Anation - Wodans Lebenshauch von Astrid Rauner

Buchvorstellungund Rezension

Anation - Wodans Lebenshauch von Astrid Rauner

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Anation - Wodans Lebenshauch“,, 302 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Im 2. Jahrhundert v. Chr. beginnt im Land der Kelten eine neue Ära: Der junge Aigonn schlägt seine erste Schlacht, die seinem Stamm fast den Untergang bringt. Das Blatt wendet sich überraschend, als eine junge Frau von den Toten aufersteht. Sie vertraut Aigonn an, dass in ihr eine alte, fremde Seele zurückgekehrt ist. Denn sie erkennt, dass er ein Seher ist, der die Geister der Toten sieht und in ihren zurückgelassenen Erinnerungen lesen kann. Gemeinsam versuchen sie, Antworten zu finden: Warum ist sie zurückgekehrt? Was hat es mit den rätselhaften Selbstmorden auf sich, die zurzeit passieren? Und welche Rolle spielt der Schamane Rowilan, dem Aigonn die Schuld am Tod seiner Schwester gibt? Die Spur, die sie finden, führt Aigonn weit in die Vergangenheit. Und unbemerkt auch auf den Weg eines neuen Gottes, der seine Macht erst noch zeigen wird.

Das meint Histo-Couch.de: „Die ich nicht rief, die Geister“76

Rezension von Annette Gloser

Im 2. Jahrhundert vor Christus. Aigonn kann sie sehen, die Nebelgeister und all die anderen Geschöpfe der Geisterwelt. Er kann mit der Nebelfrau sprechen, schon als Kind konnte er das. Die anderen Angehörigen des Bärenvolkes meiden ihn deshalb. Überhaupt ist Aigonns Familie nicht so, wie die anderen Familien im Dorf. Seine Mutter spricht nicht, mit niemandem, seit Aigonns ältere Schwester sich in den Tod gestürzt hat und Aigonns Vater aus dem Dorf verbannt wurde. Keiner weiß, warum die junge Frau sich das Leben nahm, aber Aigonn gibt dem Schamanen Rowilan die Schuld am Tod seiner Schwester. Darum lehnt er auch alle Angebote des Schamanen ab, der Aigonn zu einem Seher ausbilden möchte.

Dann jedoch beginnt Khomal, der Fürst des Eichenvolkes, einen verheerenden Krieg gegen das Bärenvolk. Er gibt dem Bärenvolk die Schuld daran, daß junge Menschen aus dem Eichenvolk sich selbst töten. In einer grausamen Schlacht wird Aigonn fast getötet, nur der Sturz in die Opfergrube rettet ihn. Und so erlebt er mit, wie das gerade geopferte junge Mädchen neben ihm aufsteht, das Schwert zur Hand nimmt und die Krieger des Eichenvolkes besiegt. Aigonn spürt jedoch, daß diese wiederauferstandene Frau nicht mehr die etwas naive Lhenia ist, die er bisher kannte. In ihrem Körper wohnt nun eine andere Seele, eine Seele, die vor ihrer Zeit in die andere Welt geschickt wurde und noch etwas auf der Erde zu erledigen hat. Er nennt sie Anation, was in seiner Sprache einfach nur das Wort für Seele ist. Anation weiß, daß sie herausfinden muß, wer sie einst war. Nur so kann sie ihre Aufgabe lösen, die sie als Mensch noch erfüllen soll.

Als Aigonn jedoch vor den Toren der Siedlung einen toten jungen Mann aus dem Eichenvolk findet, wird schnell klar, daß zuerst der Konflikt zwischen den beiden Stämmen beigelegt werden muß. Jemand muß herausfinden, warum sich die Kinder des Eichenvolkes selbst töten. Aigonn und Anation stehen vor einer schweren Aufgabe, denn auch Aigonn spürt, daß er von den Geistern bedroht wird. Irgendetwas drängt ihn in die andere Welt. Solange er diese Bedrohung nicht bannen kann wird sein Leben nicht sicher sein.

Fantasy und Geschichte

Die Autorin Astrid Rauner möchte ihre Leser in die Zeit etwa 200 vor Christus zurück führen. Zu dieser Zeit lebten in Mitteleuropa keltische Stämme, deren archäologisches Erbe eher spärlich und vor allem nur schwer interpretierbar ist. Diese Völker haben keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen und über ihre Religion und Lebensweise müssen Forscher aus den Ausgrabungen Rückschlüsse ziehen. So ist es ein anspruchsvolles Literaturprojekt, wenn da versucht wird, einen Roman vor diesem historischen Hintergrund handeln zu lassen. Allerdings verweben sich in Anation – Wodans Lebenshauch Historie und Fantasy. Zudem ist es – zumindest in diesem Roman – schwierig, das Bären- und das Eichenvolk überhaupt irgendwo zu lokalisieren und historisch einzuordnen. Dies ergibt sich nur aus dem Nachwort der Autorin. Es fehlen Parameter im Romantext, die es dem Durchschnittleser ermöglichen zu sagen: „Ah, dort könnte es sein!“, oder: „Also etwa zu dieser Zeit!“. Nicht ausgeschlossen, daß die geplanten Nachfolgebände noch solche Festpunkte liefern.

Ganz sicher ist es schwierig, im Roman selbst eindeutige Hinweise zu geben, mit welchem Volk wir es als Leser (mehr als zweitausend Jahre später) zu tun haben, denn vermutlich haben sich auch unsere keltischen Vorfahren nicht als „Kelten“ bezeichnet sondern ganz sicher ähnliche Bezeichnungen gewählt, wie die im Roman verwendeten: Bärenjäger, Eichenleute etc..

Trotzdem ist die Geschichte spannend zu lesen. Allerdings ist sie nichts für absolute Realisten, denn die Autorin hat ein umfangreiches Aufgebot an Nebelgeistern, Göttern und sogar eine Todesfee in die Geschichte integriert. Dem Nachwort ist zu entnehmen, daß Astrid Rauner auch darstellen möchte, wie jene Götter im Bewusstsein der Menschen entstanden, die wir Heutigen der „germanischen“ Mythologie zuordnen. Und so trägt der Roman auch den Untertitel „Von keltischer Götterdämmerung“. Aigonns Geschichte ähnelt der des Gottes Wodan, der Weisheit im Tausch für ein Auge erhielt.

Sprachlich ein wenig zu modern

Anation- Wodans Lebenshauch ist geradlinig erzählt. Allerdings ist der Sprachduktus oft sehr modern. So sagt der Schamane Rowilan zum Beispiel: „Mir ist eine Verantwortung unangenehm, wenn ich von der Materie im Grunde keine Ahnung habe.“ Ein Satz wie aus einer modernen Mediationssitzung.

Auch Aigonn hat modernistische Züge, zum Beispiel wenn er „Das klingt nach einem Selbstmordkommando!“, sagt. Auch außerhalb der Dialoge gibt es immer mal wieder Sätze, die den Lesefluß stocken lassen, weil sie einfach zu modern sind, um eine archaische Gesellschaft glaubhaft zu schildern: „Eine wildfremde, wiederauferstandene Tote, die sich unerkannt unter seinen Leuten aufhielt, sah ihn gern als offene Informationsquelle, speiste ihn aber mit Belanglosigkeiten ab.“

Allerdings gelingt es der Autorin, ihre Protagonisten vielschichtig zu gestalten. Sehr unterschiedliche Menschen bevölkern diesen Roman, jeder mit seinem eigenen Charakter. Der undurchsichtige Rowilan ist dabei vielleicht eine der interessantesten Gestalten. Auch das Leben in der Siedlung des Bärenvolkes wird für die Leser plastisch und interessant geschildert. Der Spannungsbogen wird über das gesamte Buch gehalten und es gibt keine Längen, in denen das Interesse an der Handlung erlahmen könnte.

Der Kampf Aigonns mit sich selbst und gegen den vermeintlichen Feind Rowilan, sein Ringen um Wissen und seine Entwicklung vom naiven Jungen zu einem starken Menschen sind glaubhaft und nachvollziehbar geschildert, Geister inklusive. Die Suche nach dem Bösewicht, der die jungen Leute aus dem Eichenstamm in den Tod treibt, regt beim Lesen viele Vermutungen und Gedankenspiele an. Die von der Autorin präsentierte Lösung ist dabei verzwickt, jedoch hat der Leser durchaus seine Chancen, selbst darauf zu kommen.

Ein spannendes Abenteuer

Anation – Wodans Lebenshauch ist ein spannendes Buch. Absolut empfehlenswert ist das Nachwort der Autorin, die ihren Lesern historische Informationen liefert. So lässt sich der Hintergrund des Romanes besser verstehen. Die reinen Historiker unter den Lesern sind hier vielleicht nicht die richtige Zielgruppe, allerdings wird im Nachwort deutlich, daß Astrid Rauner sich intensiv mit „ihren“ Kelten beschäftigt hat.

Wer sich auf die Mixtur aus Geschichte und Fantasy einlassen kann, der wird an diesem Buch viel Freude haben. Hier wird eine gelungene Mischung aus beidem geboten, die Spaß beim Lesen garantiert. Und da das Ende des Romans Ausblick auf weitere Abenteuer bietet, kann man nur hoffen, daß die Fortsetzung bald erscheint.

Ihre Meinung zu »Astrid Rauner: Anation - Wodans Lebenshauch«

Lilith1981 zu »Astrid Rauner: Anation - Wodans Lebenshauch«14.11.2014
Eine spannende Geschichte, die Fantasy, Mythos und Wissen aus archäologischen Funden perfekt miteinander kombiniert.
Die Welt ist sehr lebhaft und detailliert beschrieben, dass es auch Lesern, die nicht so sehr in die Keltenzeit eingelesen sind, leicht fällt sich vorzustellen, wie das Leben damals so war. Gleichzeitig behält die Geschichte um Aigonn und seiner schicksalshaften Begegnung in der Schlacht immer den roten Faden und sorgt somit für solch eine Spannung, die mich gerade zum Ende des Buches hin so fesselte, dass ich beinahe verpasst hätte, rechtzeitig aus dem Zug auszusteigen.
Die Dosis an Fantasyelementen versetzt der Geschichte eine gewisse Würze, die sie unter den historischen Erzählungen hervorhebt aber bleibt trotzdem so dezent, dass es nie störend unrealistisch ist.

Ich freue mich schon darauf, den zweiten Teil dieser Geschichte zu lesen.
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