Das Pergament des Himmels von Antonio Garrido

Buchvorstellungund Rezension

Das Pergament des Himmels von Antonio Garrido

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „La Excriba“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 700 Seiten.ISBN 3352007632.Übersetzung ins Deutsche von Anja Lutter.

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Kurzgefasst:

Ein Roman aus der Karolingerzeit: Die aufgeweckte, schriftkundige Theresa will unbedingt Pergamentergesellin werden – sie wäre die erste Frau in der Zunft. Doch die Tyrannei ihres ungerechten Meisters macht ihr das Leben schwer und löst schließlich eine Katastrophe aus, die Theresa zur Flucht zwingt. In Fulda findet die junge Frau zunächst Unterschlupf bei der Hure Helga, bis der strenge Kirchenmann Alkuin von York sie im Kloster der Stadt unter seine Fittiche nimmt. Unbemerkt gerät Theresa immer tiefer in die mörderischen Intrigen um ein brisantes Pergament, das ihr Vater Gorgias fälschen soll. Nicht weniger als die Zukunft Karls des Großen, Papst Leos und das Schicksal des Abendlandes hängen von Theresas Scharfsinn und Courage ab.

Das meint Histo-Couch.de: „Es geht um nichts Geringeres als um die Macht im Abendland ...“89Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Weil in seiner angestammten Heimat die Kaiserin von Konstantinopel vermeintliche Kritiker festnehmen lässt, muss der Gelehrte Gorgias mit seiner Tochter Theresa fliehen. In Würzburg finden sie ein neues Zuhause. Gorgias ist dabei, ein wichtiges Pergament zu übersetzen, als ihm bei einem Überfall seine Arbeit entwendet wird. Während er noch mit den Folgen des Überfalls ringt – er wird schwer verletzt – wird Theresa von ihrem Lehrmeister, einem Pergamentmacher, provoziert. Sie wehrt sich und verursacht dabei einen Brand, der die Werkstatt zerstört. Theresa gelingt es zu flüchten, doch gilt sie aufgrund eines Missverständnisses als tot.

Auf ihrer Flucht begegnet sie Haldor, der sie vor zwei Sachsen beschützt. Kurze Zeit später wird Haldor selbst von Sachsen überfallen und schwebt zwischen Leben und Tod. Mit Hilfe eines Fallenstellers gelingt es Theresa, Haldor nach Fulda zu bringen, wo sie bei der schwangeren Hure Helga Unterschlupf findet. In ihrem Bestreben Haldor zu retten, begegnet Theresa Alkuin von York, einem geheimnisvollen Geistlichen und engen Ratgeber von Karl dem Großen. Alkuin erkennt Theresas Talent als Schreiberin und holt sie zu sich ins Skriptorium. Damit wird das Mädchen allerdings in tödliche Machenschaften verstrickt.

Wer ist hier der Held?

Antonio Garrido hat in seinem Roman zwar eine weibliche Hauptprotagonistin gewählt, doch ist diese weit ab vom Image einer Super-Heldin. Theresas Fähigkeiten beruhen auf der plausiblen Erklärung von frühem Unterricht in Konstantinopel. Ansonsten reagiert die junge Frau ganz so, wie es eine durchschnittliche Frau wohl tun würde. Sie erlebt ihre Ängste, setzt sich da und dort über Anweisungen hinweg und bringt sich damit nicht selten in Schwierigkeiten. Dass sie sich in den attraktiven Haldor verliebt und in ihm ihre Zukunft sieht, ist kaum eine Überraschung. Und doch ist die Liaison der beiden alles andere als eine schwülstige Liebesgeschichte. Geschickt zeigt Antonio Garrido die beginnende Abhängigkeit Theresas von ihrem Liebhaber auf und baut – an geeigneter Stelle – auch den notwendigen Rivalen ein. Bedeutend ist, dass Theresa nicht allein die Rolle der Heldin einnimmt, sondern diese mit anderen Protagonisten teilen muss. Allen voran mit dem undurchsichtigen Alkuin von York.

Jeder verfolgt eigene Interessen

Lässt der Autor zu Beginn noch eine gewisse Menschlichkeit bei den höher gestellten Protagonisten aufblitzen, so zieht er bald einmal die Maske hinunter und zeigt ungeschminkt, wie jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Dem Leser wird nach und nach klar, dass die Ereignisse Ergebnisse dieser sind, doch nicht in allen Bereichen einen Zusammenhang zu haben scheinen. Auf zwei Handlungsstränge verteilt schildert Garrido, wie sich Theresa zusammen mit Alkuin auf die Suche nach vergiftetem Weizen macht und herausfinden will, wer diesen wissentlich unter die Leute bringt und wie Gorgias trotz schwerster Verletzungen im fernen Würzburg versucht, weiter an diesem ominösen Pergament zu arbeiten. Diese beiden Handlungsstränge, die voneinander losgelöst erzählt werden, finden erst wieder eine Verbindung, als sich Alkuin zusammen mit Theresa auf den Weg nach Würzburg macht um eben jenes Pergament in Empfang zu nehmen, an dem Gorgias so intensiv gearbeitet hat.

Gute Mischung

Antonio Garrido gelingt es, einen Roman vorzulegen, der Krimi und historischen Roman in einem vereint, ohne die Balance zu verlieren. Es ist nicht wirklich ein historischer Krimi der mit „;Das Pergament des Himmels“ vorliegt und doch hat das Buch unverkennbar kriminalistischen Einschlag. Damit wird Garrido wohl einer breiten Leserschaft gerecht, die auf der Suche nach dem etwas anderen historischen Roman sind. Angesiedelt im frühen Mittelalter nimmt die Geschichte viel von den Problemen auf, die die damalige Gesellschaft beschäftigten, sei es nun das vergiftete Korn, das Fulda unsicher macht oder die Hungersnot, unter der Würzburg leidet, nachdem die Ernte von heftigen und lang anhaltenden Regenfällen nahezu vernichtet worden ist.

Gleichzeitig zeigt er ein Bild vom Gefälle zwischen den einfachen Leuten und dem Klerus, der trotz anders lautenden Gelübden durchaus in der Fülle lebt. Die Balance hält Garrido auch, was die einzelnen Charaktere betrifft. Er verzichtet auf eine klassische Schwarz-Weiß-Malerei und lässt seine Protagonisten da und dort auch leichtsinnig, egoistisch oder unbesonnen handeln. Gleichzeitig erzählt er schnörkellos vom Gesellschaftsbild jener Zeit, das weder verklärt noch verteufelt wird.

Spannung bis zum Schluss

„;Das Pergament des Himmels“ ist ein solide geschriebener Roman, der auch jene Leserschaft anzusprechen vermag, die weiblichen Heldinnen in historischen Romanen misstraut. Das Buch kommt mit einer leicht lesbaren Sprache daher, lebt von eingängigen Schilderungen und gut nachvollziehbaren Handlungen. Die Spannung wird durch immer wieder ungeahnte Wendungen bis zum Schluss aufrecht erhalten und es gibt kaum einmal Längen. Alles in allem ein schönes Leseerlebnis und eine anregende Lektüre.

Ihre Meinung zu »Antonio Garrido: Das Pergament des Himmels«

Silke zu »Antonio Garrido: Das Pergament des Himmels«25.11.2010
Richtig fesseln konnte mich dieser Roman nicht. Obwohl die Protagonisten und die Schauplätze sehr gut beschrieben und vorzustellen waren bekam ich keine Beziehung zu ihnen. Egal ob Theresa auf der Flucht war oder mit der Liebe haderte berührte mich dieses nicht. Genauso erging es mir mit den anderen Personen aus diesem Roman. Einzig Izam von Padua empfand ich mit mehr Tiefgang.

Der Schreibstil war leicht und flüssig zu lesen. Auch das es keine "Superhelden" gab war sehr erfreulich und doch werde ich diesen Roman nicht zu meinen Favoriten hinzufügen.
M. Hinz zu »Antonio Garrido: Das Pergament des Himmels«17.06.2010
Egal ob der Autor gesellschaftliche Probleme dieser Zeit beschreibt oder kriminalistische Elemente einbaut, alles scheint mir völlig unausgegart. Der Leser erhält in den ersten 400 Seiten überhaupt keine Idee worum es denn nun wirklich gehen soll. Wenn dies jedoch vom Autor so gewünscht war, müsste er unbedingt einen besseren Spannungsbogen aufbauen.

Auch Zwischenmenschliche Schicksale, Liebe, Kummer, Streit usw werden nur oberflächlich beschrieben haben mich aber nicht berührt.
Henriette zu »Antonio Garrido: Das Pergament des Himmels«04.11.2009
In diesem historischen Roman wird Theresa auf ihrer Flucht begleitet. Sie soll während ihrer Prüfung zur Pergamentergesellin einen Brand in der Werkstatt in Würzburg verursacht haben, bei dem Menschen gestorben sind. Theresa lernt dann in Fulda Menschen kennen, die ihr aus verschiedensten Gründen helfen. Selbst die Liebe kommt nicht zu kurz.
Ich muss gestehen, dass mir das Buch schon gefallen hat. Es hatte einen leicht verständlichen Schreibstil. Allerdings hat mir das gewisse Etwas gefehlt, aber ich kann noch nicht mal in Worte fassen, was mir gefehlt hat. Ich konnte mir die Personen und Schauplätze gut vorstellen, war auch mit meiner Fantasie im Buch. Die Geschichte war schon spannend, trotzdem fehlte der Höhepunkt im Spannungsbogen.

Was ich völlig in Ordnung finde, ist, dass der Autor sich ein Maß an künstlerische Freiheit herausnimmt. Er beschreibt in seinem Nachwort, was er verändert hat.
Oxyartes zu »Antonio Garrido: Das Pergament des Himmels«08.10.2009
Zur Zeit bin ich auf Seite 274 - und es ist sehr spannend.

Aber; ein wenig mehr historische Genauigkeit wünscht sich der geneigte Leser dennoch:

Ist es schon ungewöhnlich, in den Städten Würzburg und Erfurt von Namen wie Larsson und Peterssen zu lesen, so bin ich als historischer Laie über zwei Stellen gestolpert.

Auf Seite 212 wird über den Bischofssitz zu Fulda gesagt "dass der Bischof zu Fulda ein altes römisches Domus zu seinem Sitz ausekoren hatte", obwohl Fulda niemals römisch war!

Auf Seite 269 wird eine Getreidelieferung in die Grafschaft Magdeburg erwähnt - und das im Jahre 796! Mir war Magdeburg immer als Gründung Ottos des Großen (Regierung 936-973) in Erinnerung, musste mich jedoch lt. Brockhaus belehren lassen, dass die erste urkundliche Erwähnung im Jahre 805 erfolgte. Dennoch bleibt es sehr unglaubwürdig, eine Grafschaft Magdeburg hat es zu Karls Zeiten wohl nicht gegeben!

Mal sehen, was der Spanier Garrido noch für Überraschungen bereit hält, mit denen er uns karolingische Geschichte in Mitteleuropa nahebringen will ...
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