semester an der halleschen Universität wird von einem mysteriösen Todesfall überschattet. Ein Abschiedsbrief des Erhängten deutet auf Selbstmord hin, doch Eichendorff und sein getreuer Diener Jakob hegen einen Verdacht …

Das meint Histo-Couch.de: „Joseph von Eichendorffs erster Fall“78

Rezension von Carsten Jaehner

Man schreibt das Jahr 1805. Joseph von Eichendorff kommt siebzehnjährig nach Halle an der Saale, um an der dortigen Universität dort sein Studium der Rechtswissenschaften aufzunehmen. Begleitet wird er von seinem Diener Jakob. Bei einem Theaterbesuch lernt er Heinrich von Botfeld und dessen Schwester Undine kennen, für die er sofort mehr empfindet als blosse Sympathie. Botfeld stellt sich als neuer Kommilitone heraus und lädt Eichendorff über das kommende Wochenende auf sein heimatliches Gut nach Geusau ein. Eichendorff nimmt an und fährt mit Jakob nach Geusau.

Hier erhofft Eichendorff, in Ruhe Undine näher kennen lernen zu können, muss allerdings zunächst mit Botfeld auf die Jagd. Als sie wiederkommen, ist Aufruhr am Hof: Botfelds Kammerdiener wurde erhängt aufgefunden. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem steht, er habe sich aus Liebe erhängt. Als Eichendorff und Jakob herausfinden, dass der Kammerdiener gar nicht lesen und schreiben konnte, sind sie von einem Mord überzeugt. Allerdings kommen nur Botfeld oder seine Schwester Undine als Täter in Frage. Sie finden heraus, dass Undine mit dem Kammerdiener ein Verhältnis hatte, und so gerät Eichendorff zwischen alle kriminellen und emotionalen Mühlen …

Lebendiges Halle an der Saale

Prominente Ermittler sind im Trend. Nachdem Frank Goyke bereits Theodor Fontane ins Feld schickte und Bernard Bastable Wolfgang Amadeus Mozart in einer alternativen Zeitlinie ermitteln ließ, beweist nun mit Joseph von Eichendorff einer der prominentesten Vertreter der dichterischen Romantik seine detektivische Spürnase. Bernhard Spring beschreibt in Folgen einer Landpartie des Dichters ersten Fall, den er zu Beginn seiner Studienzeit in Halle im zarten Alter von siebzehn Jahren löst.

Dabei gelingt es dem Autor, die Zeit und das Leben in der Universitätsstadt bunt und lebendig einzufangen und dem Leser darzubringen. Auch sprachlich passt er sich mühelos in das beginnende 19. Jahrhundert ein. Das Studentenleben wird eingängig beschrieben und das Lokalkolorit der Stadt Halle und der Umgebung dem Leser anschaulich präsentiert, so dass man sich in der Erzählung immer wohl und in die Zeit versetzt fühlt. Dass Bernhard Spring dies auf nur 166 gelingt, ist schon bemerkenswert.

Der Fall selber ist verzwickt und wird überhaupt erst relativ spät zu einem Fall. Nach dem Kennenlernen glaubt Eichendorff, in Botfeld einen Studienkumpan gefunden zu haben, mit dem man in den kommenden Semestern das Studium zusammen absolvieren kann, und seine Schwester Undine erobert nichts ahnend das Herz des kommenden Dichters. Sie hingegen ist nicht recht für Eichendorff entbrannt, und nach des Kammerdieners Tod steht auch schnell fest, warum: Undine und der tote Kammerdiener Thiel hatten ein Verhältnis, gegen alle Standesunterschiede, und wider jedes Gefühl wird sie nun neben ihrem Bruder zur Verdächtigen. Doch wie Eichendorff und sein Diener Jakob es auch drehen und wenden – irgendwie passt alles nicht zusammen.

Zudem reist man schon am Ende des Wochenendes ab, und so bleibt der vermeintliche Mord zunächst sowohl unaufgedeckt als auch unaufgeklärt. Als sich Botfeld und Eichendorff später in Halle wiedertreffen, berichtet Botfeld von einem weiteren Todesfall aus Geusau, und so gerät der Fall wieder in Eichendorffs Fokus. Doch immer noch treten er und Jakob auf der Stelle.

Einiger Leerlauf auf wenigen Seiten

Da geht es nicht recht vorwärts in den Ermittlungen. Das Problem Eichendorffs ist einerseits, dass er nicht vor Ort in Geusau ist und ermitteln kann und eventuelle Zeugen befragen kann, zudem steht ihm Undine irgendwie imaginär im Weg. Daher kommen weder der Fall noch die Erzählung voran. Gerade bei einem so kurzen Roman sollte Leerlauf tunlichst vermieden werden, zumindest was den Fall angeht, der dann doch im Hintergrund verschwindet. Während Eichendorff studiert, ins Theater geht und Koryphäen wie Goethe persönlich erblickt und zudem die Stadt Halle von Studentenunruhen erschüttert wird, gerät das kriminalistische so sehr in den Hintergrund, dass man beinahe vergisst, dass man einen Krimi in den Händen hält. Das ist schade, denn der Fall hätte durchaus Potenzial für mehr gehabt.

So wird der Krimi ein Kammerspiel, das unter seinen vielen Unterbrechungen leidet. Die Auflösung kommt daher auch recht plötzlich daher und passt sich nicht unbedingt in den sonstigen Verlauf der Geschichte ein. Punkten kann der Roman in jedem Fall durch sein Lokalkolorit und den historischen Teil der Erzählung. Gerade Eichendorffs Sicht des Adels in die teils heruntergekommen Stadt Halle, das Studentenleben mit seinen Feiern und Unruhen sowie die Einflechtung von zahlreichen Prominenten sorgen für eine angemessene Stimmung im Roman.

Schönes Lokalkolorit

Vermisst wird nicht nur die Jahreszahl 1805, in der Eichendorff nachgewiesenermassen sein Studium in Halle aufnahm, sondern auch ein paar historische Anmerkungen. Leider gibt es keinerlei Nachwort oder Ergänzungen und auch keine Karte, die dem Ortsunkundigen die Entfernungen der Ausritte hätte veranschaulichen können.

Insgesamt ist Folgen einer Landpartie ein lesenswerter, angenehm kurzer historischer Kriminalroman mit Steigerungsmöglichkeiten. Bernhard Spring hat Joseph von Eichendorff bereits ein weiteres Mal in Ermittlungen geschickt, und vielleicht wird ja eine erfolgreiche Reihe draus. Potenzial ist allemal vorhanden.

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