Mischling von Affinity Konar

Buchvorstellungund Rezension

Mischling von Affinity Konar

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Mischling“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 368 Seiten.ISBN 978-3-446-25646-0.Übersetzung ins Deutsche von Barbara Schaden.

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Kurzgefasst:

Eine Seele in zwei Körpern – Perle und Stasia sind zwölf und unzertrennlich, als sie 1944 deportiert werden. Doktor Mengele sucht eineiige Zwillinge für seinen „Zoo“. Um zu überleben, flüchten sich die Geschwister in magische Welten, schmeicheln sich sogar beim Arzt ein. Doch eines Tages, kurz vor der Befreiung, verschwindet Perle und ein unheilbarer Riss geht durch Stasia. Zusammen mit Feliks, einem weiteren Opfer Mengeles, reist sie durch die verwüsteten Landschaften Polens auf der Suche nach ihrer Schwester.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein erschreckendes und berührendes Leseerlebnis“96Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Polen, nahe O[wicim, 1944. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Großvater kommen die Schwestern Perle und Stasia im Konzentrationslager Auschwitz an. Dort gibt es in der Regel nur zwei Wege – Lager oder Gaskammer. Doch das Schicksal führt Stasia und Perle in den „Zoo“ – einen Ort, der selbst innerhalb von Auschwitz für besondere Grausamkeit steht. Denn Perle und Stasia sind Zwillinge und damit für Dr. Josef Mengele von besonderem Interesse. Für die Schwestern beginnt ein Martyrium …

Romane über die Zeit des Zweiten Weltkriegs gibt es viele, auch über den Holocaust wurde viel geschrieben. Hierunter gibt es gute Romane, weniger gute, und auch solche, über die man den Mantel des Schweigens legen sollte. Und dann gibt es Romane wie die der jungen Autorin Affinity Konar, die mit Mischling ihr zweites Werk vorlegt. Ein Roman, der von Dingen erzählt, die selbst für jene, die sich eingehend mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, kaum zu ertragen sind. Der aber auch von der tiefen Liebe zwischen Zwillingen erzählt und von unbeugsamem Willen.

Perversion des Arztberufs

Selbst jenen, die sich nur am Rande mit dem Holocaust befasst haben, ist der Name Dr. Mengele ein Begriff. „Todesengel von Auschwitz“ haben sie ihn genannt, den Arzt, der durch unmenschliche und grausame Experimente in Auschwitz traurige Berühmtheit erlangte und den Rest seines Lebens unbehelligt in Südamerika verbrachte. Mengele hatte eine morbide Freude an allem, was außerhalb der Norm lag – Kleinwuchs, Albinismus oder eben Zwillinge oder Mehrlinge.

Inmitten dieses Horts der Grausamkeit lernt der Leser Perle und Stasia kennen, zwei Mädchen, die einander auf engste Weise verbunden sind und trotzdem unterschiedlicher nicht sein könnten. Und so teilen sie, entsprechend ihrer Charaktere, die Verantwortung untereinander: Perle ist zuständig für das Traurige, Stasia für das Lustige. Perle für das Gute, Stasia für das Böse. Es ist der Versuch, an einem Ort des Schreckens zu überleben. Und den Kontrasten zwischen den Schwestern begegnet der Leser immer wieder: Alltag an einem Ort, der eigentlich jeder Routine Schweigen gebietet. Liebe an einem Ort, der nur aus Hass geschaffen wurde. Hoffnung auf das Leben an einer Stätte des Todes.

Erschütternde Szenen mit poetischer Sprache

Wie bei der Thematik nicht zu vermeiden wird der Leser mit entsetzlichen Szenen konfrontiert – die Autorin beschönigt nichts. Das ist manchmal nur schwer – oder gar nicht – zu ertragen. Doch die Beschreibung hat nie etwas Voryeuristisches oder Reißerisches. Obwohl die Geschichte von den Schwestern selbst erzählt wird, vermeidet es die Autorin geschickt, eine ausschließlich negative Geschichte zu erzählen. Denn so bedrückend das Grundszenario ist, so besonders und berührend sind die Szenen der Zweisamkeit zwischen den Schwestern, die herzerwärmenden Charaktere und die fast schon poetische Sprache der Autorin.

Besonders letztere überzeugt auf ganzer Linie und ist nicht zuletzt angesichts der Jugend der Autorin umso höher zu schätzen. Der Balanceakt zwischen Traum, Realität, Schrecken und Schönheit gerät nie zum Ritt auf der Rasierklinge, sondern macht dieses Buch nicht nur zu einer beeindruckenden, trotz ihrer Thematik zutiefst lebensbejahenden Geschichte, sondern auch zu einem literarischen Kleinod, das hoffentlich noch viele Leser finden und berühren wird. Ein Roman, der zu den Besten seines Genres zählt und wohl niemanden mehr loslässt, der einmal mit Stasia und Perle das Vergnügen hatte.

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