Der eiserne Sommer von Angelika Felenda

Buchvorstellungund Rezension

Der eiserne Sommer von Angelika Felenda

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „Der eiserne Sommer“,, 435 Seiten.ISBN 3518465422.

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Kurzgefasst:

Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern die das ganze Land in den Untergang stürzen könnte.

Das meint Histo-Couch.de: "Das Militär ist unantastbar. Lesenswerter Debütroman über 191485Treffer

Rezension von Jörg Kijanski

Sommer 1914. Sebastian Reitmeyer, Kommissär bei der Münchener Kriminalpolizei, ermittelt in einem Todesfall, bei dem offenbar ein Mann besoffen eine Treppe am Ufer der Isar hinunter stürzte. Dies belegt die Obduktion des Gerichtsmediziners, doch die junge Ärztin Caroline, die aufgrund des Personalmangels in der Gerichtsmedizin aushilft, erkennt, dass es sich um einen Mord handelte. Reitmeyer ist fest entschlossen, den vertrackten Fall zu lösen, dessen Spur in das zwielichtige Café Neptun führt, wo sich überwiegend Offiziere vergnügen. So findet Reitmeyer nach einem weiteren ominösen Mordfall heraus, dass offenbar einige wichtige Offiziere etwas zu unvorsichtig ihren homosexuellen Neigungen nachgingen.

"Sie lesen doch auch Zeitung und wissen über die Weltlage Bescheid. Das ungeheuerliche Attentat von Sarajewo. Was geschieht jetzt auf dem Balkan Was tut Russland? Und die Franzosen haben die Wehrpflicht auf drei Jahre verlängert. Ganz Europa rüstet auf. Da können wir doch unser Militär  nicht schwächen wegen so einer Lappalie, wegen so einem verkommenen&

Einige Hinweise führen sogar zum königlichen Leibregiment und in Carolines Familie, mit der Reitmeyer seit seiner späten Jugend verbunden ist.  Reitmeyer hat gleich mehrere Schwierigkeiten bei seinen Fällen. Einerseits darf er aufgrund der Gesetzeslage gegen das Militär nicht ermitteln, andererseits scheint das wichtigste Anliegen seines Präsidenten zu sein, möglichst viel zu vertuschen. Das Attentat von Sarajewo ist noch zu frisch und niemand vermag in der aufgeladenen Stimmung zu erahnen, wie Österreich-Ungarn sich gegenüber Serbien verhalten wird&

2014 kommt dieser Roman gerade recht

Dass es hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges etliche Romane geben würde, die genau dieses Thema aufgreifen (also den Krieg beziehungsweise dessen Vorgeschichte), durfte vermutet werden. Bereits vor zwei Jahren erschien das grandiose Verdammte Deutsche von Gerhard Seyfried und auch das in diesem Jahr erschienene Ein langer, langer Weg von Sebastian Barry ist vorzüglich. Spielen bei Seyfried die Engländer eine wichtige und bei Barry die Iren sogar die zentrale Rolle, so beschränkt sich Felenda in ihrem  dies soll hier ausdrücklich betont werden  Debütroman ausdrücklich auf Bayern, genauer gesagt auf München.

Hervorragend fängt sie die Stimmung der letzten Tage vor Ausbruch des Krieges ein und selbst das Verhältnis zwischen Polizei und Militär ist außerordentlich prägnant beschrieben. Für Letzteres gilt die Militärgesetzgebung und somit hat Reitmeyer hier gar nichts zu ermitteln, was seinen Fall verständlicherweise ein wenig auf der Stelle stehen lässt. Die Stimmung in der Bevölkerung ist aufgeheizt, der Deutsche Wehrverein fordert lauthals einen Präventivschlag (Weltmacht oder Untergang) und so fordern Innen- und Kriegsministerium unisono, dass vorrangig verschleiert wird, dass in München ein Mörder sein Unwesen treibt, der womöglich in den Kreisen des Militärs, im schlimmsten Fall sogar in unmittelbarer Nähe der Leiber, der königlichen Leibgarde, zu finden ist.

Der Fall hat einige Überraschungen parat und führt Reitmeyer bei seinen Ermittlungen immer wieder zu Carolines Familie, die offenbar in die Fälle verwickelt ist und ebenfalls nicht immer mit offenen Karten spielt. Die Figur des Protagonisten hat einen hohen Sympathiefaktor, nicht zuletzt weil er eine Aversion gegen seine Vorgesetzten hat, für die er vertuschen, verschweigen und Statistiken fälschen soll. Alles für das Vaterland versteht sich, in dem elitäre Militärs vor allem an sich selbst denken. Altes Standesdenken verpflichtet.

"Das Berliner Kriegskabinett! Die sind es doch, die die Ängste der preußischen Junker teilen! Dort fürchtet man sich, Mannschaften einzuziehen, die statt vom Land aus der großstädtischen Arbeiterschaft stammen. Weil sie sozialistisch durchseucht seien und demokratische Tendenzen in die Armee einbrächten. Genauso große Angst hat man vor einer Zunahme bürgerlicher Offiziere. Angeblich hätten diese Leute nicht jene Werte verinnerlicht, die einen Aristokraten schon von Geburt an auszeichneten.

Ein packender Plot, Einblicke in (altes?) militärisches Denken und eine gelungene Stimmungsaufnahme in die Zeiten des Hurra-Patriotismus. Schade nur, dass sich Felenda bezüglich des bayerischen (hier nur grob angedeuteten) Dialektes nicht entscheiden konnte. So wirkt es ein bisschen fad. Robert Hültner zeigt, wie es besser gehen kann.  

Ihre Meinung zu »Angelika Felenda: Der eiserne Sommer«

G.Steinhauser zu »Angelika Felenda: Der eiserne Sommer«14.09.2017
. Felenda : Der eiserne Sommer – Feedback

Ich bin ein begeisterter Krimileser, aber bei “ Der eiserne Sommer “mußte ich mich durch 400 Seiten durchkämpfen. Die Gründe :

Angelika Felenda hat sich den Zeitgeist nur “ angelesen “- und selbst das nur oberflächlich. Mein Großvater ( bei dem ich aufwuchs ) war im 1. WK – der Zeitgeist war meine Kinderstube .

Konkrete Anhaltspunkte :
> der aufmüpfige Polizei-Schüler – gabs damals auch ,aber es war klar :Als “Junger” hast Du erstmals das Maul zu halten und Dir Vertrauen u. Gehör zu verdienen .
> Reitmeyer brüskiert seinen Vorgesetzten Oberinsp. Klotz => das gleiche Thema
> S.416 : “....warum diese Militärs aufgetaucht sind .. “=> spiegelt unsere heutige ( kritische )Einstellung zum Militär wieder. Geschichte schreiben die Sieger : Nach der Tradition in allen Ländern und den ( für Deutschland ) wichtigen , “ guten “ Kriegen von 1813/15 und 1870/71 stand das Militär in hohem gesellschaftlichen Ansehen ! ( .. wie heute noch in Ländern der Sieger des 1.+2. WK )

Der Zeitgeist wurde nicht getroffen, auch viele Abläufe vermitteln eher das Gefühl , in einer modernen Geschichte zu sein :
> Auto fuhr ab “...mit quietschenden Reifen ... “
> S. 162 : “...sein Bewegungsprofil ...” => so hat damals niemand gedacht.
> S.393 : R. telefoniert ständig – von daheim aus usw. => in dem Haus , in dem ich aufwuchs ( 50.ooo – Einwohner-Stadt in Bayern )hatte der erste in den 1950er – Jahren ein Telefon !

Antisemitismus : S.164 Wird als typisch deutsch dargestellt, gab es aber in allen Ländern !

Wenn dann noch Fehler in geschichtlichen Details dazukommen , erlischt mein Interesse an der Handlung :
> S.174 : Das “ Cafe Stefanie “ schreibt man halt mit “f” ...
> Ein Foto vom Leibregiment und dessen Offizieren :
Das Lrgmt. hatte vor 1.WK ca 2900 Mann ( wie passen die auf ein Foto oder :wen erkennt man da noch ? ) und 65 Offiziere ( nicht 6 )

Rat an Angelika F.: Donna Leon lesen – wenig Action , aber da stimmt alles !
Wolfgang Hönig zu »Angelika Felenda: Der eiserne Sommer«28.02.2015
Ich habe den Roman mit Genuss gelesen und mich in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg gut hineindenken können!
Herrlich ihr Stil und für mich als gemischter Wiener(meine Mutter stammte aus Hamburg mein Vater war echter Wiener) war es köstlich den bayerischen Dialekt zu hören und lesen!
Ich hoffe sie werden die Leser so bald als möglich mit einem zweiten Roman mit der herrlichen Figur des Kommissärs Reitmeyer beglücken.
Ich jedenfalls freue mich schon auf diesen Roman.
Ich verabschiede mich mit herzlichsten Grüssen
als ihr neuer Fan(Geb.Jahr 1946)!
Wolfgang
leseratte1310 zu »Angelika Felenda: Der eiserne Sommer«10.11.2014
Im Jahre 1914 feiert München das 100-jährige Bestehen des königlichen Leibregiments.
Der junge Kommissar Sebastian Reitmeyer soll Statistiken für Berlin erstellen. In seinen Ausarbeitungen sollen aber keine Vergehen von Beteiligten des Militärs erscheinen, denn die Klärung dieser Fälle unterliegt nicht der Polizei.
In Sarajewo werden der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie ermordet.
Am Isarufer wird ein Toter entdeckt. Reitmeyer ermittelt. Als sich nach dem Auftauchen von Fotos herausstellt, dass der Fall ins Schwulen-Milieu führt und Beteiligte zum Militär gehören, sind ihm schon bald die Hände gebunden. Gegen das Militär darf er nicht ermitteln und sein Vorgesetzter fordert ihn auf, nicht zu tief zu ermitteln. Reitmeyer aber lässt nicht locker, auch wenn er bei seiner Arbeit behindert wird.
Sebastian Reitmeyer ist ein sympathischer, korrekter und beharrlicher Typ, der seinen Beruf ernst nimmt. Wer der Verdächtige ist, ist ihm dabei egal. Unterstützt wird er von dem Polizeischüler Korbinius Rattler, der ebenfalls sympathisch und sehr engagiert ist. Aber auch die anderen Charaktere sind authentisch dargestellt.
Dieses historische Krimi ist sehr gut zu lesen und vermittelt einem gleichzeitig ein Stück deutscher Geschichte. Auch der damalige Polizeialltag wird sehr gut geschildert.
In die Geschichte eingestreut sind Tagebucheinträge eines Offiziers, dadurch erhält man auch Einblick, wie es damals beim Militär zuging.
Die einzelnen Ereignisse, die anfangs nebeneinander herliefen, fügen sich im Laufe der Geschichte zusammen. Kommissar Zufall kommt hin und wieder dem Kommissar Reitmeyer zu Hilfe. Trotzdem ist es eine spannende Geschichte von Anfang an.
Ich kann dieses Buch empfehlen.
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