Völva - Wodans Seherinnen von Astrid Rauner

Buchvorstellungund Rezension

Völva - Wodans Seherinnen von Astrid Rauner

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Völva - Wodans Seherinnen“,, 392 Seiten.ISBN 3862821617.

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Kurzgefasst:

2. Jahrundert v. Chr. In den dunklen Winternächten des Nordens liegt das Geheimnis eines Gottes verborgen: Der Krieg mit den Eichenleuten ist vorüber, doch Aigonn findet in der Heimat keinen Frieden. Kurz vor Wintereinbruch reist er die Küsten der nördlichen Meere entlang, um nach Skandia überzusetzen, der Heimat des Moorsängers, des einzigen Geistersehers, von dem die Legenden der Stämme erzählen. Eine Sklavin, die Aigonn befreit, bringt den jungen Mann auf die richtige Spur. Kaum aber, dass ihre Reise begonnen hat, entfesselt sie sonderbare Fähigkeiten, die mehr Gefahr als Gabe zu sein scheinen. Währenddessen hat in Aigonns Heimat der Machtkampf um die Stammesherrschaft begonnen. Der Schamane Rowilan versucht den Frieden mit allen Mitteln zu wahren. Doch bald erkennt er zwischen Treuebruch und Habgier seine Verbündeten nicht mehr. Ausgerechnet Anation ist die einzige, die noch helfen kann. Aber welches Geheimnis hütet sie, das der Moorsänger aus seiner alten Heimat zu ihrem Stamm gebracht hat? Und wird es Rowilan wirklich gelingen, seine Leute erneut vor dem drohenden Untergang zu bewahren? Je tiefer sie nach der Wahrheit graben, desto mehr verstricken sich ihre Wege mit Wode, dem Sturmgeist. Dieser aber, den man „den Zornigen“ nennt, ist kein gnädiger Schutzherr  und er duldet keinen Verrat.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Götter sind das, was uns leben läßt“83

Rezension von Annette Gloser

Im 2. Jahrhundert v. Chr.: Nach dem Ende des Krieges zwischen den Bärenjägern und den Eichenleuten hat sich Aigonn auf den Weg nach Norden gemacht. Er sucht die Heimat des Moorsängers, denn er hofft, dort seine Sehergabe weiter ausbilden zu können. Am Ufer des Nordmeeres findet er Aufnahme bei einem Fischer und begegnet dort der Sklavin Tiuhild, die aus dem fernen Skandia stammt und verspricht, ihn zu den Daukionen, dem Volk des Moorsängers, zu bringen. Sie hält dieses Versprechen auch, aber auf dem Weg nach Skandia bemerkt Aigonn, dass seiner Begleiterin selbst starke Fähigkeiten geschenkt wurden und dass sie in der Lage ist, sogar Geistern zu befehlen.

Als er sich schon am Ziel glaubt und darauf hofft, bei den Daukionen Aufnahme zu finden, weist man ihn zurück. Er erfährt, dass der Moorsänger Alregard einen großen Frevel begangen hat und dafür in seiner Heimat geächtet wurde. Aigonn bleibt nur ein Weg: Er muss Tiuhild wieder finden und darauf hoffen, dass sie ihm hilft. Bald aber muss er feststellen, dass es hier nicht nur um ihn geht. Große Veränderungen kommen auf sein Volk zu und er sieht sich vor die Wahl gestellt, diese Veränderungen mit zu tragen oder sie aufzuhalten.

Während Aigonn in Skandia ist, brechen zwischen den Bärenjägern und den Eichenleuten alte Konflikte wieder auf. Der Schamane Rowilan, von den Bärenjägern zum Fürsten gewählt, will seinem Volk den Frieden erhalten. Sein Rivale Fewiros jedoch paktiert mit dem alten Schamanen Germos von den Eichenleuten. Germos will Rowilan zwingen, ihm die Seherin Haelinon auszuliefern. Denn sie ist der einzige Mensch, der sagen kann, wo sich jener Gegenstand befindet, den Alregard einst aus dem Heiligtum des Sturmgeistes Wode stahl.

Tod, Lügen und Verrat bedrohen den Frieden des kleinen Volkes an den Ufern der Rur.

Spannend und mystisch

Mit Völva – Wodans Seherinnen legt Astrid Rauner den zweiten Teil der Reihe Von keltischer Götterdämmerung vor. Sie erzählt ihre Geschichte in zwei parallelen Handlungssträngen. Während der erste den jungen Seher Aigonn betrifft und den Leser mit auf eine Reise in den vorzeitlichen Norden Europas nimmt, berichtet der zweite über die Verwicklungen zwischen den Eichenleuten und den Bärenjägern, von Machtkämpfen und dem Bemühen des Fürsten Rowilan, seinem Volk das Überleben zu sichern. Dabei entwickelt vor allem die Geschichte Aigonns eine starke Dynamik und kann den Leser in ihren Bann schlagen. Die Unterbrechungen für den zweiten Handlungsstrang wirken dabei manchmal fast ärgerlich, will man doch unbedingt jetzt gleich erfahren, wie Aigonns Geschichte weiter geht, muss sich aber erst einmal mit Rowilan und den Bärenjägern befassen.

Der vom Schamanen Germos künstlich angestachelte Konflikt zwischen Bärenjägern und Eichenleuten braucht dagegen recht lange um das Interesse des Lesers zu fesseln. Zu undurchsichtig und verworren ist hier zunächst das Geschehen. Die Geschichte nimmt allerdings doch irgendwann Fahrt auf und entwickelt sich letztendlich ebenso spannend wie der parallele Handlungsstrang.

Auch diesmal räumt die Autorin der Mystik viel Platz in der Handlung ein und tendiert damit ebenso wie im ersten Teil der Saga zur Fantasy. Nicht jedem liegt diese Mischung, aber wer bereit ist, sich nicht nur auf einen Roman über das Leben der Kelten sondern auch auf einen Roman über Seher, Geister und Götter einzulassen, der ist hier genau richtig.

Der Wandel der Götter

Astrid Rauner selbst verweist in ihrem ausführlichen Nachwort darauf, dass es nur wenige Erkenntnisse über die Lebensweise jener Völker gibt, die heute als Kelten bezeichnet werden. Da diese Völker keine eigene schriftliche Überlieferung hatten, sind Archäologen und Historiker auf auswärtige Quellen und auf die eigene phantasievolle Interpretation von Ausgrabungsergebnissen angewiesen. Im Nachwort wird deutlich, wie umfassend die Autorin recherchiert hat. Sie lässt ihre Leser auch nicht im Unklaren darüber, dass sie hier vor allem einen Fantasy-Roman geschrieben hat und erst in zweiter Linie einen historischen. Was jedoch der Buchreihe Spannung gibt, das ist der historisch tatsächlich belegbare Wandel verschiedener Götter und Geister im Glauben der Menschen. Und es ist die ewige Frage nach dem unbedingten Erhalt des Alten oder dem Einlassen auf Veränderung.                      

Astrid Rauner versucht, ihren Lesern nahe zu bringen, wie die uns heute bekannten „germanischen“ Götter ihren Platz im Glauben der Menschen erhielten. Und das ist, abseits von wissenschaftlich fundierten Thesen, eine ausgesprochen fesselnde Geschichte.

Nur schade, daß es immer wieder verbale Ausrutscher gibt, die den Leser aus der Zeit fallen lassen, in der das Buch spielt. Worte wie „paranoid“ oder „Diplomat“ passen irgendwie nicht in eine Geschichte, die vor 2200 Jahren spielt. Allerdings hat die Autorin es in diesem Roman geschafft, zumindest einen zeitlichen Anhaltspunkt für die Leser einzubauen. So entschwebt man beim Lesen nicht ganz und gar nach Fantasia. Sehr angenehm.

Lohnende Urlaubslektüre

Völva ist ein spannender Roman. Zum besseren Verständnis der Handlung, insbesondere der Rolle von Haelinon/ Anation, wäre es gut, den ersten Teil der Reihe Anation  Wodans Lebenshauch gelesen zu haben. Auch wenn die FantasyAnteile im Roman sehr groß sind, so vermittelt die Autorin doch ein recht gutes Bild vom Lebensalltag keltischer Stämme. Als Lektüre unbedingt zu empfehlen ist das Nachwort, welches viele Fragen beantwortet, die ein Leser evtl. zum Thema Kelten, Götter und Dämonen haben mag.

Wie auch schon dem ersten Band hat der Acabus Verlag dem Paperback einen wunderbar passenden Einband geben lassen. Alles in allem erwirbt man mit diesem Buch weitaus mehr als nur eine Option gegen Langeweile im Urlaub. Es lohnt sich, diesem Buch seine Zeit zu widmen und auch, den ersten Band mit einzupacken. Und nach dem Lesen freut man sich auf den dritten Teil dieser spannenden Geschichte.

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