Der blutige Weg von Ben Kane

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „The Road to Rome“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 704 Seiten.ISBN 3-404-17560-3.Übersetzung ins Deutsche von Holger Hanowell.

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Kurzgefasst:

Sie kämpften zusammen in der Vergessenen Legion, wagten gemeinsam die Flucht aus der Gefangenschaft der Parther – doch in Alexandria verlieren Tarquinius und Romulus sich aus den Augen. Während Romulus mit Cäsars Truppen gegen die Feinde Roms zieht und droht, als flüchtiger Sklave erkannt zu werden, bleibt Tarquinius schwer verletzt zurück. Erst nach vielen Monaten begegnen die Gefährten einander wieder: in den Straßen Roms, wo die Verschwörung um Cäsars Ermordung bereits unaufhaltsam voranschreitet.

Das meint Histo-Couch.de: „Alle Wege führen nach Rom“73

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 48 v.Chr. gelingt Romulus nur mit Mühe die Flucht aus dem brennenden Hafen von Alexandria. Er wird dabei für die Legion zwangsrekrutiert und findet sich so plötzlich unter Cäsars Soldaten wieder. Seinen Freund Tarquinius hat er allerdings verletzt in Alexandria aus den Augen verloren. Und obwohl er seine Schwester Fabiola auf einem der römischen Kriegsschiffe gesehen hat, kann er ihr nicht folgen, denn als Legionär muss er bei seiner Legion bleiben und kann nicht einfach so nach Rom fahren um seine Schwester zu suchen. So zieht Romulus mit Cäsars Truppen und lernt schnell, den charismatischen Feldherrn zu bewundern. Dann aber verrät Romulus, dass er ein entflohener Sklave ist und seine Strafe ist hart: Als Noxus, als zum Tode verurteilter Verbrecher, soll er wieder in der Arena kämpfen. Und diesmal gibt es keine Aussicht auf ein Überleben.

Fabiola dagegen hat inzwischen in Rom jenes Lupanar übernommen, in dem sie selbst einst als Hure arbeiten musste. Allerdings hat sie einen ebenso hartnäckigen wie bösartigen Gegner: Scaevola, den Sklavenfänger, der für die Konkurrenz arbeitet und mit Fabiola noch immer eine Rechnung offen hat. Und immer noch hat Fabiola nur ein Ziel, nämlich die Rache an Cäsar, von dem sie glaubt, dass er einst ihre Mutter vergewaltigte und dass er ihr Vater ist.

Cäsar der Große

Der blutige Weg ist der dritte Teil der Romanreihe um den ehemaligen Sklaven Romulus, seine Schwester Fabiola und den etruskischen Seher Tarquinius. Der Schwerpunkt liegt hier auf einer Darstellung Cäsars als Feldherr und Politiker. Daher sind Caesars Schlachten in Nordafrika und seine Triumphzüge in Rom ebenfalls Teil der Handlung und es gibt seitenweise ausführlichste Schilderungen von Schlachten und Zweikämpfen. Wer das nicht gerne liest, wird viele Seiten überblättern müssen. Allerdings hält sich Ben Kane bei diesen Schilderungen sehr genau an die überlieferten historischen Fakten, was nicht unbedingt auf andere Bereiche der Romanhandlung zutrifft. Die Geschichte ist spannend und gut erzählt, jedoch muss jeder Leser hier selbst entscheiden, für wie wahrscheinlich er bestimmte Teile der Handlung hält. Letztendlich stellt sich diese Frage allerdings bei jedem historischen Roman und es gibt zahlreiche Autoren, die wesentlich weiter auf die blühenden Felder der Phantasie geraten sind als Ben Kane. Auf jeden Fall gelingt es Ben Kane darzustellen, welch ein begnadeter Feldherr Cäsar war und wieviel Rückhalt er bei seinen Soldaten hatte. Und auch viele der Gründe, die letztendlich zu Cäsars Ermordung führten werden deutlich. Allerdings ist Fabiola als Strippenzieherin im Hintergrund einfach unglaubwürdig und ihre Motivation eher fragwürdig. Tatsächlich tun sich im Umfeld dieser Protagonistin die meisten Fragen auf. So wundert man sich zum Beispiel, dass nirgends Brutus Gemahlin Porcia erwähnt wird und Fabiola sogar in Brutus’ Haus lebt ohne dass die Frau Gemahlin daran Anstoß nimmt. Und auch die Tatsache, dass Brutus seiner Geliebten eine „Nebentätigkeit“ als Chefin eines Bordells nicht nur gestattet sondern auch finanziert, nimmt wunder.

Harte Kämpfer und ein blasses Weib

Während Fabiola mit ihrem blinden Hass es eher schwer hat, die Sympathie des Lesers zu erwerben, sind und bleiben Romulus und Tarquinius zwei wahre Bilderbuchhelden, draufgängerisch und nicht gerade zartbesaitet, aber vor allem Romulus mit seiner Geradlinigkeit und seinem Gerechtigkeitssinn hat die Herzen auf seiner Seite. Zudem liegt das Erzähltalent Kanes wohl eher auf der maskulinen Kämpferebene, denn während er für Romulus oder Tarquinius ausführlichste Schilderungen diverser Metzeleien schreibt, muss sich Fabiola mit eher drögen Sätzen wie „Und sie wendete jeden Kunstgriff an, den sie im Lupanar gelernt hatte.“ begnügen. Das ist dann schon der Gipfel femininer Erotik. Und so bleibt Fabiola, die doch eine so wichtige Rolle im Roman spielt, im Vergleich zu Romulus oder Tarquinius eher blass und fade. Viele ihrer Überlegungen und Entscheidungen sind für den Leser nur mühsam nachzuvollziehen. Und auch die Cäsar-Mörder werden nur dezent skizziert und nicht zu tiefen Charakteren ausgebaut. Wer sich also hier tiefere Einblicke in Fakten und persönliche Beweggründe erhofft, der hat das falsche Buch in der Hand.

Nichts für Faktenmuffel

Der blutige Weg ist der Abschluss der Trilogie um Romulus, Fabiola und Tarquinius. Welcher dieser Bände am besten gelungen ist, mag jeder Leser für sich selbst entscheiden. Es wäre für das Verständnis des dritten Teils jedoch gut, die vorhergehenden Bände gelesen zu haben. Es lohnt sich auch, das Nachwort des Autors zu lesen, der dort noch einmal explizit auf seine Recherchen und auf die Abweichungen des Romans von der Realität eingeht. Auf die Karte, mit der dieser Roman ausgestattet wurde, muss man keinen Blick verschwenden. Sie hat praktisch nur ganz entfernt etwas mit den Orten der Romanhandlung zu tun.

Der blutige Weg ist ein spannender und unterhaltsamer Roman. Gute Freizeitlektüre ohne großen Tiefgang, dafür mit viel Blut und teilweise auch mit vielen Emotionen. Penible Faktenmuffel werden hier wenig Freude haben, passionierte Militärstrategen schon eher.

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